Übersicht: Handaufzucht

 

Handaufzucht von Kaninchenbabys und von Wildkaninchen

 

Wann ist eine Handaufzucht sinnvoll oder notwendig?

Wichtig: Bei Kaninchen sollte immer sicher ausgeschlossen werden, dass die Mutter sich noch um die Babys kümmert, denn bei einer Handaufzucht ist die Sterblichkeitsrate deutlich erhöht und die Entwicklung nicht so positiv wie beim Säugen mit natürlicher Kaninchenmuttermilch.

Kaninchenwaisen
handaufzucht-kaninchenDer wohl eindeutigste Fall für eine Handaufzucht sind Kaninchenwaisen, die z.B. beim Tod der Hauskaninchen-Mutter oder wenn Kaninchenbabys verwaist gefunden werden, vorkommen. Bei Wildkaninchenbabys ist jedoch zu beachten, dass eine Entnahme aus der Natur strafbar ist, sofern das Kaninchen nicht schwach/krank oder verletzt ist. In diesem Sonderfall darf das Tier vorübergehend mitgenommen und gesund gepflegt werden.

Zerstörte Nester, Babys außerhalb des Nestes
Meist kommt es zur Handaufzucht, wenn die Babys außerhalb des Nestes gefunden werden oder ein Nest zerstört wird. Dann kann man jedoch probieren, an gleicher Stelle ein Ersatznest zu bauen und durch Wiegen feststellen, ob die Kaninchenmutter weiter füttert (dann nimmt das Gewicht nicht ab sondern bleibt gleich oder nimmt um wenige Gramm am Tag zu). DSC_0635Finden Sie ein Kaninchen außerhalb des Nestes vor, so müssen sie dieses aufwärmen (z.B. mit einer Wärmflasche, die unter das Nest geschoben wird) und es zurück ins Nest bringen. Ein höherer Nestrand schützt davor, dass die Babys zu weit weg krabbeln. Das kann generell sinnvoll sein, damit die Babys sich nicht vom Nest entfernen und dann auskühlen/versterben.

Unzureichend versorgte Kaninchenbabys?
Ebenfalls kann es zu einer Handaufzucht kommen, wenn Babys sich schlecht entwickeln, nicht ausreichend gesäugt werden und faltige/eingefallene Bäuche haben oder nicht wachsen. Bei der täglichen Nestkontrolle (kurzer Blick) fallen öfters Babys auf, die kleiner als die anderen sind. Größen- und Gewichtsunterschiede sind jedoch völlig normal und unbedenklich. Auch der eher grobe Umgang der Mutter (auf den Babys herumtrampeln, drauf springen) ist ganz normal, obwohl er für den Laien oft besorgniserregend grob wirkt. Ebenfalls die Regel ist es, dass die Mutter nur ein bis dreimal tägich das Nest aufsucht um zu säugen und sich sonst nicht weiter für die Babys interessiert. Dieses Verhalten ist instinktiv verankert um Fraßfeinde nicht auf die Babys aufmerksam zu machen. Werden jedoch Babys entdeckt, die eingefallene oder faltige Bäuche haben, sollten sie gewogen werden, so dass man nach 24 Std. feststellen kann, ob sie zugenommen, abgenommen oder ihr Gewicht gehalten haben. Wenn sich der Verdacht erhärtet, dass sie nicht ausreichend ersorgt werden, muss man natürlich diese Babys unterstützen. Kleine und schlecht versorgte Babys sind manchmal kranke Tiere (z.B. sogenannte Kümmerlinge, d.h. Kaninchen die durch fahrlässige Vermehrung vom Letalfaktor betroffen sind und oft nur wenige Tage oder Wochen leben, jedoch in Einzelfällen auch groß werden können), aber es können natürlich auch völlig gesunde Babys sein, die zu wenig Milch abbekommen (z.B. weil sie viele Geschwister haben).
Solange die Babys mindestens 1g in 24 Std. zunehme, sollte man keinesfalls Ersatzmilch zufüttern. Wird an einem Tag ausnahmsweise nicht zugenommen, kann man noch 5 weitere Stunden warten, da Kainchen teils auch mal erst nach 30 Stunden säugen. Sollte das Kaninchen trotzdem icht versorgt werden, so kann man es bei der Mutter kurz anlegen. Bitte in diesem Fall nicht mit Ersatzmilch hantieren, denn der ständige Wechsel der Milch kann das Todesurteil sein.

Die Mutter gibt keine Milch
Gibt die Kaninchenmama keine Milch, so erkennen Sie dies daran, dass die Babys trinken aber nach dem Saugen nicht zunehmen (min. ein Gramm). Ist dies der Fall, so können die Babys trotzdem im Gehege der Mutter bleiben. Die Milch schießt oft erst verspätet ein. Durch das Nuckeln und Treteln der Babys, wird der Milchfluss oft erst verspätet aktiviert. Stellen Sie der Häsin unbegrenzte Mengen Frischfutter zur Verfügung und einen Napf, aus dem sie bequem viel Wasser trinken kann. Füttern Sie gezielt Futter, dass die Milchbildung anregt: Viel Frischfutter, Löwenzahn, Brennnessel, Möhrengrün, Basilikum, Melisse und Fenchel.
Die Mutter stillt in der Regel frühestens 24 Std. nach der Geburt, das ist völlig normal! Sollte sie nach einem Tag immer noch keinen Milchfluss haben, sollte man die Babys mit Ersatzmilch zufüttern, aber bei der Mutter belassen. Eine häufige Ursache für dieses Problem ist, dass die Mutter gestresst ist und nicht in Ruhe gelassen wird (ständige Nestkontrollen, Umzug, wenig Platz etc.) und dadurch die Milch zurück hält. 

Altrnativen zur Handaufzucht

Eine Handaufzucht ist gerade für jüngere Babys oft ein Todesurteil, nicht alle Kaninchenjungen überleben ohne echte Muttermilch. Deshalb sollte man nach Möglichkeit immer zu erst nach Alternativen suchen.

  1. Die beste Möglichkeit zur Aufzucht ist es, eine Kaninchen-Amme zu finden, die etwa gleichaltrige Babys säugt. Dieser können die Babys oft untergeschoben werden, so dass sie optimal mit Muttermilch versorgt werden. Sollte die Amme sie nicht akzeptieren oder aber keine Amme gefunden werden, so müssen sie jedoch meistens von Hand großgezogen werden. Ebenfalls ist es möglich sie einer Amme anzulegen, allerdings nur, wenn diese genug Milch für alle Babys hat und durch das Anlegen nicht zu sehr gestresst wird.
  2. Säugt die Mutter aus irgendwelchen Gründen nicht ihre Babys, gibt aber Milch, so kann man die Babys in einer kleineren Kiste einquartieren und versuchen, die Mutter zweimal täglich dazu zu setzen. So klappt es in manchen Fällen besser. Die Babys sollten trotzdem weiterhin bei der Mutter bleiben und nur zweimal täglich unter Beobachtung in die Kiste umgesetzt werden. Durch Wiegen vor und nach den Mahlzeiten kann man feststellen, ob die Häsin die Babys zwischenzeitlich gesäugt hat. Dann ist so eine Maßnahme natürlich überflüssig. DSC_0412Die Mutter darf nicht festgehalten werden, da sie sonst beim Befreiungsversuch oft mit den Füßen die Babys verletzt. Sollte man es mit Festhalten versuchen wollen, so am besten mit mehreren Personen indem man die Häsin wie auf dem Foto mit verdeckten Augen auf das Nest setzt. Sobald die Häsin zappelt, muss dieser Versuch abgebrochen werden.
  3. Ebenfalls eine Möglichkeit ist es, die Babys bei der Mutter einmal täglich für 10 Minuten anzulegen, also die Mutter auf den Arm zu nehmen, an den Körper zu drücken und eine zweite Person hält die Babys unter den Bauch der Mutter und zieht diese ganz schnell weg, falls die Mutter strampelt. DSC_0628bEine zweite, weniger schonende Möglichkeit ist es, die Mutter auf den Rücken zu drehen und die Babys auf ihren Bauch zu setzen, so dass sie in Ruhe trinken können, Dabei müssen unbedingt die Vorder- und Hinterbeine fixiert werden, denn ein Ausschlagen verletzt die Babys oft lebensgefährlich. Das sieht sehr brutal aus und ist für das Mutter-Kaninchen auch nicht schön. Es ist einer der wenigen Momente, in dem man ein Kaninchen so halten darf. Aber in solchen Fällen geht es um das Überleben der Babys und das wäre mit Ersatzmilch gefährdeter. Manche Mütter halten durch den Stress des Festhaltens jedoch den Milchfluss zurück. Die Babys bleiben natürlich trotzdem im Gehege der Mutter. Durch eine Gewichtkontrolle kann festgestellt werden, ob die Mutter sie vielleicht doch plötzlich wieder säugt (dann wäre das Gewicht leicht erhöht, z.B. um  ein Gramm). Die Muttermilch ist so nahrhaft (anders als Ersatzmilch), dass es ausreicht, die Babys einmal täglich anzulegen.

Ursachen dafür, dass eine Kaninchenmutter zur Rabenmutter wird

Diese Ursachen sollten behoben werden, so dass die Mutter die Babys doch wieder ausreichend versorgt.

  1. Stress: Kaninchenmütter brauchen sehr viel Ruhe, ihre gewohnte Umgebung und keine Störungen (z.B. häufige Nestkontrollen). Dieser Punkt ist die Hauptursache für Probleme bei der Aufzucht. Viele gestresste Kaninchen verstreuen ihre Babys im Gehege, versorgen sie unzureichend oder geben keine Milch.
  2. Zu häufige Kontrollen der Babys: Ständiges Wiegen, Herumwühlen, Anlegen und „nachschauen“ stresst die Mutter. Einmal täglich ein kurzer unauffälliger Blick auf die prallen Bäuche reicht völlig aus. Gewogen wird nur, wenn ein Baby auffällig oder die Versorgung fragwürdig ist. Oft wird die Mutter dadurch nervös und verstreut die Babys im Gehege oder versorgt sie unzureichend.
  3. Enge Haltung: Es gibt Studien dazu, dass Kaninchenmamas, die in kleinen Käfigen oder Ställen gehalten werden, ihrem natürlichen Instinkt, sich vom Nest fern zu halten (um keine Raubtiere auf die Babys aufmerksam zu machen) nicht ausleben können. Dadurch stehen sie unter chronischen Dauerstress. Kaninchenmütter brauchen unbedingt ein großes Gehege.
  4. Andere Kaninchen: Zwar ist es möglich, Babys in einer Gruppe aufzuziehen (das ist sehr schön für die Babys und die Mutter), allerdings nur, wenn die Gruppe harmonisch ist und die Tiere viel Platz haben. Wenn die Mutter mit dem Rammler in einem kleinen Holzstall lebt und dort auch noch ein Nest anlegen und pflegen soll, geht das fast nie gut.
  5. Schlechte Ernährung: Kaninchen brauchen sehr viel abwechslungsreiches Frischfutter – so viel wie sie wollen. Zudem brauchen sie viel Energie (Saaten, ca. 1 EL/Tag) und ständig verfügbares Wasser aus einem Trinknapf.
  6. Keine Pflege des Nestes: Sind tote verwesende Jungtiere im Nest oder stinkt es dort bereits nach altem Blut von der Geburt, ist es kein Wunder, dass die Mutter das Nest nicht mehr aufsucht!
  7. Kein Nistplatz: Schaffen Sie eine schöne Höhle in der die Babys sicher aufwachsen können. Diese wird von den Häsinnen meist sehr gerne zur Aufzucht angenommen.

Milchersatz selbst herstellen

Es gibt einige Möglichkeiten, eine Ersatzmilch zusammen zu mischen. Die Empfehlungen sind sehr unterschiedlich, jeder entwickelt seine eigene Zusammensetzung.

Eines ist jedoch unbestritten:
Völlig ungeeignet ist Milch, oder Kondensmilch zur Aufzucht von Kaninchenbabys!
Diese versorgt das Junge mangelhaft mit Nährstoffen und ist völlig artfremd zusammen gesetzt.

Nährwerte
Rohprotein (%)
Fett (%)
stickstofffreie Extraktstoffe (%)
Calcium (%)
Phosphor (%)
umsetzbare Energie (kj)
Kaninchenmilch:
12,7
14,8
1,1
6,1
3,8
862
Kondensmilch:
8,8
10,8
12,5
0,32
0,25
7,5

Wir empfehlen folgende Zusammensetzung zur Aufzucht von Kaninchenbabys

  • handaufzucht kaninchenZiegenaufzuchtpulver, frische Ziegenmilch oder Ziegenaufzuchtsmilch, im Notfall auch Katzenaufzuchtspulver, z.B. von Cimi Lac, Gimpet, KMR oder Gimborn (Bezugsquelle: Tierarzt, Apotheke, Internet)
  • Colostrummilch/Colostrumersatz (nur bei sehr jungen Babys)
  • „Milupa Bauchwohl Tee“ (Pulver) oder Fenchel-Kümmel-Anis-Tee
  • RodiCare akut (Bezugsquelle: Internet, Tierarzt), ersatzweise Milupa Bauchwohltee gemischt mit ein paar Tropfen Speiseöl
  • Pflanzenöl (z.B. Leinöl,Rapsöl…)
  • Ggf. medizinischer Zusatz bei Aufgasungen (nicht vorbeuged!): Imogas, Sab Simplex

Zubereitung
Das Ziegenaufzuchts-Pulver oder die Katzenaufzuchtsmilch (Pulver, dieses darf nicht mit Katzenmilch verwechselt werden, Katzenmilch ist bereits angerührt) wird mit RodiCare akut (oder Ersatzweise Milupa Bauchwohltee-Pulver) und einer kleinen Menge Speiseöl (wenige Tropen) im Verhältnis 1:1 mit warmen (nicht heißen!) Wasser gemischt (1 Teelöffel Aufzuchtmilch-Pulver und 1 Teelöffel Wasser). Die richtige Temperatur hat das Wasser, wenn es an eigenen empfindlichen Hautpartien (Hals, Handgelenk) angenehm warm aber nicht heiß erscheint. Dafür wird die Milch oder ein Tropfen z.B. auf das Handgelenk getropft. Zum wieder erwärmen eignet sich das Erhitzen im Wasserbad. Es hat sich bewehrt, die Milchschüssel in einer größeren Schüsselmit heißem Wasser aufzustellen, so bleibt die Milch warm. Bei sehr jungen Kaninchenbabys oder stark geschwächten Jungen wird Colostrumersatz hinzugegeben.
Bei Babys, die zu Blähungen/Aufgasungen/Trommelsucht neigen, kann die Menge RodiCare akut erhöht werden und im Akutfall etwas Imogas oder Sab Simplex hinzugegeben werden (die Kapseln werden geöffnet). Nur hoch dosiert ist Simeticon wirksam.

aufzucht kaninchen zutaten aufzuchtsmilch anrührenaufzuchtsmilch kaninchen
Die Fütterung der Babys

Wie oft? Wie oft die Babys gefüttert werden müssen, ist von ihrem Entwicklungszustand und Gesundheitszustand abhängig. In der Natur werden Kaninchnbabys nur ein bis zweimal täglich gesäugt, Hauskaninchen suchen etwa 2-3x täglich das Nest auf. Da die Ersatznahrung jedoch deutlich nährstoffärmer und schwieriger ist, müssen die Kaninchen mindestens alle vier Stunden, kleinere oder geschwächte Jungtiere teilweise auch stündlich, gefüttert werden. Wenn die Kaninchen bereits anfangen, an der festen Nahrung zu knabbern, können sie nachts auch bis zu acht Stunden ohne Zufütterung verweilen.

Fütterungsgeräte: Am besten ist für die Fütterung eine 1 ml Einwegspritze (ohne Nadel!) aus der Apotheke geeignet. In diese wird der Milchersatz aufgezogen. Sind die Babys bereits älter, so können Spritzen mit größerem Fassungsvermögen verwendet werden.

Wie wird das Jungtier gehalten? Für die Fütterung kann das Kaninchenbaby in normaler Stellung sitzen (festgehalten werden kann es z.B. mit der anderen Hand oder einem Handtuch, mit dem man es umwickelt), wenn es aufgestellt oder auf den Rücken gedreht wird, kommt es sehr schnell dazu, dass Milch in die Nase und somit in die Lunge gelangt, dies führt wiederum zu Lungenentzündungen, die fast immer tödlich enden. Deshalb sollte penibel darauf geachtet werden, dass die Milch nicht zu schnell abgegeben wird und nicht an die Nase gelangt!

Wie viel füttern? Wie viel die Kaninchen pro Mahlzeit zu sich nehmen sollten, ist umstritten. Achten Sie auf den Gesundheitszustand, die körperliche Entwicklung und den Hunger der Tiere. Mindestens 1 ml je Fütterung sollte auch schon bei kleinen Kaninchen eingegeben werden, bei größeren Kaninchen entsprechend mehr. Die Babys sollten sich satt trinken können.

Eingabe der Nahrung: Die Spritze wird ans Mäulchen der Jungen gehalten. Sollten sie nicht freiwillig die Ersatzmilch abschlabbern (das kommt am Anfang vor, wenn sie es noch nicht kennen), kann man die Spritze seitlich am Mund leicht in den Mund einführen und einen Tropfen abgeben. Niemals darf die Milch in die Nase gelangen, denn das führt oft in Folge iner Lungenentzündung zum Tode. Die Jungtiere lernen in der Regel recht schnell, dass sie aus der Spritze Nahrung erhalten. Im Bedarfsfall sollten Sie die Spritze erst ohne das Tier testen, damit bei der Fütterung wirklich nur Tröpfen raus kommen. Nach der Fütterung sollte die Maulregion mit einem leicht feuchten Tuch von Milchrückständen befreit werden.

Massage nach der Fütterung: Für eine geregelte Verdauung leckt das Muttertier den Bauch der Babys. Damit wird die Abgabe des Kotes angeregt und die Verdauung aktiviert. Am besten ahmt man dies nach, indem man einige Minuten lang mit einem Finger sanft den Bauch massiert (in Richtung After), die Babys geben daraufhin im Idealfall Kot ab. Die Massage darf niemals vergessen werden, denn dann kann es u.a. zu einer lebensgefährdenden Aufgasung kommen.

Die Unterbringung der Kaninchen

Verwaiste oder verstoßene Kaninchenbabys werden am besten in einer Plastikschale oder Transportbox untergebracht (wenn andere Tiere im Haushalt sind, bietet nur eine Transportbox mit Deckel oder ein sicherer Käfig genug Schutz). Die Wanne wird mit Tüchern, Heu und Einstreu ausgepolstert. Eine Wärmflasche, die unter das Nest geschoben und mit einem Handtuch umwickelt wird, hält das Nest warm und muss zwei- bis dreimal täglich gewechselt werden. Das Nest wird am besten mit einer dünnen Lage Heu abgedeckt, damit sich die Wärme im Nest besser hält. Die Wanne wird dunkel aufgestellt (mit einem Tuch luftig abdecken oder an eine dunkle Stelle aufstellen), nur so fühlen sich die Babys geborgen. Wenn die Kaninchen anfangen, herum zu krabbeln, benötigen sie mehr Platz und sollten in ein kleines Gehege mit Nestbereich umziehen.

Wichtig: Ersatzmilch ist sehr schädlich für die Verdauung und das Immunsystem. Versuchen Sie alles, damit die Babys Muttermilch erhalten können und wenn eine Handaufzucht mit Ersatzmilch nötig ist, sollte diese so schnell wie möglich durch gesundes verdauungsschonendes Futter ersetzt werden. Das heißt, sobald die Babys selbst feste Nahrung aufnehmen, wir die Milchmenge stark reduziert und zügig abgestillt. Gut verträgliche Nahrung ist Frischfutter aus der Natur, Laub, Zweige und Rinden, Bittersalate usw. Keinesfalls handelsübliches Trockenfutter, hartes Brot, Leckerlis und Knabberstangen oder eine reine Gemüseernährung.

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Erfahrungsbericht und Entiwcklungsbericht einer begleiteten Problemaufzucht

Vorgeschichte: Wir nahmen spontan eine Häsin und zwei Jungtiere aus einer Notsituation auf. Die Häsin hatte mit einem Rammler und den Babys in einem handelsüblichen Stall gesessen, eines der Babys kam dadurch zu Tode (laut den Haltern wurde es totgetrampelt) und zwei überlebten. Die Mutter wurde in eine kleine Transportbox gesetzt und dort gehalten, die Babys von Hand mit Katzenaufzuchtsmilch gefüttert. Die Familie war überfordert, da sie selbst einen jungen Säugling zu versorgen hatte.

Ankunft (vermutlich drei Tage alt)

mutter babys kaninchen kaninchenbabys 3 tage alt

Die Babys kamen in der Nacht an und wurden gewogen und anschließend in ein selbstgebautes Nest in das neue Gehege der Häsin gesetzt. Die Mutter hatte eine sehr lange stressige Fahrt und den stressigen Aufenthalt in der kleinen Box bei den Haltern hinter sich und war somit sehr gestresst. Ein Anlegen der Babys kam dadurch nicht in Frage. Mit Ersatzmilch hätten die Babys kaum eine Überlebenschance in diesem Alter.

Das Gehege:
Unter dem Papphaus befindet sich eine Wanne mit dem Kunstnest und den Jungtieren.

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Die Ernährung:
Da die Mutter recht ungesund mit Trockenfutter ernährt worden war, aber hochwertiges Futter für die Aufzucht benötigt, stellten wir sie mit vielen kleinen Mahlzeiten von gut verträglichen Frischfutter um (Karotten, Gras, Rote Beete, Löwenzahn…). Das klappte komplikationslos. Nach der ersten Woche fütterten wir auch Kohl an. Die Mutter trank die ersten Tage auffällig viel, dies ging mit der Zeit stark zurück.

DSC_0643 DSC_0817

ca. vier Tage alt

Am nächsten Tag hatten sie über Nacht nicht zugenommen. Da die Katzenaufzuchtsmilch nicht sehr nährstoffreich ist, konnten wir nicht länger abwarten und haben sie morgens der Mutter angelegt. Anschließend legten wir sie wieder in das Kunstnest zurück.

DSC_2506 DSC_2513 DSC_2514 DSC_2518 DSC_25514 tage alt

anlegen der häsin

ca. 5. Tag

Die Babys wurden erstmals gesäugt, dies konnten wir durch die Gewichtszunahme feststellen. Sie wirkten zugleich viel ruhiger und suchten weniger… Das Nest wurde jedoch von der Häsin noch nicht ausgepolstert, wir legten immer noch Wärmflaschen drunter. Zudem waren die Babys oft weit verstreut außerhalb des Nestes. Damit sie nicht auskühlten, kontrollierten wir regelmäßig unauffällig das Nest und legten sie zurück.

5 tage alt kaninchenbaby

 ca. 6. Tag

Bereits am Morgen begrüßte uns die Häsin mit Nistmaterial im Mund, das sie zum Nest brachte. Als wir das Nest kontrollierten, lagen die Babys unter einer dicken Schicht Heu versteckt, die ihre Mutter zusammen getragen hatte. Als wir diese beiseite schoben, kam ein mit Fell gut ausgepolstertes Nest zum Vorschein. Die Babys wurden zudem auch gesäugt und bestens betreut.

nestbau kaninchenmutter

6. tag6 tage alt

ca. Tag 7

Die Babys werden normal gesäugt und liegen bei den Kontrollen immer im Nest.

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DSC_0138 DSC_0152

ca. 8. Lebenstag

Beim Wiegen merken wir, dass die Babys in den letzten 24 Std. nicht gesäuft wurden. Eigentlich hätten wir noch ein paar Std. abwarten können, da die Babys jedoch schon anfangs mit Ersatzmilch egfüttert wurden und somit nicht optimal versorgt waren, möchten wir kein Risiko eingehen und legen sie der Mutter an. Vorher versuchen wir es indem wir die Mutter zu den Babys setzen oder sie über den Nest ruhig halten, aber das klappt leider nicht.

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DSC_0406

ca. 9 Tage alt 

Die Babys wurden über Nacht, also nach dem Anlegen noch einmal gesäugt (anhand des Gewichts erkennbar), es wäre also eigentlich nicht nötig gewesen. Wir sind froh, dass die Mutter sich doch kümmert.

9 tage alt 9 tag

 

ca. 10 Tage alt

Die Babys waren bei der heutigen Nestkontrolle ungewöhnlich aktiv und kamen danach kaum zur Ruhe. Aber sie wurden gesäugt.

tag 10   10. tag baby aktiv   kaninchenbaby 10 tage alt

 

11 Tage alt

Die Babys wirken zufrieden und satt und sind richtig groß geworden.

ohren 11 tage 11. tag kaninchernkind 11 tage alt DSC_0751 11 tage alt 11 tage kaninchenbaby

 

Gewichtsentwicklung bzw. Gewichtstabelle der Kaninchenbabys

Tag Zeit Baby 1: Gescheckt Baby 2: Hell
3 Tage alt nachts 54 58
4 Tage alt morgens
nach dem Anlegen
nachmittags
abends
54
56
55
56
57
60
62
63
5 Tage alt morgens
abends
64
63
70
69
6 Tage alt morgens
abends
70
73
76
77
7 Tage alt morgens
abends
74
81
76
90
8 Tage alt abends
nach dem Anlegen
77
83
87
91
9 Tage alt morgens
abends
99
97
100
99
10 Tage alt abends 108 115
11 Tage alt abends 124 126

81 Antworten zu “Handaufzucht”

  1. Cloud sagt:

    Hallo,
    Ich bin gerade schwer verzweifelt.
    Da ich in diesem Artikel leider nicht darüber gefunden habe:
    Wir betreiben ein kleine, aber feine Kaninchenzucht. Meine Rexwidderhäsin Wolke ist 10 Monate alt und so habe ich von unserem Zwergwidderbock Puschel decken lassen. Alles gut.
    Gestern kamen dann die Jungtiere zur Welt. Eines kag außerhalb des Nestes, das hab ich ihr dann einfach wieder reingelegt. Heute bei der Nestkontrolle fiel mir auf, dass einem Jungtier die Ohren abgeknabbert wurden. Due anderen Vier waren ganz normal. Als ich später dann noch einmal nach dem verletzten Jungtier schauen wollte, bemerkte ich, dass nun einem anderen auch beide Ohren fehlten und einem anderen ein Ohr. ( Eindeutig abgeknabbert) Ich habe unsere Wolke jetzt von ihnen getrennt, wollte aber fragen, was ihr davon haltet? Ich habe vor sie anzulegen. Ich meine es ist ihr erster Wurf, aber trotzdem ist so erwas noch nie bei uns passiert! Was glaubt ihr soll ich tun? Natürlich will ich nur das Beste für Häsin und Jungtiere.
    Bitte um schnelle Hilfe,
    Lg Cloud

    • Freya Haase sagt:

      Hallo Cloud,
      die Babys würde ich morgens und abends unter Aufsicht zu der Mutter zu legen, sollte sie das Saugen nicht zulassen, sie festzuhalten (unbedingt die Vorder- und Hintergleidmaßen sehr gut durch zweite Person festhalten) und die Babys anlegen. Das Anknabbern der Babys passiert manchmal bei Erstmüttern, wenn sie zu sorgfältig putzen, kann aber auch ein Zeichen für eine Stresssituationen (zu wenig Platz oder Nachbarkaninchen, die stören usw.) sein. Es gibt auch Mütter, die dies wiederholt ohne erkennbaren Grund tun und nicht zur Zucht eingesetzt werden sollten.
      Liebe Grüße
      Freya vom Kaninchenwiese-Team

  2. Daniela Tank sagt:

    Hallo hab eine Frage!! Habe seit ein paar Tagen von meiner häsin, sie lebt draussen mit 5 Männern und 1 Weibchen. Zwei sind eingeschläfert worden da sie verletzt waren einer ist heute gestorben. Ich habe die letzten 3 jetzt zu Hause und fütter per Hand!! Weil sie sich nicht interessiert hatte zu Hause im Käfig. Sie ist jetzt wieder draussen. Aber ich glaube sie baut immer noch am Nest. Muss ich sie wieder holen oder ist es jetzt zu spät?? Und ich fütter jetzt Katzen aufzuchmilch. Soll ich jetzt ziegenmilch dazu tun??? Danke möchte nicht das noch einer stirbt

    • Freya Haase sagt:

      Hallo Daniela,
      es kann sein, dass das Weibchen im Abstand von 14 Tagen erneut wirft (Doppelträchtigkeit: http://www.kaninchenwiese.de/nachwuchs/paarung-geburt-und-aufzucht/), wenn es nach dem Deckakt weiterhin mit dem unkastrierten Männchen zusammenblieb. Bitte trenn sie von unkastrierten Männchen, falls sie wieder mit einem zusammen sein sollte. Kaninchenweibchen säugen ihre Jungen nachts, sie interessieren sich tagsüber nicht für die Jungen, daher sollte man die Jungen immer bei der Mutter lassen und zum gleichen Tageszeitpunkt wiegen, um zu kontrollieren, ob die Jungen durch Säugen zunehmen. Ein Wechsel der Milch kann zu Verdauungsstörungen führen. Daher sollte der Wechsel langsam durch Mischen der bereits verwendeten Milch mit der Ziegenmilch durchgeführt werden. Bei Katzenmilch muss immer das Pulver zum Anrühren verwendet werden, welches mit Rodicare Akut usw. wie oben beschrieben gemischt wird. Es ist wichtig, die Bäuche der Babys nach dem Füttern vorsichtig zu massieren.
      Liebe Grüße
      Freya vom Kaninchenwiese-Team

  3. Jessi und Bine sagt:

    Liebes Kaninchenwiese-Team

    Am 24. Mai hat unser Löwenkopf Kaninchen Coco 4 Babys zur Welt gebracht. Wir haben sie von zwei eigentlich ganz netten Mädels bekommen, sie meinten, sie müssten sie dringend weggeben weil die VG nicht geklappt hat. Bei einer Routineuntersuchung beim TA meinte er, er würde etwas „am Bauch fühlen“ und wollte einen Ultraschall machen. Da sah er, dass sie schwanger ist… er zählte 6 Babys.

    Für uns ein großer Schock, weil wir noch nie Kaninchenbabys hatten!!! Aber wir wollten sie auch nicht einfach wieder abschieben, zumal unser Kaninchengrüppchen seitdem viel harmonischer ist!

    Nun zu aller erst habe ich im Nest nachgesehen und allerdings bloß vier Babys entdeckt … ich wollte nicht noch weiter im Nest rumwühlen (weil man die Babys ja nicht anfassen soll usw.) Da der Arzt aber meinte, dass während der Schwangerschaft Babys abgehen können, dachte ich mir nichts dabei.
    Nach ca. 4 Tagen habe ich aus irgendeinem Gefühl heraus doch mal genauer in das Nest gesehen und ein, zwei Babys angeschaut. Gott sei Dank!!!! Dabei habe ich nämlich gesehen, dass zwei von den vieren völlig unterentwickelt waren. Das eine war nur Haut und Knochen und viel, viel kleiner. Das andere war etwas kleiner aber auch extrem dünn. Außerdem lagen sie in einer ganz anderen Ecke wie die anderen zwei „Brummer“.

    Wir haben uns sofort in der Tierklinik informiert, sind vorbeigefahren und haben Aufzuchtmilch und Spritzen bekommen. Die meinten, es läge an uns zu entscheiden, ob wir sie zurück ins Nest setzen oder per Hand aufziehen. Laut Risiko liege beides bei 50 %. Wir entschieden uns für die Handaufzucht.

    Sie sind immer noch viel, viel kleiner als die anderen beiden. Sie sind mittlerweile 8 Tage alt. Die Kleinste wiegt 44 Gramm, der andere Kleine 60. Ihre Geschwister hingegen 115 und 120 Gramm.

    Die Mama verhält sich sehr sozial. Sie war sowieso eine sehr zutrauliche Häsin. Die letzten drei Tage habe ich immer wieder mal in das Nest geschaut, um nach den Brummern zu sehen. Davor habe ich ihr meine Hände gezeigt und sie fängt jedes Mal an sie extrem abzulecken. Auch, als ich die zwei zum Wiegen gebracht habe habe ich sie erst der Mama in meiner Hand gezeigt, sie hat wieder meine Hand abgeleckt (ist das normal?! Eig. schlecken Kaninchen doch nur dann die Menschen ab, wenn sie sich einsam fühlen? – sie ist momentan getrennt von der Gruppe, aber es steht nur ein Gitter zwischen ihnen – sie hat also eigentlich ständig Kontakt, nur nicht körperlich)

    jetzt ist meine Fragen:

    Ist das Verhalten der Mama normal?
    – Sie schleckt unsere Hände ab
    – schläft ständig vor dem Nest
    – rupft sich immer noch Fell aus

    Wie kann ich nachsehen ob nicht doch zwei Totgeburten im Nest liegen?
    – Das Nest befindet sich in einem Stall in der abgedunkelten Seite (ständig offen!!! Unsere Kaninchen dürfen sich frei bewegen) sie hat dort eine richtige Höhle mit einem unterirdischen Gang gebaut. Wenn wir das Nest kontrollieren wollten, müssten wir dafür das komplette Nest zerstören… :-(((

    Können wir das Nest verlegen?
    – da das Nest ja in diesem Stall ist (erhöht) wird es für die Babys ja nach ca 2 Wochen gefährlich, wenn sie die Gegend erkunden möchten. Wir haben überlegt, ob wir das Nest in die Wanne (direkt unter dem Stall) verlegen sollen, damit sie dort leichter die Umgebung erkunden können, ohne Verletzungsrisiko. Besteht da dann aber die Gefahr, dass Coco die zwei Brummer nicht mehr annimmt? Dass sie nicht versteht, dass das Nest verlegt wurde? Und wenn das eine schlechte Idee ist, was wäre dann die Alternative?

    • Hallo Jessi und Bine,
      das Verhalten der Mutter dir gegenüber ist toll, sie will dir damit sagen, dass sie dich mag und du dazu gehörst :). Also keine Sorgen. Was die Kleinen angeht, solltest du das Nest nicht mehr bewegen. Leg am Besten ein Holzbrett vor den Stall, so dass sie nicht herausfallen können.
      Die Kleinen sollten zurück ins Nest gelegt werden, wiegt sie davor und nach 24 Stunden nochmal. Sollten sie nicht zugenommen haben, dann legt sie an die Mutter an, trinken sie, gleich hinterher wiegen. Geht alles gut, lasst sie da und wiegt sie alle 24 Stunden. Im Fall einer Handaufzucht solltet ihr auf keinen Fall Katzenaufzuchtmilch nehmen, sondern Ziegenmilch. Schau mal, hier haben wir ganz viele Infos zusammengetragen http://www.kaninchenwiese.de/nachwuchs/paarung-geburt-und-aufzucht.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

  4. Nadine sagt:

    Hi werd gleich n kaninchenbaby von ca 2 Wochen bekommen drei Geschwister sind tot eins liegt in der tierklinik und kämpft Mutter hat keine Milch ich habe nur katzenmilchpulver bekommen.
    Tips?

    • Freya Haase sagt:

      Hallo Nadine,
      in den meisten Bio-Läden gibt es frische Ziegenmilch. Aus dieser und den weiten, oben beschriebenen Komponenten kannst du den Jungtieren eine Ersatzmilch zubereiten und diese alle vier Stunden füttern.
      Eventuell findet sich auch eine Amme in deiner Nähe.
      Liebe Grüße
      Freya vom Kaninchenwiese-Team

  5. Celina Erdeljack sagt:

    Ich habe gestern einen ca. 2 Wochen alten feldhasen gefunden. Ich war mit ihm beim Tierarzt und er bekommt jetzt die Katzenersatzmilch. Der kleine is sehr aktiv und frisst auch gut aber er scheidet nichts aus. Er ist sehr abgemagert deswegen kann ich seinen Bauch nicht richtig ‚abtasten‘. Ich habe ihn auch schon eine ganze Weile am Bauch masiert und ihn mit einem warmen Tuch unten rum abgerieben aber alles hilft nichts ich mach mir Sorgen und der Tierartzt kann mir auch nicht weiter helfen.
    Was würden Sie empfehlen?

    • Freya Haase sagt:

      Hallo Celina,
      du könntest es mit einem Tropfen Speiseöl in der Milch probieren.
      Liebe Grüße
      Freya vom Kaninchenwiese-Team

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