Die Scheckenzucht beim Kaninchen ist ein spezielles Thema, da die klassische Schecke ansich mischerbig und nicht reinerbig ist. Reinerbige Schecken werden Weißlinge oder Chaplins genannt und sind von einer schweren Erbkrankheit, dem Megacolon-Syndrom betroffen.

Betroffene Kaninchen leiden unter einer geringen Lebenserwartung (nur wenige Monate oder Jahre), einem kümmernden Wachstum, Darmstörungen wie Verstopfung, Durchfall (und dadurch Abmagerung) durch die Erweiterung des Darms. Bei Weißlingen wurde zudem eine extreme Stressanfälligkeit und Hypertrophie der Nebennierenrinde nachgewiesen. Deshalb verbietet es unser Tierschutzgesetz, Schecken reinerbig zu züchten.

Die reinerbigen Schecken entsprechen außerdem nicht dem Rassestandard und eine Zucht mit diesen verschlechtert die Vitalität einer ganzen Zuchtlinie. Trotzdem gibt es leider immer noch viel zu viele Züchter, die Schecken miteinander kreuzen: Es entstehen kranke Chaplins. Dadurch wird die Scheckenzucht zum Tierschutzthema.

Betroffene Tiere: Alle Schecken mit Punktscheckung, auch Mischlinge. Rassen: z.B. Englische Schecken, , Kleinschecken, Deutsche Riesenschecken, Rheinische Schecken, Widderschecken und Weiße Hotot.

Schauen wir uns die Scheckenzucht genauer an: Die normale Typschecke ist mischerbig, (also trägt sie die Erbformel Kk, K = gescheckt, k = einfarbig). Die normale Typscheckt trägt also das Scheckungsgen (und ist somit auch Konduktor für das Megacolon-Syndrom/Weißlinge/Chaplins).
Würde man zwei dieser Typschecken miteinander verpaaren, käme es zu folgendem Erbgang:

scheckenzucht schecke x schecke

Wie man anhand des Erbgangs sieht, wäre solch eine Verpaarung tierschutzwiedrig, da 25% der Nachkommen Chaplins sind.
Wie werden Schecken also dann verpaart?

scheckenzucht schecke x einfarbigBei so einer Vorgehensweise werden keine Chaplins gezüchtet. Es entstehen keine reinerbigen Schecken (Chaplins) weil durch das einfarbige Tier keine Scheckung weiter gegeben wird.
Es gibt jedoch noch eine dritte Möglichkeit:

scheckenzucht chaplin x einfarbig

Kreuzt man ein einfarbiges Kaninchen (kk) mit einem Chaplin (KK) so kommen zu 100% mischerbige Kaninchen (= Typschecken, Kk) heraus. Trotzdem ist diese Verpaarung nicht verbreitet und wird kaum umgesetzt, denn die Chaplins sollten nicht zur Zucht eingesetzt werden, sie führen zu einer schlechten Vitalität und schwächen so die gesamte Zuchtlinie.

Ebenfalls möglich ist es, einen Chaplin (KK) mit einer mischerbigen Punktschecke (Kk) zu verpaaren. Dabei fallen zu 50% Chaplins, der Rest der Jungtiere sind Punktschecken (Kk). Aufgrund der hohen Anzahl von Weißlingen, verbietet unser Tierschutzgesetz diese Verpaarung.

Die fünfte Möglichkeit wäre es, zwei Chaplins (KK) miteinander zu verpaaren. Das Ergebnis wären zu 100% Chaplins (KK) Solch eine Verpaarung sollte selbstverständlich nicht vorgenommen werden und ist absolut tierschutzwiedrig!

 

Verbot der Scheckenzüchtung:
§11b TschG Verbot von Qualzuchten
Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen) 

13 Antworten zu “Punktschecken-Scheckenzucht”

  1. Anni sagt:

    Hallo,
    jetzt habe ich auch Klärungsbedarf: Wie ist das denn bei der Verpaarung zweier Schecken – sind dann alle Jungtiere vom Megacolon betroffen oder i. d. R. nur die, die vom Aussehen her ein Chaplin sind (also viel weiß etc.)? Kann man dann bei den Geschwistern mit mehr Farbanteil beruhigt sein, dass diese nicht von der Krankheit betroffen sind?
    Eine Verpaarung von Schecke und Albino wäre demnach unproblematisch?
    Vielen Dank und liebe Grüße
    Anni

    • Freya Haase sagt:

      Hallo Anni,
      Schecken sollten immer nur mit einfarbigen Kaninchen verpaart werden. Bei den Nachkommen erkennt man anhand von Symptomen, ob es sich um Chaplins handelt, allein anhand der Farbgebung kann man es nicht erkennen. Eine Verpaarung von Schecke und Albino könnte auch Chaplins hervorbringen, wenn der Albino eine andere, versteckte Farbe enthält und ein Schecke ist.
      Liebe Grüße
      Freya vom Kaninchenwiese-Team

  2. Emma sagt:

    Ich meinte jetzt von der Farbgebung her … Meine ist ein zwergkaninchen aber wenn sie wegen ihren Punkten eine schecke ist oder ein Chaplin Weiss nicht woran man das sonst erkennt

    • Freya Haase sagt:

      Hallo Emma,
      nur an der Zeichnung erkennt man es nicht. Es sind gibt gesundheitliche Symptome, die einen Chaplin vermuten lassen.
      Liebe Grüße
      Freya vom Kaninchenwiese-Team

  3. Emma sagt:

    Was ist den jetzt genau ein Chaplin? Also alles was nur leicht gepunktet ist, ist eine schecke?

  4. Ulrich sagt:

    Hallo,
    ich ziehe nun schon einige Jahre zwei würfe jährlich auf. Die meisten Züchter achten ja auf Reinrassigkeit, mein Ziel ist es allerdings einen möglichst bunten, mittelgrossen Bestand zu haben. Ich habe auch immer darauf geachtet, Schecken nur mit Einfarbigen zu verpaaren. So wie ich das hier verstehe, würde allerdings auch Scheck mit Holländer oder Russe/Californier unbedenklich sein. Ist es also richtig, dass Holländer, Russen und Californier, sowie evtl. mir unbekante zweifarbige Rassen genetisch kk sind? Und dann wäre da noch eine Frage zu Rex-Schecken. Sind Diese, da Sie ja eine ungleichmässige Scheckung haben, von der Regel ebenfalls betoffen?

    • Hallo Ulrich,
      theoretisch sind Holländer und Russen nicht betroffen, da in diesen Fällen andere Gene für die Scheckung ursächlich sind. Allerdings sind nicht alle Russen und Holländer wirklich noch reinrassig, so dass es mittlerweile welche gibt, die das Scheckungsgen tragen. Dann können bei solch einer Verpaarung auch Chapline fallen…
      Rex-Schecken können leider auch betroffen sein.
      Liebe Grüße
      Viola vom Kaninchenwiese-Team

  5. Sonni sagt:

    Schecke x Weiß geht doch dann auch oder?

  6. Daniela sagt:

    Hallo,
    danke für die tolle Erklärung. Nun haben wir genau so einen schwarz-weißen mit weißem Bauch usw. Die Vollschwester ganz schwarz, so dass ich erst gehofft habe, dass die Eltern beide keine Schecken waren. Die Schwester von Kurt ist uns leider vor knapp 1,5 Monaten verstorben. Sie war nicht ganz ein Jahr alt. Die Eltern kennen wir nicht, da wir beide Kaninchen im Mai aus dem Tierheim geholt haben. Sollten wir auf irgendetwas achten? Bestimmte Auffälligkeiten? Kurt ist sonst fit und lebt mit 2 älteren Herren zusammen die wir ebenfalls aus Tierheim + gefunden haben.

    • Hallo Daniela,
      solange er immer gesunden Kot ausscheidet (keine größeren oder unförmigeren Köttel), gut frisst und aktiv ist, braucht ihr euch keine Gedanken zu machen. Aber es sit sinnvoll, auf den Kot und das Fressverhalten genauer zu achten.
      Liebe Grüße
      Viola

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