ein-tag-alt4tagealt6tagealt10 tage alt12tagealt14tagealt19tagealt24tagealt1monatalt6wochenalt8wochenaltkaninchen-jungtiereAus einem mach sieben

Ein Geburtsbericht zur Aufzucht von Kaninchenbabys

 

Im Juni nahm ich ein tragendes Weibchen bei mir auf. Ich war zu diesem Zeitpunkt gerade mal seit 3 Monaten Halterin von einem Kaninchenpärchen. Ich bin also kein Kaninchenexperte. Sonst hatte ich nur als Kind ein Kaninchen und das wurde nicht gerade artgerecht gehalten, gilt also nicht als Kaninchenhaltung. Ansonsten nahm ich schon seit etwa einem Jahr immer mal wieder Notmeerschweinchen auf. Mir war also bewusst, dass man eigentlich eine Quarantäne einhalten muss.

Als ich die Häsin in Empfang nahm, sah man bereits, dass sie nicht 100% fit war. Ihr Fell war stumpf und strubbelig und ihre Zitzen sahen aus, als hätte vor ein paar Stunden noch jemand daran gesäugt. Durch die Kleinanzeige, durch die ich sie gefunden habe, wusste ich, dass eine „Notstation“, die mit Nottieren vermehrt, für das Schicksal der Häsin verantwortlich war. Sie wurde hochtragend in die Vermittlung gesetzt. Über die Homepage der „Notstation“ wusste ich, dass das arme Tier bereits am 10. April werfen musste. Sie wurde dann am 15. Mai nachgedeckt. Das überzeugte mich, dass dieses Tier gerettet werden muss, bevor sie weiter als Geburtsmaschine missbraucht wird. Wir fuhren sofort zu unserer TÄ um einen ersten Gesundheitscheck machen zu lassen, leider war nur eine Vertretung da. Da ich auch Angst hatte, dass ich die Babys im Bauch verletzen könnte, wenn ich sie selber untersuche, sollte die TÄ gleich nach den Babys fühlen. Die Tierärztin konnte keine Jungen fühlen. Dennoch wollten wir die Würmer, die wir bei der Kotprobe fanden, erst einmal nicht behandeln, da sie ja auch in einem früheren Trächtigkeitsstadium sein konnte. Da sie laut TÄ, wenn sie überhaupt tragend wäre, noch Zeit hätte, entschloss ich mich, trotz der Würmer sie mit meinen beiden zu vergesellschaften. Der Hauptgrund war, dass sie sonst während der Aufzucht der Jungtiere in einem 120er Käfig hätte sitzen müssen. Mehr Platz ist und war leider nicht da. Die Vergesellschaftung verlief nicht gut und ich musste mir auch im Forum anhören, dass ich verantwortungslos handeln würde. Ich wollte aber nicht aufgeben und hoffte immer mehr, dass sie sich doch noch vertragen würden.

Irgendwann kam ich nach Hause und mein Freund sagte zu mir: „Guck mal.“ Da baute sie in der Toilettenschale ein Nest. Meine beiden anderen Kaninchen fanden es natürlich total super, dass sie einen Berg baute, den sie auseinander rupfen konnten. Jetzt war also der Zeitpunkt gekommen, an dem ich die Mutti doch separieren musste, wenn ich nicht wollte, dass Emma und Felix die Jungtiere auf der Stelle töten würden. Ich sperrte sie in die Toilette ein und wollte nur schnell etwas aus dem Nachbarzimmer holen. Als ich wieder zurück war, war die Mutti schon im Haus verschwunden. Ich beobachtete sie genauer und konnte dabei zusehen, wie sie ihre Babys gebar. Es war sehr aufregend. Denn wie oft hat man schon die Möglichkeit bei einer Kaninchengeburt dabei zu sein. Um sie nicht zu stören, verhielt ich mich ganz ruhig und fasste auch nicht in den Käfig, den ich provisorisch gebaut hatte, um sie vor den anderen beiden Kaninchen zu schützen.

Nachdem die Mutter dann das Nest nachträglich noch mit Fell und Stroh polsterte und es dann erst einmal verließ um zu fressen und sich zu putzen, versuchte ich mit meiner Kamera in das Haus zu fotografieren. Ich war so neugierig, wie die Kleinen denn nun aussahen und wie viele es wohl waren. Sie hatte mir 6 kleine Würmchen, oder Schrimps, wie meine Schwester sie nannte, ins Nest gelegt. Die Anzahl war aber anfangs nur zu erahnen. Ich wollte nicht in das Nest fassen und die Mutter durch meinen Geruch verwirren. Ich ließ das Nest also intakt.

Jetzt begann aber die eigentliche Angst und Sorge. Sollte ich die Kleinen wiegen? Oder doch lieber im Nest lassen? Bei Meerschweinchen hatte ich schon hunderte von Berichten gelesen, aber bei den Kaninchen waren die Meinungen dazu so verschieden. Man riet mir dann, die Babys nur zu beobachten und wenn sie faltig wären, müsste ich zufüttern. Da taten sich die nächsten Sorgen auf. Wann ist ein Baby faltig? Bis zu welchem Punkt ist ein Bäuchlein rund? Bekommen sie wirklich alle genug zu trinken? Erst an Tag 4 holte ich die Kleinen zum Wiegen aus dem Nest. Das beruhigte mich aber nicht so, wie ich es erhofft hatte. Die Gewichtsunterschiede waren aus meiner Sicht riesig. Ich hatte ständig Angst, dass eins der Babys verhungern würde, weil es so leicht war.

maxfaktor-kaninchenBeim Wiegen viel mir dann auf, dass eines der Babys ein leicht geöffnetes Auge hatte. Als ich mich belaß und informierte, wurde schnell klar, dass es sich dabei eigentlich nur um den Maxfaktor handeln kann. So musste ich zu meinen normalen Sorgen als Anfängerkaninchenmutti nun auch noch gucken, dass sich das Äuglein nicht entzündet. Und es gab natürlich weitere Gedanken. Ist das Baby jetzt behindert? Kann es ein normales Leben führen? Wird es blind werden? Ist es Quälerei so ein Tier groß zu ziehen?


kaninchenbaby-ausflugIrgendwann wurde ich ruhiger und die Babys größer. Es gab viele schöne Momente. Es gibt wohl kaum etwas Niedlicheres als ein winziges Häschen, was sich beim Futtern unter einem Haselnussblatt komplett verstecken kann. Oder die Kleinen zu beobachten, wie sie die Heuhalme eher lutschen als fressen, weil sie noch zu hart und lang sind.

Alle Häschen sind bis jetzt groß geworden und äußerlich gesund. Trotz meiner ganzen Ängste und Sorgen war die Aufzucht sehr erfolgreich, da die Mama sich perfekt gekümmert hat. Obwohl wir viele lustige und niedliche Momente hatten, kann ich nicht verstehen, wie man einfach einmal Babys haben wollen kann. Ich würde auch wieder tragende Häsinnen aufnehmen. Aber nur mit mehr Platz und wenn ich sie von meinen eigenen Kaninchen trennen kann. Eine Vergesellschaftung in der Schwangerschaft möchte ich keinem der Tiere mehr zumuten müssen.

Update vom Februar 2013: Die Babys sind nun 7 Montate alt und schon stellt sich heraus, dass mindestens eines der Kleinen (Schlappko) bereits in diesem jungen Alter Zahnprobleme hat, in wie weit die anderen betroffen sind, wird noch abgeklärt. Dies zeigt, welchen Schaden die Vermehrung von Kaninchen verursachen kann, wenn sie ohne Sachverstand durchgeführt wird.

Ein Baby (männlich kastriert, geimpft) hat fast ein Jahr auf ein neues Zuhause gewartet.
Wer sich für „einmal Kaninchenbabys“ entscheidet muss also auch damit rechnen, die Kleinen recht lange behalten zu müssen, bis irgendwann Plätze gefunden sind.

Vielen Dank an Juliane für diesen Erfahrungsbericht!

Fotos rechts nach Reienfolge:
1 Tag alt, 4 Tage alt, 6 Tage alt, 10 Tage alt, 12 Tage alt, 14 Tage alt, 19 Tage alt, 24 Tage alt, 28 Tage alt, 6 Wochen alt und 8 Wochen alt.

Eine Antwort zu “Erfahrungsbericht Kaninchenbabys”

  1. Elke sagt:

    Kein Kommentar! Ich suchte einen Antwort. Unser roter Neuseeländer Mama hat diese Nacht Junge bekommen (8 Stück) und alle lagen tot in Ihren Stall. Wie kann so sein und was müssen wir jetzt mit der Mutter machen.Sie macht einen macht einen munteren Eindruck, baut weiter am Nest und frisst auch. Hat das jemand schon mal gehabt.

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