medikamente verabreichen schonendSollte Ihr Kaninchen krank sein, kommen sie nur selten drum herum, Medikamente zu verabreichen. Damit dies schonend für Ihre Kaninchen und stressfrei für Sie von statten geht, möchten wir hier Tipps zu diesem Thema geben. Gerne nehmen wir weitere nützliche Tipps mit auf.

Tipp: Kontrollieren Sie die Dosierung der Medikamente und halten Sie Rücksprache mit Ihrem Tierarzt, wenn Sie Abweichungen feststellen: Medikamente Dosierung

Hinweis: Viele Medikamente sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, oft lohnt es sich, zu einer anderen Darreichungsform zu wechseln.

Wichtig: Wenn Sie die Medikamente in etwas verstecken, dann probieren Sie vorher, ob dieses Futter auch ohne Medikament gefressen wird. Nur wenn es beliebt ist, lohnt es sich, die Medikamente darin zu verarbeiten. Sollten die Kaninchen das Futter ohne Medikament fressen, mit aber verschmähen, so wird oft einfach zu viel vom Medikament in wenig Futter angeboten, so dass die Kaninchen dieses leicht herausschmecken. Oft ist es sinnvoll, erst Futter ohne Medikament zu geben, dann das Medikament darin zu verstecken und anschließend wieder Futter ohne Medikament. Sonst kann es passieren, dass es die Kaninchen mit der Zeit nicht mehr fressen.

Tabletten

Viele Medikamente sind in Tablettenform erhältlich.
Folgende Tricks können Sie probieren:

  • Frisst das Kaninchen vielleicht die Tabletten selbst, wenn sie ihm als Leckerlie gegeben oder ins Gehege gestellt werden (z.B. homöopathische Tabletten, Angocin und viele Tabletten von „Naturheilkunde bei Tieren“).
  • Manchmal fressen die Kaninchen Tabletten mit, wenn sie z.B. in Trockenfrüchten (handliche Happen) versteckt werden. Manche Kaninchen merken das jedoch… Ideal sind z.B. Rosinen, Softpflaumen oder Cranberries.
  • Wickeln Sie kleine Tabletten in ein Blatt Basilikum oder anderes schmackhaftes Futter ein.
  • Das Futter Cuni Complete lässt sich sehr gut mit Wasser weich machen, so dass man Kugeln mit Tabletten-Inhalt formen kann. Cuni Complete wird oft akzeptiert, wenn die Kaninchen alles andere nicht mögen…
  • Zerkleinern Sie die Tabletten stark um sie besser verabreichen zu können. Zum Zerkleinern können sie einen Medikamententeiler, einen Tablettenmörser/Tablettencrusher, eine Gabel, ein Messer oder zwei in einander gelegte Löffel (zusammen drücken) verwenden. Noch einfacher ist es jedoch, die Tabletten in einem Kaffebohnen-Zerkleinerer oder einer Küchenmaschine zu Pulver zu verarbeiten. Die zerkleinerten Tabletten bzw, das Pulver kann man recht einfach verabreichen, wie unter „Pulver“ aufgeführt.
  • medikamente breiLösen Sie im schlimmsten Fall das Medikament mit wenig Wasser auf und geben es wie bei „flüssigen Medikamenten“ aufgeführt oder mit einer 1ml-Spritze seitlich ins Mäulchen (ohne Nadel). Fixiergriffe: Siehe unten. Weitere Verabreichungsformen, siehe „Flüssigkeiten“.

Flüssigkeiten

Flüssigkeiten lassen sich auf folgende Arten eingeben:

  • Mag das Kaninchen vielleicht das Medikament selbst fressen, wenn die Spritze ans Mäulchen gehalten wird?
  • medikamente gebenMischen Sie das Medikament mit etwas Lieblingsfutter, das sich gut zu Brei verarbeiten lässt (z.B. Banane, Apfel, Haferlocken), sollte das Kaninchen die Medikamente herausschmecken, muss mehr Futter dazu gemischt werden.
  • Das Futter Cuni Complete lässt sich sehr gut mit Wasser weich machen, entweder man tropft das Medikament drüber und verfüttert es dann, oder man lässt eine Wasser-Medikamentenmischung in Cuni Complete einziehen.
  • Schmieren Sie das Medikament um das Mäulchen und an die Vorderpfoten, das Kaninchen putzt sich daraufhin und nimmt dabei das Medikament mit auf (nicht für Medikamente in größeren Mengen geeignet).
  • Manche Kaninchen nehmen Futter, in dem die Flüssigkeit versteckt wurde, z.B. Trockenobst mit Medikamentenfüllung (Rosinen, Softpflaumen…) oder ein gefaltetes Basilikumblatt mit Medikamentenschicht dazwischen.
  • Mag Ihr Kaninchen Säfte? z.B. Karottensaft oder Obstsaft? Wenn es diesen zuverlässig trinkt, kann das Medikament hinzu gemischt werden.
  • Eine eher unzuverlässige Darreichungsform ist über das Trinkwasser, da gesund ernährte Kaninchen (viel Frischfutter) kaum trinken, die anderen Kaninchen mit trinken und die Trinkmenge schwankt. Wenn jedoch keine andere Darreichungsform klappt, da z.B. das Kaninchen sehr schwer zu händeln ist, wäre eine Option, wenige Tage etwas trockener zu füttern und das Medikament ins Trinkwasser zu geben. Manche Medikamente schmecken jedoch so schlecht, dass die Kaninchen nichts davon trinken. Zudem muss das Medikament für alle Kaninchen der Gruppe geeignet sein und das Trinkverhalten überprüft werden.
  • Wenn nichts anderes klappt: Geben Sie das Medikament mit einer 1ml Spritze seitlich ins Mäulchen ein (siehe weiter unten).

Pulver

  • Pulver lässt sich meist problemlos mit Banane, Apfel oder einer anderen Lieblingsspeise vermischen, dann wird es sehr gerne mitgefressen. Probieren Sie vorher aus, ob das Kaninchen überhaupt das Futter (ohne Medikamente) mag. Sollte es das Medikament zu stark herausschmecken, sollte mehr Mischsubstanz hinzugemischt werden.
  • Das Futter Cuni Complete lässt sich sehr gut mit Wasser weich machen, dann kann das Pulver mit reingemischt werden.
  • Das Pulver können Sie auch über das normale Frischfutter streuen, wenn Sie es zuvor anfeuchten.
  • medikamenteVieles Pulver lässt sich auch mit Flüssigkeit mischen und kann dann wie unter „Flüssigkeiten“ aufgeführt, verabreicht werden.
  • Ebenfalls kann das Medikament mit wenig Wasser aufgelöst und mit einer 1ml-Spritze seitlich ins Maul eingegeben werden.

Globuli

Homöopathische Medikamente werden oft als Globuli angeboten. Diese lassen sich meist recht einfach verabreichen indem man:

  • Die Globuli in ein Futterstück (Trockenobst, Banane…) das gerne gefressen wird steckt und mit verfüttert.
  • Die Globuli mit einem Lieblingsfutter vermischt (z.B. in Bananenbrei).
  • Manche Kaninchen nehmen die Globuli auch freiwillig aus der Hand oder fressen sie im Futter mit
  • Wenn man seitlich am Mäulchen die Haut anhebt, kann man sie dahinter schieben.
  • Viele Globuli-Medikamente kann man auch in anderen Darreichungsformen kaufen.

Kaninchen spritzen

Eine recht schonende und gut verträgliche Darreichungsform ist, dem Kaninchen subkutan das Medikament zu spritzen. Wird das Kaninchen während dessen und kurz danach gestreichelt, bleibt es oft sogar kurz ruhig sitzen und bekommt die Spritze kaum mit. Gespritzte Medikamente werden nicht über den Darm aufgenommen und sind deshalb schonend zur Verdauung. Der Tierarzt kann anleiten, wie die Medikamente richtig gespritzt werden.

Zwangs-Eingabe und Fixiergriffe

Die letzte Möglichkeit sollte immer sein, ein Kaninchen zur Medikamentenaufnahme zu zwingen indem es zwangsweise eingegeben wird. Erst wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind (andere Darreichungsform, sämtliche Tricks), kann dieser Schritt gewählt werden.
Nur Medikamente die unbedingt notwenig sind, sollten so eingegeben werden, da der Stress, der mit der Zwangs-Eingabe verbunden ist, für die Gesundheit und das Vertrauen zum Tier nicht sehr förderlich sind. Bei Herzerkrankungen ist eine Zwangseingabe auf jeden Fall nicht zu empfehlen, da meistens der Stress der Eingabe mehr schadet, als das Medikament nützt.

Allgemeine Hinweise: Versuchen Sie, schnell und bestimmt die Medikamente einzugeben. Die Eingabe ist mit erheblichen Stress verbunden, der durch zu vorsichtiges Eingeben und ewiges Herumprobieren nur noch verstärkt wird. Fangen Sie das Kaninchen schnell ein und jagen Sie es nicht ewig herum. Geben Sie gleich das Medikament ein und lassen das Kaninchen anschließend sofort wieder laufen. Manchmal ist es sinnvoll, eine leckere Flüssigkeit dazu zu mischen, damit es besser gefressen wird. Schluckt das Kaninchen nicht, sollte auch Banane oder Obstsaft dazu gemischt werden. Ansonsten hilft nur den Mund zu füllen, es abzusetzen (dann wird wieder geschluckt) und es noch mal hoch zu heben.

Das Kaninchen kann wie folgt fixiert werden:

  • Knien Sie sich auf den Boden und klemmen das Kaninchen zwischen ihre Oberschenkel (Popo zu Ihnen, Kopf von Ihnen weg). Mit einer Hand wird das Köpfchen fixiert, mit der anderen das Medikament seitlich in den Mund eingegeben.
  • kaninchen in handtuch medikamente eingebenWickeln Sie das Kaninchen in ein Handtuch, so dass nur noch der Kopf herausschaut. So kann es sich nicht wehren und Sie können recht einfach die Medikamente eingeben.
  • Klemmen Sie das Kaninchen unter Ihren Unterarm, fixieren Sie dabei mit der haltenden Hand den Kopf und geben Sie mit der anderen das Medikament ein.
  • Setzen Sie das Kaninchen auf sein Hinterteil und auf ihren Schoß, sein Rücken angelehnt an ihren Bauch. Geben Sie nun das Medikament ein.
  • Niemals das Kaninchen auf den Rücken drehen! Bei Eingabe auf dem Rücken kann das Medikament in die Luftröhre laufen und das Kaninchen ersticken. Zudem bekommt das Kaninchen bei diesem Griff Todesangst und schluckt nicht.
  • Fixieren Sie bei der Eingabe immer mit einer Hand den Kopf (so dass das Kaninchen sich nicht wegdrehen kann).

11 Antworten zu “Medikamente eingeben”

  1. Konstanze sagt:

    Danke, für diese wunder- und liebevolle Seite! Toll 👍 für mich als Anfängerin in der Hasenhaltung soooooooo wertvoll!!!! Macht bitte weiter so! Liebe Grüße

  2. aysha sagt:

    Obwohl sich unsere nicht gerne anfassen lassen, nehmen sie flüssige Medikamente aus der Spritze ’selbstständig‘ ein. Spritze ans Mäulchen halten und schon wird geschlabbert.
    Bevor wir das herausgefunden haben, hat der Trick mit dem Basilikumblatt super funktioniert.

  3. Daniela sagt:

    Großes Kompliment!!! Eure Seite ist wirklich toll und ich schmökere immer wieder gern darin. Eine Anmerkung hab ich allerdings zur Verabreichung der Globuli. Man muss sich klar machen, dass die eigentliche Wirksubstanz außen auf die Globuli aufgesprüht wird. Die Globuli selber bestehen meist aus Milchzucker und stellen sozusagen den Trägerstoff dar, mit dem das eigentliche Mittel verabreicht wird. Homöopathika wirken über die Schleimhäute, also das Mittel muss Kontakt zur Schleimhaut haben, und das am Besten nicht nur für einen kurzen Moment. Es reicht nicht, wenn die Globuli irgendwo im Kaninchen landen (z.B. im Magen).
    Drum wird von Homöopathen empfohlen, Globuli im Mund zergehen zu lassen.
    Wenn man sie also ins Futter mischt oder in ein Stückchen Obst steckt, dann landet in der Regel einfach nur ein Milchzuckerkügelchen im Magen, ohne dass der Wirkstoff die Möglichkeit hatte, an seiner „Aufnahmestätte“ – nämlich der (Maul-)Schleimhaut anzuhaften. Dies macht dann die Wirkung zunichte, bzw. unterbindet sie von vornherein. Zudem können Homöopathika durch verschiedene Inhaltsstoffe von Obst/Gemüse komplett neutralisiert bzw. antidotiert werden. Wirken also nicht mehr. (Darum auch bitte nur in Wasser auflösen, und nicht in Saft oder Tee.) Und wenn man die Globuli vorher in der Hand hatte, und die Haut ein bischen feucht war, dann hat man mitunter einen prima Wirkstoff an der eigenen Hand kleben, und das Kaninchen bekommt nur noch das „leere“ Zuckerkügelchen.
    Ich praktiziere es daher so, dass ich das oder die Globuli in eine 1ml-Spritze gebe, diese dann mit ca. 0,2 ml Wasser aufziehe, warte bis sich die Globuli aufgelöst haben, und dann direkt ins Mäulchen damit. Da das Wasser ja süß schmeckt, wird es von den Ninchen gerne angenommen. Dass sie das Wasser dann schlucken und es nicht im Mäulchen halten, macht nichts. Das Wasser hatte in der Maulhöhle genügend Kontakt zur Schleimhaut, und ein kleiner Rest haftet ja an. Somit kann das eigentliche Mittel über die Schleimhaut ordentlich aufgenommen werden.
    Dies einfach nur als Anmerkung :))) Sorry, ist bissl länger geworden. Aber ich glaube, es ist einfach wichtig, dass der „Aufnahme-Mechanismus“ gerade von Homöopathika klar ist. Sonst läuft die Behandlung ins Leere…

    • Hallo Daniela,
      danke für Deinen Hinweis. Ich weiß, dass die Eingabe mit anderen Dingen vermischt für die Homöopathie nicht ideal ist. Deshalb wird es beim menschen vermieden und auch beim Tier nicht angestrebt. Allerdings ist der Stress der Zwangseingabe beim Kaninchen unverhältnismäßig groß, deshalb ist die Gabe mit Futter das kleinere Übel. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Medikamente trotzdem sehr gut wirken. Ich arbeite vor allem bei chronisch erkrankten Tieren sehr viel mit homöopathischen Mitteln.
      Liebe Grüße
      Viola

      • Fassa Smiley sagt:

        Hallo Viola,
        kannst Du mir für Knoppers eine Globulisorte empfehlen womit ich seinen Darm stabilisieren kann? Ähnlich wie Probiotisch und Präbiotisch?
        Die Kotuntersuchung hat etwas zuviel Hefen festgestellt.
        Aber er hat nun schon seit 7 Tagen Blinddarmkot und teilweise auch Matschkot im Gehege liegen und ich möchte ihm helfen 🙁
        Bene Bac und RodiCare akut hat Ärztin empfohlen, ich möchte aber auch sehen ob ich mit Globulis unterstützen kann.
        LG Fassa, Stacy und Knoppers (der gerne wieder einen sauberen Popo hätte 😉 )

  4. Wolfgang sagt:

    Meine 2 Widder muß man überlisten: Ein großes Löwenzahnblatt ,den Halm mit dem Flüssigmedikament füllen.Funktioniert gut beiFlüssigschmerzmittel in mittelmäßiger Dosierung Einfach ausprobieren

  5. didi sagt:

    Meine Kaninchen essen gerne Basilikumblätter. Darin kann man die flüssigen Medikamente eintröpfeln und zuklappen, damit es nicht zu sehen ist. Meine Kaninchen fressen dann fast immer alles auf.

  6. Barbara sagt:

    Die Tipps zur Eingabe sind wirklich wertvoll. Herzlichen Dank!!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.