Besondere Bedürfnisse von Kaninchen-Senioren

alte-kaninchenJe nach individueller Entwicklung spricht man beim Kaninchen etwa ab dem fünften Lebensjahr von einem Senioren. Viele Erkrankungen und Probleme treten jedoch erst deutlich später auf.
Achten Sie bei Senioren verstärkt auf Krankheitszeichen für typische Alterserkrankungen und suchen sie umgehend einen Tierarzt auf. Achten sie auf eine gewohnte Umgebung, ein Partnertier zum Kuscheln und um Stress zu reduzieren und Rückzugsgelegenheiten. Erleichtern sie den Zugang zu Futter und Wasser und sorgen sie für einen ausgepolsterten, sauberen und trockenen Untergrund. Kontrollieren Sie regelmäßig die Gesundheit und das Wohlbefinden des Tieres.

Gewicht

Ältere Kaninchen neigen manchmal zu Übergewicht, da sie sich weniger bewegen als junge Kaninchen. Adipositas kann auf Dauer zu Herzerkrankungen führen, arthritischen Erkrankungen verschlechtern, die Sprunggelenke belasten und Erkrankungen der Leber (Fettleber) und anderer Organe auslösen. Dadurch entstehen oder verstärken sich vielfältige Krankheiten.
Andererseits haben viele ältere Kaninchen auch ein Problem, ihr Gewicht beizubehalten. In diesem Fall sollte durch einen Tierarzt das Zahnsystem geprüft, eine Kotprobe und das Allgemeinbefinden untersucht werden. Oft stecken auch Nierenerkrankungen hinter einer Gewichtsabnahme. Bei solchen Kaninchen kann durch etwas Obst (Banane, Apfel) und Haferflocken oder andere Saaten das Gewicht verbessert werden. Es muss jedoch unbedingt die Ursache geklärt werden bzw. ausgeschlossen werden, dass gesundheitliche Ursachen bestehen.

Bewegung und Aktivität

Ältere Kaninchen bewegen sich deutlich weniger als junge Kaninchen und haben ein erhöhtes Bedürfnis nach Ruhe. Oft tritt im Alter Arthrose und Spondylose auf, diese äußerst sich symptomatisch durch:
– Weniger Bewegungsfreude
– Vermeidung von Sprüngen auf erhöhte Plätz oder von diesen herunter
– Probleme bei der Körperpflege
– Unreinheiten, mangelhafte Stubenreinheit, Urin und Kotverklebungen am Popo
– Probleme, den Blinddarmkot aufzunehmen
kaninchen-seniorenTiere mit dieser Symptomatik gehören in tierärztliche Hände. Neben der Medikation ist es wichtig, den Analbereich sauber zu halten, das Futter und Wasser leicht zugänglich und am Lieblingsplatz anzubieten, für einen weichen, gepolsterten Untergrund zu sorgen und (bei Übergewicht) das Gewicht zu reduzieren. Zudem sollte Feuchtigkeit und Kälte vermieden werden.
Viele Senioren verändern auch ihr Verhalten, werden sehr ruhig, ziehen sich mehr zurück, kuscheln viel und reagieren recht stark auf Stress und Veränderungen. Deshalb ist es wichtig, Veränderungen langsam und schonend zu veranlassen und Stress zu vermeiden. Eine starke Veränderung, besonders wenn sie plötzlich von Statten geht, muss vermieden werden. Alte Kaninchen sind Gewohnheitstiere und brauchen ihre regelmäßigen und gewohnten Abläufe und die vertraute Umgebung. Ein Partnertier gibt ihnen Schutz und Rückhalt, zudem reduziert es Stress.

abszess-kaninchenFell und Haut

Ältere Kaninchen pflegen oft ihr Fell nicht mehr so intensiv wie junge Tiere, deshalb kann es nötig sein, sie im Fellwechsel zu unterstützen indem man das alte Fell herauskämmt oder zupft. Zudem sollte das Fell bei Bedarf gepflegt werden, z.B. wenn Verklebungen vorhanden sind. Das Fell wird auch oft weniger dicht, so dass es nötig sein kann, etwas mehr Winterspeck anzufressen zu lassen, so dass sie trotzdem im Winter draußen bleiben können.
Einige Kaninchen neigen im Alter auch zu Abszessen, besonders wenn sie schon in früheren Jahren diese Erkrankung hatten.
Im Sommer ist es sehr wichtig, alte Tiere vor Fliegenmaden zu schützen. Wenn die Tiere Wunden haben, geschwächt sind oder Verschmutzungen im Fell haben (Kot oder Urin) sind sie akut gefährdet und sollten 2x täglich kontrolliert und von Fliegen fern gehalten werden (Innenhaltung mit Fliegengitter etc.).

Krebs

Bei älteren Kaninchen besteht ein erhöhtes Risiko für Krebs und Tumore, diese gehören in tierärztliche Behandlung.

kaninchen-zähneAugen

Im Alter kann es (oft durch jahrelange Fehlernährung) zu einem verstopften Tränennasenkanals kommen, der sich durch dauerhaften Augenausfluss äußert. Der Tierarzt kann den Kanal normalerweise wieder freispülen, unbedingt müssen die Zähne überprüft werden. Ebenfalls tritt oft der Graue Star auf, die Augen wirken dann trüb und das Kaninchen sieht etwas eingeschränkter seine Umgebung.

Atemwege und Herz

Husten, Niesen, Röcheln und Nasenausfluss deutet auf Atemwegserkrankungen und/oder Herzprobleme hin. Diese treten bei Senioren oft auf und müssen tierärztlich behandelt werden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERANahrungsaufnahme und Durchfall/Verdauungsstörungen

Im Alter treten oft Verdauungsprobleme auf, die durch Zahnprobleme verursacht werden. Bei alten Kaninchen werden oft vorherige Fütterungsfehler in Form von Zahnproblemen sichtbar, denn die Zähne wachsen beim Kaninchen lebenslang nach und werden nur bei richtiger Fütterung optimal abgenutzt. Die Zähne müssen korrigiert werden. Ebenfalls kann die Narungsaufnahme verweigert oder reduziert werden, wenn Zahnerkrankungen bestehen.
Viele ältere Kaninchen sind zu steif um ihren eigenen Blinddarmkot aufzunehmen, so dass dieser liegen bleibt oder sich im Analbereich verklebt.

Nieren & Harnwege

Nierenerkrankungen sind nicht selten bei Kaninchen-Senioren. Besonders eine falsche Fütterung kann zum chronischen Nierenversagen führen, die sich durch Abmagerung, stumpfes Fell und vermehrte Flüssigkeitsaufnahme äußert. Viele Kaninchen pinkeln sich im Alter ein, dies deutet auf eine Blasenentzündung, Blasensteine oder Gries-Ansammlungen in der Blase hin. Die letzten zwei Erkrankungen werden durch eine trockene Ernährung begünstigt.

57 Antworten zu “Kaninchen-Senioren”

  1. NiNA sagt:

    Hallo,

    hier ein kurzer Einblick zum Status quo: Wir haben vor zwei Wochen unsere 10 Jahre alte Zwergdame verloren und unser 10 Jahre altes Zwergenböckchen ist aktuell alleine. Er wurde vor einer Woche recht krank, das Auge hat getränt und er hat wenig bis gar nichts gefressen. Vom Tierarzt habe ich dann unter anderem etwas zum peppeln bekommen, was auch recht schnell Wirkung gezeigt hat, denn nach dem zweiten Tag fand er es total doof über die Spritze versorgt zu werden und fing rasch an wieder alleine zu mümmeln. Er beginnt seinen Lebensmut wieder zu finden! Der Tierarzt hat uns Tabletten zur Stabilisierung für Herz und Kreislauf mit gegeben. Gestern hat er es bem Tierarzt direkt gespritz bekommen und heute bekommt er es noch mal direkt ins Mäulchen. In 10 Tagen muss ich dann noch mal zur Kontrolle mit ihm hin.

    Eine 7-jährige Löwenkopf-Mix-Dame aus dem Tierschutz wartet seit letzterr Woche auf die Vergesellschaftung mit unsrem alten Herrn. Da er noch kränkelt, warten wir aktuell noch damit bis es ihm wieder komplett gut geht! Man muss dazu sagen, unser alter Herr ist für sein Alter erstaunlich fit und lebendig, auch der Arzt ist jedes mal erstaunt wie gut er für sein Alter aussieht.

    Was bisher geschah?
    > Wir haben vor 2 Wochen unsere Dame gehen lassen müssen. Sie hatte Arthrose und am Ende konnte sie sich nicht mehr auf ihren Hinterbeinchen halten….. Einen Tag nachdem sie nicht mehr da war, haben wir eine 2-3 Jahre junge Zwergdame vom Tierschutz zu uns holen dürfen. Die Vergesellschaftung ist gescheitert. Er war am Anfang sehr ruhig und wir hatten das Gefühl das er sie direkt annimmt, er hat direkt Küsschen verteilt. Ihr hat das aber gar nicht gefallen. Sie ist immer wieder zu ihm hin und dann ganz zackig wieder weg gelaufen. Ist er zu ihr gehoppelt wollte sie ihn direkt rammeln. Das hat ihm nicht gepasst! Und somit hat sich am Ende eben kein Ende gezeigt und die beiden haben sich ineinander verbissen. Zum Glück ist bei beiden nichts schlimmeres passiert. Die junge Dame ging dann zurück zum Tierschutz.
    > Unser alter Herr wurde dann krank. Wir vermuten es war ihm alles zu viel. Er hat seine langjährige (10 Jahre) Partnerin frisch verloren und direkt eine neue, quirlige und vor allem dominate Dame „vor die Nase gesetzt bekommen“. Das fand er doof, denn er ist der Boss und hat von außen betrachtet der Dame mit seinen 10 Jahren genau gezeigt wer der Herr im Haus ist. Er hat sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen! Gefühlt hat er „am Ende“ seine „letzte“ Energie verbraucht um dem Jungspund Paroli zu bieten.
    > Letztes Wochenende haben wir dann eine 7-jährige Löwenkopf-Mix-Dame aus dem Tierschutz zu uns nach Hause geholt. Die beiden sind schon aufeinander getroffen. Diesesmal war so, das der erste Kontakt mit den beiden so war, dass sie dirket das Köpfchen auf den Boden gelegt hat und sich damit untergeordnet hat, er hat sie daraufhin aber direkt mit einem Biss attackiert. Seitdem sind die beiden getrennt. Wir haben hier sicherlich den Fehler gemacht und die beiden aufeinader treffen lassen und er war ja noch nicht gesund – Anfänger-Fehler 🙁 Wenn es unserem Herrn wieder besser geht wollen wir aber einen weiteren Versuch mit den beiden wagen.

    Was meint Ihr? Macht es generell Sinn ihn mit seinen 10 (+) Jahren zu vergesellschaften? Was wenn der Versuch weider scheitert, versucht man dann noch einen Versuch mit einer dritten/anderen Kandidatin?

    Am Ende wollen wir für unseren alten Herrn einfach alles richtig machen!

    Danke für Euer Feedback!

    • Hallo NiNA,
      ja, es ist es definitiv wert! Und der Anfang klingt sehr gut. Nun solltet ihr warten bis der alte Herr sich erholt hat und die beiden nicht zusammen lassen. Wenn es soweit ist, nehmt ihr am Besten einen neutralen Raum oder ein neutrales Gehegem in dem noch niemand von den beiden gewohnt hat. Ihr verteilt dann leckeres Essen überall und lasst dann beide aufeinander treffen.
      Es ist wirklich toll zu sehen, wie sich so alte Senioren wieder aufrappeln und durch die Partnerschaft wieder neue Lebenskraft sammeln :).
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

  2. lilli sagt:

    Kamille darf nicht ans Auge, weil es dies austrocknet!!!!

  3. Jenny sagt:

    Hallo, seit ein paar Tagen bin ich plötzlich Kaninchen-Mama eines sehr alten und kranken Kaninchens (11 Jahre, blind, taub, verschnupft etc. Wir sind aber beim TA und er meint, es macht einen guten Eindruck für sein Alter und arbeitet jetzt mit homöopathischen Mitteln. Es bessert sich täglich und blüht das erste Mal im Leben richtig auf). Nun meine Frage: Wie kann ich es ihm angenehmer machen? Ist eine Decke statt Stroh und Heu nicht viel angenehmer? Was kann ich tun, um ihm seinen Lebensabend nochmal so richtig schön zu machen? Leider habe ich dazu noch nichts gefunden und ich bin das erste Mal Kaninchen-Mama und möchte doch nur, dass es nochmal das Leben hat, welches ihm verwehrt geblieben ist. Für Tipps und Ideen wäre ich super dankbar 🙂 Wenn möglich, bitte per E-Mail, da ich nicht weiß, ob ich diese Seite hier im Handy wieder finde 🙁

  4. Ariane sagt:

    Mein Opi ist 8,5. Hat den grauen Star.
    Dagegen kann ich nichts tun zb Augentropfen zur Linderung oder so oder ?

    • Hallo Ariane,
      bei altersbedingtem grauen Star kann man leider nichts tun. Die Kaninchen kommen allerdings relativ gut damit klar nach einer Eingewöhnungsphase.
      Ist der Katarakt allerdings nicht auf das Alzter zurückzuführen, können auch Diabetes oder E.c. dahinter stecken. Das müsste der Tierarzt dann aber genauer untersuchen. Schau mal hier http://www.kaninchenwiese.de/gesundheit/augen.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

  5. Cora sagt:

    Hallo
    Unser Hase ist 11 und wir müssen ihm jetzt ständig den Hintern putzen weil da ständig das ganze Fall verklebt ist. Was können wir eurer Meinung nach tun um dies zu ändern???

    LG Cora

  6. Klodi sagt:

    Hallo,

    ich habe eine ältere Kaninchendame, die jetzt 10 ist. Seit etwa 3 Jahren leidet sie unter Kaninchenschnupfen, allerdings sind hauptsächlich die Augen betroffen und wir kommen gut mit Kamillentee und Augentropfen klar.
    Sie ist putzmunter allerdings ist sie sehr sehr dünn, obwohl sie viel mehr frisst als ihr jüngerer Mitbewohner. Sie hat ihr ganzes Leben lang immer konstant 2kg gewogen und wiegt mittlerweile keine 1700gr mehr. Sie frisst gut und ist sehr munter, allerdings mache ich mir Sorgen, dass sie zu dünn wird, beim Streicheln fühlt man deutlich ihre Hüftknochen und Rippen. Die Zähne sind in Ordnung und sie bekommen jeden Tag frisches Grünfutter. Ich gebe ihr speziell noch Erbsenflocken dazu, da die ja sehr kalorienhaltig sind. Ist es normal, dass sie ab einem gewissen Alter so dünn sind oder muss ich mir Sorgen machen?

    Vielen Dank im Voraus

    • Hallo Klodi,
      leider ist das normal für fortgeschrittene Kaninchensenioren, dass sie stark abbauen. Hier kannst du nun die Leckerliekeule schwingen und mehr Banane und Haferflocken und andere Leckerlies geben. Dabei solltest du immer auf die Verdauung achten.
      Wie im Artikel empfohlen, ist es auch ratsam sie regelmäßig untersuchen zu lassen.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

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