Kaninchen aus der Zoohandlung?

Woher kommen Zoohandel-Kaninchen?

Die meisten Zoohandlungen beziehen ihre Kaninchen aus unkontrollierten Massenzuchten. Auf Anfrage wird jedoch auf „qualifizierte, erfahrene Züchter“ hingewiesen. Die Tiere leben meist unter katastrophalen Bedingungen und werden in Massen produziert. Als interessierter Halter kann man nicht das Muttertier und dessen Zustand und Rasse (Größe) sehen wenn man ein Jungtier kauft. Ich habe selber schon eine Zucht angeschaut, die für Zooläden züchtet.

Eine Recherche zu den Zuständen in Massenzuchtanlagen für Zoohandlungen

Tipp: Fragen Sie die Mitarbeiter nach der Züchter-Adresse (in dem seltenen Fall, dass sie ausgehändigt wird, lohnt es sich, mal dort vorbeizuschauen)
Beispiele:
Fotos einer Ratten-Zucht für den Zoohandel,
Werbefotos einer Massenzucht für KölleZoo

zoohandelmutterverfilzt (1)mutterzoohandelkaninche (1)Beschlagte Tiere eines Massen-Züchters der an Zoohandlungen lieferte. Links: Hochgradig verfilztes Muttertier nach der Rettung mangels Fellpflege. Rechts: Muttertier unter katastrophalen Verhältnissen.

 

kaninchenzoohandlungzucht>>> Dieser Vermehrer verkaufte jahrelang seine Jungtiere an Berliner Zoohandlungen. Bis der Tierschutz die Tiere befreite und 120 aufeinander
gestapelte Kaninchen auf dem Balkon beschlagnahmte. 

Für ein 30€-Kaninchen gibt kein Zooladen 50€ Tierarztkosten aus!

In der Tierhandlung angekommen werden die Tiere leider so gut wie nie tierärztlich versorgt, denn das würde erhebliche Verluste im Gewinn bedeuten. Kranke Tiere werden oftmals an Laien verkauft oder im Lagerraum gestellt bis sie sterben. Bei Erkrankungen, die nicht sofort zum Tode führen, versuchen die Händler oft, die Tiere dem Tierschutz aufzuhalsen, denn sie können auch nicht jahrelang im Lagerraum stehen. Vor einiger Zeit bekam ich eine Anfrage von Dehner wegen zweier Schnupfen-Kaninchen die im Lagerraum leben.
Tipp: Schauen Sie genau hin und kontrollieren Sie die Tierhandlungen. Wenn Tiere leiden, erstatten Sie Anzeige bei der Polizei oder melden die Zustände beim Veterinäramt.

zoohandelkaninchenzuchtKranke Tiere oder Ladenhüter werden getötet und entsorgt

Manche Zooläden geben unverkäufliche Tiere zurück an den Züchter wenn sie nicht mehr im süßen Alter sind, der sie dann oftmals ertränkt, vergast oder anderweitig entsorgt. Andere Tierläden entledigen sich selber ihrer Tiere.
Was soll man auch mit den Tieren tun wenn sie bissig oder „hässlich“ sind so dass sie keiner möchte? Wer im Zoohandel einkauft möchte ein süßes, gesundes und liebes Tier. Denn der Zoohandel lebt von Spontankäufen „süßer Tiere“.

tierhandlungkaninchen_1Viele Zoohandlungen provozieren Schwangerschaften mangels Geschlechtertrennung

Auch wenn an den Käfigen oft eine Geschlechtertrennung angegeben ist, sitzen sehr oft in einem „Männchen-Gehege“ auch Weibchen. Dies ist auf Nachfrage bei den Verkäufern mir schon sehr oft begegnet. Bei anderen wird von Grunde auf nicht getrennt. Die Folge sind Kaninchen die bereits im Kleinkindalter trächtig werden. Solch frühe Trächtigkeiten bedeuten oftmals Fehlgeburten oder das Muttertier stirbt während oder vor der Geburt. Zudem entstehen Inzucht-Tiere, denn oft deckt der Bruder seine Schwester.

„Oh ist das süß! Das möchte ich haben!“

Die meisten Zooladen-Kaninchen werden spontan beim Einkauf gekauft weil sie so süß sind. Letztens stand in an einem Kaninchengehege in der Zoohandlung. Eine andere Kundin interessierte sich für eines der Kaninchen und meinte zu ihrer Begleitung: „Oh schau mal, wie süß das ist! Das möchte ich haben!“. Daraufhin meinte die Begleiterin „Aber schau mal, 30€ für ein Kaninchen!“. Wäre das Tier ein paar Euro günstiger gewesen, hätte sie es mitgenommen. Das dieses Tier ein Gehege und Einrichtung benötigt, die 100€ schnell übersteigt, das ein zweites Kaninchen notwendig ist und Futter- und Tierarztkosten der beiden Tiere den Kaufpreis schnell um das 10fache übersteigen, das wussten die Frauen noch gar nicht und hätten sie wohl auch nie erfahren. Das Kaninchen hätte ein einsames Leben im kleinen Käfig fristen müssen.

kaninchen-zoohandelWas kann ich dagegen tun?

Kaufen Sie keine gesunden Tiere frei! Für jedes gekaufte Tier rückt ein neues aus den Massenzuchten nach und das Geschäft wird angekurbelt. Selbst wenn Sie alle Kaninchen auf einmal kaufen sitzen am nächsten Tag genauso viele Kainchen an deren Stelle im Zooladen. Wenn sie Tiere sehen, die krank sind, dann kaufen Sie diese frei und bringen Sie sie zum Tierarzt. Dokumentieren Sie durch ein Gutachten des Tierarztes und viele Fotos den Zustand des Tieres, legen sie diese der Zoohandlung vor bzw. fordern Sie die Tierarztkosten für das Tier beim Zoohändler ein, dieser muss für entstandene Schäden aufkommen, wenn das Tier nachweislich trächtig oder krank verkauft wurde (Tierarztkosten, Jungenaufzucht usw.). Nicht wegschauen sondern handeln! Wenn gehäuft kranke Tiere im Zoohandel sitzen, sammeln sie die Gutachten und Fotos und legen Sie diese dem Veterinäramt vor oder erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Sprechen Sie Missstände direkt in der Zoohandlung an („Im Kaninchengehege ist Durchfallkot“ „Die Gehege sehen heute aber sehr dreckig aus“ „Ist das Gehege nicht ziemlich überbesetzt?“). Sprechen Sie auch an wenn Ihnen etwas positiv auffällt. Überzeugen Sie Bekannte davon, Ihr Tier nicht in der Zoohandlung zu erwerben. Kontrollieren Sie die Zoohandlungen im Umkreis bei Ihren Besuch. Der TVT stellt ein Infoblatt zur Verfügung, an das sich auch die meisten Veterinärämter halten. Wenn Sie Missstände beobachten, erstatten Sie bitte Anzeige bei der Polizei oder melden sie diese beim Veterinäramt.
Merkblätter des TVTTierquälerei – was tun?

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Fotos: aktion Tier e.V.
Vielen Dank!

6 Antworten zu “Zoohandel-Kaninchen?”

  1. Ziegen-Jule sagt:

    Hallo, ich möchte hier aber mal hinzufügen, daß Zoohandel nicht gleich Zoohandel und Tierheim nicht gleich Tierheim ist. Ich habe bei uns in Markkleeberg sowie Leipzig u. Umgebung noch nie einen Zoohandel gesehen, bei dem es so aussah/ aussieht wie auf euren hier gezeigten Bildern oder Videos (ich vermute mal eher, die stammen aus dem Ausland- Polen z.B.). Wobei die kleineren Zoohandlungen hier in der Umgebung meistens eher Fische und Kleintiere wie Mäuse/ Ratten führen.
    Wenn ich bei Dehner, Fressnapf oder Zookauf bin schaue ich auch gerne mal bei den Kaninchen, Meerschweinchen, Degus usw. vorbei.
    Die Tiere sind nach Arten und Geschlechtern getrennt und geimpft. Die Gehegen sind sauber, sie haben saubere Wasserquellen und gutes (Frisch)Futter.
    Und ja, die kommen hier wirklich von ordentlichen Züchtern. Ich kenne einen Vereinszüchter, der dieses Jahr aus Altersgründen seine Zwergscheckenzucht auf 4 Tiere reduziert hat. Bis 2015 hat er Tiere an Dehner verkauft, deren „Fehler“ lediglich darin bestanden, daß sie aufgrund von Fehlfarben oder Zeichnungsfehlern nicht ausgestellt werden konnten.
    Und die Preise sind da auch nicht so, daß jeder Depp sich gleich ein Tier mitnimmt.
    Zu den Tierheimen: Wir und auch andere wurden schon mehrmals übel von hiesigen Tierheimen/ Tierschutzstationen betrogen.
    Da wurde der chronisch arthrosekranke Hund mit Schmerzmitteln gedopt und ein bissiger Hund ebenso ruhig gestellt.
    Ein Meerschweinbock wurde direkt nach der Kastration zu 3 Weibchen gesetzt, die bei ihren ahnunglosen Neuhaltern je 5 Junge ausgepackt haben….usw.
    Und dann kommt noch dazu, daß die Tierheim die Leute ja den (Hobby)Züchtern und Zooläden direkt in die Arme treiben.
    Bsp.: Man kann keine Gartenhaltung anbieten? Also bekommt man auch keine Ninchen oder Wutzen.
    Fazit: Es gibt auf beiden Seiten gute/ seriöse Verkäufer genauso wie schwarze Schafe. Ich finde es deshalb ziemlich daneben, die einen ständig in den Himmel zu heben und zu beweihräuchern und die anderen komplett zu verteufeln.

    • Hallo Ziegen-Jule,
      leider haben einige von uns schon mit eigenen Augen sehen müssen, wie Tiere unter schändlichsten Bedingungen gehalten und zum Verkauf angeboten wurden. Einige Zoohandlungen denken mittlerweile um und verkaufen nachhaltig und so gut wie es geht. Leider ist es aber vielerorts immer noch so, auch wenn du es nicht sehen kannst. Ich hatte zum Beispiel mit Tieren vom Tierschutz immer Glück.
      Im Grunde wehren wir uns aber zusätzlich auch dagegen, Tiere wie Wahre zu behandeln und anzubieten ohne dem Kunden die benötigten Informationen mitzugeben. Wir machen diese Seite hier ehrenamtlich, das ist schon ein ziemlicher Kontrast, dass viele Händler mit Fehlinformationen Geld verdienen.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

  2. IchHalt sagt:

    Das zu sehen ist wirklich schlimm ich selbst habe 2 Hasen aus einer Tierhandlung geholt und muss sagen das ich mich nicht informiert habe woher sie stammen.. Die Verkäuferin hat mir damals gesagt das sie von einem Züchter in der nähe sind aber man weiß es ja sicher nicht.
    Nach den Film ist man gefangen zwischen dem Gefühl das muss auf hören und darf nicht unterstützt werden und den Gedanken mann möchte Ihnen aber jetzt danach unbedingt ein schönes Leben ermöglichen wobei man aber dafür weitere Zucht in nicht kompetenten stellen eventuell wieder vorantreibt..
    Ein echt schwieriges und trauriges Thema

  3. Mandy sagt:

    Die Beiträge sind sehr sehr aufschlussreich. Mir tun die Kaninchen aber auch jedesmal so Leid, dass ich sie am liebsten daraus holen möchte. Natürlich ist das keine Lösung. Ich wünsche mir, dass es bald verschärfte Gesetzte gibt, damit das Leid ein Ende hat.

  4. Michelle sagt:

    Hallo,
    eine gute Zusammenfassung von dem, was ich mir immer dachte. Furchtbar. Wie gern man doch alles beenden würde.
    Meinen ersten Hasen habe ich aus einem Pflanzenhandel mit Zooabteilung, ich musste ihn einfach retten. Er hatte ein Geburtsfehler, ein Auge war stark verkleinert. Mittlerweile ist es auch trüb, also ist er blind darauf. Jede Woche war ich in diesem Laden etwas kaufen, und er saß dort über 4 Wochen zusammen mit ganz vielen Meerschweinchen. Schließlich wurde er REDUZIERT. Unfassbar. Er ist zuckersüß, ganz schwarz mit einer hellbraunen Herznase und sonst kerngesund. Mit dem Auge hatte ich bisher nie Probleme (seit 5 Jahren..). Ich habe ihn dann mitgenommen, um ihn ein besseres Leben zu geben!

    • Lou sagt:

      Ja, es ist wircklich schrecklich wie viele Menschen sich Kaninchen anschaffen und nicht wissen wie man sie hält, ernährt etc.
      Ich hatte mein erstes Kaninchen aus der Verwandschaft, weil die Interesse an dem Tier schnell verflogen war und habe Kaninchen jahrelang falsch gehalten. 🙁 Ich bereue dies sehr und wünschte das ich schon früher auf diese Seite gestoßen wär. Im sogenannten ,,Fachhandel“ wird vieles einfach falsch erklärt. 🙁 Die Beiden jetzigen werden natürlich artgerecht gehalten. 🙂

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