Kokzidien, Kokzidiose

kaninchenverdauungstraktKokzidien (Coccidia) sind bei den meisten Kaninchen latent (= ohne Symptome zu verursachen, in geringer Menge) vorhanden und treten durch ungünstige Umgebungsbedingungen erst krankhaft (Kokzidiose) auf. Solange das Kaninchen gesund ist, haben sie keine Chance sich auszubreiten, werden aber teils in geringen Mengen mit dem Kot ausgeschieden. Ein höherer Befall spricht für ein Ungleichgewicht im Darm oder Stress.

Ursachen

  • Oft stecken sich die Kaninchen bereits als Baby bei der Mutter, im Zoohandel oder beim Kontakt mit anderen Kaninchen oder kontaminiertem Futter/Boden (z.B. von Wildkaninchen bewohnte Wiesen als Futterquelle) an. Gerade Kaninchen aus Massenzuchten (Zoohandel, Kleintiermärkte) sind sehr oft infiziert.
  • Beugen Sie einem Befall vor indem sie bei jedem neuen Kaninchen erst eine Kotprobe zum Tierarzt bringen, bevor es in die Gruppe darf. Zudem sollte vor jeder Impfung, aber auch bei Verdacht und mindestens einmal im Jahr eine Kotprobe untersucht werden. Bei Kokzidienbefall wirkt die Impfung nicht.
  • Stress kann dazu führen, dass sich die Kokzidien stark vermehren, z.B. durch Vergesellschaftungen, unharmonische Gruppen, Umzüge, häufiges hoch nehmen der Kaninchen, grober Umgang mit den Tieren, Einzelhaltung, wenig Platz (Stall-/Käfig-Haltung). Zuvor symptomlose Tiere erkranken plötzlich.
  • Die Fütterung kann ein Ungleichgewicht im Darm verursachen, z.B. wenn die Kaninchen nicht hauptsächlich mit Grünfutter ernährt werden, Trockenfutter (Pellets, Mischfutter, viel Getreide/Saaten), Leckerlis, zu viel Knollengemüse/Obst oder anderes ungeeignetes Futter bekommen
  • Eine zu einseitige Fütterung fördert Kokzidien, besonders wenn übervorsichtig gefüttert wird (Kaninchen brauchen viele als giftig angegebenen Wildpflanzen um gesund zu bleiben, oft wird die Giftigkeit von Hunden, Katzen, Pferden oder dem Menschen auf Kaninchen übertragen und ist bei Kaninchen nicht der Fall)
  • Wenn der Boden (im Außengehege) stark verseucht ist (Erdboden, schlechte Hygiene), kann das Immunsystem oft nicht mehr entgegen halten und das Gleichgewicht kippt. Auf gut bewachsenen Flächen (Wiese) ist das Problem meist nicht so groß, da bewachsene Erde die Kokzidien wohl besser verwertet und so einen Massenbefall verhindert. Schlammige und erdige Bereiche sollten verhindert werden. Ideal sind Weide-Wechsel.
  • Das Megacolon-Syndrom begünstigt Kokzidien
  • Hygienemangel und seltenes Ausmisten kann Kokzidien fördern
  • Bieten Sie das Futter nicht am Boden an, damit es nicht mit dem Kot in Kontakt kommt, reinigen Sie Wasser- und Futtergefäße täglich
  • Eine angegriffene Darmflora, z.B. durch Medikamente, Narkosen, eine zu frühe Trennung von der Mutter, Erbkrankheiten, Stress, sie ist ein idealer Nährboden für Kokzidien
  • Andere Erkrankungen schwächen das Kaninchen oftmals so, dass die Kokzidien sich ausbreiten können
  • Bei Jungtieren kommen sie oftmals sogar grundlos im Wachstum zum Ausbruch.
  • Ein feuchtes (und auch feucht-warmes) oder schlechtes Stallklima, sowie feuchte Einstreu und Regenwetter begünstigen Kokzidiose. Finden die Kaninchen genug überdachte und trockene Flächen vor oder sind sie der Witterung ausgesetzt?
  • Viel Bewegung sichert eine gesunde Verdauung und beugt Kokzidien vor.

Arten

Es sind über 28 Kokzidienarten beim Kaninchen nachgewiesen:
Eimeria stiedai, Eimeria magna, perforans, Eimeria media, Eimeria irresidua, Eimeria piriformis, Eimeria coecicol, Eimeria elongata, Eimeria intestinals, Eimeria matsubajashii, Eimeria nagpurensis, Eimeria sp.,

Symptome

Kokzidiose verursacht Symptome wie (wiederkehrende) Aufgasungen und Magenüberladungen, seltener auch Durchfall (oft übel riechend), vermehrt herumliegender Blinddarmkot, unförmiger/matschiger Kot, Abmagerung, aufgedunsener Bauch, schlechte Futteraufnahme und andere Störungen der Verdauung. Im fortgeschrittenen Stadium stellt das Kaninchen die Nahrungsaufnahme ein oder wird apathisch. Betroffene Jungkaninchen sind oft abgemagert oder entwickeln sich schlecht oder langsam. In manchen Fällen werden bei Kaninchen auch Lähmungen, Ausfluss aus Maul und Nase, Fieber und Krämpfe durch Kokzidien ausgelöst. Im Darm werden weißliche, dicke Stellen sichtbar. Oft sind alle Kaninchen der Gruppe infiziert, aber nur einzelne zeigen Symptome!

Die zweite Form der Kokzidiose  befällt die Leber (Leberkokzidiose) und führt zu einer Schwellung dieser und entzündeten Gallengängen. Es bilden sich gräulich-weiße abszessartige Knubbel in der Leber. Diese Form tritt oft bei älteren Tieren auf und führt zur stetigen Abmagerung und stumpfen Fell, die Tiere haben oft ein schlechtes Allgemeinbefinden und fressen irgendwann weniger. Weitere Symptome sind ähnlich wie bei Lebererkrankungen: Mehr zu Lebererkrankungen

Behandlung und Pflegemaßnahmen

kokzidien-kaninchen-mikroskopEine rechtzeitige tierärztliche Behandlung ist bei Kokzidien unbedingt erforderlich. Jungtiere versterben unbehandelt recht schnell an Kokzidiose oder ihren Symptomen, auch geschwächte Alttiere fallen der Kokzidiose oft zum Opfer. In der Zucht kommt es sehr häufig zu einem regelrechten Massensterben der Jungtiere durch Kokzidiose. Kokzidien werden durch eine Kotprobe festgestellt, da sie nicht durchgängig ausgeschieden werden, muss der Kot mindestens zwei Tage gesammelt werden, bevor er untersucht wird. Es empfiehlt sich, die Kotprobe nicht während Stresssituationen (Vergesellschaftungen, Umzüge) sondern etwa zwei Wochen danach zu nehmen, denn in solchen Situationen können die Kokzidien stressbedingt vorhanden sein, gehen aber von selbst nach diesem Ereignis weg. Behandelt werden müssen sie nur, wenn sie auch ohne Stressituation vorhanden sind oder Symptome auftreten. Der Tierarzt verabreicht ein Medikament gegen die Kokzidien, dieses müssen nicht Kaninchen in der Gruppe erhalten sondern nur solche mit entsprechend starken Befall. Achten Sie auf eine direkte Verabreichung, Medikamente die über das Trinkwasser oder Futter verabreicht werden sollen, werden ungenau dosiert (das eine Kaninchen trinkt mehr als das andere).

Lesen Sie unbedingt den Text zur selektiven Kokzidienbehandlung!

 

Folgende Wirkstoffe sind verbreitet:

  • Toltrazuril (Baycox®, 10-15 mg/kg > 0,2-0,3 ml/kg) ist sehr verbreitet, allerdings reagieren einige Kaninchen auf die Gabe mit Nahrungsverweigerung oder schlechter Futteraufnahme. Nur die weiße Flüssigkeit (5%ig) ist geeignet, die 2,5%ige (durchsichtig) ist für Geflügel vorgesehen und für Kaninchen ungeeignet, da sie stark schleimhautreizend wirkt. Der oft angegebene Rhythmus von 3-3-3 (3 Tage geben, 3 Tage Pause, 3 Tage geben) wird mittlerweile durch den Rhythmus 2-5-2 abgelöst, der besser vertragen wird. In der Praxis hat sich auch der Rhythmus 1-5-1 bewehrt oder die Behandlung an zwei aufeinander folgenden Tagen.
  • Diclazuril (Vecoxan®, 1-2 ml/kg) ist ein besser verträgliches, aber weniger bekanntes Medikament, allerdings kommt es in größeren Beständen beim regelmäßigen Einsatz schneller zur Resistenzbildung. Vacoxan wird mit 1 ml/kg verabreicht. Meist reicht sogar die einmalige Gabe oder die Gabe an zwei bis drei Tagen hintereinander aus. Bei starken Durchfall besser an min. 2 Tagen. Wie auch Baycox kann es nur in einer Großpackung bestellt werden und die meisten Tierärzte haben es nicht vorrätig, um es in kleinen Mengen abzufüllen. Großtierärzte haben es jedoch teils auf Lager. 
  • Weitere Medikamente: Sulfamethoxypyrazin (Davosin®), Sulfathiazol (Eleudron®), Sulfaquinoxalin (Nococcin®), Sulfadimethoxin (Kokzidiol SD®, Retardon®)
  • Die Wirkung von Oregano und Knoblauch gegen Kokzidien ist in Studien bestätigt worden (Nosal et al. 2014), demnach haben sie eine bessere Wirkung als Baycox bzw. führen in Versuchen im Vergleich zu Tieren ohne Behandlung, aber auch zu Tieren, die mit Baycox behandelt wurden, zu einer besseren Gewichtszunahme und der geringsten Kokzidien-Ausscheidung. Häufig wird Oreganoöl verwendet, eine Auflistung finden Sie weiter unten.
  • Neben der tierärztlichen Therapie gibt es die Möglichkeit, den Kokzidienbefall mit weiteren Kräuterauszügen abzuschwächen, diese sind auch vorbeugend möglich. Einige Präparate mit Kräuterauszügen oder Kräutermischungen: AniForte, Wormfree, VermX, 7 Kräuter Wurmkur, Asvet und Wurm-O-Vet und Schwarzkümmelöl (in großen Mengen). Die Kräuter-Medikamente verändern das Darm-Milieu, so dass es den Kokzidien „unbequem“ wird.
  • Folgende Präparate unterstützen die Darmflora und bekämpfen somit indirekt die Kokzidien (und verhindern eine Reinfektion): cdVet DarmAktiv, RodiCare (ca. 3 Tropfen/kg, ein bis mehrmals täglich) akut, Rodicolan, Colosan, Schwarzkümmelöl und Herbi Colan Diese Mittel verhindern außerdem, dass die Kokzidien wiederkommen, denn man kann sie im Gehege kaum zu 100% abtöten sondern lediglich weitestgehend verdrängen.
  • Bieten Sie Löwenzahnsaft (Reformhaus, Naturkostläden, Internet) zum Trinken an.
  • Gute Erfahrungen wurde mit Mucosa compositum zur Stärkung der Darmflora gemacht.
  • Wir haben festgestellt, dass Kokosöl auch bei Kokzidienbefall die Kokzidien abzutöten scheint, das Immunsystem stärkt und die Damrflora aufbaut. Es ist im Bioladen oder Reformhaus erhältlich. Ca. 1 Tl je Kaninchen über 5 Tage im Futter verstecken.

Wichtig: Auch Hunde und Katzen können Kokzidien bekommen, z.B. wenn sie den Kot der Kaninchen fressen! Sie bekommen daraufhin immer mal wieder Durchfall. Gängige Entwurmungen für Hunde und Katzen wirken nicht gegen Kokzidien. In einer Kotprobe können Kokzidien festgestellt werden. Behandelt wird mit Baycox.

Mikroskop-Foto rechts: Fourrure

Organoöl: Eine sehr gute Möglichkeit, Kokzidien vorzubeugen und betroffene Bestände wieder kokzidienfrei zu bekommen, bietet Oreganoöl. Es wird auch in der Landwirtschaft, meist über das Trinkwasser, eingesetzt und die Wirkung wurde in Studien wissenschaftlich belegt (Nosal et al. 2014) und auch durch Haltererfahrungen bestätigt. Übrigens hält der Ölzusatz die Tränken auch bei starker Hitze algenfrei. In der Regel mögen Kaninchen den leichten Oregano-Geschmack sehr gerne. Wenn die Kaninchen wenig trinken, kann auch über das Futter Oraganoöl gegeben werden. Kombiniert mit  regelmäßigen Kotproben kann Oreganoöl ein gutes Mittel zur Kokzidienprophylaxe sein.

Verbreitete Präparate

Futteröle
Probac  Brockamp Oregano Öl, 5ml Öl auf 1kg Futter, 2-3x/Wo., ca. 39,00€/l
Backs Sojaöl & Oregano, ca. 23€/l
Dosto Ropa Futteröl 3%, 5 ml auf 1 kg Futter, ca. 18€/600ml
ROPA-B FEEDING OIL 2%, 5 ml je kg Futter, für 4-5 Tage pro Woche, 15,95€/l
ROPAHORSE VITAL FEEDINGOIL, 0,2ml/kg/Tag 3-4 Tage in der Woche, 19,95€/l

Trinkwasseröle (mit Emulgator) – Trinken die Kaninchen genug?
(können auch ins Futter gemischt werden)
Ropadiar Solution Oreganoöl 10%, 2 – 3 ml je 10 Liter Wasser, ca. 39,90€/l
ROPA-B LIQUID 10%, 15 ml je 10 Liter Trinkwasser, für 3-4 Tage pro Woche, ca. 49,95€/l
DOSTO® Liquid 10%, 3-10 ml je 10 Liter Wasser, ca.  53,50€/l
Dosto WG Ropa Flüssig 12%, 1ml pro 3l Trinkwasser, ca. 26€/300ml
ROPARODENTS SOLUTION, therapeutisch: 3 ml/l Trinkwasser, präventiv: ganzjährig 1 bis 1,5 ml/l Trinkwasser, ca. 6,95€/100ml
Becker Enterosan flüssig, 5ml je 10l Wasser, 24,50€/250ml
Röhnfried UsneGano Oregano-Bartflechten-Mix, 3%, 3 ml / 1 Liter Trinkwasser, ca. 4€/l
Procura® 10% Lösung, 5-20ml je 10 Liter Wasser

Ernährung: Wichtig bei Kokzidien ist eine stärkende und für den Darm gesunde Ernährung mit vielen Kräutern (trocken und frisch, besonders Oregano (bzw. die veredelte Form Majoran), Thymian, Wermut, Löwenzahn, Schafgarbe, Petersilie, Rainfarn und Salbei, Eichenzweige (Rinde & Blätter), Schwarzkümmel, Rainfarn so wie Heidelbeerpflanzen aber auch alle anderen Magen-Darm-stärkenden Kräuter die den Verdauungstrakt stützen) und Grünfutter (im Sommer Wiese, im Winter Blattgemüse wie z.B. Kohl-Blätter aller Kohlsorten, Salate, Mangold, Spinat, Karottengrün, Stangensellerie…) wo wie Tannin-reiche Rinden/Zweige (Weide, Haselnuss, Eiche, Esche, Obstbäumen, Tannen, Fichten, Kiefern). Weiten Sie die Artenvielfalt aus. Bei abgemagerten Kaninchen sollten keine Haferflocken angeboten werden, da sie meist Hefen auslösen. Leinsamen und Sonnenblumenkerne können unterstützend sinnvoll sein.

Hygiene: Zudem sollte während der Behandlung unbedingt auf Hygiene geachtet werden, insbesondere in den Toiletten und beim Futterplatz, damit die Kaninchen sich nicht immer wieder anstecken (re-infizieren).

  • Heu und Grünfutter sollte in einer Raufe angeboten werden, damit es nicht bekotet wird.
  • Wasser- und Futternapf werden täglich gründlich mit heißen Wasser (>60 Grad) oder in der Spülmaschine gereinigt.
  • Der Kot sollte mindestens einmal täglich komplett entfernt werden, so kann man verhindern, dass sporulierte Oozysten aufgenommen werden, denn diese entwickeln sich erst nach ein bis vier Tagen. Die Toiletten sollten mit kochendem Wasser ausgespült werden.
  • Das Gehege, inbesondere bekotete Areale können während der Behandlung schlicht gehalten werden, die Toilettenecken werden täglich gesäubert. Alles was bekotet wurde, muss sehr gründlich mechanisch geputzt, oder durch Hitze (>60 Grad, z.B. kochendes Wasser aus dem Wasserkocher) behandelt werden. der Rest des Geheges ein bis zweimal während der Behandlungsphase gründlich geputzt, der Boden gewischt (Innenhaltung) oder mit Dampfreiniger bzw. heißen Wasser bearbeitet (> 60 Grad) bzw. mit einem Schlauch, kochendem Wasser, Hochdruck- oder Dampfreiniger (> 60 Grad) ausgespült/gereinigt werden (Außenhaltung). Dampfreiniger können durch das feucht-warme Klima jedoch auch Kokzidien fördern (es werden nicht alle abgetötet und die verbliebenenfühlen sich pudelwohl).
  • Stoffe, Decken und Teppiche können in der Waschmaschine bei hohen Temperaturen gereinigt werden. Für die Zeit der medikamentösen Behandlung sollten sie aus dem Gehege entfernt werden.
  • Befindet sich im Gehege Erdboden, so muss die oberste Schicht abgetragen und dann Gehweg-Platten verlegt werden, um auch in Zukunft Kokzidienbefall zu verhindern. Als Zwischenlösung kann der Boden mit kochendem Wasser geflutet werden. Ebenfalls ist der vorsichtige Einsatz von Branntkalk möglich (die Kaninchen in dieser Zeit und die Phase danach nicht ins behandelte Areal lassen!).
  • Eine oft empfohlene übertriebene Hygiene (Desinfektion, kein Auslauf, Abkochen oder Garen der Einrichtung…) ist hingegen unnötig, stresst Tiere und Halter und schwächt das Immunsystem.
  • Zur Desinfektion von Kokzidien sind alle gängigen Desinfektionsmittel wirkungslos. Geeignet wären insbesondere Kresole wie sie z.B. die Desinfektionsmittel Neopredisan oder Capha DesClean enthalten, wenn sie 3-4%ig sind und min. 2 Std. einwirken. Diese Putzmittel sind jedoch sehr giftig für Kaninchen, reizen die Schleimhäute und dürfen deshalb ausnahmslos auf Flächen verwendet werden, die rückstandslos abwischbar sind (PVC, Kacheln…). Jegliche Flächen in die es einziehen könnte (z.B. Holz, Teppiche und Stoff) dürfen anschließend nicht mehr von den Kaninchen genutzt werden, da sie dann giftig sind. Abwischbare Flächen müssen nach der Desinfektion rückstandslos vom Desinfektionsmittel befreit werden.  Die Kaninchen müssen ausquartiert und der Raum anschließend längere Zeit gelüftet werden. Zudem sind diese Desinfektionsmittel nur bedingt für den Einsatz in Innenräumen geeignet und für Allergiker und Asthmatiker sogar gefährlich. Eine Desinfektion ist deshalb nicht empfehlenswert, außer sie wird mit Dampfreiniger (> 60 Grad) oder kochendem Wasser vorgenommen. Dabei ist es wichtig, das feucht-warme Klima anschließend schnell weg zu lüften und den Dampfreiniger ohne Abstand direkt auf den Boden entlang zu fahren, damit er heiß genug für Desinfektions-Zwecke ist. Kochendes Wasser ist die einfachste, günstigste und wirkungsvollste Desinfektion. Ebenso geeignet wäre das Abflammen des Geheges, allerdings ist dies natürlich nicht möglich, wenn es aus Holz besteht.

Wirksame Desinfektionsmittel

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Starkloff, A. 2010: Einfluss von Wetterfaktoren und sozialer Umwelt auf den Endoparasitenbefall juveniler Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus L.) Diss. University of Bayreuth

Beck, W., Pantchev, N. 2009: „Magen-Darm-Parasiten beim Kaninchen–Erregerbiologie, Pathogenese, Klinik, Diagnose und Bekämpfung.“Kleintierpraxis 11.5 278-288.

Ewringmann, A. (2010): Leitsymptome beim Kaninchen: Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Georg Thieme Verlag

Nosal, P., Kowalska, D., Bielanski, P., Kowal, J., & Kornas, S. (2014): Herbal formulations as feed additives in the course of rabbit subclinical coccidiosis. Annals of parasitology, 60(1).

Zinke, J. (2004): Ganzheitliche Behandlung von Kaninchen und Meerschweinchen: Anatomie, Pathologie, Praxiserfahrungen; 14 Tabellen. Georg Thieme Verlag

Kühn, T. (2003): „Kokzidien des Kaninchens (Oryctolagus cuniculus)-Verlauf natürlicher Infektionen bei Boden-und Käfighaltung in einer Versuchstiereinheit.“

 

203 Antworten zu “Kokzidien beim Kaninchen”

  1. Jenny sagt:

    Hallo Viola,

    hat denn eine/einer von Euch Tiermedizin studiert?
    Repräsentativ wird eine Studie erst dann, wenn man eine große Anzahl von Versuchstieren hat. Außerdem kann man nur von einer Studie sprechen, wenn man einen Versuchsaufbau hat und eine direkte Kontrollgruppe. Sei mir nicht böse, aber ich habe wissenschaftliche Studiengänge absolviert, ich weiß, wovon ich spreche. Wenn Ihr es „einfach so“ gegeben habt und den Vergleich zu früher macht, ist es nicht wissenschaftlich und auch nicht repräsentativ.
    Ich weiß auch, dass man pures Oreganoöl nicht gibt. Deswegen habe ich ja geschrieben, das es wasserlöslich sein muss (um es zu verdünnen). War vielleicht nicht ganz klar aus gedrückt.
    Aber man kann ja mal eine Petition starten und eine spezielle Uni bitten, dass sie dazu mal eine groß angelegte Studie macht, damit alternative Heilmethoden/Naturheilkunde auch bei manchen Tierärzten akzeptiert wird. Abgesehen davon ist die Human- wie auch die Veterinärmedizin in vielen Bereichen stark dominiert von den großen Pharmakonzernen und die wollen natürlich ihre Medikamente verkaufen. Ein weites Feld also.
    Weiter viel Erfolg mit Eurer Notstation!

    • Hallo Jenny,
      ja wir haben Tierärzte und Biologen im Team.
      Die meisten Medikamente sind am Kaninchen nie getestet worden und auch nicht zugelassen (auch Baycox nicht). Testreihen an großen Tierzahlen gibt es fast nie, das meiste ist erfahrungsbasiert und wird höchstens durch Publikationen (z.B. Ewringmann als Standardwerk) dann weiter empfohlen. Die wenigen zugelassenen Medikamente sind abzählbar (Impfstoffe, Baytril…). Meist wird nach Einzelfallberichten ein Medikament weiter empfohlen und dann an der Masse erprobt. Untersuchungen an großen Tierzahlen sind deshalb äußerst selten. Wenn nun ein Mittel an über hundert Kaninchen nebenwirkungsfrei und erfolgreich angewendet wurde, ist das für Kaninchen schon eine sehr gute Basis. Diese Basis haben wir wie gesagt bei gerade einmal einer Hand voll Medikamenten. Natürlich könnte man alles prinzipiell testen, aber dafür fehlt das Geld, kaum einer hat Interesse daran und auch die Unis führen nur sehr wenige Untersuchungen durch. Diese werden dann meistens an Tieren, die beim Halter leben, durchgeführt, dadurch sind versch. Einflussfaktoren (Ernährung, Haltung…) nicht ausgeschaltet, aber es sind zumindest realitätsnahe Bedingungen und es werden Tierversuche im Labor vermieden. Das ermöglicht es zudem, dass keine Tiere künstlich krank gemacht werden müssen. Du kannst natürlich eine Uni anschreiben, erfahrungsgemäß besteht allerdings kein Interesse. Die wenigen Studien, die zum Kaninchen durchgeführt werden, sind meist von einzelnen Professoren veranlasst, welche sich explizit für eine bestimmte Krankheit beim Kaninchen interessieren (z.B. Fr. Dr. Hein für E. Cuniculi – ihr verdanken wir fast alle Studien zur Erkrankung). Aber vielleicht lässt sich jemand dafür begeistern.
      Liebe Grüße
      Viola vom Kaninchenwiese-Team

  2. Jenny Reuter sagt:

    Hallo liebe Halter/innen und liebes Team,

    bei meinem Schweinchen wurden im Dezember 2016 Kokzidien im Kot nachgewiesen, aber seitdem er täglich frischen Oregano bekommt, hat man keine Kokzidien mehr nachweisen können. Das heißt nicht, dass er keine mehr hat, leider. Die Tierärztin sagt, dass sie lediglich nicht ausgeschieden werden. Solange er gut beieinander ist, werde ich so weiter machen. Sobald sich sein Zustand allerdings verschlechtert, müssen wir wohl doch Baycox geben…
    Ich habe mich mit meiner Tierärztin (Dr.Glöckner-eine Spezialistin für Nager) zum Thema Kokzidien besprochen, sowie auch mit einem Parasitologen aus der Schweiz. Irgendwie gibt es hier teilweise gefährliches Halbwissen. Kokzidien sind ja Einzeller. Diese hartnäckigen Einzeller werden i.d.R. mit Baycox behandelt. Allerdings möchte ich dies bei meinem Schweinchen auch vorerst nicht und so bin ich mit Frau Dr.Glöckner über eingekommen, dass mein Böckchen (Meerschweinchen) 2x täglich frischen Oregano bekommt.
    Die Studie von Nosal et al. ist nicht wirklich repräsentativ, da bei dieser Studie Baycox über das Trinkwasser verabreicht wurde, somit ist dies eigentlich total unwissenschaftlich, da man hierbei gar nicht genau weiß, welche Menge jedes Tier nun tatsächlich aufgenommen hat.
    Ich würde grundsätzlich immer raten, einem Tier entweder eine gewisse Menge an Oregano täglich flüssig über das Mäulchen ein zu geben (z.B. spezielles Oreganoöl, das wasserlöslich ist) oder frischen Oregano. Ansonsten hat man keine Kontrolle darüber, was ein Tier aufnimmt.
    Ich hoffe, dass mein Böckchen damit so noch lange klar kommt.

    • Hallo Jenny,
      wir haben nachdem wir diese Studie gelesen haben, erst selbst Oreganoöl an großen Tierzahlen ausprobiert (allerdings Kaninchen). Durch unsere Notstation haben wir eine ständige Parasitenkontrolle (Neuzugänge bekommen Kotproben, dann wird ggf. behandelt und noch einmal untersucht…). Wir haben auch den direkten Vergleich. Früher haben wir Baycox verwendet, da es aber manchmal Unverträglichkeiten/Nahrungsverweigerung gab, später dann Vecoxan (wurde super vertragen). Mit Oreganoöl gab es mit Abstand die besten Ergebnisse (keine Nebenwirkungen, schnell weg gegangen, danach immer saubere Kotproben, kaum Rückfälle). Erst dann haben wir uns entschieden, es hier zu publizieren.
      Da es große Tierzahlen mittlerweile sind, ist es auch recht repräsentativ.
      Oreganoöl darf man keinesfalls direkt eingeben! Es wäre ätzend und somit gefährlich. Wir verdünnen es sehr stark mit Wasser und lassen es in Futter einziehen. Wir achten darauf, dass jedes Kaninchen ausreichend viel davon frisst. Oregano pur ist natürlich auch eine Alternative und klappt recht gut, wenn man wirklich viel davon verfüttert.
      Liebe Grüße
      Viola vom Kaninchenwiese-Team

  3. Hallo Isa,
    vielleicht bekommst du ein reines Oreganoöl, das könntest du dann mit anderem Speiseöl mischen (höchstens 10%ig Oreganoöl), das Oreganoöl muss allerdings 100% Oreganoöl sein und recht hochwertig.
    Liebe Grüße
    Viola vom Kaninchenwiese-Team

  4. Kaninchen Petra sagt:

    Hallo, ich habe mir jetzt 100% ätherisches oregano Öl aus der Apotheke geholt. Ich möchte zur Unterstützung gerne etwas ins Wasser geben. Wieviel darf ich auf 500ml geben?

    • Hallo,
      warum kaufen jetzt alle reines Oreganoöl, das ist doch nirgendwo empfohlen, oder? Das ist viel viel viel zu stark und ggf. giftig.
      Wenn überhaupt würde ich es 3-10%ig mit Speiseöl mischen und dann geben, allerdings ist es dann nicht wasserlöslich und muss mit Futter gegeben werden (3 Tropfen der Mischung auf viel Futter). Wie oben auch angegeben, sind nur spezielle Wasseröle mit Emulgator wasserlöslich.
      Viele Grüße
      Viola vom Kaninchenwiese-Team

  5. Jasmin sagt:

    Hallo!
    Ropadiar Solution: Muss/darf es im Kühlschrank gelagert werden? Wie viel gebe ich über das Futter?
    Viele Grüße

    • Hallo,
      nein es kann draußen gelagert werden.
      Ich gebe immer ca. 0,1 ml für ca. 3 Kaninchen mit viel Wasser verdünnt (2 Eierbecher) über das Futter.
      Liebe Grüße
      Viola vom Kaninchenwiese-Team

  6. Haruka sagt:

    Hallo,

    Habe mal noch Fragen kann man auch dieses Oreganoöl( Oregano Öl aus Wildoregano, 30ml) für Kaninchen nehmen bei Einnahme ins Trinkwasser?Wie wäre wenn die Dosierung?LG Haruka

    • Freya Haase sagt:

      Hallo Haruka,
      um welches Öl handelt es sich denn genau bzw. wie ist die Konzentration?
      Liebe Grüße
      Freya vom Kaninchenwiese-Team

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