Interview mit MEP Stefan Bernhard Eck

Interview mit dem Abgeordneten des Europäischen Parlamentes, Stefan Bernhard Eck, zum Thema Kaninchen

Hintergrund:

Einerseits sind Kaninchen mittlerweile die drittbeliebteste Haustierart in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern, andererseits sind sie die am meisten gequälte „Nutztierart“ in der Europäischen Union, wahrscheinlich sogar weltweit. Kaninchen sind die am zweithäufigsten gezüchteten und geschlachteten Tiere in Europa, laut Schätzungen rund 330 Millionen. Sie leiden von Geburt bis zur Schlachtung unter extrem schlechten Haltungsbedingungen: in Drahtgitter-Käfigen, in denen sie weniger Platz als eine DIN-A4 Seite haben. Das Spektrum der Infektionskrankheiten durch diese tierquälerische Haltungsform ist enorm, von den Verletzungen ganz zu schweigen. 80% des in der EU produzierten und verkauften Kaninchenfleischs stammt aus Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Ungarn, Polen und Tschechien, wo diese tierquälerische Haltungsmethode anzutreffen ist.

Es gibt bisher keine Europäische Verordnung mit verbindlichen Mindeststandards für die Zucht, Haltung, Transport oder Schlachtung zum Schutze dieser Tierart.

Stefan Bernhard Eck setzt sich seit über 20 Jahren für die Verbesserung der Haltungsbedingungen der Kaninchen in den Mastbetrieben ein. Seit 2014 kämpft er unter anderem als EU-Abgeordneter dafür, die Haltungsbedingungen zu verbessern.

2017 hat er es nach einem unermüdlichen Kampf und durch seine Hartnäckigkeit mit seinem Initiativ-Report „Mindeststandards zum Schutz von Kaninchen in der Landwirtschaft“, der mit großer Mehrheit vom Parlament am 14. März 2017 angenommen wurde, geschafft, dass die „Nutzkaninchen“ erstmals Thema in der Europäischen Politik wurden. Ob die Kommission dem Initiativ-Report folgen wird und zeitnah eine verbindliche Regelung für die Haltung von Kaninchen in der Landwirtschaft auf den Weg bringen wird, ist noch ungewiss. Deshalb hat Stefan Eck seit Ende 2016 eine europaweite Kampagne gestartet, um direkt gegen die tierquälerischen Kaninchenmäster vorzugehen. Diese bemerkenswerte Boykott-Kampagne hat auch schon erste Erfolge erzielt: Die Produktionsmenge an Kaninchenfleisch ging 2016/17 in der EU massiv zurück (7,1 Prozent).

Um euch etwas mehr Hintergrundwissen zu vermitteln, haben wir den EU-
Abgeordneten Stefan Bernhard Eck kürzlich interviewt.

Kaninchenwiese: Was sind die gravierendsten Missstände in den europäischen Kaninchenmast-Betrieben?

Stefan Eck: Die Zustände in den industriellen Kaninchenmastanlagen Europas sind größtenteils schockierend. Kranke und verletzte Tiere sind in winzige Batteriekäfige gepfercht, sie haben kaum Platz, um sich zu bewegen. Sie vegetieren dort ohne Tageslicht oder Einstreu auf Drahtgitterböden und sind jeder Möglichkeit zum Ausleben arteigenen Verhaltens beraubt. Unter ihnen liegen Berge von Exkrementen, die Ammoniak-Ausdünstungen führen zu schmerzhaften Augenentzündungen. Man kann das nur noch als Tierquälerei in Reinkultur bezeichnen.

Kaninchenwiese: Werden in den Ländern, in denen Kaninchen so furchtbar gehalten werden, keine nationalen Regelungen angestrebt?

Stefan Eck: Nein, bisher sind, soweit mir bekannt ist, in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal usw. keine nationalen Regelungen geplant.

Kaninchenwiese: Was genau konnten Sie bisher für die Kaninchen bewirken, welche Erfolge konnten Sie bisher verzeichnen?

Stefan Eck: Mein Initiativbericht zum Schutz von Kaninchen in der Landwirtschaft, der mit deutlicher Mehrheit im März 2017 vom Europäischen Parlament angenommen wurde, führte zu einer europaweiten Berichterstattung. Gleichzeitig wurde das EU-Parlament dadurch auch erstmalig auf diese Problematik aufmerksam. Da ich nicht darauf warten wollte, bis die Kommission mit einer verbindlichen Regelung reagiert, habe ich meinen „privaten Feldzug“ gegen die europäischen Kaninchenmäster gestartet. Es wurden und werden hunderttausende Flyer in verschiedenen Ländern Europas verteilt, die zu einem Boykott von Kaninchenprodukten auffordern. Die bisher erzielten Resultate sind gut: Die Produktion an Kaninchenfleisch ist im vergangenen Jahr um 7,1% zurückgegangen, der größte jemals verzeichnete Rückgang in einem Jahr.

Ich werde mit meiner Kampagne weitermachen, bis jeder Käfig leer ist.

Kaninchenwiese: Wer unterstützt Sie in ihrer Arbeit für die Kaninchen?

Stefan Eck: Bei meinem Report riefen unterschiedliche NGO’s Tierschützer*innen auf, die EU-Abgeordneten anzuschreiben und für meinen Bericht zu stimmen. Auch die Vereinigung europäischer Tierärzte empfahl, für meinen Bericht zu voten. Was meine Kampagne betrifft, so unterstützen mich hunderte Tierschützer*innen derzeit in Deutschland, Luxemburg, Belgien, Niederlande und auch Frankreich bei der Verteilung meiner Informationsflyer. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei den Leser*innen der Kaninchenwiese ganz herzlich bedanken, da sich viele Kaninchenfreundinnen und Kaninchenfreunde nach den Aufrufen auf dieser Seite bei mir gemeldet haben und um die Zusendung des Info-Materials zum Verteilen anfragten.

Kaninchenwiese: Wie wird es nun für die Kaninchen weitergehen, was können die Verbraucher tun?

Stefan Eck: Das Beste, das die Verbraucher*innen tun können, ist gänzlich auf den Kauf von Waren zu verzichten, die Kaninchenprodukte enthalten. Dies fängt bei „einfachen“ Nahrungsmitteln an, geht über Angorawolle und Pelzbesatz bis hin zum Hunde oder Katzenfutter.

Kaninchenwiese: Woran erkennen wir zum Beispiel Kaninchen im Hundefutter?

Stefan Eck: Kaninchenfleisch im Hunde- oder Katzenfutter ist oft als solches gekennzeichnet. Die Verbraucher*innen sollten allerdings auch darauf achten, wenn Futter mit „Wild“ gekennzeichnet ist. Auch dieses enthält oft Kaninchenfleisch, das aus der Massentierhaltung stammt. Hinzu kommt, dass Futter für Hunde und Katzen, das Kaninchenfleisch enthält, aufgrund der hohen Antibiotikavergabe in der Kaninchenmast sehr gesundheitsschädlich für die eigenen Haustiere ist und zur Antibiotikaresistenz führen kann.

Kaninchenwiese: Wie sind Sie eigentlich auf die Tierart Kaninchen gekommen und was treibt Sie so sehr an, als einziger von 751 EU-Abgeordneten im EU-Parlament für die Kaninchen zu kämpfen?

Stefan Eck: Ich hatte selbst jahrelang Kaninchen als „Haustiere“. Für mich ist es unerträglich zu wissen, dass Kaninchen in der EU und weltweit so extrem leiden müssen. Außerdem sind Kaninchen – was Schutzstandards betrifft – die vergessene Tierart. Es gab nur vereinzelte Proteste in Deutschland gegen die tierquälerischen Haltungsbedingungen, aber große Kampagnen, ähnlich wie für die Abschaffung der Batterie-Käfig-Haltung bei Legehennen, blieben aus. Also habe ich mir vorgenommen, dies zu ändern und mit meinem Initiativbericht und meiner Kampagne bin ich auf dem richtigen Weg.

Kaninchenwiese: Gibt es Möglichkeiten, Sie aktiv bei Ihrer Arbeit für den Kaninchenschutz zu unterstützen?

Stefan Eck: Ich würde mich freuen, wenn viele Leserinnen und Leser der Kaninchenwiese meine Flyer, die über die tierquälerischen Zustände in der europäischen Kaninchenmast aufklären, bestellen und in ihrer Umgebung verteilen. Und natürlich würde ich mich noch mehr freuen, wenn sich Tierschützer*innen melden würden, die mich auch bei geplanten „Auslandseinsätzen“ unterstützen.

Kaninchenwiese: Vielen Dank für die ausführlichen Informationen und Ihren Einsatz für die Kaninchen. Hoffentlich können Sie viele Unterstützer*innen für Ihr großes Ziel gewinnen. Auf die Unterstützung der Kaninchenwiese können Sie immer zählen!

Stefan Eck: Danke! Die Langohren brauchen uns, lasst uns also gemeinsam für sie kämpfen.

 

Wenn ihr Stefan B. Eck unterstützen wollt, könnt ihr hier kostenlos Flyer bestellen und mit Glück eines der tollen T-Shirts (siehe Bild) gewinnen!!!

4 Kommentare
  1. Sina
    Sina says:

    Hallo Kaninchenwiese! Ich finde es ja echt toll wie ihr eich für die kleinen Hoppler einsetzt!!! Ein groooooßes Lob an euch! Und eine echt tolle Seite ist das auch. HabE schon sehr viele Informationen rausgesammelt für meine 4 kleinen Mümmelchens;) Tolle Arbeit! Und weiter so ihr macht das echt gut!!! 🙂
    Viele Liebe Grüße von den 4 Fellnasen und Sina!

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