Hefepilz, Hefen

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Stinkender Durchfall ist häufig eine Folge der Hefepilzinfektion.

Hefen treten immer als Begleiterscheinung bei anderen Erkrankungen auf oder auf Grund einer falschen Ernährung und sind somit grundsätzlich eine Sekundärerkrankung.

Symptome: Wie zeigen sich Hefepilzerkrankungen?

Hefepilzerkrankungen im Darm zeigen sich durch stinkenden Durchfall. Die Hefepilzinfektion geht dabei vom Blinddarm aus, d.h. zunächst werden stinkende Blinddarm-Haufen (meist über Nacht) abgesetzt. Schreitet die Vermehrung der Hefen voran, so dehnt sie sich in den gesamten Verdauungstrakt aus und kann zu stinkenden Durchfall führen.

Ursachen

Hefen sind keine Krankheit ansich, sondern zeigen nur an, dass ein Ungleichgewicht der Verdauung besteht. Jedes Kaninchen hat Hefen im Verdauungstrakt, besteht ein Ungleichgewicht, so vermehren sie sich. Folgende Erkrankungen und Fütterungsfehler führen dazu, dass sich die Hefen vermehren:

hefenbefall-mikroskop-kaninchen Diagnose

Festgestellt werden sie mittels einer frischen Kotprobe, denn gerade durch Wärme können sich wenige, unbedeutende Hefen sehr stark vermehren und die Kotprobe verfälschen. Hefepilze sind unter dem Mikroskop bei ca. 40-facher Vergrößerung sichtbar (rechts).

Bringen Sie am besten sehr frischen Kot zum Tierarzt mit. Für die Hefen-Kotprobe muss der Kot keine drei Tage gesammelt werden! Allerdings ist zur Überprüfung eines Wurm-und Kokzidienbefalls eine Probe von drei Tagen sinnvoll.

Mikroskop-Fotos rechts: Uwe Gille

Bei Parasitären Kotproben, die länger ungekühlt gesammelt oder verschickt wurden, sind Hefen meist ein Nebenbefund durch die Lagerung und den Transport, ohne das das Kaninchen tatsächlich eine Hefenproblematik hat.

Wird nur im Kot ein Hefepilzbefall festgestellt, so kann man diesen von einem echten Hefepilzbefall unterscheiden, da keine Symptome vorhanden sind!

Obst und festes Gemüse kann Hefen auslösen und sollte immer nur ergänzend zu einer riesigen Portion blättrigen Grünfutter gefüttert werden. Bei Hefenbefall wird es zunächst komplett weggelassen.

Behandlung

In erster Linie sollte die ursprüngliche Erkrankung behandelt und die Ernährung umgestellt werden, dann gehen die Hefen anschließend von alleine weg. Hefen sind im Magen latent (also ohne Probleme zu verursachen, in geringer Menge) immer vorhanden. Wenn die Kaninchen falsch ernährt werden oder durch Erkrankungen bzw, eine Futterumstellung die Darmflora Schaden nimmt, breiten sie sich extrem aus.

Ideal bei der Behandlung ist eine reine Ernährung mit Wiesenpflanzen!
  • Hefen werden besonders durch Futtermehle (Pellets, Extrudate, das sind die bunten Ringe und Klumpen im Trockenfutter) und Zucker (z.B. in Medikamenten) gefördert, aber auch durch eine grundsätzlich falsche Fütterung (Trockenfutter, auch getreidefreies, zu viel Getreide, Pellets, zu viel Leckerlis, Süßigkeiten, Medikamente mit viel Zucker, Brot, zu viel Knollengemüse/Obst, zu wenig Grünfutter). Stellt man die Kaninchen auf eine gesunde Ernährung um, d.h. vor allem Frischfutter (Wiesenkräuter, Gräser, blättriges Gemüse, Kräuter und wenig Obst, Heu, getrocknete Kräuter und wenige Saaten), so verschwinden sie ganz von alleine.
  • Sollte trotz optimaler Fütterung ein Hefenbefall auftreten, so gibt es immer eine Grunderkrankung als Ursache! Die auslösende Ursache ist auch oft in anderen Erkrankungen, welche die Verdauung schädigen, zu suchen.
  • Häufige Ursache sind Darmparasiten (z.B. Würmer oder Kokzidien). Dafür sollte eine Kotprobe und ein Tesa-Abklatsch von drei Tagen im Labor untersucht werden (oft sieht der Tierarzt, je nach Technik, in seiner Probe die Kokzidien oder Würmer nicht).
  • Auch Zahnerkrankungen sind eine häufige Ursache. Sollten keine Darmparasiten ursächlich sein und die Ernährung optimal aus Grünfutter bestehen, so sind Zahnerkrankungen auszuschließen. Dafür suchen Sie einen Zahntierarzt auf (bei Zahnschmerzen gehen Sie auch nicht zum Hausarzt, oder?) und lassen den Kopf in mehreren Ebenen röntgen und das Gebiss durch die Maulhöhle begutachten. Beim Blick ins Maul sieht man nur etwa 20% der Zahnerkrankungen, deshalb sind Röntgenaufnahmen und eine fachmännische Interpretation sehr wichtig!
  • Unterstützend bietet sich die Gabe von Heilerde und zur Regeneration der Darmflora BierhefeApfelpektin oder Präbiotika/Probiotika sowie Rodicare akut an. 
  • Eine Behandlung mit Nystatin sollte nur erfolgen, wenn die Ursachenfindung noch etwas Zeit in Anspruch nimmt und die Symptome sehr ausgeprägt sind (z.B. starker Durchfall), so dass schnelles Handeln erforderlich ist oder um die Beseitigung der Hefen (zusätzlich zur Futterumstellung und Ursachenbehebung) schneller voranzutreiben. Die meisten Nystatin-Medikamente enthalten sehr viel Zucker und beeinflusst die Darmflora negativ, während der Behandlung fressen viele Kaninchen schlecht und nach der Behandlung kommen die Hefen häufig wieder, da der Zucker die Darmflora geschädigt hat. Deshalb sollte unbedingt RodiCare® Nystatin verwendet werden, es ist das einzig zuckerfreie Nystatin. Häufig gut wirksam gegen Hefen ist Kokosöl (Bioladen oder Reformhaus, Internet), etwa ein gestrichener Tl am Tag ins Lieblingsfutter gemischt, bekämpft die Hefen und saniert die Darmflora.

Quellen/Weiterführend:

Ewringmann, A. (2009): Kotuntersuchung beim Kaninchen. Tierarzthelfer/in konkret5(02), 16-17.
Ewringmann, A. (2016): Leitsymptome beim Kaninchen: Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Georg Thieme Verlag.
Hein, J. (2016): Durchfall beim Kaninchen–Ursachen und Therapie. kleintier konkret19(S 01), 2-9.
Hein, J. (2017): Durchfallerkrankungen bei Kleinsäugern: Ursache, Diagnostik, Therapie. Schlütersche
Kraft, W., Emmerich, I. U., & Hein, J. (2012): Dosierungsvorschläge für Arzneimittel bei Kleinnagern, Kaninchen und Frettchen. Schattauer Verlag.