(Hasenpest, Nagerpest)

Grünfutter aus der Natur ist ein möglicher Überträger der Tularämie.

Die Tularämie ist oft tödlich verlaufende Infektionskrankheit, die seuchenartig in Deutschland auftritt. Sie wird durch das Bakterium Francisella tularensis ausgelöst. Feldhasen und Wildkaninchen, aber auch andere wilde Nagetiere sind häufige Überträger. Es handelt sich um eine Zoonose (auf den Menschen übertragbare Erkrankung).

Wie erkennt man, dass ein Tier an der Tularämie erkrankt/verstorben ist?

Symptome

Die Tumlarämie ist durch ihr seuchenhaftes Auftreten mit hoher Sterblichkeit bekannt. Neben RHD und RHD2 zählt sie zu den Kaninchenseuchen, die ohne auffällige Symptome einhergeht.

Tiere mit milder Verlaufsformen sind häufig durch das Anschwellen der Lymphknoten auffällig. Dies wird von den meisten Haltern jedoch nicht wahrgenommen. Auffälliger ist das zurückgezogene Verhalten, bei schwereren Verläufen häufig auch Abmagerung, struppiges Fell und teils sogar ein schwankender Gang oder Abszesse der Haut. Die Tiere sind schlapp und ihr Allgemeinbefinden getrübt. Teils kann auch Durchfall oder Atemnot auftreten. Häufig ist Fieber messbar (Normaltemperatur beim Kaninchen: 38,5 – 39 °C, bei starker Aufregung teils auch bis zu 40 Grad). Bei Wildkaninchen und Feldhasen ist häufig auffällig, dass sie beim Annähern nicht mehr die Flucht ergreifen und so auffällig zahm wirken. Im Endstadium kommt es i.d.R. zu einer Sepsis und bei ca. einem Drittel der unbehandelten Tiere zum Tod.

Nachweis im Labor

Der Erreger kann aus betroffenen Geweben vom Tier und vom Menschen angezüchtet und durch moderne Nachweisverfahren (z. B. PCR) festgestellt werden.

Achtung: Jede Erkrankung und auch der Nachweis des Erregers der Tularämie sind bei Feldhasen und Kaninchen meldepflichtig

Neufassung der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten vom 20. Dezember 2005

Kann man die Tularämie beim Kaninchen behandeln?

Da es sich um eine Zoonose (Übertragung auf den Menschen) handelt, werden betroffene Tiere i.d.R. nicht behandelt. Zudem wird die Erkrankung von den meisten Haltern erst erkannt, wenn es für eine Behandlung zu spät ist. Dann ist das Einschläfern des Tieres anzuraten. Bei milden Verlaufsformen oder einer frühen Feststellung der Erkrankung (z.B. Partnertiere verstorbener Tiere), kann in Absprache mit dem Tierarzt eine Behandlung mit Antibiotika und Infusionen versucht werden. Dabei steht absolute Hygiene und der Schutz des Menschen immer im Vordergrund!

Die Wahl des Antibiotikums ist entscheidend. Als am wirksamsten hat sich Streptomycin gezeigt, es muss jedoch in den Muskel gespritzt werden. Alternativ kann auch Gentamicin (unter die Haut, in den Muskel oder in die Gefäße gespritzt) verwendet werden. Doxycyclin hat den Vorteil, dass es in den Mund eingegeben werden darf. Die Erreger sind aber auch empfindlich gegenüber anderen Tetracyclinen. Chloramphenicol sowie Ciprofloxacin sind ebenfalls geeignet und können in den Mund eingegeben werden. Der Erreger ist resistent gegenüber Penicillin und Sulfonamiden.

Tiere, bei denen ein Kontakt zur Tularämie vermutet wird, sollten vorbeugend zwei Wochen mit Antibiotikum versorgt werden.

Wie schütze ich mich und meine Kaninchen vor der Tularämie?

Fliegengitter kann über den Volierendraht angebracht werden und schützt so vor Tularämie, Myxomatose, Fliegenmaden-Befall und weiteren Erkrankungen.

Übertragungswege:

Übertragungen von Mensch zu Mensch sind nicht bekannt. Die Inkubationszeit (Zeitraum von der Ansteckung bis zum Ausbruch) beträgt zwei bis drei Tage.  Folgende Übertragungswege sind denkbar:

  • Übertragung durch blutsaugende Tiere (Parasiten wie z.B. Zecken, Flöhe, Läuse, Wanzen, aber auch Mücken und Fliegen!).
  • direkter und indirekter Kontakt mit infektiösen Feldhasen, Wild- sowie Hauskaninchen und Nagern (vor allem spezielle Berufsgruppen wie z.B. Jäger und Tierärzte, z.B. beim Jagen, Schlachten….). Erkrankte Wildtiere sind oft „zahm“.
  • kontaminierte Umgebung: über Schlamm oder durch Kadaver verunreinigtes Wasser, Grünfutter, Material aus der Natur (z.B. Baumstümpfe…)…
  • durch das Einatmen erregerhaltigen Staubes (verunreinigtes Heu, Stroh, Erde, Staub…).
  • durch Verzehr von nicht abgekochten, erregerhaltigen Fleisch (häufig Jäger).
  • Laborinfektionen durch Kontakt mit erregerhaltigen Material.

Vorsichtsmaßnahmen in Gebieten mit Tularämie

Zweige hängen so hoch, dass sie nicht mit dem Erreger in Kontakt kommen. Sie können in Tularämie-Gebieten gefüttert werden.
  • Leider gibt es in Deutschland bisher keine Impfung gegen den Erreger. Im Ausland sind Impfstoffe für den Menschen verfügbar.
  • In Gebieten, die von der Tularämie betroffen sind, sollte kein Grünfutter aus Wald und Feld verfüttert werden. Geeignet ist Grünfutter aus dem Garten oder aus nachweislich Wildkaninchen- und feldhasenfreien Gebieten (z.B. private Grünflächen) und Blätter von Bäumen. Auch regionales Freiland-Gemüse sollte nach Möglichkeit gemieden werden.
  • Heu und Stroh aus Tularämie-Gebieten sollte nicht verfüttert werden.
  • Ein Fliegengitter vor den Fenstern (Innenhaltung) oder über dem Volierendraht des Geheges (Außenhaltung) verhindert, das Fliegen und Mücken in die Nähe der Kaninchen kommen können. Fliegengitter gibt es auch als Meterware zum über den Volierendraht tackern.
  • Sollte in ihrem Landkreis Tularämie bekannt sein, so ist bei Außenhaltung darauf zu achten, dass keine Feldhasen und Wildkaninchen Kontakt zu den eigenen Kaninchen, aber auch zu den von diesen genutzten Flächen haben. Dafür ist ein zweiter Zaun um das Außengehege herum (Doppelzaun) geeignet.
  • Achten Sie bei Spaziergängen in Risikogebieten auf tote Feldhasen, Kaninchen und Nager. Bei Kontakt mit diesen, sollte nach Absprache mit dem Arzt vorbeugend Antibiotika eingenommen werden. Auch Hunde können Überträger sein! Deshalb sollten sie in betroffenen Gebieten angeleint werden.
  • Halten Sie sich auf dem Laufenden, wo die Tularämie gerade aktiv ist. Die örtliche Presse berichtet normalerweise über aktuelle Fälle. Unsere Karte gibt einen Überblick:
    Tularämie-Fälle Karte

Seuchenkarte

Quellen u.a.:

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Tularämie (auch Hasenpest oder Nagerpest), [Stand: 25.10.2019, https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/bakterielle_pilzinfektionen/tularaemie/index.htm#khtie]
Esther van Praag, Ph.D.: Tularemia in rabbits. [Stand: 27.10.2019, http://www.medirabbit.com/EN/Skin_diseases/Bacterial/Tularemia.htm
Friedrich-Löffler-Institut: Nationales Referenzlabor für Tularämie, [Stand: 25.10.2019 https://www.fli.de/de/institute/institut-fuer-bakterielle-infektionen-und-zoonosen-ibiz/referenzlabore/nrl-fuer-tularaemie/ ]