Die fünf schlimmsten Fehler, die man als Kaninchenhalter machen kann

Diese fünf Fehler machen leider sehr viele Kaninchenhalter, obwohl sie einfach zu vermeiden wären. Leider leiden nicht nur die Kaninchen darunter sodern die Haltung macht mit der Zeit keinen Spaß und das Interesse an den Tieren verfliegt. Oder wer schaut sich gerne verzweifelte oder unglückliche Kaninchen im Käfig an, hat gerne verschreckte scheue Tiere oder muss ständig zum Tierarzt, weil er das Tier falsch füttert? Deshalb ist es in Interesse von Mensch und Tier, solche Fehler zu vermeiden.

1. Ich habe einen großen Stall/Käfig

Kein Käfig oder Stall aus dem Handel ist groß genug für Kaninchen. Schaut man sich in der Zoohandlung um, so gibt es dort verschiedene Käfig- und Stallmodelle. Leider sind all diese Ställe/Käfige, auch die größten, zu klein. Man kann sie nur als Toilette, Quarantäne-Käfig oder ständig geöffneten Rückzugsort verwenden. Kaninchen haben leider das Pech, dass sie als „Käfigtier“ gelten, jedes andere Tier wie z.B. einen Hund oder eine Katze, würde niemand in einen Käfig sperren. Auch Kaninchen sind für diese Haltung nicht geeignet. Kaninchen brauchen Tag und Nacht mehrere Quadratmeter Grundfläche, Tierschutzorganisationen empfehlen mindestens 6m² dauerhafte Grundfläche für ein bis drei Kaninchen.

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2. Kaninchen sind auch alleine glücklich, wenn man sich mit ihnen beschäftigt.

Auch wenn Sie sich vier Stunden am Tag mit Ihrem Kaninchen intensiv beschäftigen, ist es immer noch 20 Stunden jeden Tag alleine und einsam. Das entspricht 600 einsamen Stunden im Monat und 57.600 in einem ganzen Kaninchenleben. Auch gute Pflege und viel Beschäftigung können kein anderes Kaninchen ersetzen. Meerschweinchen und Kaninchen sind „gemeinsam einsam“, stellen Sie sich vor, sie würden Ihr ganzes Leben lang keinen anderen Menschen kennenlernen, sondern nur einen Hund. Kaninchen brauchen immer mindestens einen Artgenossen zum Kuscheln und Sich-wohl-Fühlen. In Österreich ist die Einzelhaltung von Kaninchen übrigens bereits gesetzlich verboten.

3. Ich verfüttere ein gutes Trockenfutter an meine Kaninchen

Kaninchen ernähren sich in der Natur von einer großen Pflanzenvielfalt, auf Grund ihrer kurzen Domestikationsgeschichte sind auch Hauskaninchen auf diese Ernährung angewiesen. In Gefangenschaft benötigen sie täglich so viel Grünfutter, wie sie fressen können (Wiesenpflanzen, Gemüsegrün, Blattgemüse, Kräuter), ergänzt wird dieses mit einer Trockenkräutermischung, frischen Zweigen und Blättern von Bäumen, frischem Gemüse, Wasser aus einem standsicheren Keramiknapf und durchgängig verfügbarem, hochwertigem Heu. Ein paar Sonnenblumenkerne, Leinsaaten und Kürbiskerne ergänzen dieses Angebot sinnvoll und bilden im Zusammenspiel mit Trockenkräutern ein gesundes Trockenfutter. Der Energiegehalt von Trockenfutter aus dem Handel ist sehr hoch, so dass es zu Übergewicht, Organschäden (damit einhergehend oft Abmagerung), Zahnerkrankungen und Verhaltensstörungen kommen kann. Auch Backenzahnabszesse können begünstigt werden. Zudem sind die Zutaten gemahlen und wieder zusammen gebacken oder gepresst, so dass keine langen Fasern mehr enthalten sind, die jedes Kaninchen für eine gesunde Verdauung benötigt. Die Folge einer solchen Fehlernährung mit Trockenfutter sind vielfältige Erkrankungen wie z.B. zu wenig Zahnabrieb (mangels Struktur und weil es schnell satt macht, muss nur wenig gekaut werden), Steine oder Gries in der Blase oder anderen ableitenden Harnorganen (durch den geringen Wassergehalt des Futters) und Magen-Darm-Störungen (Durchfall, Blähungen, Verstopfung, Frischfutter-Unverträglichkeiten, Haarballen). Frischfutter muss jedoch erst langsam in kleiner Menge, die man stetig steigert, angefüttert werden. Für den Anfang sind Karotten, Sellerie, Apfel, Gras und Löwenzahn geeignet.
Übrigens sind auch Nippeltränken ein häufiger Fehler, denn aus diesen kommt das Wasser nur tropfenweise, die Folge ist eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr. Besser ist ein Keramiknapf mit nach innen gebogenen Rand, der auf einer einstreufreien Fläche erhöht aufgestellt wird.

4. Mein Kaninchen ist unverträglich

Es gibt viele Ursachen, die dazu führen, dass sich Kaninchen nicht miteinander verstehen. Einer der häufigsten ist, dass die Kaninchen falsch aneinander gewöhnt oder zu schnell wieder getrennt werden. Um die Kaninchen aneinander zu gewöhnen, müssen sie außerhalb des gewohnten Reviers ihre Rangordnung klären (Jagen, Berammeln, Kämpfen), dieses Verhalten ist ganz normal, bitte greifen Sie keinesfalls ein. Wenn es sich nach Tagen gelegt hat, können sie zurück ins Revier ziehen. Am besten hält man ein Pärchen, also einen kastrierten Rammler zusammen mit einem Weibchen, gleichgeschlechtliche Kaninchen sind oft unverträglich. Es gibt jedoch noch viele weitere Gründe, z.B. wenn eines der Kaninchen versteckte Erkrankungen hat. Informieren Sie sich über den Ablauf der Vergesellschaftung und holen Sie sich Hilfe bei der Zusammenführung, wenn Sie Ihr Kaninchen für unverträglich halten.

5. Kaninchen sind ideale Streicheltiere

Kaninchen mögen es nicht, wenn sie hoch gehoben werden. Das erinnert sie immer an einen Greifvogel und sie bekommen Angst, wenn sie den Boden unter den Füßen verlieren. Oft fangen sie heftig an zu kratzen und zu strampeln oder erstarren vor Angst.
Besser ist es, sie am Boden zu streicheln und mit Futter anzulocken. Auch wenn es auf diesem Weg etwas dauert, bis sie her kommen und gerne gestreichelt werden, sind sie dadurch dafür langfristig zahm. Durch häufiges Hochnehmen verschreckt man sie, so dass sie vor dem Menschen Angst bekommen und mit der Zeit einen Sicherheitsabstand halten.

16 Kommentare
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  1. chriss sagte:

    Hallo, ich habe schon viele Jahre zwei Zwergkaninchen, sie fühlen sich wohl in einem großen Stall bei Nacht und einem großen Freilauf im Garten untertags.
    Sie bekommen viel Frischfutter, Gräser, Kräuter, Gemüse, Obst, eben abwechslungsreich, an trockenem Heu sind sie wenig interessiert. Ich hatte noch nie Probleme bzw. Krankheit etc. Sie haben Ihre Freude und ich auch.

  2. Weberberger Sabine sagte:

    Unser Kaninchen ist im 12 Lebensjahr wegen sehr guter Haltung friedlich eingeschlafen. Er hatte die ganze Wohnung für sich .Im Käfig war er nur zum schlafen,oder wenn er seine Ruhe wollte.Im Sommer konnte er alleine auf die Wiese gehen,und naschen so viel er wollte.Denn in unserem Garten wuchs ja viel von Häschens Leckerlis.
    Unser Hase hatte ein wunderschönes Leben und durfte deswegen auch ein richtiger Hasenopa werden.
    Wir vermissen ihn.

  3. Jeitler sagte:

    Meine Zwergkaninchen bekomme stets frisches Futter,
    im Winter, wo es nicht so viel frisches Futter gibt erhalten sie eben Obst (Äpfel und dgl.), mituntter auch Körnchen. Sie lieben besonders, wie alle Nage, den Löwenzahn, doch davon bekommen sie auch nicht zuviel, da sie sonst ja Durchfall bekommen (am besten gegen Durchfall: Petersilie).

    Ich wiege meine Tierchen stets 1x die Woche ab, (Ich gehe ja auch 1x pro Woche auf die Waage, habe deswegen seit 39! Jahren Größe 36). Dadurch werden meine beiden, bzw, alle meine Tiere nicht dick!, was ja ungesund ist und mitunter auch tödlich werden kann!

    • Viola Schillinger sagte:

      Hallo,
      Löwenzahn führt übrigens (auch in extremen Mengen) nicht zu Durchfall. Wenn ein Kanichen mit Durchfall darauf reagiert, ist es krank.
      In der Natur haben Wildkaninchen immer Grüfutter in große Mengen zur Verfügung. Unsere Hauskaninchen haben die gleiche Verdauung. Je nachdem, was für Körner es bekommt, könnte es daran liegen. Weizen greift beispielsweise die Verdauung an und wenn ma zu viel Körner gibt (täglich oder in Innenhaltung, wo der Bedarf nicht da ist), kann es auch dazu kommen. Oder aber, wenn es hadelsübliches Trockenfutter ist, das ist auch sehr ungesund für die Verdauung.
      Liebe Grüße
      Viola

  4. Jeitler sagte:

    Da ich Tiere sehr liebe, es, für mich, unvorstellbar ist, habe ich seit ca. 30 Jahren Zwergkaninchen. Diese düfen, bei mir, Tag und Nacht frei in der Wohnung rum laufen. (Werden nur zu Beginn, wenn ich sie als Babys bekomme 4 Wochen „eingesperrt“, damit sie zimmerrein werden, doch dann laufen Sie IMMER, Tag und Nacht, auch wenn ich mal nicht daheim bin, rum. Ich besitze nun wieder ein Pärchen, er ist kastriert und sie wird, mit 5 Monaten, sterilisiert. Es sind zwar keine Geschwister, doch sie lieben sich sehr. Als ich ihn (Klopfer) von der Kastration holte, hat er erst mal geschlafen, dann hat in Benni (das Weibchen) ca. 5 Minuten abgeleckt.

    Ihre Vorgängerin war alleine, da sie mir in Österreich als Zwerghase verkauft wurde. Habe erst beim ersten Krallen schneiden erfahren, dass sie ein Kaninchen ist. Hasen sind Einzelgänger, Kaninchen Rudeltiere, also eine zweite hätte sie nicht mehr akzeptiert und für Babys war sie bereits zu alt. Sie, Amy, wurde 10 3/4 Jahre alt. (Ich habe sie zum Schluss erlöst, da ein Beinchen von ihr sehr schlimm war und sie konnte mir dies ja nicht sagen!)

    Tiere werden eben stets älter, wenn sie sie wohl fühlen.

    • Viola Schillinger sagte:

      Hallo,
      schön, dass es die Beiden so gut haben. 🙂
      Zwerghasen sind übrigens grundsätzlich auch Kanichen (ohne Ausnahme). Alle „Hasen“, die man als Haustiere hält, sind Kaninchen. Auch Häsinnen, Schlachthasen, Hasenkaninchen, …
      Echte Hasen (Felshasen) gibt es nur in freier Natur oder in Wildgehegen.
      Liebe Grüße
      Viola

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