Weitere Bezeichnungen: Mukoide Enteritis, Enterocolitis, enzootische Enteropathie, Rabbit Epizootic Enteropathie (REE),  Clostridium-Infektion, E. Coli, Darmlähme

Was ist eine Enterocolitis?

Das Wort Enterocolitis setzt sich aus den Begriffen Enteritis (Darmentzündung) und Colon (Blind- und Grimmdarm) zusammen und bezeichnet eine Schleimhautenzündung im Kolon des Kaninchens. Meistens wird bei diesem Begriff nur die bakterielle Enteritis gemeint, da diese ansteckend sein kann und in Zuchten oftmals seuchenartig auftritt.

Die Enterocolitis ist eine Faktorenkrankheit, die nur auftritt, wenn ungünstige Fütterungs-, Haltungs- und Hygienezuständen sowie ein geschwächtes Immunsystem aufeinandertreffen. Deshalb spielt sie auch in der Hauskainchenhaltung kaum eine Rolle, bzw. kann wenn überhaupt geschwächte Einzeltiere, besonders in schlechten Haltungssystemen betreffen. Bei guter Haltung tritt sie nur bei Einzeltieren mit sehr schlechtem Gesundheitszustand in Erscheinung. In Zucht- und Mastbetrieben ist sie jedoch ein sehr großes Problem und kann seuchenhaft auftreten. Besonders häufig sind Absetzer betroffen.

Symptome: Woran erkennt man eine Enterocolitis?

Die Erkrankung verläuft phasenweise, typischerweise tritt folgender Ablauf auf:

  • 1. Phase: Ca. 2-3 Tage, verringerte Nahrungsaufnahme, teils bis hin zu kompletten Einstellen der Futteraufnahme, zurückgezogenes Verhalten (Apathie).
  • 2. Phase: Durchfall, meistens dünnflüssiger, stinkender (fauliger Geruch) oder geleeartiger Kotabsatz. Bei E. Coli-Infektionen tritt meistens nur Durchfall auf, Clostridien verursachen im Blinddarm Verstopfungen, für den Tierarzt ist zunächst eine zähe Masse, später ein harter Nahrungsbrei tastbar.

Was fördert Enterocolitis?

  • Parasitenbefall, vor allem Kokzidien, aber auch Würmer. Diese werden über eine Kotprobe ermittelt und  müssen zeitnah behandelt werden.
  • Schlechte Haltungsbedingungen, z.B. Buchtenhaltung, Einzelhaltung, Bewegungsarmut. Bewegung hält die Verdauung gesund und aktiv, da Kaninchen wenig Peristaltik haben.
  • Schlechte Stallhygiene, wodurch sich Parasiten und Bakterien optimal vermehren können.
  • Faserarme, nicht arttypische Ernährung, die Parasiten im Darm begünstigt und den Bakterien einen optimalen Nährboden bietet. Dazu gehört die Fütterung von Getreide, Trockenfutter, Futtermehlen, harten Brot, Futterpellets und viel Obst. Vorgebeugt wird der Enterocolitis mit faserreicher Frischfutter- und Heufütterung. Ideal ist eine Ernährung, die aus 100% Grünfutter (Wiese, Blattgemüse, Kräuter, Zweige) besteht.
  • Ein schlechter Allgemeinzustand der Tiere oder andere Erkrankungen, die es schwächen, können auch in guten Haltungssystemen dazu führen, dass ein Einzeltier von der Enterocolitis betroffen ist. Dann sollten Grunderkrankungen gefunden und behandelt werden.
  • Stress, kann die Tiere zusätzlich anfällig machen, da es das Immunsystem schwächt. Beispielsweise durch Vergesellschaftungen, Streit in der Gruppe, häufiges Anheben und „Bekuscheln“.
  • Jungtiere sind gefährdeter, besonders in der Absetzphase. Deshalb sollten sie lange gesäugt und mit Grünfütterung abgesetzt werden. Kaninchen-Jungtiere können Stärke aus dem Trockenfutter nicht verdauen, strukturarmes Futter begünstigt zudem die Bildung der Schadbakterien und Parasiten.

Wie findet man heraus, dass es sich um Enterocolitis handelt?

An erster Stelle sollte eine Kotprobe untersucht werden. Im Zusammenspiel mit dem Allgemeinbefinden lässt sich so die Verdachtsdiagnose stellen. Sollte bereits ein Tier verstorben sein, ist eine Obduktion anzuraten, die Gewissheit bringt.

Wie wird Enterocolitis behandelt?

  • Behandlung der Darmparasiten (Kokzidien und Würmer). Für die Kokzidienbehandlung sollte kein Baycox verwendet werden, da es bei Jungtieren und geschwächten Alttieren sehr schlecht verträglich ist. Es gibt gut verträgliche Alternativen wie Vecoxan.
  • Je nach bakteriologischen Befund (z.B. C. perfringens, E. coli, Streptokokken oder Klebsiellen) wird der Tierarzt ein wirksames Antibiotikum einsetzen.
  • Infusionen zur Stabilisierung des Kreislaufs und Lösung des Blinddarminhaltes.
  • Ggf. Probiotika/Präbiotika
  • Lactulose
  • Vitamin B Komplex
  • Antitympatikum (z.B. Dimeticon, Sab Simplex…)
  • Schmerzmittel (z.B. Novalgin)
  • MCP
  • Umstellung der Haltungs-, Hygiene- und Fütterungsbedingungen.
  • Ein spezifischer Impfstoff gegen Toxine von Clostridium perfringens Typ A ist von IDT verfügbar. Dieser wird erst nach der Behandlung zur Vorbeugung weiterer Ausbrüche eingesetzt.

Quellen u.a.:
Anonymous: 
Die Darmlähmung beim Kaninchen
Mukoide Enteritis – Enterocolitis – ME – Rabbit Epizootic Enteropathie – REE [http://www.kaninchenwissen.de/knowledge/kb_show.php?id=12, 11.07.17]
Gabrisch, K., Zwart, P. (2005): 
Krankheiten der Heimtiere. Hannover: Schlütersche, S. 28.
IDT Biologika GmbH:
 Der weltweit erste Impfstoff gegen Enterocolitis ist da!
Klausing, H. K.: 
Enterocolitis: Vorbeugen durch systematische Kaninchenernährung? [http://www.klausing.com/futterdoc/Kaninchen/Kaninchen1_Fachartikel/kaninchen1_fachartikel.htm, 11.07.17]
Lang, C., Greißl, S., Dinges, J., & Hoy, S. (2010):
Untersuchungen zum Futteraufnahmeverhalten wachsender Kaninchen.
Praag, van. E.: 
Darmkrankheiten und bakterielle Enteritis bei Kaninchen [http://www.medirabbit.com/GE/GI_diseases/Bacterial/Enteri/Enteritis_ge.htm, 11.07.17]
Rossi (1999):
Enterocolitis: Erste Erfahrungen aus Deutschland [http://www.kaninchenzucht.de/en_rossi.htm, 11.07.17]
Schlolaut, W. (2008): Das Für und Wider verschiedener Vorbeugemaßnahmen. Ansteckende Darmerkrankungen des Hauskaninchens. Kaninchenzeitung
Scholz, F. (): Enterocolitis der Kaninchen

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