Nicht nur zur Kaninchen-Ernährung, sondern auch zum Thema Haltung gibt es viele Mythen, die ich hier ansprechen möchte.

„Kaninchen im Käfig zu halten ist artgerecht wenn die täglich ihren Auslauf bekommen.“

kaninchen-käfighaltungDie Käfige wurden mit der Zeit immer größer. Früher war schon ein 60cm langer Käfig „richtig groß“, heute rücken 160cm lange Käfige auf den Markt. Ursprünglich hielt man Kaninchen nicht in Käfigen, sondern als sogenannte „Kuhhasen“ zwischen anderen großen Pflanzenfressern (Pferde, Kühe…), sie fraßen mit den großen Tieren zusammen aus dem Mähgut und bewegten sich frei. Man sprach ihnen damals genauso viel Platz wie einem Pferd zu. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte die Industrie das Kaninchen und es wurden Behältnisse und Drähte für Kaninchen auf den Markt gebracht. Das Kaninchen wurde als Nutztier kostengünstig und arbeitssparend in kleinen Ställen einquartiert.
Die eigentliche Gitter-Käfighaltung kommt jedoch aus der Labortierhaltung. Man suchte nach praktischen, platzsparenden und hygienischen Unterbringungs-Möglichkeiten für das beliebte Labortier. Heute ist bekannt, dass diese Labortiere tierschutzwidrig sind, also Tierquälerei. Die Haustier-Industrie übernahm Laborkäfige und passte sie leicht an die Bedürfnisse der Halter an. Während man bei den Labortieren längst offen über Tierquälerei spricht, sind Kaninchenkäfige für die private Haltung immer noch gesellschaftlich toleriert. Man hat sie aber nie entwickelt um ein Tier „artgerecht“ zu halten sondern nur unter den Gesichtspunkten der Hygiene und der platzsparenden und einfach zu pflegenden Unterbringung.
Tierschutzvereine fordern einstimmig mehrere Quadratmeter Grundfläche für Kaninchen, da diese sich nie an der Laborhaltung, sondern an den Bedürfnissen der Tiere orinetierten. Kaninchen sind dämmerungsaktiv bzw. wechselaktiv. Daher brauchen sie besonders nachts und in den frühen Morgen- und späten Abendstunden viel Auslauf. Ein Käfig ermöglicht nicht, sich artgerecht zu bewegen oder eine artgerecht Gruppenhaltung, er wurde ja im Labor für die Einzelhaltung entwickelt. Gruppenhaltung im Käfig kann urplötzlich zu starken Verletzungen führen, da sich streitende Tiere nicht aus dem Weg gehen können und das „enge aufeinander sitzen“ Streitereien provoziert. Eine Haltung, die dem Tier nicht alle Verhaltensweisen ermöglicht oder Verletzungen in Kauf nimmt, verstößt gegen unser Tierschutzgesetz (TschG): Wie viel Platz brauchen Kaninchen?

„Die Schutzhütte für Kaninchen muss gut isoliert werden.“

winter schutzhütteIn jedes Kaninchen-Außengehege gehört eine Schutzhütte. Oft sieht man komplizierte Bauanleitungen zur Isolierung dieser Hütten. Doch, ist eine Isolierung dieser Hütten überhaupt sinnvoll und nötig?
Sinnvoll ist sie nicht, denn durch die Isolierung staut sich Hitze und Feuchtigkeit in der Hütte. Die Hitze macht die Hütte im Sommer unnutzbar für die Kaninchen und den Halter (Futter- & Wasser-Angebot in der Hütte) und die Feuchtigkeit führt zu einer schnellen Schimmelbildung, auch mit guter Belüftung. Schimmelbildung im Kaninchengehege ist für Kaninchen ungesund.
Nötig ist sie auch nicht, denn Kaninchen sind kaum kälteempfindlich, Hitze macht ihnen deutlich mehr zu schaffen. Wichtig ist vielmehr, dass sie vor Feuchtigkeit und Zug geschützt werden! Dies ist umsetzbar durch eine absolut wind- und regendichte Hütte, die oft mit saugfähiger Einstreu gereinigt wird, damit sich keine Feuchtigkeit im Innenraum bildet. Zudem brauchen Kaninchen im Winter ausreichend Platz, damit sie vital und fit bleiben.
Näheres dazu: Außenhaltung: Der Kaninchenstall

„Kaninchen können nur nach den letzten Nachtfrösten im Frühjahr oder etwas später nach draußen umquartiert werden.“

kaninchen im schneeAls Halter muss man sich entscheiden: Möchte man seine Kaninchen innen oder außen halten? Beides ist möglich.
Einige Bücher und Internetadressen empfehlen, das Kaninchen erst im Frühjahr nach draußen umzusiedeln oder im Sommer, aber keinesfalls beispielsweise im Herbst, Winter oder vor den letzten Nachtfrösten am Jahresanfang.
Ich habe schon viele Kaninchen im Winter umgeseidelt. Ohne Probleme. Aber man muss wissen wie!
Natürlich ist es nicht möglich, ein innen lebendes Kaninchen (20 Grad Wohnzimmertemperatur) bei -30 Grad plötzlich nach draußen zu setzen! Wichtig ist, dass das Kaninchen langsam an diese Temperaturen gewöhnt wird. Das ist aber nicht nur im Sommer möglich sondern auch im Winter. Beispeilweise indem man das Zimmer, in dem die Kaninchen leben erst einmal weniger, dann gar nicht mehr heizt. Anschließend öffnet man tagsüber die Fenster, dann auch in milden nächten. Die Kaninchen können jetzt tagsüber auch schon nach draußen. Und Tage später können sie dann in einer milderen Periode ganz draußen bleiben, auch über Nacht.
Durch den Temperaturwechsel im Innenraum wird der Fellwechsel angeregt, so dass die Kaninchen ein Winterfell bekommen. Aber einige Innenkaninchen haben auch schon vorher, bei reiner Innenhaltung den dichteren Winterpelz. Bei diesen Tieren geht es dann nur noch um die reine, langsame Gewöhnung an andere Temperaturen.
So eine Umgewöhnung ist auch nicht anders wie die natürliche „Gewöhnung“ über den Sommer, Herbst und Winter…

10 Antworten zu “Haltungsmythen”

  1. Anja Stürzer sagt:

    Hi, kurze Frage: Hab ein 8jähriges Kaninchen, das seit Jahren draußen lebt, eine Häsin, die vorgestern ihren langjährigen gleichaltrigen Partner verloren hat. Ich hatte beide ca. eine Woche im Haus wg. der Krankheit, die Häsin ist drinnen aber total unglücklich. Die nächsten Tage soll es ja wieder eher warm werden – kann ich sie wieder raussetzen? Hab schon die Heizung ausgestellt, aber sie verliert trotzdem gerade massiv Fell… ach ja: Natürlich versuche ich, ihr einen neuen Kumpel zu organisieren… Danke für Tipps!

    • Hallo Anja,
      ja das ist möglich sofern der Übergang einigermaßen harmlos ist, wenn es momentan schon ungeheizt ist und du jetzt eine wärmere Phase zum Raussetzen nutzt, klappt das.
      Liebe Grüße
      Viola vom Kaninchenwiese-Team

  2. J Wahl sagt:

    Wir haben einen aufgeständerten Stall für den Winter und die Nacht (Stil: http://www.hellweg.de/Tierwelt/Nager-Kleintiere/Stall-Kaefig-Freigehege/Kaninchenstall-Kleintierhaus-Rancho.html) und ein Außengehege für die schönen Sommermonate (https://www.fressnapf.de/p/anione-woody-palace-garden-rotbraun#l). Allerdings habe ich den Eindruck, dass der Auslauf nicht ausreichend ist, da die Kaninchen am Gestell knabbern und nicht wirklich herumtoben wie sie es mal beim kontrollierten Auslauf im Garten gemacht hatten.
    Insofern stellt sich für mich die Frage ob man nicht das Außengehege mit einem Horizont Kaninchennetz verbindet, damit die Kaninchen tagsüber genügend Auslauf haben und sich nachts dann in dem abgeschlossenen „Woody Palace“ Außengehege zurückziehen können.
    Halten Sie das für eine machbare bzw. sinnvolle Variante?
    Vielen Dank!

  3. Silke Breßlein sagt:

    Hallo, ich habe gerade ein 2. Snugglekissen für unsere zwei Satain Kaninchen gekauft. Die Beiden leben in einer hellen Garage mit (zeitweisen)Gartenauslauf. Sie haben in der Garage eine Schutzhütte an die ich locker Steropoor gestelllt/geklemmt habe. Nun weiß ich nicht ab es zu viel wird wenn ich jetzt beim kommenden Frost auch noch die Snugglekissen dazugebe.Bzw. wenn ja, wohin? Im OG befinden sich zwei Häuschen. Liebe Grüße Silke

  4. Anna Deutschler sagt:

    Bin ich blöd, oder ist das auf dem ersten Bild im Käfig ein Hund. Man beachte die Nase. Würde mich mal interessieren, ob meine Augen mir einen Streich spielen.
    Aber ansonsten sehr guter Beitrag. 🙂 Ich empfehle die Seite immer gerne weiter.

    • Hallo Anna,
      ja das ist ein Hund :D. Das soll verdeutlichen, dass man ja auch andere Tiere gleicher Größe nicht in einen solchen Käfig einsperren würde. Sehr berühmt ist da auch das Video mit der „Käfigkatze“. Wenn du es noch nicht kennst, sieh es dir an, keine Angst, es wurden keine Tiere dafür gequält.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

  5. Elif Karatas sagt:

    Hallo, ich bin etwas verzweifelt, mein kastriertes Männchen sucht nie absolut nie von selbst seine Schutzhütte auf egal wie stark es regnet! Er sitzt einfach im Regen. Das Futter steht auch in der Hütte, hin und wieder läuft er wirklich ganz kurz rein zum fressen aber versucht das auch so gut wie möglich zu vermeiden und frisst lieber die Wiese ab. Ich möchte ihm ein Weibchen dazuholen, momentan sitzt mein Kaninchen den ganzen Tag draußen im Gehege mit Schutzhütte und Nachts hole ich ihn in seinen Käfig zum schlafen ins Haus. Aber wenn das zweite kommt müssen sie draußen leben in einen Käfig möchte ich auch über Nacht keine 2 Kaninchen sperren. Aber ich habe das Gefühl das möchte er partu nicht! Ich habe ihn eine Nacht versucht in der Schutzhütte schlafen zu lassen also eingesperrt, (sie ist isoliert und schön ausgelegt mit Einstreu und Stroh) aber nach 2 Studunden hat er mir so leid getan dass ich ihn wieder herein geholt habe. Er hat die ganze Zeit geklopft und wollte raus und hat nichts gefressen. Drinnen hat er dann total hungrig sofort gefressen und sich anschließend in sein Häuschen gekuschelt (das stand aber auch in der Schutzhütte). Kann es sein dass er es lieber mag Nachts ins Haus zu kommen?

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