Wie viel Platz benötigen Kaninchen eigentlich?

Mindestgrößen-Empfehlung der Kaninchenwiese

kaninchen aktivWer die Anschaffung von Kaninchen plant, sollte keine separate Haltung vorsehen, sondern, wie bei der Katzenhaltung, ein Zusammenleben mit den Kaninchen vorbereiten. Mindestmaße sind keine Optimalmaße sondern (wie der Name schon sagt) das Minimum, am besten plant man deutlich mehr Platz ein.

Grundsätzliche Mindestmaße für Innen- und Außenhaltung:

  • Haltung mit viel Auslauf* (min. 8 Std./Tag ohne Ausnahme und auch während der Dämmerungszeiten!):
    ca. 4m² Nachtgehege für 1-2 Kaninchen, 6m² für bis zu 6 Kaninchen
  • Haltung mit täglichen Auslauf* (unter 8 Std./Tag) oder ohne täglichen bzw. mit unregelmäßigen/kurzen Auslauf*:
    ca. 6m² für 1-3 Kaninchen, 10m² für bis zu 5 Kaninchen. Nach Möglichkeit jedoch min. 10m² Grundfläche.

*Auslauf = Freilauf auf sehr großer, interessanter Fläche

Allgemeine Mindestmaße, wie sie oft von Vereinen gefordert werden:

Faustformel: Allgemein werden unter Kaninchenhaltern meist folgende Mindestmaße angegeben:
2m² je Tier auf einer Fläche (Etagen zählen nicht) für Kaninchen mit täglichen Auslauf.
3m² je Tier auf einer Fläche für Kaninchen ohne täglichen Auslauf.

Solche langweiligen Käfigtiere…zelle

kaninchen mindestmaßeKaninchen haben einen ähnlichen Bewegungsdrang wie Katzen und trotzdem werden sie immer noch in Käfigen in der Zimmerecke gehalten. Dort vegetieren sie vor sich hin und machen sich leider auch selten in ihrem Leid bemerkbar, wie es z.B. Katzen tun würden.

Deshalb haben sie auch oft den Ruf des „langweiligen Käfigtieres“. Bietet man ihnen jedoch einen abwechslungsreichen, käfigfreien Lebensraum, so wie es bei Katzen schon üblich ist, wird man mit Kaninchen die gleiche Freude wie mit Hunden, Katzen oder Hausschweinen haben.

Eine Katze im Käfig ist sicherlich im Alltag auch langweilig. Das Schöne an der freien Haltung ist, dass die Tiere ihr ganzes Verhalten zeigen und am Leben des Menschen teilhaben. Dies ist bei einer Haltung im Käfig ausgeschlossen.

Wie kam es zur Käfig-Haltung von Kaninchen?

Die Käfighaltung kommt aus der Versuchtierhaltung, denn die Versuchstiere müssen hygienisch und Platz sparend untergebracht werden. Mittlerweile hat man längst erkannt, dass die Versuchskaninchen-Haltung dem Kaninchen nicht gerecht wird:

„Der Laborkäfig für die Einzeltierhaltung ist wegen seiner räumlichen Enge als nicht tiergerecht einzustufen. Auch eine Aufwertung des Laborkäfigs durch Nutzung als Doppelkäfigs ist kritisch anzusehen. Die niedrige Käfighöhe, bei der das Aufrichten unmöglich ist, bliebe bestehen ebenso wie die Reizarmut dieses Käfigtyps.“
Skolarski, Ilona: Vergleichende Untersuchungen zur Käfighaltung von weiblichen Laborkaninchen in Einzel- und Paarhaltung, 2001

Während in der Laborhaltung bereits die Käfighaltung als tierschutzwidrig entlarvt wurde, halten immer noch viele Haustierhalter ihre geliebten Kaninchen in einem ähnlichen Käfig.

Dies ist ein Gesetzesverstoß, denn die Hauskaninchen-Haltung unterliegt den Vorgaben des § 2 des Deutschen Tierschutzgesetzes.

„Nach Ansicht der Bundestierärztekammer ist eine tier- und artgerechte Haltung von Kaninchen in Käfigen nicht möglich. Ziel muss es daher sein die Käfighaltung wegen der hohen Haltungsvorgaben zu unterbinden. “
Bundestierärztekammer, 2011

In Österreich besteht übrigens bereits ein konkret gesetzlich geregeltes Verbot der Käfighaltung von Mastkaninchen.Gesundheitliche Folgen der Käfighaltung

„Käfig- und Kastenhaltung von
Kaninchen ist eine Tierquälerei, die
sich nach wissenschaftlichen Untersuchungen
sogar in Skelett-Deformationen
äussert, weil die Tiere praktisch
immer sitzen müssen und sich
nie artgemäss bewegen können. Kaninchen
sollten in geräumigen Gruppenställen
gehalten werden, die
reichhaltig «möbliert», das heisst mit
Nestboxen, Röhren, erhöhten Flächen,
Versteckmöglichkeiten und
Stroheinstreu ausgestattet sind. Noch
besser ist ein Freigehege, wo die Kaninchen
graben, herumhoppeln, rennen,
spielen und Luftsprünge vollführen
können. Das Hauskaninchen hat
das Verhaltensmuster seiner wilden
Vorfahren (Wildkaninchen) noch
weitgehend bewahrt; es verwildert in
der Freiheit rasch und ist keineswegs
an ein Leben in Kästen oder Käfigen
angepasst.“
VgT  VN 14-4

Eine Unterbringung im Käfig ermöglicht Kaninchen nicht, sich artgerecht zu bewegen. Verschiedene Studien beschäftigten sich mit den dadurch hervorgehenden gesundheitlichen Problemen. Auf Grund der Käfighöhe sind keine richtigen Sprünge umsetzbar und das artgerechte Aufrichten unmöglich. Die Grundfläche ermöglicht kaum eine der artgerechten Verhaltensmuster.
Mangels Bewegungsfreiheit kann sich das Skelett nicht normal entwickeln. Es kommt zu Wirbelsäulenverkrümmungen und Gelenkschäden. Beispielweise wird die Oberschenkelknochen-Struktur nicht vollständig ausgebildet und durch die dauerhafte Fehlhaltung kommt es zur krankhaften Verkrümmung der Wirbelsäule.
wie sich gefangenschaft anfühltDa ein Kaninchenkäfig kaum Abwechslung und Beschäftigung ermöglicht, führt er beim Kaninchen laut Studienergebnissen unweigerlich zu stereotypischen Verhaltensweisen (Video), Aggressionen und Unruhe. Auch Panikreaktionen wurden beobachtet.
Bei säugenden Häsinnen kommt eine weitere erforschte Problematik hinzu: Sie kann natürliche Verhaltensweisen wie z.B. das Verschließen des Nestes und das Fernhalten von den Jungen nicht ausleben. Diese Verhaltensweisen sind in der Natur für die Jungen überlebenswichtig. Deshalb wird die Häsin extrem unter Stress gesetzt, wenn sie diese Verhaltensweisen nicht ausleben kann.

„Nicht nur falsches und zu viel Futter führt zu Übergewicht, sondern ebenso Bewegungsmangel, unter dem viele unserer Hauskaninchen leiden. Die Folgen sind deformierte Knochen und Muskelschäden.
Optimal für die artgemäße Bewegung ist ein großes Gehege im Garten mit festen wetterbeständigen Häusern und Grabmöglichkeiten, ganz wie im richtigen Kaninchenleben. Es versteht sich von selbst, dass ein solcher Auslauf ausbruchsicher und vor Feinden, wie Nachbars Hund oder Katze und vor Greifvögeln geschützt sein muss. Mit Tonröhren, Baumstämmen, Ästen und Heuraufen können Sie eine richtige Kaninchenlandschaft gestalten. “
Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt)

Welche Fläche brauchen Kaninchen um sich artgerecht zu bewegen?

gespräch kaninchenUnser Deutsches Tierschutzgesetz schreibt vor, dass jedes Tier, das sich in der Obhut des Menschen befindet, „verhaltensgerecht untergebracht“ werden muss. Man darf es also nicht so beengt halten, „dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden“.

Je nach Körpergröße des Kaninchens sind unterschiedliche Mindestmaße nötig um alle artgerechten Verhaltensweisen zu ermöglichen. Als „Körperlänge“ ist hierbei die Länge im ausgestreckten Liegen mit nach hinten ausgestreckten Hinterläufen zu rechnen.

„Grundsätzlich kann nur Gruppenhaltung in einem weitläufigen Gehege als artgemäss angesehen werden. Ein gut strukturierter Innenstall mit ständigem Zugang zu einem großzügig bemessenen Laufbereich im Freien (Freilandgehege) ist optimal.“
TVT, Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz

Zum arttypischen Verhalten gehören:

Digital StillCameraBauch- und Seitenlage: 1 Körperlänge + ca. 10cm
Männchen machen (aufrechte Haltung auf den Hinterläufen): 1 Körperlänge + Ohrenlänge + ca. 10cm
sich wälzen: 1 Körperlänge + ca. 10cm
Hoppeln
„1 Hoppelschritt Kaninchen = 2,1fache Kaninchenlänge
2 Hoppelschritte = 3,3fache
3 Hoppelschritte = 4,5fache Kaninchenlänge“ (Drescher 2003)
Sprinten und fliehen: ca. 30-100 Körperlängen (Kaninchen erreichen bis zu 80km/h)
Haken schlagen: Eine weite Fläche, ca. 5×8 Körperlängen

Allein dieser Einblick in den Platzbedarf verschiedener Verhaltensweisen legt nahe, dass in einem Käfig für ein Kaninchen kein artgerechtes Leben möglich ist. Wie auch bei Katzen ist also eine käfigfreie Haltung Pflicht – die dem Kaninchen alle Verhaltensweisen und genug Umweltreize und Beschäftigung ermöglicht.

„Eine artgerechte Unterbringung des Kaninchens berücksichtigt sein natürliches Verhalten und erlaubt ihm alle kaninchentypischen Verhaltensweisen. Das Bewegungsrepertoire dieser Tiere ist sehr vielfältig und ausgeprägt. Vor allem aus dem direkten Kontakt zu Artgenossen ergibt sich eine Vielzahl an intensiven Bewegungsweisen wie Rennen, Verfolgen, Hakenschlagen, Springen, Kapriolen und viele mehr. Die Tiere sollten in ihrem Käfig wenigstens drei zusammenhängende Hoppelschritte machen können, was eine Strecke der 4,5fachen Kaninchenlänge erfordert. Bei einem 3 kg schweren Kaninchen mit einer Körperlänge von ca. 40 cm sind dies beispielsweise 1,80 m. Ein Käfig unterhalb dieser Maße schränkt die Tiere in ihrer Bewegung und somit in ihrem Verhalten sehr stark ein. Solche Käfige können bestenfalls in Kombination mit täglichen Freilaufmöglichkeiten verwendet werden. Dabei ist wiederum zu beachten, dass der Lebensrhythmus der Kaninchen eine hohe Aktivität in den Dämmerungszeiten des Tages – also morgens und abends – vorsieht, während sie besonders in der Mittagszeit sehr ruhebedürftig sind. “

„Optimal für die artgemäße Bewegung ist ein großes Gehege im Garten oder ein geräumiger Käfig und mindestens einmal am Tag freigiebiger Auslauf.“
Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt)

 

Ein Käfig oder Stall für nachts?

kaninchen käfighaltungViele Kaninchenhalter denken, dass Kaninchen nachts zum Schlafen sicherlich nicht viel Platz benötigen und ruhig auch auf kleiner Fläche eingesperrt werden dürfen. Sie vergessen jedoch, dass Kaninchen nicht tagaktiv sind wie ein Mensch, sondern vorwiegend dämmerungsaktiv, aber eigentlich wechselaktiv. Sie schlafen immer futterpflanzen käfigwenige Minuten oder auch mal eine halbe oder sogar zwei Stunden und sind dann wieder eine ebenso lange Zeit aktiv – auch nachts. Deshalb brauchen sie in der Nacht ebenso einen artgerechten Lebensraum wie tagsüber. Und nachts schlafen Kaninchen auch nicht mehr als am Tag, sogar eher weniger.

 

„Kaninchen sind typische Dämmerungstiere;
sie sind vor allem in der
Morgen- und Abenddämmerung aktiv.
Dazwischen halten sie gerne zusammen
mit Artgenossen im Schatten
ihre Siesta.“

VgT VN 14-4

Alle hier empfohlenen Mindestmaße sind daher Maße, die als Grundfläche (nicht über Etagen!) rund um die Uhr (auch Nachts) zur Verfügung stehen sollten.

Platzbedarf bei der Gruppenhaltung

kaninchen sozial Neben den natürlichen Bewegungsabläufen kommen in der Gruppenhaltung weitere Faktoren hinzu, die den Flächenbedarf beeinflussen. Eine Kaninchengruppe ist ein soziales System, das nur funktioniert, wenn die Tiere einen entsprechenden Lebensraum vorfinden. Da Kaninchen soziale Tiere sind, ist grundsätzlich eine Haltung von mehr als einem Tier zu praktizieren, wird ein Kaninchen ohne stichhaltige Gründe einzeln gehalten, so ist dies als ein Verstoß gegen unser Tierschutzgesetz zu werten.

kaninchen wie viel platzJe nach Gruppenzusammenhalt haben Kaninchen einen sehr großen Raumbedarf der unbedingt eingehalten werden muss um die Gefährdung von Einzeltieren zu vermeiden. In einer Gruppe besteht immer eine Rangordnung die durch nonverbale Kommunikation aufrecht erhalten wird.

Kaninchen halten je nach Gruppenrang entsprechende Abstände zu ranghöheren Tieren und drücken auf diesem Weg ihren Respekt aus.

Auch Kaninchen brauchen (wie wir Menschen) die Möglichkeit sich von Artgenossen zurück zu ziehen. Auch soziale Tiere haben dieses Bedürfnis und für den Gruppenfrieden ist es wichtig, dass sich die Tiere bei Streitereien erholen und aus dem Weg gehen können.

Kommt das Kaninchen dem ranghöheren Artgenossen zu nahe, so ist dies als Kampfaufforderung zu werten und provoziert das überlegene Tier. Beengte Raumverhältnisse fördern daher das Aggressionspotenzial in der Gruppe! Sehr harmonische Gruppen können beengter als kritische Gemeinschaften gehalten werden.

Tipp: Das Aufstellen von Sichtwänden kann den Raumbedarf herabsetzen, denn so ist es dem rangniederen Tier möglich, aus dem Sichtfeld des ranghöheren auszuweichen, indem es die andere Seite der Barriere aufsucht.

Tipp: Etagen, erhöhte Sitzplätze und mehrere Ebenen ermöglichen es Kaninchen auch bei beengten Platzverhältnissen die Abstände zu den überlegenen Artgenossen zu wahren.

Tipp: Sackgassen sollten gerade bei beengten Raumverhältnissen vermieden werden.

Flächenbedürfnis zur Erhaltung der geistigen Fitness

kaninchen abwechslungKaninchen sind ausgesprochen gewitzte und an ihrer Umgebung interessierte Tiere. Ein zu reizarmes Umfeld macht sie träge, unterfordert und langweilt sie. Daher wird nur eine Haltung mit viel Abwechslung den Bedürfnissen der Kaninchen gerecht. Ein großer, abwechslungsreicher und belebter Lebensraum ist Voraussetzung um Kaninchen geistig zu fordern und Erkundungstouren zu ermöglichen.

Kommt der Lebensraum des Kaninchens diesen Voraussetzungen nicht nach, so führt das zu Verhaltensstörungen (z.B. „Gitternagen“, eine stereotypische Verhaltensstörung).

kaninchen küheUm entsprechende Umweltreize zu bieten, darf das Kaninchen niemals abseits untergebracht werden sondern benötigt grundsätzlich einen Lebensraum, der entweder natürlichen Umweltreizen (Schneefall, Laub, Wind, Sonne, Regen, Natur-Geräusche etc.) oder künstlichen Reizen (Stimmen, neue Einrichtungsgegenstände, Lebensraum-Veränderungen durch „im Revier wohnende Menschen“) ausgesetzt ist.

Gleichzeitig sollte aber eine Reizüberflutung vermieden werden. Viele Haushaltsgeräusche (Rasenmäher, Staubsauger, durchgängig laute Musik) überfordern das Kaninchen, es sollte sich deshalb immer vor solchen Geräuschen gut zurückziehen können und ihnen nicht dauerhaft ausgesetzt sein.

Nur wenn Kaninchen ein Umfeld erhalten, dass ihre geistige Fitness aufrecht erhält, wird ihr ganzes Potenzial ausgeschöpft und das Kaninchen interessant zu beobachten. Reizarm gehaltene Kaninchen sind für den Halter beim Beobachten langweilig.

Bewegung hält Kaninchen fit und gesund.

Verschiedene Mindestgrößen aus der Literatur
Deutscher Tierschutzbund e.V.
Für 1-3 Kaninchen mindestens 6 m² Grundfläche,
für 3-5 Kaninchen 10 m².
Tierschutzverein „Vier Pfoten“
Mindestens 6-10m² ständig zur Verfügung stehende Fläche
Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren (Gutachten AUT)
Mindestgehegegröße für bis zu 5 Kaninchen: 20 m² (jedes weitere Tier zusätzlich 10% der Fläche)
Deutsches Gutachten ü. Mindestanf. an die Haltung von Säugetieren
Mindestgröße: 3-5 m²-Gehege für alle Wildkaninchenarten
Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.
Innenhaltung: Mindestmaße für kleine Rassen: 150 cm x 60 cm x 50 cm(B x T x H) + tägl. Freilauf
Außenhaltung: Mindestens 3-5 m²-Grundfläche zzgl. einer wetterfesten Schutzhütte
Schley: 3-5m² je Kaninchen
Leitl. für eine tierschutzger. Haltung von Wild in Gehegen
Eine Kaninchenanlage von 6 m² für maximal fünf Tiere

Notlösungen

Werden Kaninchen vorübergehend für kurze Zeit untergebracht (Quarantäne, kranke Kaninchen, Kastrationsfrist etc.) oder hat man Kaninchen angeschafft ohne ihre Bedürfnisse zu kennen, so kann es oftmals schwierig sein, die Mindestgrundfläche einzuhalten. Hier sind auch Notlösungen möglich, z.B. die Haltung auf einem mindestens 4m² großen Balkon oder die Abzäunung einer kleineren Zimmerecke. Eine freie Haltung in der Wohnung oder im Zimmer ist jedoch mehr zu empfehlen, denn so nehmen die Kaninchen keinen Platz weg sondern teilen sich ihren Lebensraum mit dem des Halters.

kaninchenkäfig
Auch der „größte“ Käfig im Handel bietet nicht genug Bewegungsfreiheit. Kaninchen sind Lebewesen und benötigen Platz zum bewegen und einen abwechslungsreichen, interessanten Lebensraum! Daher sollte der Käfig nur als Rückzug zur Verfügung stehen und Tag wie Nacht offen stehen.

Auch bei kleinen 1-Zimmer-Wohnungen ist eine käfigfreie Haltung zu realisieren indem die Kaninchen sich das Zimmer mit dem Halter teilen, eine Zimmerecke abgetrennt bekommen oder auf dem Balkon leben. Es sind auch kleine Wohnungen mit Terrasse/Garten oder großen Balkon zu finden.

Kinder und Jugendliche bekommen oftmals Käfig-Kaninchen von ihren uninformierten Eltern und stellen beim Informieren fest, dass sie andere Bedürfnisse haben. In so einem Fall ist es besonders bei uneinsichtigen Eltern schwierig, im engen Kinderzimmer eine artgerechte Haltung zu realisieren, vor allem wenn die Eltern mit einer freien Zimmerhaltung nicht einverstanden sind. Dann gilt es Notlösungen zu suchen.

Ein Jugendlicher der sein 15m²-Zimmer mit zwei Kaninchen teilt oder 4m² seines Zimmers den Kaninchen zur Verfügung stellt und ihnen regelmäßigen Auslauf ermöglicht, hat schon großen Respekt verdient. Kaninchenhaltung sollte auch immer im Kontext der Lebensumstände betrachtet werden. Ein Jugendlicher mit käfigfreier Kaninchenhaltung in seinem Zimmer macht mehr Abstriche für seine Kaninchen, als ein Gartenbesitzer, der seinen Kaninchen 40m² abtrennt. Trotzdem müssen natürlich die Bedürfnisse der Kaninchen zumindest noch ansatzweise ermöglicht werden. Daher gelten folgende Mindestmaße als absolute Untergrenze, sind diese gar nicht zu realisieren, sollte man zum Wohle der Kaninchen an eine Abgabe oder einen Umzug denken: ca. 2m² Grundfläche für bis zu zwei harmonisierende Kaninchen (entspricht zwei großen aneinander geschlossenen 150er-Käfigen) + täglicher Auslauf (mögl. zu den Dämmerungszeiten morgens und abends) oder ca. 4m² Grundfläche für bis zu zwei Kaninchen ohne täglichen Auslauf.

Kaninchen sind Lebewesen. Sie brauchen Reize von außen um ein abwechslungsreiches und erfülltes Leben zu genießen.

kaninchenBei solchen Notlösungen müssen die Kaninchen täglich sehr viel Abwechslung und Beschäftigungs-Materialien erhalten! Das Gehege sollte täglich umgestaltet werden. Zeigen die Kaninchen Verhaltensstörungen (Gitternagen, Aggressionen, Langeweile…), so sollte eine Abgabe überlegt werden. Manche Kaninchen sind besser für beengte Haltungssysteme geeignet als andere.

Notlösungen sind nur dann akzeptabel, wenn die Kaninchen bereits angeschafft wurden ohne Kenntnis von deren Bedürfnissen zu haben. Wer sich Kaninchen neu anschafft oder Kaninchen hinzunimmt, darf sich niemals an solchen Notlösungen orientieren!

Mehr Platz für die Kleider im Schrank als fürs Kaninchen im Käfig?
kaninchen springtImmer wieder höre ich von Haltern, dass sie in engen Stadtwohnungen leben würden und die Forderung nach mehreren Quadratmetern wohl völlig übertrieben wäre. Auf der einen Seite ist das nachvollziehbar, denn auch wir als Menschen leben oft in einem viel zu kleinen Lebensraum, der nicht allen unseren Bedürfnissen nachkommt. Trotzdem kann ich auch in solchen Fällen nicht nachvollziehen, wenn jemand sein Kaninchen deshalb im Käfig hält, denn…

1. …so quält er das Kaninchen vorsätzlich. Ein Käfig kommt nicht den Grundbedürfnissen dieser Tiere nach (siehe Erläuterung oben). Und es macht doch weder dem Menschen, noch dem Tier Spaß, wenn das Kaninchen leidet.

2. …wer würde sich in einer Stadtwohnung einen Elefanten oder eine Deutsche Dogge halten? Oder wer würde sich eine Katze im Käfig anschaffen, wenn er sie nicht zumindest immer frei in der Wohnung laufen lassen könnte? Der Freiheit sind dort Grenzen gesetzt, wo die Freiheit eines anderen Lebewesens anfängt. In der städtischen 1-Zimmer-Wohnung ohne Terrasse oder Garten muss dann wohl auf den Neufundländer, ein Pony und das Kaninchen verzichtet werden, auch wenn man diese Tiere gerne hätte.

3. …auch mit geringen Geldmitteln lassen sich Kaninchen artgerecht halten. Wer wirklich den Wunsch hat Kaninchen zu halten, kann sogar bei einem Einkommen in Höhe der Hilfe zum Lebensunterhalt (z.B. Arbeitslosengeld ll) oder Bafög eine geeignete Wohnung mit großen Balkon oder Terrasse finden bzw. freie Wohnungshaltung praktizieren. Wo Tiere vorsätzlich schlecht gehalten werden mangelt es deshalb meistens weniger am Geld oder den Möglichkeiten, sondern eher an dem Interesse für die Kaninchen. Und wem das Wohlergehen der Kaninchen nicht am Herzen liegt, sollte sich lieber von ihnen trennen.

ich brauche platz kaninchen

Aber: Quadratmeter und Grundfläche sind nicht alles. Lieber ein Quadratmeter weniger und dafür einen abwechslungsreicheren und gute gestalteten Lebensraum als einen etwas größeren aber schlecht eingerichteten Lebensraum ohne Umweltreize.
Und lieber weniger Platz und dafür täglich Auslauf als ein etwas größeres Gehege das nie verlassen werden darf. Denn an erster Stelle steht die Lebensqualität, die nicht nur durch die Grundfläche, sondern durch eine Mischung unterschiedlichster Faktoren wie z.B. der Pflege, der Fütterung, der Einrichtung, den Umweltreizen, Abwechslung und der Grundfläche realisiert wird. Die Quadratmeterzahl sagt nichts darüber aus, ob eine Haltung gut ist. Nur der Gesamteindruck ermöglicht eine Beurteilung.

Wo ein Wille, da ein Weg… In dem Sinne biete ich auch gerne meine Beratung für Menschen an, die wirklich um eine gute Lösung bemüht sind und noch keine gefunden haben. Tierhaltung fordert allerdings immer etwas Platz, Arbeit und andere Abstriche im Alltag. Wer Lösungen sucht muss also kompromissbereit sein. Das, was man jeden Tag in seine Tiere investiert bekommt man aber um ein Vielfaches zurück.

80 Antworten zu “Mindestmaße”

  1. Tanja sagt:

    Hallo,

    Wir haben ein 7,8 m2 großes Außengehege inkl. drei Etagen. Zusätzlich haben wir 12 m2 Auslauf, der nachts aber nicht zugänglich ist, weil nicht mardersicher.
    Zur Zeit leben ein kastrierter Rammler und zwei „Häsinnen“ (Schwestern) im Gehege.

    Der Rammler ist ein ganz ruhiger, gutmütiger Gefährte. Er teilt seine Aufmerksamkeit größtenteils gerecht unter den doch recht zickigen Weibchen auf. Die „Mädels“ streiten oft bis der Rammler dazwischen geht und für Ruhe sorgt. Zur Zeit scheint also alles gut.

    Nun ist es im Winter so gewesen, dass die drei selten zusammensaßen. Meist kuschelte ein Pärchen und ein Weibchen saß alleine. Auch bei extremen Minusgraden….

    Deshalb wollten wir nun einen zweiten kastrierten Rammler süß dem Tierheim dazuholen, weil zwei Pärchen laut Internet (und eurem Diagramm) gut zusammenpassen.

    Das Tierheim rät uns aber zu einem dritten Weibchen! Das Tierheim argumentiert mit der natürlichen Gruppenzusammensetzung in Freiheit und ihren eigenen Erfahrungswerten. Das verunsichert uns nun sehr und so wünschen wir uns eine zweite Meinung…

    Wir haben drei Möglichkeiten: 1) Wir holen kein weiteres Tier dazu und belassen es bei der Dreiergruppe. 2) Wir holen ein ruhiges Weibchen dazu. 3) Wir holen ein Männchen dazu.
    Was würdet ihr uns raten?

    Vielen lieben Dank für die Antwort!

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