Kaninchen, die nicht viele Kräuter und Wiesenpflanzen bekommen, sind auf die Gemüsefütterung angewiesen. Sie sollten möglichst abwechslungsreich und viel blättriges Gemüse bekommen, der Schwerpunkt muss auf Grünfutter (Blattgemüse, Gemüsegrün usw.) gelegt werden. Dieses sollte neben Heu rund um die Uhr in einer Mischung zur Verfügung stehen und darf nie ausgehen. Anderes Gemüse ist nur eine Ergänzung und darf in kleinen Mengen dazu gegeben werden, aber nicht mehr als eine Hand voll am Tag!

Welches Gemüse darf man überhaupt anbieten? Gemüseliste für Kaninchen

Die wertvollste Kompontente ist dabei blättriger Kohl! Dieser sollte täglich gefüttert werden. Kohl sollte immer langsam angefüttert werden, dann wird er problemlos vertragen. Mit handelsüblichen Trockenfutter ernährte Tiere haben eine kranke Verdauung und sollten deshalb keinen Kohl erhalten!

Blattgemüse Kohlgemüse: Chinakohl, Grünkohl, Blumenkohlblätter, Rotkohl, Wirsing, Weißkohl, Rosenkohl, Spitzkohl, Markstammkohl, Palmkohl, Pak Choi…

Neben Kohl sind auch Bittersalate ein gesundes Winterfutter und sollten ebenfalls einen Hauptbestandteil des täglichen Angebotes ausmachen.

Blattgemüse Bittersalate: Endivie (glatte und krause), Frisée, Radicchio, Chicorée, Zuckerhut, Blattzicchorie, Löwenzahnsalat

Andere gesunde Salate: Feldsalat, Postelein, Chinakohl, Lollo Rosso, Eichblattsalat, Römersalat

Der dritte Hauptbestandteil des täglichen Futterangebotes ist Gemüsegrün und anderes Blattgemüse!

Blattgemüse Gemüsegrün: Karottengrün, Selleriegrün, Fenchelgrün, Rote-Beete-Grün, Rettich-Grün…

Der vierte Bestandteil sollten Küchenkräuter aller Art sein: Küchenkräuter

Zudem sollte die Ernährung durch regelmäßig frische Zweige ergänzt werden! Zweige

Anderes gesundes Blattgemüse, das ebenfalls gerne gefüttert werden darf: Postelein, Stangensellerie, Rübstiel, Portulak

In kleinen Mengen kann dazu anderes Blattgemüse ergänzend gegeben werden, es darf aber nie einen Hauptanteil ausmachen und sollte nicht unbedingt täglich verfüttert werden.

Oxalsäurehaltiges Blattgemüse: Mangold, Spinat, Rhabarber

Blattgemüse Salat in kleinen Mengen: Kopfsalat, Eisbergsalat

Ergänzend können weitere, feste Gemüsesorten angeboten werden:

Anderes Kohlgemüse: Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl, Romanesko

Wurzel-/Knollengemüse: Karotten, Pastinaken, Rote Bete, Petersilienwurz, Knollensellerie, Kohlrabi, Steckrübe (Kohlrübe), Radieschen, Topinambur, Futter- oder Zuckerrüben, Fenchel…

Andere Gemüsesorten sind für die Kaninchenfütterung unbedeutend:

Andere Gemüsesorten: Gurke, Tomate, Kürbis, Zucchini, Paprika…

Was ist bei der Gemüsefütterung zu beachten?
Gemüse sollte immer frisch und niemals schimmelig, verfault oder welk angeboten werden – um Verdauungsproblemen vorzubeugen. Gefrorenes und gekochtes Gemüse ist ebenfalls ungeeignet.
Es ist wichtig, auf eine große Vielfalt wert zu legen, denn dann werden mehr Gemüsesorten vertragen. Eine gute Mischung ist gesünder und verträglicher als eine große Menge von einem einzigem Gemüse. Besonders viel sollten Gemüsesorten mit Bitterstoffen (Endivie, Chocoree etc.) verfüttert werden.
Um Allergien frühzeitig festzustellen ist es ratsam, das Gemüse langsam anzufüttern.
Für die Futter-Umstellung auf Gemüse bieten sich gut verträgliche Sorten an. Am besten
beginnt man mit Fenchel, dann mit Karotte und anschließend ganz langsam mit weiteren
Gemüsesorten. Erst ganz am Schluss nach der Umstellung sollte Kohl angefüttert und
ausprobiert werden.
Gemüse in Bio-Qualität, aus eigenem Anbau oder regionales Gemüse ist vorzuziehen, da es weniger mit Schadstoffen belastet ist.
Durch das Waschen vom Gemüse kann man zumindest einen Teil der Pestizide und
Spritzmittel entfernen. Bitte nur mit kalten Wasser, nicht heiß abwaschen.
Es ist empfehlenswert, ca. fünf Gemüsesorten täglich zu verfüttern und weitere 10-30 abwechselnd dazu zu kombinieren, so dass man am Tag mindestens sieben Gemüse-Sorten füttert. So ist die Portion auf der einen Seite abwechslungsreich, auf der anderen Seite kann sich aber die Verdauung gut auf die Futtermittel einstellen.

Ist Gemüse unnatürlich?
Wildkaninchen sind Kulturfolger und plündern reichlich Gemüsegärten und -felder. Gemüse ist nicht unbedeutend in ihrer Nahrung. Trotzdem ist es natürlich immer nur ein schlechterer Ersatz zur natürlichen Nahrung: Vielfältige Wildkräuter, Blätter und Gräser.

Ist denn Gemüse auch den Wiesenkräutern ähnlich und als Ersatz geeignet?
Viele Gemüsesorten sind sehr eng mit Wiesenkräutern verwandt. Endivie und Chicorée stammen von der Gemeinen Wegwarte ab, unsere Karotte/Möhre ist eng mit der Wilden Möhre verwandt, die von Wildkaninchen sehr gerne verputzt wird und die Steckrübe steht in enger Verwandtschaft zum Raps. Chinakohl, Mairübe und viele mehr stehen systematisch sehr nah an den Rübsen, die ein Wildkraut darstellen. Die Urform der normalen Gartensalate ist der auch bei uns weit verbreitete Wilde Zaunlattich, die kultivierten Kohlsorten sind in der Zusammensetzung dem Wildkohl sehr ähnlich, der von Wildkaninchen in Massen verspeißt wird. Macht es einen großen Unterschied, ob das Kaninchen Löwenzahn vom Feld oder Speise-Löwenzahn frisst? Durch die Züchtung des Gemüses wurde jedoch meistens der Anteil an Pflanzenfasern und sekundären Pflanzenstoffen reduziert. Deshalb ist Gemüse auch nicht als alleiniger Ersatz für Wiesenkräuter geeignet.
Die Mischung macht´s: Idealerweise bietet man seinen Kaninchen rund um die Uhr abwechslungsreiches Grünfutter (Blattgemüse, Gemüse-Grün usw.), Heu, Zweige und Kräuter an – sie fressen in den richtigen Mengenverhältnissen von allem etwas.