Fruchtbarkeit, Zyklus, Eisprung und Empfängnisbereitschaft

Anders als bei Frauen oder Hündinnen, haben Häsinnen keinen festen Rhythmus. Zwar besteht ein gewisser Zyklus, der schlecht erforscht ist, dieser regelt jedoch nicht die Empfängnisbereitschaft. Kaninchen sind nicht nur wenige Tage in jedem Zyklus fruchtbar, denn der Eisprung wird bei ihnen durch äußere Reize wie z.B. dem Aufreiten eines anderen Kaninchens, ausgelöst. Dadurch ist das Kaninchen extrem vermehrungsfreudig und hormonell stark auf die Fortpflanzung fixiert. Ebenfalls stark beeinflusst wird der Zyklus und die Empfängnisbereitschaft durch die Jahreszeiten.

Scheinschwangerschaft, Hitzigkeit und Nestbau
Hitzig oder scheinträchtig?

nestbau-kaninchenBei Kaninchen wird mitunter alles, was zu diesem Thema passt, in einen Topf geworfen. Allerdings handelt es sich hier um grundverschiedene Themen. Da Kaninchen sehr stark für die Fortpflanzung ausgelegt sind, spielen Sexualhormone bei ihnen eine wichtige Rolle. In der Haustierhaltung kommt es nicht selten zu Problemen die damit in Zusammenhang stehen.

Bei einer Hitzigkeit ist das Kaninchen aufnahmebereit und signalisiert dies mit seinem Verhalten den Rammlern.
Die Hitzigkeit ist meist an der gut durchbluteten, rot gefärbten und angeschwollenen Vulva zu erkennen. Desweiteren zeigen hitzige Häsinnen meist auffälliges Verhalten. Sie sind oft unruhig, aggressiv, angespannt und unausgeglichen, markieren ihre Umgebung mit Urinspritzern, Kot und der Kinndrüse, legen sich flach auf den Boden und strecken das Hinterteil nach oben, nerven die Rammler und berammeln Artgenossen und Gegenstände. Oft kann man sie mit aufgestellter Blume, mit den Hinterläufen klopfend und angespannter Körperhaltung beobachten. Teilweise ist auch Nestbau zu verzeichnen. Auch gut verträgliche Kaninchen streiten sich in dieser Zeit, da die Häsinnen sehr gereizt sind. Wie stark die einzelnen Verhaltensweisen ausgeübt werden, ist auch vom Charakter des Tieres und den Hormonen abhängig. Wie lange die Hitze anhält, kann man pauschal nicht sagen, die Dauer variiert sehr stark, meistens hält sie jedoch nur wenige Tage an. Bei Hypersexualität (übersteigerter Sexualtrieb) kann es zur Dauerhitzigkeit kommen, besonders Wohnungskaninchen neigen dazu, da sie keine natürlichen Temperaturschwankungen erleben, die normalerweise gerade im Winter sexuelle Ruhezeiten veranlassen. Die Hitze tritt im Rahmen des Zyklus auf, wird jedoch von zahlreichen Faktoren begünstigt. Kastraten oder Rammler in der Gruppe, Frühlingszeit, Licht, warme Temperaturen, das gegenseitige Berammeln, wenig Bewegung/Auslastung und eine reichhaltige, nährstoffreiche Ernährung signalisieren dem Kaninchen in der Natur, dass Fortpflanzungszeit ist und führen folglich zur Hitze. Bei Gruppenstreitigkeiten und Vergesellschaftungen kommt es auch sehr häufig zu Scheinträchtigkeiten und Hitze. Diese Voraussetzungen beeinflussen jedoch auch Hauskaninchen. Negativ auf die Entstehung einer Hitze wirkt sich der Winter, kalte Temperaturen, wenig Licht, Nahrungsmangel, Einzelhaltung oder reine Weibchengruppen und wenig Rammeleien aus. Aus Studien ist bekannt, dass sich ranghohe Kaninchen deutlich häufiger fortpflanzen als rangniedere, auch die Hitze tritt bei ihnen häufiger auf.

DSC_1716Diese Punkte beeinflussen auch das Entstehen einer Scheinträchtigkeit/ Scheinschwangerschaft, allerdings wird diese meist direkt durch einen erfolglosen Deckakt oder das gegenseitige Berammeln ausgelöst. Anders als bei der Hitze kommt es im Rahmen dieser auch zum Milcheinschuss mit angeschwollenen Gesäuge. Meist wird mühevoll ein Nest in einer Wurfhöhle oder einem versteckten Winkel angelegt und viel Zeit damit verbracht, es auszupolstern und Nistmaterial zu beschaffen. Dafür reist das Kaninchen eigene Haare am Bauch, an der Brust und teilweise auch an den Körperseiten aus und trägt Heu, Stroh und Gräser umher, um sie in das Nest einzubauen. Wie bei der Hitze, kann es in dieser Zeit zu aggressiven Verhalten, Revierverteidigungen, Spannungen in der Gruppe, Unruhe und Gereiztheit kommen.

nestbaukaninchen_1Die Scheinträchtigkeit kann von Laien nicht von einer normalen Trächtigkeit unterschieden werden, bestand jedoch kein Kontakt zu potenten Rammlern, so ist eine Trächtigkeit nicht möglich.

 

Was tun, wenn das Kaninchen scheinträchtig/hitzig ist?

Als Halter bleibt einem bei diesen Verhaltensweisen nichts anderes übrig, als zu warten, bis die Hitze oder Scheinträchtigkeit vorbei ist. Die Hitzigkeit hält meist wenige Tage an, die Scheinträchtigkeit bis zu drei Wochen und verschwindet von alleine wieder. Das Nest sollte erst entfernt werden, wenn es uninteressant geworden ist, ansonsten stresst man die Häsin unnötig und sie reist sich noch mehr Haare aus, um ein neues Nest zu bauen. Sollte es zu einer Hypersexualität mit Dauerhitze oder ständigen Scheinträchtigkeiten kommen, kann man durch die oben genannten Faktoren Einfluss auf ein Abklingen nehmen und ggf. mit dem Tierarzt Rücksprache halten. Ebenfalls bewehrt hat sich Hormeel von Heel längere Zeit anzuwenden, dadurch kommen die Kaninchenweibchen langfristig wieder in ein hormonelles Gleichgewicht. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht. Hormontherapien werden beim Kaninchen aufgrund seines Sexualzyklusses nicht empfohlen und gelten als schädlich. Bei ständiger Hitze und Scheinträchtigkeit kann die Entstehung von Gebärmuttererkrankungen begünstigt werden, deshalb sollten solche Kaninchen daraufhin unersucht und eine Kastration in Erwägung gezogen werden (siehe weiter unten). Mittels Ultraschallgerät lassen sich Gebärmutterveränderungen (Krebs, Zysten etc.) feststellen.

kaninchen-verhütungVerhütungsmethoden

Damit es zu keinem Nachwuchs kommt, werden Kaninchen in Gefangenschaft meist kastriert. Hierbei gibt es verschiedene Verfahren. Kaninchen aus dem Tierheim und von verantwortungsvollen Haltern werden meist bereits kastriert vermittelt.
Auch die Haltung von mehreren Rammlern erfordert dessen Kastration, da sie sich sonst schwer verletzen können. Beim Weibchen sind Kastrationen vor allem aus medizinischen Gründen notwendig.

Die Frühkastration beim Rammler

Wenn ein Kaninchen-Rammler vor der Geschlechtsreife kastriert wird, dann spricht man von einer Frühkastration. Je nach Größe der Kaninchen muss diese mit etwa 11-12 Wochen, spätestens aber mit 16 Wochen (größere Rassen) durchgeführt werden. Beim Kaninchen wird meist der Rammler kastriert um Nachwuchs zu vermeiden, da es bei ihm ein kleinerer Eingriff ist als bei den Weibchen.
Der frühe Eingriff verhindert, dass Sexualhormone produziert werden, dadurch wird das Kaninchen nie ganz „erwachsen“, Erfahrungen zeigen jedoch, dass frühkastrierte Rammler gegenüber geschlechtsreif kastrierten Männchen keine Nachteile in der Gruppe und in der Rangordnung haben und besser sozialisiert sind, da sie nicht getrennt werden müssen, um Nachwuchs zu verhindern. Dies ist der große Vorteil der Frühkastration. Wird ein Rammler kastriert, bevor er geschlechtsreif ist, so kann er direkt zurück in die alte Gruppe und dort weiter aufwachsen. Später kastrierte Rammler sind nach der Kastration noch bis zu vier Wochen zeugungsfähig und müssen diese Zeit separiert werden um Nachwuchs zu vermeiden.

Die Rammler-Kastration nach der Geschlechtsreife

Eine Kastration nach der Geschlechtsreife kann bis ins hohe Alter durchgeführt werden solange das betroffene Kaninchen vital und gesund ist. Da das Geschlechtsverhalten jedoch Einfluss auf die Stellung in der Gruppe und den ganzen Charakter des Kaninchens hat, kann es gerade bei älteren, dominanten Kaninchen, die in einer Gruppe leben, nach der Kastration zu einem Rangordnungsverlust kommen, der ihnen gerade bei Gruppenhaltung oft seelisch stark zusetzt. Kaninchen sind sehr stark dafür ausgelegt, sich fortzupflanzen, deshalb zieht der plötzliche Verlust der betroffenen Hormone oft eine Charakter-Veränderung mit sich. Da in Gefangenschaft jedoch keine natürliche Auslese (durch Fressfeinde und Krankheit) statt findet, bleibt uns nichts anderes übrig, als sie zu kastrieren, denn eine Einzelhaltung oder dauerhafter Nachwuchs wäre nicht tiergerecht.

Kaninchen sind nach der Kastration noch eine Weile zeugungsfähig!
Die Trennung des Rammlers von geschlechtsreifen Weibchen nach der Kastration muss dringend eingehalten werden, da noch ein Rest Spermien im Samenleiter vorhanden ist, der noch abgegeben werden kann. Erst wenn diese Rest-Spermien abgestorben sind, ist das Kaninchen nicht mehr zeugungsfähig. Wie lange die Rest-Spermien noch lebensfähig sind, ist wissenschaftlich nicht erforscht, beim Meerschweinchen gibt es eine Studie, die 7-70 Tage herausgefunden hat, ähnliches gilt wohl auch für Kaninchen. Das würde bedeuten, dass man (um jegliche Restgefahr auszuschließen) 10 Wochen Quarantäne einhalten müsste. In der Praxis hat sich jedoch herausgestellt, dass ein kürzerer Zeitraum ausreicht. Nach 4 Wochen sind nur extrem selten Fälle bekannt geworden, bei denen es noch zu einer Trächtigkeit kam, nach 5 Wochen Trennung kam es bisher zu keiner einzigen Trächtigkeit. Die ersten vier Wochen sind gefährlich.
Einzige Ausnahme: Wurde der Rammler kastriert bevor er geschlechtsreif wurde (Frühkastration), so sind noch keine Spermien im Samenleiter vorhanden, d.h. der Kastrat kann direkt nach der Kastration wieder zu Weibchen gelassen werden.

kaninchen-kastration
Kastration oder Sterilisation?

Oft wird fälschlich angenommen, dass Weibchen sterilisiert, und Männchen kastriert werden. Der Begriff hat jedoch nichts mit dem Geschlecht zu tun. Kaninchen werden grundsätzlich kastriert, egal welchem Geschlecht sie angehören.

Kastration 
Die Kastration macht unfruchtbar und unterbindet die Hormonproduktion (Sexualverhalten, Hormoneinflüsse, Hitze, Urinmarkieren etc.).
Bei einer Kastration werden die Keimdrüsen entfernt (beim Männchen die Hoden, beim Weibchen die Eierstocke). Bei einer erweiterten Kastration (Ovariohysterektomie) zusätzlich auch die Gebärmutter.

Sterilisation
Die Sterilisation macht nur unfruchtbar, die Hormone werden weiter produziert.
Bei einer Sterilisation wird verhindert, dass Samen oder Eizellen weiter transportiert werden indem man Samen- oder Eileiter durchtrennt.

Die Weibchen-Kastration

kaninchenbody wiese operationBei extrem guten Haltungsbedingungen (ab dauerhaft etwa 100 Quadratmetern Platz, auch nachts) ist es möglich, eine kastrierte Weibchengruppe mit einem unkastrierten Rammler zu halten. Bei engeren Haltungsformen müssen grundsätzlich alle Rammler kastriert werden. Weibchen, die durch Freilauf Kontakt zu unkastrierten Rammlern oder Wildkaninchen haben könnten, sollten ebenfalls kastriert werden. Gleiches gilt für medizinisch notwendige Weibchen-Kastrationen auf Grund von Erkrankungen. Über die vorbeugenden Kastration von Kaninchen-Weibchen streiten sich hingegen die Kaninchenliebhaber… 

Pro vorbeugende Weibchen-Kastration

  • Kaninchen neigen zu Gebärmutterkrebs und können auch andere Gebärmuttererkrankungen bekommen (jedoch nicht mit einer Wahrscheinlichkeit von 80%, wie oft dargestellt). Gerade wenn man einen solchen Krebs schon erlebt hat, möchte man ihm gerne vorbeugen.
  • Gebärmuttererkrankungen werden oft zu spät oder gar nicht diagnostiziert, so dass Kaninchen daran unnötig leiden und sterben. Kaum ein Halter macht Gebärmutterkrebs-Vorbeuge-Untersuchungen. Es ist schmerzlich, wenn man als Halter zu spät eine solche Erkrankung feststellt und nicht mehr helfen kann.
  • Bei Entdeckung des Krebses kann er bereits metastasiert sein.
  • Junge Kaninchen vertragen die Kastration meist besser als alte, bereits erkrankte Weibchen. Geschwächte Tiere sind manchmal gar nicht mehr für eine Kastration geeignet.
  • Kaninchen brauchen ihre Gebärmutter in der Liebhaber-Haltung nicht für die Fortpflanzung.
  • Durch die Kastration wird man den Kaninchen gerade in Innenhaltung besser gerecht und es wird lästiges Verhalten unterbunden (Urin-spritzen, Aggressivität…).
  • Manche Halter sprechen sogar davon, dass die Kaninchen durch die Kastration verträglicher mit Artgenossen werden (dies ist jedoch nicht immer der Fall).
  • Im Falle von Gebärmutterkrebs ist die Kastration zwingend nötig und auch nicht umstritten.
  • In Innenhaltung treten Gebärmuttererkrankungen erfahrungsgemäß häufiger auf als in Außenhaltung.
  • Kaninchen, die Kontakt zu anderen (Wild)kaninchen haben könnten, sollten kastriert werden um Nachwuchs zu vermeiden.
  • Die Kastration von Weibchen gehört in Tierkliniken bereits zur Routine, dadurch sinkt das Risiko für Komplikationen.
  • Kaninchen können in Gefangenschaft ihren Sexualtrieb nicht richtig ausleben und leiden dadurch oft unter einem übersteigerten Sexualtrieb.
  • Sehr viele Tierärzte raten auf Grund ihrer Erfahrung zur vorsorglichen Kastration.
  • Ultraschalluntersuchungen und Röntgenaufnahmen können eine Gebärmuttererkrankung nicht zu 100% anzeigen, dadurch kann falsche Sicherheit vermittelt werden.

Contra vorbeugende Weibchen-Kastration

  • Nur weil eine Erkrankung häufig ist, muss man nicht gleich das gesamte Organ vorsorglich entfernen (z.B. die Brust bei Frauen, da Brustkrebs häufig vorkommt oder die Zähne beim Kaninchen, weil Zahnerkrankungen gehäuft auftreten). Viele Gebärmutterveränderungen sind gutartig (Zysten) und nur durch die Masse irgendwann beeinträchtigend.
  • Eine vorsorgliche Kastration verstößt gegen das Tierschutzgesetz, weil kein Grund vorliegt (sie ist selten nötig um Nachwuchs zu verhindern und medizinisch besteht auch kein Grund). Die Gesetzesgrundlage ist § 6 TschG „Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres.“. Die Gebärmutter ist ein Organ, die dabei entnommen wird.
  • Die Weibchen-Kastration ist ein recht großer Eingriff mit langem Bauchschnitt, zudem besteht das Narkoserisiko. Es ist tragisch, wenn ein ein- oder zweijähriges Kaninchen an einer Operation stirbt, die nicht nötig gewesen wäre – vielleicht wäre es nie an Krebs erkrankt und selbst wenn, hätte es davor sicher noch ein paar Jahre länger gelebt.
  • Der Sexualtrieb ist eine recht natürliche Sache, der zum Kaninchen dazu gehört. Mit der Kastration beraubt man es ein Stück weit seiner natürlichen Triebe.
  • Ist es vertretbar, ein Kaninchen zu operieren um es an die menschlichen Bedürfnisse anzupassen (z.B. Verhindern von Urin spritzen)?
  • Die meisten Krebsformen der Gebärmutter entstehen erst im höheren Alter (ab 4-5 Jahren), auch wenn es Ausnahmen gibt.
  • Tierärzte sehen besonders viele erkrankte Kaninchen, da sie die kranken Tiere betreuen. Die gesunden Tiere, die nicht in der Praxis landen, würden das Bild anders aussehen lassen. Zudem haben Tierärzte manchmal ein finanzielles Interesse an diesem Eingriff und sind daher nicht neutral.
  • Vorbeugung ist möglich (Kenntniss über die Anzeichen von Gebärmuttererkrankungen, regelmäßiges Abtasten, Ultraschall/Röntgenbild bei Verdacht). Anzeichen: Aggressivität, Unruhe, Schmerzen beim Abtasten, häufige Scheinschwangerschaften (bis zu 2 oder 3x im Jahr ist ganz normal, ist das Weibchen dauerhaft schweinwanger, ist es hingegen auffällig), Scheidenausfluss, allgemeine Krankheitszeichen wie Mattigkeit, geringe Nahrungsaufnahme, Abmagerung bei einem recht dicken Bauch oder sogar einer Gewichtszunahme.
  • Im Krankheitsfall kann man Kaninchen immer noch kastrieren.
  • Gebärmutterkrebs-Operationen sind bei alten Kaninchen oft nicht nötig, da sie an anderen Erkrankungen sterben, bevor der Krebs sich schmerzhaft oder lebensgefährlich auswirkt.

Wie viele Kaninchen bekommen tatsächlich Gebärmutterkrebs?

Leider werden immer noch Zahlen verbreitet,die von einer wahnsinnig hohen Gebärmutter-Krebsrate unter Hauskaninchen sprechen. Oft ist von 80%die Rede. Solch hohe Werte wurden allerdings in Studien bisher nur festgestellt, wenn die Tiere mit krebserregenden Einflüssen (z.B. Röntgenstrahlen) „bombardiert“ wurden, nur kranke/tote Tiere für die Studie verwendet wurden oder bestimmte Zuchtlinien, mit sehr hoher Krebsrate Verwendung fanden. Alle anderen Studien kommen zu dem Ergebnis, dass 0-5% aller Weibchen von Gebärmutterkrebs betroffen sind. Diese Ergebnisse decken sich mit unseren Erfahrungen, dass Krebserkrankungen der Gebärmutter nur recht selten auftreten. Eine Zusammenfassung der vorhandenen Studien
Das Narkoserisiko bzw. das Risiko, am oder nach dem Eingriff durch eine Kastration zu sterben, liegt ähnlich hoch wie das Gebärmutterkrebsrisiko. Deshalb tendieren wir dazu, nur Weibchen kastrieren zu lassen, bei denen es eine medizinische Indikation gibt.

Risiken einer Kastration

Die Folgen der (weiblichen) Kastration sind beim Kaninchen bisher leider nicht umfassend untersucht worden. Während man eine Weile dazu tendierte, Haustiere grundsätzlich zu kastrieren, wendet man sich mittlerweile immer mehr wieder von diesem Trend ab. Nicht nur beim Kaninchen, sondern auch bei anderen Haustieren.

  1. Narkoserisiko, Wundheilungsstörungen, Komplikationen nach der Operation
  2. Gewichtszunahme nach der Kastration (und dadurch zahlreiche Folgeerkrankungen wie z.B. Arthrose)
  3. Inkontinenz, die Tiere können nicht mehr kontrolliert den Urin abgeben (in Folge oft auch Blasenentzündungen und dadurch Steinbildung)
  4. Osteoporose, brüchige Knochen/Zähne

Unsere Empfehlung:

Jeder Halter sollte sich umfassend mit diesem Thema befassen, um sich ein eigenes Bild zu machen. Zudem ist es sehr wichtig, die Anzeichen für Gebärmutter-Erkrankungen zu kennen und wenn diese auftreten schnell zu reagieren. Je nach Haltungsform sind die Kaninchen nicht immer unter intensiver Beobachtung sondern werden nur gefüttert und versorgt, so dass Erkrankungen unerkannt bleiben können. Für diese Tiere raten wir über eine vorbeugenden Weibchenkastration nachzudenken. Ebenfalls, wenn ein Tier durch häufige Hitzigkeit oder Scheinträchtigkeit stark gestresst wird. Sollten Anzeichen auftreten, die für eine Gebärmuttererkrankung sprechen, empfehlen wir das Kaninchen medizinisch untersuchen zu lassen und ggf. zu kastrieren.

Anzeichen für Gebärmutter-Erkrankungen: Aggressivität, Unruhe, Schmerzen beim Abtasten, häufige Scheinschwangerschaften (bis zu 2 oder 3x im Jahr ist ganz normal, ist das Weibchen dauerhaft schweinwanger, ist es hingegen auffällig), Scheidenausfluss, allgemeine Krankheitszeichen wie Mattigkeit, geringe Nahrungsaufnahme, Abmagerung bei einem recht dicken Bauch oder sogar einer Gewichtszunahme.

kastration wundeTipps zur Pflege nach der Kastration
Was tun, wenn das Kaninchen nicht frisst? Wie hält man das Kaninchen davon ab, die Fäden zu ziehen? Und vieles mehr!
Weibchenkastration-Flyer zum selbstausdrucken

81 Antworten zu “Geschlecht & Kastration”

  1. Aireen sagt:

    Hallo!
    Könnte ich einen knapp 8 Jahre alten, unkastrierten, Rammler mit einer 1 jährigin Häsin züchten?

  2. Sarah sagt:

    Hallo! Ich habe einen 7 jahre alten kastrierten Rammler und ein 1 Jahr altes Weibchen! Beide habe ich ohne Probleme vergesellschaftet, nach dem eine vergrößerte Gebärmutter festgestellt wurde und die Häsin im alten zu hause zwei mal Fehlgeburten (habe sie einer Züchterin abgekauft) hatte, würde sie kastriert.
    Zwei Tage nach der kastration ging zu hause der Punk ab! Seit dem kämpfen die beiden, also sie fängt an und wenn es ihm zu bunt wird wehrt er sich. Dann ist es noch mal 3 Tage gut, er putzt sie und sie schmusen und dann rastet sie wieder völlig aus! Die beiden Leben in offener Wohnungshaltung, haben also viel Platz um sich aus dem Weg zu gehen.
    Woran kann es liegen das sie plötzlich und von einer auf die andere Minute so aggressiv wird! Die kastration ist ca 4 Wochen her!

    • Hallo Sarah,
      wenn sie das vorher nicht hatte und das erst jetzt auftrat, würde ich sagen, dass sie hormonelle Probleme durch die Kastration erleidet. Du musst dir vorstellen, dass ihr ein komplettes, hormonproduzierendes Organ entnommen wurde und der Körper sich erst einmal darauf einstellen muss. Es sollte mit der Zeit sehr viel besser werden. Wenn es allerdings nicht besser wird, solltest du sie dem Tierarzt noch einmal vorstellen. Genau so, wenn sich etwas an ihrem Fressverhalten oder sonstigem Verhalten verändert hat.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

  3. nele sagt:

    Hallo!
    Ich besitze zwei Frühkastraten , die mittlerweile 2 Jahre jung sind und ein kastriertes Weibchen , welches dieses Jahre 6 wird.
    Unser Weibchen haben wir mit circa 2-3 Jahren kastrieren lassen , da man die Häsin weder füttern noch streicheln konnte , weil sie so aggresiv war während sie scheinträchtig war. Also haben wir sie kastrieren lassen.
    Sie hatte alles wunderbar überstanden und ist ab diesem Zeitpunkt das Ultra liebste Kaninchen auf der Welt .
    Nun aber wollen wir uns noch ein Zwergwidder Weibchen holen , was nicht kastriert ist.
    Nur meine Frage ist , soll ich den Neuzugang auch kastrieren lassen?
    weil es könnte ja sein dass sie (Neuzugang) dann auf meine kastrierte Häsin losgeht oder?
    Was meinen Sie ?…
    Ich bitte um schnelle Antwort , LG nele.

  4. daniela sagt:

    Hallo.

    Meine zwei Rammler Brüder sind heute elf Wochen alt. Seit heute riecht es extrem nach den Hasen. Also ein komischer Geruch. Seit gut zwei Stunden versuche der eine den anderen zu besteigen und zu rammeln. Der andere versucht dann immer weg zu hoppeln. Aber wenn der eine der immer rammelt will sich hinlegt und aus ruhen will kommt der andere der immer weg gehoppelt ist und beschnuppert ihn und es geht wieder von vorne los. Ist das schon sexuell bedingt oder um die Tang Ordnung zu bestimmen? Morgen wird ein Termin gemacht für beide zur Kastration. Vielen Dank für Ihre Mühe. LG Daniela

  5. Katrin sagt:

    Hallo,
    Ich habe 2 kaninchen in Innenhaltung, sie sind beide ca 15 wochen alt. Das Männchen haben wir letzte Woche kastrieren lassen und es ist seit Anfang an eher etwas zurück gezogen und schüchtern.
    Das weibchen hingegen war immer unfassbar zutraulich, kommt zu jeden hin,schläft auf dem Schoß ein und war auch sehr neugierig usw. Seid heute morgen ist sie wie ausgewechselt. Sie haut mit dem hinterlauf auf den boden (hat sie vorher noch nie gemacht) und rennt vor mir weg so bald ich auf 2m näher komme. Sie kommt nicht einmal zu mir wenn ich auf dem boden liege und ihr ein salatblatt oder ähnliches geben möchte. Mir ist aber nichts bewusst, weshalb sie plötzlich so Angst vor mir hat. Ich möchte meine kleine liebe wieder haben 🙁
    Ich habe mir jetzt diese seite und die mit dem verhaltensdolmedger durch gelesen und habe jetzt etwas angst, dass er sie eventuell gedeckt haben könnte. Ich weiß ihre plötzliche verhaltensänderung überhaupt nicht einzuschätzen. Vielleocht könnt ihr mir helfen.
    Lg

    • Hallo Katrin,
      kastrierte Männchen sollte man sicherheitshalber noch 4 Wochen von der Kaninchendame getrennt halten, da sie noch zeugungsfähig sind. Wenn du sie gleich nach der Kastration wieder zusammengelassen hast, kann es gut sein, dass sie nun trächtig ist und kleine Kaninchenbabies erwartet. Wenn sie bald anfängt ein Nest zu bauen, kannst du dir sicher sein. Dazu haben wir auch einen informatiken Artikel http://www.kaninchenwiese.de/nachwuchs/paarung-geburt-und-aufzucht.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

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