Diese Ernährungsweise ist für folgende Kaninchen geeignet:

durchfall kaninchenKaninchen mit immer wiederkehrenden Verdauungsstörungen aller Arten oder mit akuten Verdauungsstörungen um die Heilung zu unterstützen.

Insbesondere

  • Wenn die Ursache noch nicht gefunden werden konnte
  • Wenn die Ursache gefunden wurde, aber nicht zu beheben ist (z.B. Megacolon-Syndrom, Tumor…)

verdauungEs ist grundsätzlich der Tierarzt bei akuten Verdauungsbeschwerden aufzusuchen, da sie lebensgefährlich sein können. Immer im Voraus abgeklärt werden sollten Zahnprobleme und eine Kotprobe um Parasiten auszuschließen (ins Labor schicken lassen, die Tierärzte übersehen oft Parasiten!). Ggf. auch weitere Ursachen.

1. Phase (1-2 Wochen): Stabilisierungsphase

Heu in Bergen 2x täglich frisch anbieten (nicht in Raufen und immer erneuern). Kein extrem kräuterreiches Heu. Wasser in einer standsicheren Schale mit nach innen gebogenen Rand anbieten.

kaninchenfütterung wieseFütterung nur mit: Ediviensalat (immer verfügbar!), Chicorée, Löwenzahnsalat, Karottengrün, frischen Küchenkräutern, Stangensellerie, Lauchzwiebeln

Oder im Sommer mit: Löwenzahn (immer verfügbar!), andere Wiesenpflanzen aber bei Durchfallneigung kein Klee, Raps etc. Bei Aufgasungseigung/Verstopfungsneigung hingegen schon. Wiesenpflanzen sind immer sehr viel gesüder als Gemüse und deshalb vorzuziehen!

Wir empfehlen außerdem eine 40 Tage Kur mit Gladiator Plus Kleintier.

kaninchen bewegungsdranganViel Auslauf geben (regt die Verdauung an), Gehegehaltung (viel Bewegung, nicht in Käfig/Stall einsperren) und wenn möglich die Kaninchen täglich intensiv auf einer Wiese weiden lassen.

Frische Zweige (frisch vom Baum geschnitten mit Blättern): Insbesondere mindestens

  • ein gerbsäurehaltigen Zweig (Eiche,Kastanienbaum)
  • einen tanninhaltigen Zweig (Nadelbäume, aber keine Eibe!)
  • Wichtig: In der ersten Phase kann Durchfall ausgelöst werden, der sich nach ein paar Tagen gibt. Trotzdem diese Phase nicht abbrechen!

Nicht füttern: Andere Obst- und Gemüsesorten oder Salate, Kohl, Klee, Trockenfutter jeder Art, Leckerlis jeder Art bzw. allgemein nichts, was hier nicht angegeben ist!

Zusätze je nach Krankheitsbild!

Bei Durchfallneigung oder weichem Kot: 

  • 1x täglich geraspelter und kurz an der Luft braun gewordener Apfel
  • 1/2 Banane zweimal täglich (also 1 Banane/Tag)
  • ggf. geraspelten Ingwer unter die zerdrückte Banane mischen, so dass er mitgefressen wird.
  • Laub
  • Eichenblätter und Eichenrinde
  • Geraspelter Apfel (an der Luft bräunlich werden lassen) oder Apfelpektin
  • Kräutertee
  • Stullmisan vet. Pulver, DarmRein Pulver (cdVet), Durchfallpulver N (Dr. Schaette)
  • bei Durchfall nach einer Antibiotikatherapie oder anderen Vergiftungen: Aktivkohle bzw. medizinische Kohle
  • Schwarzkümmelöl und Heilerde
  • Bierhefe

Bei Verstopfungsneigung langsamer Verdauung, Haarballenneigung

  • Leinöl oder anderes Speiseöl im geraspelten Apfel „verstecken“/verfüttern
  • Leinkuchen/-pellets, Kümmelkuchen/-pellets als Ergäzung 1-2x tägl.
  • Kohlgewächse (Wirsing, Grünkohl, Kohlrabiblätter) oder Klee langsam anfüttern und dauerhaft anbieten.
  • Wasserreiches Frischfutter (Gurke, Salate etc.) als Beigabe in kleinen Mengen füttern.
  • Zusätzlich zum Wassernapf einen Napf mit Karottensaft oder Fruchtsaft anbieten, damit mehr getrunken wird.
  • ggf. eine Kur mit RodiCare akut (10 Tage lang) machen
  • Kümmelsamen, Anis, Fenchelsamen anbieten

Bei Aufgasungsneigung, Magenüberladungsneigung

  • RodiCare akut täglich geben (min. 30 Tage)
  • Kümmelsamen, Dillsamen, Fenchelsamen, Anissamen anbieten
  • kaninchen-in-der-wieseKüchen-Kräuter: Dill, Pfefferminze, Melisse, Basilikum, Petersilie, Thymian, Majoran, Salbei, Schnittlauch, Wermut, Liebstöckel, Lavendel, Brennnessel
  • Wald- und Wiesenkräuter: Bärenklau, Löwenzahn, Eichenrinde und -blätter, Bärlauch, Echte Kamille, Weidenkätzchen und Zweige, Schafgarbe, Wegwarte

Keine anderen Medikamete für die Verdauung (Maltpaste, BeneBac, Nystatin…), schon gar keine mit Zuckerzusatz.

2. Phase

kaninchen-wiese-fuetterungNun können die speziellen Medikamente bzw. unterstützenden Nahrungsmittel für die einzelnen Krankheiten abgesetzt oder reduziert werden, die Fütterung ansich wird aber beibehalten. Bei Kaninchen die nicht zu Durchfall, sondern zu Verstopfung, Magenüberladung oder Aufgasung neigen, wird nun langsam Kohl angefüttert (Wirsing, Kohlrabiblätter, Grünkohl…). Es kann gelegentlich auch Knollengemüse und Obst (Apfel, Möhren, Pastinaken…) hinzugefüttert werden, jedoch nicht unbedingt täglich und nur wenig! Das Blattgemüse im Winter kann nun ausgeweitet werden. Dabei wird grundsätzlich vorsichtig vorgegangen und erst getestet, ob die neuen Nahrungsmittel vertragen werden.

3. Phase

Nun kann die Ernährung weiter aufgelockert werden. Der Kern der Ernährung (rund um die Uhr vielfältiges Grünfutter) sollte jedoch beibehalten werden. Dazu können kleinere Mengen aller anderen Frischfuttersorten kombiniert werden. Verzichten Sie jedoch weiterhin auf ungesunde/zuckerreiche Medikamente, Trockefutter, hartes Brot, Leckerlis und Knabberstangen etc.

68 Antworten zu “Verdauungs-Diät für Kaninchen”

  1. Jessica sagt:

    Liebes Team,
    Wie kann ich die Verdauungs-Diät anpassen, dass es für Diabetiker geeignet ist? Meine alte Dame (9) hat eine chronische Darmentzündung mit gelegentlichen Koliken.

    Vielen Dank und liebe Grüsse
    Jessica

    • Hallo Jessica,
      wenn du alle Obstsorten und Karotten, sowie deren Produkte weglässt, ist die Verdauungsdiät absolut Diabetikergeeignet. Bei der Diabetis handelt es sich um eine Zuckerstoffwechselstörung, weswegen man bei der Fütterung von kurzkettigen Zuckern aufpassen muss, also bei allem Obst, nahrhaftem Gemüse (Knollen-, Frucht- und Wurzelgemüse).
      Ich muss aber anmerken, dass diese Symptome von vielen Erkrankungen hervorgerufen werden können und es schnell zu einer Fehldiagnose kommen kann.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

  2. Karin H. sagt:

    Hallo alle zusammen,
    Ich bin neu hier und habe grad ein ziemlich sattes Problem mit meinen zwei Rexmischlingen. sie sind ca. 5 Monate alt und haben seit vier Tagen so gar keine Lust mehr zu fressen. Zwischendurch scheinen sie Bauchweh zu haben und sind auch etwas aufgebläht. Ich bin seit vier Tagen am Bauch massieren, Tee einflössen und immer wieder frischen Löwenzahn, Petersilie, Himbeerzweige oder Windenblätter anzubieten. Halte ich Ihnen das Grünzeug vor die Nase, dann fressen sie wenig, aber von selbst kaum. Wenn sie mit den Zähnen knirschen, kriegen sie eine sanfte Bauchmasssage und etwas Novalgin im Kräutertee. Was mir aber viel mehr Sorgen macht, ich sehe keine Kotkügelchen und wenn, dann eher breiigen, schleimigen Kot. Jetzt gerade habe ich sie draussen im Freigehege. Mir scheint schon, dass es etwas besser wird, aber sie sind unheimlich dünn geworden. Womit kann ich die beiden denn noch aufpäppeln?

  3. Laura Tomassini sagt:

    Liebes Team,
    Mein Scotty (7 Jahre) leidet seit April an ständigen Verstopfungen inkl. Aufgasungen/leichten Magenüberladungen. Anfangs einmal pro Woche, mittlerweile jeden dritten Tag. Nach mehreren TA-Besuchen (bei denen nicht viel rausgekommen ist, außer Verdacht auf Bezoar/Haarballen oder Darmverengung) und Behandlung mit Öl, Sab Simplex, anfangs Novalgine (nützt aber nix) und mittlerweile einmal pro Tag Nux Vomica zur Entkrampfung, bin ich noch immer ratlos was unserem Hasi genau fehlt und wie ich helfen kann. Wir füttern von Anfang an nur Heu, Gemüse, mal Obst und mittlerweile auch Wiese, kein Trockenfutter (die vereinzelten Leckerlis haben wir seit den Problemen komplett weggelassen). Außerdem hin und wieder Leinsamen, scheint aber auch nix zu bringen. Jetzt habe ich schon mehrmals von Rodicare akut (hairball nimmt Scotty nicht bzw spuckt es wieder aus egal wie tief oder untief ich ihm die Spritze in den Rachen stecke, scheint an der Konsistenz zu liegen denn bei flüssigen Medis habe ich den Dreh raus) und Gladiator plus gelesen, wäre das eurer Meinung nach in unserem Fall eine Option?
    Vielen Dank!
    Eure verzweifelte Hasenmama mit Scotty und Chopper

    • Hallo Laura,
      ich würde ihn mal eine Weile nur mit Wiese und Heu ernähren, Wiese sollte dann 24 Std. verfügbar sein. So wird der Haarballen ausgeschieden und es dürfte nach einer Weile besser werden.
      Liebe Grüße
      Viola vom Kaninchenwiese-Team

  4. Anka sagt:

    Hallo! Danke erstmal für die vielen Tipps, die man auf eurer Seite finden kann!!! Trotzdem benötige ich mal fachmännischen Rat.
    Ich habe mein Kaninchen Hermie seit elf Jahren. Freunde brachten sie damals zu mir, da sie, damals noch sehr jung, in einem kleinen Käfig in einem Badezimmer gehalten wurde. Bei mir hat sie leider kein Aussengehege, sie lebt im Wohnzimmer und hat zwei Käfigwannen zur Verfügung… Das Problem ist folgendes, Hermie hat recht häufig Matschkot, in letzter Zeit fast täglich, neben normalen Kötteln ein bis zwei „Matschhaufen“. Den Po habe ich, wenn nötig, mit lauwarmen Wasser abgewaschen. Trotz der Matschhaufen ist sie immer recht munter und hat Appetit. Hermie bekommt täglich frisches Grün (Löwenzahn, Löwenzahnsalat, Karottengrün, Petersilie – vieles andere rührt sie nicht an; Wiese bekommt sie beispielsweise nicht von mir, da sie nicht geimpft ist und ich nicht irgendwelche Erreger von draussen mitbringen mag; Löwenzahn und auch die Dinge die man kaufen kann, wasche ich immer vorher ab), etwas Möhre, Pertersilienwurzel oder Pastinake, Trockenkräuter (meist Grainless Snack Plus – Kamille und Löwenzahn und Brennnessel) und abends immer ein wenig Grainless Herbs Futter und ein bis zwei Bananenchips (ohne Zucker oder Honig) und einen Apfelchip. Irgendwas an dieser Zusammensetzung scheint ihr aber nicht zu bekommen. Seit Sonntag ist sie auf Diät, bekommt also nur frisches Grün und Heu. Etwas geriebenen Apfel habe ich auch angeboten. Die Matschhaufen sind jetzt schon weg, aber Hermie ist über die Auswahl nicht sonderlich erfreut – Heu frisst sie eigentlich fast gar keins. Beim Tierarzt war ich nicht, das ist immer der pure Stress für sie und sie sitzt anschließend meist einen halben Tag apatisch unter der Couch. Ich würde gerne bald die Ernährung wieder etwas erweitern, weiß aber nicht was ich lieber weglassen soll und geben darf, auch in Anbetracht ihres hohen Alters! Wenn ihr einen Rat hättet, wäre ich sehr froh!

    • Hallo Anka,
      versuch mal jeden Zucker wegzulassen, also Obst (auch das Trockene) und Wurzelgemüse. Zusätzlich kannst du noch weitere Küchenkräuter geben, wie Minze, Koriander oder Dill. Auch Zweige mit Laub kann ich empfehlen, es besteht keine Gefahr, dass sich Hermie davon ansteckt, weil Wildkaninchen dort nicht herankommen :).
      Wenn sie wieder gesund ist, kann ich nur anraten nach einem Partner zu suchen. Kaninchen sind keine Einzeltiere und können mit uns auch kaum kommunizieren, anders als Hunde. Schau mal http://www.kaninchenwiese.de/soziales/nie-alleine.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

  5. Hallo Viola,

    Sie bekommen zweimal täglich einen großen Haufen Grünfutter von der Wiese. Löwenzahn, Breitwegerich, Spitzwegerich, Berlapp, Breite Grashalme, Rübenkraut und vom Markt Abfallgrün wie Kohlrabiblätter (davon aber nur 1- 3 Blätter) Rübenkraut, Radischenblätter.

    Menge meist zwei bis drei sehr große Hände.

    Momentan bekommen sie viermal am Tag 1 -2 Hände Grünfutter.

    Danke für deine Hilfe, Maria

    • Hallo Maria,
      wenn das dann bis zur nächstenFütterung reicht, müsste es genug sein. Ansonsten würde ich mehr füttern. Versuch mal das Grün von draußen langsam anzufüttern indem du es unter das Heu mischst. Ich würde dem betroffenen Kaninchen außerdem mal Proprebac geben.
      Liebe Grüße
      Viola vom Kaninchenwiese-Team

  6. Liebes Kaninchenwiese- Team,

    Ich habe insgesamt sechs Kaninchen.
    Mit einem davon ein zwei – Jähriger Kastrat macht mir immer wieder sorgen bei der Umstellung bei der Fütterung von Winter auf Sommer.
    Er ist ein Löwenkopf und hat dem entsprechend viel Fell um sich rum und haart auch immer sehr viel. Hat abwechselnd Matschkot und Köttelketten und hat immer Probleme mit Aufgasungen. Ich füttere immer ganz langsam an. Zwei andere leiden auch darunter. Allerdings muss ich den anderen beiden kein Sab Simplex und/ oder Novalgin geben.
    Meine Kaninchen bekommen immer sehr viel Frischfutter, 1 – 2 pro Woche Wurzelgemüse, 1- 2 pro Woche getrocknete Blätter, bekommen über die Fellwechselzeit Leinöl Pelets und immer verfügbar Heu und Schwarzkümmelpeletts.

    Was mache ich falsch?
    Vielen Dank für die Hilfe, Eure Maria

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