kaninchen trockenfutterPellets, Mischfutter und Kaninchenfutter

Im Handel werden alle Arten von „Alleinfuttermitteln“ und Mischfuttern für Kaninchen angeboten. Die Hersteller werben mit Extra-Vitaminen und Nährstoffreichtum auf den bunten Verpackungen.

„…Ungeachtet der irreführenden Werbung kann Trockenfutter wesentlich mehr Probleme verursachen als beseitigen. Die Hersteller machen den Haustierbesitzer das Gegenteil glauben, da buchstäblich Milliarden Verkaufswerte auf dem Spiel stehen. Trockenfutter, fütterungsbereit verpackt, ist speziell für die Bequemlichkeit des Tierbesitzers designed, nicht für das Haustier…”
Dr. med. vet. Dorsie Kovacs

Aus was besteht Trockenfutter?

kaninchenfutter was ist drinnenDie Zusammensetzung der meisten Kaninchenfutter-Mischungen kann auf der Rückseite der Verpackung im Kleingedruckten unter „Zusammensetzung“ nachlesen werden. Einige Futtersorten geben jedoch keine Inhaltsstoffe an, solche Futtersorten sollten generell nicht verwendet werden. Nach geltenden Gesetzen dürfen auch Zutaten im Futter verwendet werden, die nicht angegeben wurden, daher bietet auch eine Deklaraion keine Sicherheit.
Aber auch die Zusammensetzung von Futter mit Deklaration sind nicht immer klar. Meist sind nur Futtergruppen angegeben, welche aus sehr verschiedenen Dingen bestehen können.

werbelüge

  • „Pflanzliche Nebenerzeugnisse“ können alle pflanzlichen Dinge sein, die in der Industrie als Abfälle anfallen. Eine Zeit lang konnte sogar „Geflügelkot“ als (tierisches) „Nebenerzeugnis“ zugemischt werden, das ist aber mittlerweile verboten.
  • Auch der Inhaltsstoff „Getreide“ sagt uns nicht, was es für ein Getreide ist (Mais, Roggen, Dinkel, Weizen, Hafer…?) und in welcher Form es enthalten ist. Gleiches gilt für „Saaten“ als Zutat.
  • „Eierzeugnisse“ sind Abfälle, die bei der Eier-Verarbeitung anfallen und genauso ungesund wie „Milch und Milcherzeugnisse“. Beides gehört nicht zum natürlichen Nahrungsspektrum und ist gesundheitsschädlich.
  • Hinter der Angabe „Gemüse“ verstecken sich sämtliche Gemüse (auch verarbeitet) und Hülsenfrüchte. „Früchte“ sind alle Obstsorten, auch in verarbeiteter Form.
  • Im Begriff „Zucker“ sind alle Zuckerarten zusammengefasst, „Öle und Fette“ können pflanzliche und tierische Öle/Fette aller Art sein.

trockenfutter kaninchen meerschweinchenHauptbestandteil der meisten Mischfutter sind billige Füllstoffe, also einer möglichst kostengünstigen Masse, die meist aus industriellen Abfällen (deklariert als „pflanzliche Nebenerzeugnisse“, „tierischen Nebenerzeugnissen“, Trester, Getreidekleie, Kleber usw.) oder auf dem Weltmarkt günstigen Komponenten (z.B. Getreide) zusammengestellt wird.

Da bei den Füllstoffen nicht auf den ernährungsphysiologischen Wert und die Eignung für Kaninchen, sondern nur auf den Preis (möglichst günstig) geachtet wird, ist diese Zusammensetzung völlig falsch ausgewählt. Kaninchen sind Folivore (Blattspitzen- und Kräuterfresser) und brauchen daher eine kräuterreiche, frische Nahrung. Die Zusammensetzung der Mischfutter erfüllt diesen Anspruch nicht. Zudem werden die Zutaten nicht nach ihrem natürlichen Wert (z.B. Vitamin- und Mineraliengehalt) ausgewählt, so dass sie nachher ein ungünstiges Nährstoffverhältnis aufweisen, das durch künstliche Vitamin- und Mineralien-Zusätze aufgewertet werden soll.

Mischfuttermittel sind allgemein zu energiereich für die meisten Kaninchen, was bei normalen Kaninchen mit Erhaltungsbedarf (Tiere, die keine besonderen Leistungen erbringen, nicht in Winteraußenhaltung leben usw.) zu Übergewicht, Verfettungen der inneren Organe (plötzlicher Tod, eine der häufigsten Todesgründe bei Kaninchen) und Trägheit führt.

Der hohe Stärke- und Zuckergehalt dieser unnatürlichen Nahrung führt zu einer Überwucherung der Darmflora mit Hefen.

Die Futtermittel-Industrie versucht mit Mischfuttermitteln, dem Verbraucher billige Inhaltsstoffe teuer zu verkaufen.

Beschaffenheit & Struktur sind bedeutend

Die Zutaten des Futters werden weiterverarbeitet, indem sie erst einmal gemahlen werden. Die Bestandteile verlieren bei der Mahlung ihre gesamte Struktur.

Nur strukturiertes Futter führt zu einem ausreichenden Zahnabrieb, da es lange gekaut werden muss. Ist das Futter schon zerkleinert, schluckt das Kaninchen nach wenigen Kaubewegungen bereits ab und der Zahnabrieb bleibt auf der Strecke. Des Weiteren werden durch die unnatürliche Kaubewegung (zerquetschen der Pellets und Extrudate statt gleichmäßigen Mahlbewegungen) Kieferabszesse begünstigt.

Durch die Mahlung sind die einzelnen Partikel meist kleiner als 0,3 mm, dadurch werden (wie Studien ergeben haben) Verdauungsprobleme provoziert. Kaninchen brauchen eine gewisse Struktur im Futter.

Durch den starken Mahlgrad und die Bearbeitung (Erhitzung) des Breies wird dieser quellfähig. Natürliches Futter quellt bei Kontakt mit Flüssigkeit im Magen (Magensäure, Wasser…) nicht auf, Trockenfutter nimmt extrem an Volumen zu, es erreicht das bis zu 5-fache Volumen! Die empfindlichen und sehr dünnen Magenwände werden dadurch radikal überstrapaziert, das ist für das Kaninchen sehr schmerzhaft.

Nach dem Zerkleinern der Bestandteile werden diese gemischt, erhitzt und durch Matrize oder andere formende Maschinen befördert. Durch die Erhitzung werden Vitamine und andere Bestandteile zerstört, zurück bleibt ein geformter Brei aus Abfallstoffen ohne ernährungsphysiologischen Wert.

quellversuch kaninchenfutter

 

Quellversuch mit Kaninchenpellets
> sie erreichen locker die 5-fache Größe und saugen große Mengen Flüssigkeit.
Weitere Trockenfutter im Quellversuch

trockenfutter quellversuchtrockenfutter quellversuch 2

Was wird dem Futter an Zusatzstoffen zugesetzt?

Die meisten Zusatzstoffe müssen in Deutschland auf der Verpackung nicht angegeben werden.

„Bei Tierfutter im EU-Raum müssen Zutaten wie verwendete appetitanregende Stoffe, Emulgatoren, Säureregulatoren, Stabilisatoren, Verdickungsmittel etc. jedoch nicht extra deklariert werden. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher nun auch für Tiernahrung eine Kennzeichnungspflicht. „Es muss bei Tiernahrung um Ausgewogenheit gehen und nicht um Überfütterung“ sagte Roman Kolar vom Deutschen Tierschutzbund…“

Quelle: http://dgk.de

Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe

Um den sehr stark erhitzten (und somit vitaminarmen) Brei wieder als Futter einzusetzen, werden vor der Pressung einige überlebenswichtige Stoffe zugefügt.

Synthetische Vitamine und Provitamine werden hinzu gegeben (Revitaminierung), allerdings sind diese künstlichen Stoffe nicht gleichwertig mit den natürlichen Stoffen und in fast jedem Futter extrem überdosiert, dies führt oft zu Organschäden.

„Wenn Vitamine aus der Fabrik besser wären als ihre Geschwister, die in der Pflanzenzelle heranreifen, dann würde die Natur Tabletten auf Bäumen und Sträuchern wachsen lassen.“
Prof. Dr.Dr. Linus Pauling 

Um das unausgewogene Aminosäurenmuster in den Abfällen aufzuwerten, werden Aminosäuren zugesetzt.

ungesund gesund futterIn den gängigen Futtermitteln der Kaninchenernährung in deutschen Haushalten herrscht ein Überschuss an Mineralien. Trotzdem werden einigen Mischfuttern noch zusätzlich Mineralstoffe und Spurenelemente zugegeben. Ein Überschuss führt zu Blasen- und Nierenkrankheiten (Blasensteine, Nierensteine, Ablagerungen, Nierenversagen, Harngrieß, Blasenschlamm…).

Teilweise werden Probiotika zugesetzt, um die Darmgesundheit, welche durch das unnatürliche Futter negativ beeinflusst wird, aufrecht zu erhalten.

Um Futterbestandteile im Verdauungstrakt zu verdauen, welche die natürliche Darmflora nicht verdauen könnte, werden vielen Trockenfuttern Enzyme beigemengt.

Zusatzstoffe für das menschliche Auge

verdauungFarbstoffe färben die Extrudate und Pellets in ansprechende Farben um, denn der Industriebrei, der vorwiegend aus Abfällen besteht, sieht ohne Farbstoffe unappetitlich braun aus. Grün gefärbte Bestandteile sollen Kräuter imitieren, gelb eingefärbte Zutaten stehen für Getreide und rote für Früchte. Der Trick scheint auch zu klappen, denn immer noch denken sehr viele Halter, dass die Pellets im Mischfutter aus Kräutern oder Heu bestehen.

Damit die einzelnen Bestandteile nicht verklumpen, werden Trennmittel eingesetzt.

Antioxidantien, Verpackungsgase und Konservierungsstoffe setzen Futtermittel-Produzenten ein, um das Futter länger haltbar zu machen.

Um einzelne, nicht vermischbare Futterbestandteile (z.B. Öle mit Wasser) zu verbinden, werden Emulgatoren verwendet.

Zusatzstoffe für den Geschmack

buntfutterKünstliche Aromen werden dem Kaninchenfutter zugesetzt, um den Appetit zu fördern, also eine künstlich erhöhte Nahrungsaufnahme zu erzielen, was fast zwangsläufig zu Übergewicht führt. Dieses ist bei Masttieren erwünscht, bei Haustieren bleibt es aber ein unerwünschter Nebeneffekt.

Künstliche Geschmacksstoffe gibt die Industrie ins Futter, weil die meisten Tierhalter das Futter kaufen, das die Tiere am liebsten und an meisten fressen. Tierhalter lieben es, wenn sich die Tiere auf das Futter stürzen. Zahlreiche Studien haben ergeben, dass Aromen den Appetit beträchtlich erhöhen und somit zu einer besseren Akzeptanz bei den Tieren führen. Die meisten Kaninchen fressen das Futter (welches aus minderwertigen Bestandteilen zusammengesetzt wird) nur, weil die künstlichen Aromen ihr Selektionsvermögen beeinflussen. Künstliche Aromen und Geschmacksverstärker machen die Kaninchen süchtig.

Sind Zusatzstoffe schädlich?

Bei einigen Zusatzstoffen hat man festgestellt, dass sie Mitauslöser für vielfältige Krankheiten sind wie etwa Allergien, Asthma, Krebs…

Folge-Erkrankungen der Trockenfutter-Fütterung

harnsteinDie Liste von Folgeerkrankungen, die durch Trockenfutterernährung begünstigt und ausgelöst werden, ist lang. Im Wesentlichen gehen sie aus den obigen Texten hervor.
Die künstlich dem Futter zugesetzten, überdosierten, fettlöslichen Vitamine können vor allem Organschäden auslösen. Auch der Energiegehalt dieser Futtermittel ist sehr hoch, so dass es zu Übergewicht, Organschäden (damit tränende augen kaninchen zahnerkrankungeinhergehend oft Abmagerung), Zahnerkrankungen und Verhaltensstörungen kommen kann. Auch Backenzahnabszesse können begünstigt werden. Zudem sind die Zutaten gemahlen und wieder zusammen gebacken oder gepresst, so dass keine langen Fasern mehr enthalten sind, die jedes Kaninchen für eine gesunde Verdauung benötigt. Die Folge einer solchen Fehlernährung mit Trockenfutter sind vielfältige Erkrankungen wie z.B. zu wenig Zahnabrieb (mangels Struktur und weil es schnell satt macht, muss nur wenig gekaut werden – oft sind tränende Augen die ersten Anzeichen), Steine oder Gries in der Blase oder anderen ableitenden Harnorganen (durch den geringen Wassergehalt des Futters) und Magen-Darm-Störungen (Durchfall, Blähungen, Verstopfung, Frischfutter-Unverträglichkeiten, Haarballen…).

Nachdem schon viele Jahre unter Tierärzten bekannt war, dass Kaninchenfutter aus dem Handel gesundheitliche Probleme verursacht, wurde in Schottland an der University of Edinburgh in einer 2-jährigen Studie wissenschaftlich untersucht, welche Folgen die Fütterung von Kaninchenmüsli hat… Die Ergebnisse wurden vor Kurzen veröffentlicht. Das Ergebnis ist im rechten Plakat ersichtlich.

trockenfutterfolgen

Einige Hersteller und Zoohandel-Ketten haben daraufhin beschlossen, Mischfutter für Kaninchen vollständig aus dem Programm zu nehmen.

Schwarze Zahnspitzen
Vorher (Fütterung mit getreidefreien Trockenfutter) – Nachher (trockenfutterfreie Fütterung)
Die Grafik zeigt eine typische Zusammensetzung als Beispiel für vitaminisiertes Strukturfutter.

schwarze zahnspitzen trockenfutterfrei

Vitaminisiertes Strukturfutter – ist ein solches Futter sinnvoll?

strukturfutterVorteile:

  1. Es enthält strukturierte Komponenten und keine Extrudate, Pellets oder andere vermahlene Zutaten, wie viele andere Futtersorten. Deshalb ist die Zusammensetzung auch etwas hochwertiger als bei anderen Kaninchenfutter und es hat nicht die Nachteile, die viele andere Trockenfutter haben.
  2. Als Energiefutter für die Außenhaltung (Winter, große Rassen) geeignet
  3. Die zugesetzten synthetischen Vitamine verhindern Mangelerkrankungen falls die Vitaminversorgung durch die sonstige Fütterung/Haltung nicht abgedeckt ist.
  4. Günstiger Preis und einfache Handhabung.

Nachteile:

  1. Das Futter besteht zu etwa 50% aus Getreide und anderen energiereichen Komponenten (z.B. Johannesbrot) und ist daher ein Energiefutter, das für die Innenhaltung kleiner Rassen beispielsweise nicht geeignet ist (und dann auch zu Zahnspitzen usw. führen kann).
  2. Der Kräuteranteil besteht aus nur zwei Kräutern und hauptsächlich aus entblätterter Luzerne, die Kräuterauswahl ist daher nicht sehr vielfältig.
  3. Die synthetisch zugesetzten Vitamine können sich negativ auf die Gesundheit auswirken (v.a. Organschäden) und haben nicht die selbe Funktion wie natürliche Vitamine, ein vollwertiger Ersatz für natürliche Vitamine und Pflanzenstoffe sind sie daher nicht. Dies setzt eine ausgewogene Grundernährung voraus, mit welcher dann jedoch auch die Vitaminversorgung abgedeckt wird, was die Vitaminzusätze wiederum unnötig macht.

Fazit:
Als Alleinfutter (wie auf der Verpackung angegeben), ist das Futter keinesfalls geeignet. Ebenso ersetzt es niemals eine gesunde, ausgewogene Ernährung, die das Kaninchen nicht nur mit Vitaminen und Mineralien, sondern auch mit Pflanzenstoffen versorgt. In kleinen Mengen als Energie- und Ergänzungsfutter ist ein solches Strukturfutter jedoch anders zu bewerten, da dann der Getreideanteil und andere Zutaten, bezogen auf die gesamte Ernährung, geringer ist.
Eine Ernährung, die arm an Vitamin A oder Vitamin E ist, bzw. eine Haltung, die dem Kaninchen kein direktes Sonnenlicht oder Zugang zu einer UV-B Lampe ermöglicht (zur Vitamin D Synthese), kann so zumindest zu einem kleinen Teil verbessert werden, auch wenn dem Kaninchen dann noch viele andere Stoffe fehlen.
Bei einer ausgewogenen, bedarfsdeckenden Ernährung ist ein solches Futter jedoch überflüssig und die enthaltenen synthetischen Vitamine kritisch zu beurteilen, da sie der Gesundheit schaden können.

Der Mythos vom gesunden „Getreidefreien Trockenfutter“

pelletsImmer noch hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Getreide die Ursache der vielen Erkrankungen ist, die durch Trockenfutter ausgelöst werden können. Getreide ansich ist zunächst erst einmal ein recht natürliches Futtermittel. Wildkaninchen nehmen im Sommer, Herbst und zum Winteranfang etwas Getreide auf, indem sie die Getreideähren fressen. In dieser Form ist Getreide sehr gut verträglich und als Energiefutter oder Ergänzung der Ernährung gut zur Fütterung geeigent. In folgenden Fällen ist Getreide tatsächlich unverträglich oder schädlich:

  • Wenn Weizen oder Roggen verfüttert wird. Die Sorten werden schwer vertragen, lieber auf anderes Getreide ausweichen.
  • Wenn Getreide zum Hauptfutter wird. Getreide sollte grundsätzlich lediglich eine kleine Ergänzung sein!
  • Wenn das Getreide falsch angeboten wird (Körner). Es muss grundsätzlich mit Spelz verfüttert werden (Getreideähren oder Körner mit Spelz!)
  • Wenn es stark verarbeitet ist (für Trockenfutter gemahlen, gepresst etc.) und somit die wichtige Struktur fehlt.
  • Wenn in Innenhaltung (oder bei anderen Kaninchen mit geringen Energiebedarf) regelmäßig Getreide angeboten wird.

Beispielsweise kann man saisonal (Herbst) Getreide in Ähren den Kaninchen anbieten, sofern sie als Hauptnahrung Wiesenkräuter, Blattgemüse, Kräuter und andere artgerechte Futtermittel bekommen: Saaten- und Getreidefütterung
Die meisten handelsüblichen Trockenfutter, die mit der Aufschrift „ohne Getreidekörner“ werben (z.B. Bunny Kaninchenfutter (Grüner Traum etc.), Vitakraft Emotion Sensitive, QP3 Kaninchenfutter, Mucki Aktiv & Fit etc.), möchten Halter ansprechen, die getreidefrei füttern, da sie Getreide für ungesund halten. Diese Futtersorten enthalten jedoch fast alle Getreide-Bestandteile wie zum Beispiel Getreidekleie. Selbst die meisten Tierärzte predigen die Schädlichkeit von Getreide und vertreiben gleichzeitig dieses recht teure, getreidehaltige Futter. Das Getreide ist im Trockenfutter meist eher eines der kleineren Probleme. Große Probleme entstehen allgemein durch die Zusammensetzung, die Struktur/Verarbeitung und die Zusatzstoffe (siehe oben). Der einzige Vorteil, den manche, aber bei weitem nicht alle getreidefreien Trockenfuttersorten haben, ist ein etwas geringerer Energiegehalt.

Welches Trockenfutter kann ich meinem Kaninchen bedenkenlos füttern?

Es gibt einige Trockenfutter, die als Energiefutter oder Nahrungsergänzung wertvoll sind. Hier finden Sie eine Übersicht: Gesundes Trockenfutter

Zitate zum Thema

„Übergewicht ist ein großes und weit verbreitetes Problem unserer Hauskaninchen. Die Ursache dafür ist, dass sie häufig zu viel vom falschen Futter erhalten und zu wenig Bewegung haben. Handelsübliche Pellets und bunte Mischfutter sind rohfaserarm und haben einen zu hohen Energiegehalt und Nährwert. Die Körner werden nicht abgebissen und mit den Backenzähnen nur zerquetscht, sodass sich die ständig nachwachsenden Zähne durch fehlende Mahlbewegungen ungenügend abreiben. Überlange Zähne, die Zunge oder Backenschleimhaut verletzen, sind die Folge. Buntfutter führt außerdem zu einseitiger Ernährung, weil die „leckeren“, zucker- und stärkehaltigen Anteile bevorzugt aufgenommen werden und der Rest liegen bleibt. Das stört die Verdauung und führt u. a. zu Vitaminmangel. Auch Snacks wie Milch- und Joghurtdrops sind sehr reichhaltig an all jenen Inhaltsstoffen, die Kaninchen nicht benötigen bzw. verarbeiten können. Falsches Futter hat aber auch Auswirkungen auf das Verhalten der Tiere. Kaninchen, die hauptsächlich Kraftfutter bekommen und entsprechend wenig Zeit für die Nahrungsaufnahme benötigen, neigen zu Verhaltensstörungen und erhöhter Aggressivität.“
Bundesverband Praktizierender Tierärzte e. V. (bpt)

 

„Die permanente Gabe von stärkereichem Futter, besonders Körnerfutter, ist nicht kaninchengerecht. Sie führt früher oder später neben einer Verfettung des Tieres zu chronischem Durchfall. “
Bundesverband Praktizierender Tierärzte e. V. (bpt)

 

 

„I have been practicing small animal medicine for more than 25 years. Every day, I see the casualties of pet industry propaganda. But the professors in the teaching institutions of veterinary medicine generally support an industry that has little regard for the quality of health in our companion animals.“
Dr. med. vet. Belfield
‎Freie Übersetzung: „Seit mehr als 25 Jahren praktiziere ich Kleintiermedizin. Jeden Tag sehe ich die Opfer der Heimtierindustrie-Propaganda. Aber die Professoren in den Lehranstalten der Veterinärmedizin unterstützen in der Regel eine Branche, die wenig Rücksicht auf die Qualität der Gesundheitsvorsorge unserer Haustiere nimmt.“

 

„Nach offizieller Meinung der Fertigfutterindustrie und der meisten Tierärzte beschränkt sich der Bedarf unserer Haustiere auf bestimmte Prozentzahlen an Eiweiß, Fetten, Rohfaser und sounso viel „internationale Einheiten“ an künstlichen Vitaminen und Mineralstoffen. Chemisch im Labor zusammen gemixt ergibt sich somit ein Kunstprodukt der Industrie. Und damit unsere armen Vierbeiner diese tote Pansche auch fressen, werden ordentlich Geschmacksverstärker zugesetzt und mit Konservierungsstoffen versiegelt, damit das ganze nicht verdirbt. Für jedes Lebensalter, für jede Rasse, für jede Disposition gibt es spezielle Varianten – doch sind diese nur minimal unterschiedlich in ihrer Zusammensetzung, vom Prinzip her sind alle gleich.“
Dr. med. vet. Jutta Ziegler

 

„Heutzutage wird für viele Tiere Alleinfutter angeboten. Laut klassischer Definition ist an Alleinfutter folgende Vorgabe gebunden: „Alleinfutter sind Mischfuttermittel, die dazu bestimmt sind, allein den Nahrungsbedarf der Tiere zu decken.“ Bis heute kennt man nicht alle Bestandteile, die ein Lebewesen zum Leben braucht. Man kennt zwar alle Substanzen, die ein Tier zum Überleben benötigt, nicht aber alle Bestandteile und schon gar nicht ihre Menge zur Sicherstellung stoffwechselbedingter Lebensqualität (Gesundheit bzw. Schutz vor Krankheit). Deshalb mußte bzw. muß Alleinfutter seit seiner Erfindung ständig an die aktuellen Erkenntnisse der Wissenschaft angepaßt werden. Das bedeutet, Alleinfutter vor 20 Jahren genügt nicht heutigen Ansprüchen, und heutiges wird sicherlich nicht den Anforderungen im Jahr 2027 genügen. Diese Tatsache führt den Begriff Alleinfutter bereits ad absurdum. Das scheint aber weder die Futtermittelindustrie zu stören […] Da man selbst im menschlichen Bereich laut der mit Richtlinienkompetenz versehenen Deutschen Gesellschaft für Ernährung den Bedarf nicht für alle Vitamine und Mineralstoffe kennt, ist es grotesk, bei Tierfuttermitteln mit Alleinfutteranspruch so zu tun, als ob man diesen Bedarf bei den weniger untersuchten Tieren kennen würde.“

Lüttwitz M. v.; Schulz H.: „LÜGEN, LÜGEN, LÜGEN. Alleinfutterlüge, Vitaminlüge, Darmlüge“, Geflügel-Börse 5/2007

 

„In Zoofachgeschäften, Supermärkten und Drogerien werden sogenannte „Snacks“ für Kaninchen und Meerschweinchen angeboten, die bunt und appetitlich aufgemacht und in farbenfrohen Verpackungen konfektioniert sind. Damit wird dem interessierten Kunden suggeriert, daß er seinem Heimtier etwas Besonderes und auch etwas besonders Gesundes zukommen lassen kann. Tatsächlich ist jedoch zu hinterfragen, inwieweit es sich bei diesen Snacks um der Gesundheit dieser Tierarten zuträgliche Futtermittel handelt. Bei genauerer Betrachtung der Inhaltsstoffe bestehen diese Snacks zu einem großen Teil aus Komponenten, die weder zum natürlichen noch artgerechten Futtermittelspektrum dieser Tierarten zählen und die bei langfristiger Gabe eine die Darmfunktion sehr negativ beeinträchtigende Wirkung ausüben können.
Durchfallprobleme sowie andere Gastrointestinalstörungen bei Kaninchen und Nagetieren aus der Heimtierhaltung sind Symptomenkomplexe, die in der Kleintiersprechstunde häufig angesprochen werden. Es empfiehlt sich, in erster Linie zunächst das Fütterungsregime zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren. Bei der Nachfrage an den Tierhalter fällt immer wieder auf, dass gerade Kinder allzu gerne Snacks – wie sie sie selber lieben – auch an Ihre Lieblinge weitergeben möchten. Um dieses Bedürfnis zu befriedigen, hat die Futtermittelindustrie eine breite Palette solcher „Snacks“ für Kaninchen und Nagetiere entwickelt und auf den Markt gebracht. Unter Berücksichtigung anatomischer und ernährungsphysiologischer Aspekte sind derartige „Leckereien“ für Kaninchen und Nagetiere als nicht artgerechte Futtermittel zu bewerten.“
Dr. med vet Birgit Drescher

Linktipp: Chinchillafutter unter der Lupe (diese sind nahezu identisch mit Kaninchenpellets)
Quellen:

Arbeitsgemeinschaft für Wirkstoffe in der Tierernährung e.V. (Hrsg.): Aminosäuren in der Tierernährung. Bonn: Agrimedia GmbH, 1998

Arbeitsgemeinschaft für Wirkstoffe in der Tierernährung e.V. (Hrsg.): Enzyme in der Tierernährung. Bonn: Agrimedia GmbH, 2004

Arbeitsgemeinschaft für Wirkstoffe in der Tierernährung e.V. (Hrsg.): Probiotika in der Tierernährung. Bonn: Agrimedia GmbH, 1999

Arbeitsgemeinschaft für Wirkstoffe in der Tierernährung e.V. (Hrsg.): Vitamine in der Tierernährung. Bonn: Agrimedia GmbH, 2001

Bell Flavor & Fragrances; http://www.bellff.com/pet-animal-care.html (Stand: Dez. 09)

„Pet and Animal Flavors

Consumers increasing concernfor the well-being of their animals is expected to expand this already booming industry. […]”

Beuch-Arendt, A.: Ernährung von Kaninchen, Meerschweinchen, Degus und Chinchillas, http://www.futterkonzept.de/nagerernaehrungsvortrag.pdf (Stand 12. Mai 09)

Buchmann, M./Geier, U./Strube, J.: Untersuchung zu Veränderungen der Lebensmittelqualität durch Vitaminierung

Czitrich, O.: Nahrungsergänzungsmittel. Sinnvoll oder gefährlich? Wissenschaftlicher Aufsatz. Books on Demand, 2006

Czitrich, O.: Vorsicht vor Vitaminen. Wissenschaftlicher Aufsatz. Books on Demand, 2005

Ewringmann, A.: Leitsymptome beim Kaninchen. Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Stuttgart: Enke Verlag, 2005

Foodwatch: Lug und Trog. Der foodwatch-Report über billige Futtermittel, die uns teuer zu stehen kommen. foodwatch Futtermittel-Report, April2005

Hand, M. S.: Klinische Diätetik für Kleintiere, Band 1, 2003

Kaeser, P.: Lebensmittelzusatzstoffe: Einteilung, Funktion, Gewinnung, Zusammensetzung (Leitprogramm), 2004

Kamphues, J.: Kaninchen und Meerschweinchen: Häufige Fütterungsfehler und Hinweise zur Diätetik

Kamphues, J./Coenen, M./Kienzle, E./ Pallauf, J./ Simon, O./ Zentek, J.: Supplemente zu Vorlesungen und Übungen in der Tierernährung. 10., überarb. Auflage. M&H Schaper Verlag, 2004

Kariger, A.: Die Entwicklung der Mischfutterindustrie in Deutschland. Stuttgart: Kohlhammer Verlag, 1963

Lackenbauer, W.: Kaninchenfütterung. Artgerecht. naturnah. wirtschaftlich. Reutlingen: Oertler+Spörer Verlag, 2001

Meredith, A. L., Prebble, J. L., & Shaw, D. J. (2015). Impact of diet on incisor growth and attrition and the development of dental disease in pet rabbits. Journal of Small Animal Practice.

Prebble, J. L., & Meredith, A. L. (2014). Food and water intake and selective feeding in rabbits on four feeding regimes. Journal of animal physiology and animal nutrition, 98(5), 991-1000.

Rymon Lipinski, G.-W. von/ Lück, E.: Lebensmittelzusatzstoffe.

Schlolaut, W.: Das große Buch vom Kaninchen. 3. überarb. Auflage. DLG-Verlag GmBH, 2003

Schlolaut, W.: Ernährungsbedinte Krankheitsrisiken beim Hauskaninchen, Kaninchenzeitung 24/2006

Schmidt, E.: Unterschied zwischen natürlichen und synthetischen Vitaminen

Tschudin, A., Clauss, M., Codron, D., Liesegang, A., & Hatt, J. M. (2011). Water intake in domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus) from open dishes and nipple drinkers under different water and feeding regimes. Journal of animal physiology and animal nutrition, 95(4), 499-511.

Wiesenmüller, W./Leibestseder J.: Ernährung monogastischer Nutztiere. Gustav Fischer Verlag Jena, 1993

Wolf, P./Kamphues J.: Kritische Einschätzung kommerzieller Ergänzungspräparate für Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla, 2003

24 Antworten zu “Trockenfutter?”

  1. Hannah sagt:

    Hallo!
    Ich habe mal eine Frage: Kann ich das Agrobs Haferwiese Strukturmüsli neben Frischfutter und Heu als Trockenfutter geben (zusammen mit einer Saatenmischung)? Ich habe zwei Japanerkaninchen, die das Agrobs Alpengrün Müsli leider nicht mehr fressen. Ich frage mich das nur, weil dort einiges Hafer enthalten ist und ob das dann nicht zu viel Getreide ist… oder sollte ich es lieber mit einem anderen Futter mischen? Wenn ja, mit welchem am besten? Und außerdem auch noch: Wie oft darf ich das Agrobs Alpengrün Mash pro Woche füttern? Das wäre nämlich auch noch eine Alternative, die sie gerne fressen 🙂
    Danke schon mal im Voraus für die Antwort!
    Liebe Grüße,
    Hannah

    • Hallo Hannah,
      regelmäßig würde ich bei kleinen bis mittelgroßen Rassen keine Trockenfutterfütterung empfehlen. Wenn du Frischfutter fütterst, sollte das zusammen mit dem Heu genug sein, Kaninchen sind sehr genügsam. Bei beiden Futtermischungen habe ich nur Pferdefutter gefunden, die ja sehr viel mehr Energie brauchen, als Kaninchen. Sie sollten nur 1-2 Mal die Woche ein wenig davon naschen. Besser geeignet wären Erbsen- oder Leinflocken als Leckerlie oder Haferflocken, die man lose geben kann :).
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

  2. Michaela Abrams sagt:

    Hallo!
    Ich habe seit 2 Wochen zwei kleine Kaninchen adoptiert. Allerdings bekamen sie früher „Bunny nature, Kaninchentraum bis zum 6. Lebensmonat“ .
    Da ich meine Kaninchen hauptsächlich vom Frischen ernähren möchte, habe ich vorerst eine Packung von dem Futter gekauft um es ihnen Schritt für Schritt abzugewöhnen.
    Jetzt wollte ich mich jedoch erkundigen, ob es sich um ein „gesundes“ Trockenfutter handelt oder nicht?
    Kann ich das Trockenfutter nach einer bestimmten Zeit ganz weglassen?

    Liebste Grüße!

    • Hallo Michaela,
      die Inhaltsstoffe lassen einblicken, dass es tatsächlich eins der besseren Futtersorten ist. Trockenfutter ist aber trotzdem kein geeignetes Hauptfutter für Kaninchen. Du kannst es also langsam absetzen und das Trockenfutter dann nur noch als Leckerlie geben :). Sie brauchen es nicht und Frisches ist wirklich besser für die Niere, das Verdauungssystem und die Blase.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

  3. Virginia sagt:

    Hallo,
    ich habe neulich Dehner Strohpellets gekauft, die ich zusätzlich als Einstreu verwende. Es klappt auch echt super (ich nutze es für die Klo-Ecke). Aber ich hab schon öfters gesehen, dass meine Kaninchen ab und zu mal ein so ein Teil essen. Sie essen nicht viel, nur ein bisschen davon. Sonst kriegen die immer Frischfutter und Heu (+ Kräuter, Zweige etc.). Ist das schlimm, wenn sie das essen? Auf der Seite steht, dass es zu 100% aus Stroh ist, aber bin mir nicht sicher ob das wirklich optimal ist.
    Produkt: http://www.dehner.de/zoo-kleintiere-heu-streu/Dehner-Strohpellets-Natur-Einstreu-fuer-Nager-und-Kleintiere-2538825/?adword=google/PLA/Zoo/Kleintiere/&gclid=CLKl5-btutICFdQ_GwodzycACA

  4. Patricia Bayer sagt:

    Die Idee war unser )Wellensitichfutter (fetarmevariante mit mehr Grassamen da unsere Vögel auch zu Verfettung neigen) nehnen die haben wir sowiso da und dort eine Kräutermischung zusätzlich reinzumachen..mit dem reduzieren habe ich angefangen .Sie bekomt Jetzt Pastiake Möhren Radiccho und gestern ihren ersten Zweig.

    • Freya Haase sagt:

      Hallo Patricia,
      das kannst du so machen. Füttere das Frischfutter langsam an und schau, wie sie es vertragen. Mit der Zeit kannst du immer mehr Frischfutter und immer weniger Trockenfutter anbieten, bis du das Trockenfutter ganz weglässt.
      Liebe Grüße
      Freya vom Kaninchenwiese-Team

  5. Patricia Bayer sagt:

    Ich habe Kaninchen bekommen die vom Vorbesitzer fürchterliches Fertigfutter bekommen haben kann ich diese sofort durch eine selbst gemachte Mischung eretzen .Diese langsam reduzieren um sie abzusetzen ? Die Tiere sind völlig verfettet .

    • Carola Zarits sagt:

      Hallo Patricia!

      Aus was wird die selbstgemachte Mischung denn bestehen? Du kannst anfangen gut verträgliches Futter wie Karotten anzufüttern und dabei das Fertigfutter immer mehr zu reduzieren. Irgendwann kannst du es dann ganz in die Tonne werfen.

      Liebe Grüße
      Carola vom Kaninchenwiese-Tem

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