Der Zoo Leipzig hält seine Kaninchen alleine und in Buchten

Der Zoo Leipzig hält seine Kaninchen in Einzelhaft in grausamer Buchtenhaltung. Was in Nachbarländern wie Österreich und der Schweiz bereits verboten ist, wird hier als „traditionelle Tierhaltung“ schön geredet.
Ist es auch „traditionell“ wenn man Sklaven hält, weil man es ja früher so gemacht hat?
Eine schlimme Vorbild-Haltung für die zahlreichen Kinder, die den Zoo besuchen.

Zoo Leipzig Kaninchen

Nach außen gibt sich der Zoo als zeitgemäß und artgerecht, wenn man dann allerdings die Kaninchenbuchten betrachtet, sieht man, dass es sich um reine Image-Pflege handelt, die im Zoo selbst nur bei manchen Tierarten umgesetzt wird.

„Der Zoo Leipzig gehört zu den modernsten und innovativsten Tiergärten der Welt. Mit dem Konzept ‚Zoo der Zukunft’ vereinen wir artgerechte Tierhaltung und einzigartige Erlebnisse für die Zoobesucher.“
Zoodirektor Prof. Dr. Jörg Junhold über den Zoo Leipzig

Wir haben den Zoo Leipzig bereits kontaktiert und leider keine Antwort erhalten.

Laut Aussagen des Zoos ist die Haltungsform vom Veterinäramt vor Ort abgenommen worden. Und das, obwohl sie nicht einmal den lockeren Vorgaben der Nutztierverordnung entspricht, die einheitliche und bindende Standards für die gewerbmäßige Haltung vorschreibt. Diese geringen Standards beinhalten u.a. eine kleine Etage auf der die Tiere erhöht sitzen und sich untendrunter verkriechen können. Selbst das ist im Zoo Leipzig bisher nicht umgesetzt worden. Die Tiere sind in ihren Beton-Buchten sogar bei starker Hitze der absoluten Sonneneinstrahlung ausgesetzt, was für die empfindlichen Tiere sogar mit dem Tod enden kann.

Auch die Einzelhaltung von einigen Kaninchen ist untragbar. In Deutschland ist im Tierschutzgesetz festgehalten, dass Kaninchen „ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen“ untergebracht werden müssen. Das Bedürfnis nach Sozialkontakten ist international von Experten zweifelsfrei bestätigt und festgehalten worden.

„Kaninchen brauchen zum Wohlfühlen und für die gegenseitige Körperpflege die Gesellschaft mindestens eines weiteren Kaninchens, auf keinen Fall aber ein Meerschweinchen.“
Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V.

„Kaninchen sind gesellige Tiere, die naturgemäß in Familienverbänden leben. Daraus ergibt sich, dass eine Einzeltierhaltung per se nicht artgerecht ist. Viele Verhaltensweisen des Kaninchens sind auf das Zusammenleben in der Familie ausgerichtet. Soziale Beziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern ergeben sich teils aus angeborenen Verhaltensweisen, teils aus individuellen Erfahrungen und Lernprozessen, die erst allmählich zu Verhaltensnormen heranreifen.“
Birgit Drescher, Tierärztin

Dass das Tierschutzgesetz so auszulegen ist, dass sozial lebende Tiere auch Sozialkontakte ausleben können, ist gerichtlich beispielsweise durch das Verwaltungsgericht Trier (AZ: 6 K 1531/13.TR) festgestellt worden. Dies spiegelt sich auch in Regelungen zur Mast- und Versuchskaninchenhaltung wider.

„Mastkaninchen dürfen nicht einzeln gehalten werden. Abweichend von Satz 1 ist eine Einzelhaltung zulässig, wenn gesundheitliche oder verhaltensbedingte Gründe bei einem Kaninchen dies erfordern. […]  Haltungseinrichtungen müssen so beschaffen sein, dass Mastkaninchen, die nach § 36 Absatz 1 Satz 2 einzeln gehalten werden, andere Kaninchen sehen, riechen und hören können.“
TierSchNutztV –  §36 (1) und §33 (2)

„Das Kaninchen (Oryctolagus cuniculi) ist von Natur aus ein Gruppentier. […] Jungtiere und Weibchen sollten in harmonischen sozialen Gruppen untergebracht werden. Eine Einzelunterbringung sollte nur dann erfolgen, wenn dies aus veterinärmedizinischen oder tierschützerischen Gründen gerechtfertigt ist. Die Einzelunterbringung aus experimentellen Gründen sollte nur in Absprache mit dem Zootechniker und dem Tierschutzbeauftragten erfolgen. Ausgewachsene unkastrierte Männchen können Revierverhalten zeigen und sollten nicht zusammen mit anderen unkastrierten Männchen untergebracht werden. Ausgestaltete Bodenbuchten werden erfolgreich für die Unterbringung junger Kaninchen und ausgewachsener Kaninchenweibchen eingesetzt. Bei Gruppen sollte jedoch darauf geachtet werden, dass keine Aggressionen aufkommen. Am besten geeignet für die Gruppenhaltung sind Wurfgeschwister, die seit dem Absetzen zusammen gehalten werden. Können einzelne Tiere nicht in Gruppen gehalten werden, so sollte auf eine Unterbringung mit nahem Sichtkontakt geachtet werden.“
Verordnung zu der Annahmeerklärung vom 15. Juni 2006 über die Änderung von Anhang A des Europäischen Übereinkommens zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Wirbeltiere

Auch der Platzbedarf der Tiere wird im Zoo Leipzig nicht Rechnung getragen. Die Tiere können keine Haken schlagen, nicht sprinten und sich auch nicht richtig zurückziehen.

Das Veterinäramt scheint auch keine Haltung im Sinne des Säugetiergutachtens, welche die Auslegung des TschG für Tiere im Zoo regelt, umzusetzen. Dort wird eine „Haltung von europäischen Hasen und Wildkaninchen […] in Außengehegen“ empfohlen. Auch auf die ausreichende Strukturierung und das Grabebedürfnis wird dort hingewiesen: „Kaninchen sollen einen Kunstbau haben oder die Möglichkeit, selbst einen Bau zu graben. Zusätzlich sind ihnen Baumstümpfe und andere Versteckmöglichkeiten anzubieten.“

Mindestmaße aus der Literatur (noch besser wäre eine Haltung weit oberhalb des „Minimums“):

Deutsches Gutachten über die Mindestanfoderungen an die Haltung von Säugetieren
Mindestgröße: 10m² je Paar + 2m² für jedes weitere Kaninchen

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.:
Außenhaltung: Mindestens 3-5 m²-Grundfläche zzgl. einer wetterfesten Schutzhütte

Leitlinie für eine tierschutzgerechte Haltung von Wild in Gehegen:
Eine Kaninchenanlage von 6 m² für maximal fünf Tiere

Während andere, moderne Zoos und selbst kleinere Streichelzoos längst Gehege und Volieren für ihre Kaninchen erbaut haben, so dass diese in Gruppenverbänden artgerecht leben und sich bewegen können, hält der Zoo Leipzig weiterhin an der tierquälerischen Buchtenhaltung fest.

Richtet euren Protest an:

Telefon: (0341) 59 33-500
E-Mail: office@zoo-leipzig.de
Web: http://www.zoo-leipzig.de/
Facebook: https://www.facebook.com/ZooLeipzig