Hinter zurückgezogenem (apathischem) Verhalten stecken meist lebensbedrohliche Erkrankungen!

Nahrungsverweigerung durch Verdauungsstörungen ist beim Kaninchen ein sehr ernstes Thema und führt nicht selten zum Tod. Deshalb sollte man sich als Halter damit auskennen und im Bedarfsfall richtig handeln.

Magendilatation – ein vergrößerter mit Flüssigkeit und Gas gefüllter Magen (mittels Röntgen feststellbar).

Erste Hilfe

Natürlich können zunächst Notfallmedikamente verabreicht werden. Jeder Halter sollte Sab Simplex oder ein anderes Mittel mit dem Wirkstoffen Simeticon oder Dimeticon (langsamer wirksam) und Colosan/RodiCare akut oder ein ähnliches Medikament als Notfallmedikament zu Hause haben. Tritt jedoch keine zeitnahe Besserung ein, sollte gleich ein kaninchenkundiger Tierarzt kontaktiert werden. Je nach Zustand des Tieres kann bis zu eine Std. abgewartet werden. Ist das Tier dehydriert (Hautfalte legt sich nicht sofort) oder hat es Untertemperatur (unter 38,5 Grad), sollte nach der Gabe sofort der Tierarzt hinzugezogen werden!

Nahrungsverweigerung ist beim Kaninchen immer ein absoluter Notfall! Sie endet innerhalb von Stunden tödlich! Verlieren Sie keine Zeit und warten Sie keinesfalls ab!

Apathische Kaninchen sitzen in Schmerzposition, fressen nicht und bewegen sich nicht.

Woran erkennt man eine Magendilatation?

Die betroffenen Kaninchen sind meistens ruhiger als sonst, ziehen sich zurück, nehmen nicht am Alltag teil. Zudem verweigern sie die Nahrungsaufnahme. Auch beliebte Leckerlis werden verschmäht. Fehlender Kotabsatz wird durch die Gruppenhaltung häufig nicht wahrgenommen, ein umfangvermehrtes, pralles Abdomen kann von erfahrenen Haltern teils getastet werden. Manche Kaninchen wirken rund und „aufgeplustert“. Einige Tiere reagieren empfindlich beim Abtasten des Bauches (Schmerzen!). Die Erkrankung schreitet sehr schnell voran, so dass sich einige Kaninchen bereits im Schockzustand befinden, dieser geht mit Untertemperatur (unter 38,5 Grad) und Dehydrierung (eine hochgezogene Hautfalte legt sich nicht sofort, sondern erst langsam) einher.
Die Diagnose kann einzig ein Tierarzt stellen, indem er das Kaninchen röntgt, denn es gibt einige andere Krankheiten, die sich ähnlich äußern.

Ursachen – was verursacht eine Magendilatation?

Aufgenommene Kunstfasern aus Teppichen, Handtüchern etc. können lebensbedrohlich die Verdauung verstopfen.
  • Jegliche Form der Nahrungsverweigerung sei es durch Schmerzen (Organerkrankungen, Zahnprobleme etc – in den meisten Fällen von außen nicht sichtbar), führt zur Eintrocknung des Darminhaltes durch Dehydration. Dieser wird durch die schwache Muskulatur nicht abtransportiert, d.h. es entstehen Fehlgärungen und ein trockenes/verklebtes Futter-Gemisch (teils mit kleinen Haarballen, die davor schon da waren!).
  • Reine Haarballen sind seltener als angenommen! Manchmal führt die Aufnahme von viel Fell (durch das Putzen des eigenen Felles oder des Fell anderer Kaninchen im Fellwechsel oder durch das krankhafte Ausreißen von eigenen Fell), das sich im Darm zu einem festen Ballen verknotet (Bezoar, Haarballen) zu Verstopfungen. Meistens machen Haarballen jedoch nur Probleme, wenn nicht rein mit Frischfutter ernährt wird, sondern irgendeine Art von Trockenfutter, Haferflocken etc. gereicht wird oder Grünfutter nicht 24 Std. am Tag verfügbar ist, so dass die Tiere künstlich viel Heu fressen.
  • Verstopfungen werden stark begünstigt oder sogar ausgelöst, wenn das Kaninchen sehr trocken, energiereich oder proteinreich ernährt wird. Der trockene Nahrungsbrei kann dadurch nicht angefeuchtet werden und rutscht nicht weiter. Die natürliche Nahrung besteht zu 70-80% aus Flüssigkeit (Frischfutter), daher ist die Kaninchenverdauung auf einen sehr feuchten Nahrungstransport ausgelegt.
  • Ein Parasitenbefall mit Kokzidien, seltener auch mit Hefepilzen, oder Würmern kann Verstopfungen auslösen. Geben Sie eine Kotprobe von drei Tagen ab um Parasiten auszuschließen.
  • Bösartige oder gutartige Gewebeneubildungen (Neoplasien) (sehr selten)
  • Jahannisbrotbaum-Samen (selten)
  • Verklebungen von Gewebe nach der Weibchenkastration (selten)
  • Fressen von (Klump-)Katzenstreu, Strohpellets, Futterpellets, Karton, Stoffen, Teppichen, Vetbeds/Isobeds oder anderen Dingen, die im Magen und Darm stark aufquellen oder verklumpen (z.B. auch Fremdkörper).
  • Kein freier Zugang zu Trinkwasser kann Verstopfungen verursachen.
    Infektionserkrankungen
  • Raumeinnehmende Erkrankungen der Gebärmutter oder anderer Organe
    Auch Bewegungsmangel, eine Haltung, welche die Bewegung einschränkt und/oder
  • Verfettungen können eine Verstopfung verstärken.
  • Grundsätzlich verstärkt eine faserarme, trockene oder schlecht verdauliche Nahrung die Obstipation beim Kaninchen.
  • Auch wenn plötzlich größere Mengen Trockenfutter oder Leckerlis gegeben werden, kommt es oft zu Verstopfung.
  • Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann ebenfalls Verstopfungen auslösen.
  • Längere Fresspausen oder Schlingen führen häufig zu Blähungen. Bieten Sie Ihren Kaninchen mehrmals täglich und ausreichend Grünfutter an, damit es in Ruhe fressen kann und stetig über Tag und Nacht verteilt, Nahrung zu sich nimmt.

Wichtig: Viele Tierärzte geben an, dass die Kohlfütterung zu Blähungen führt. Das stimmt so nicht! Gesund ernährte Kaninchen vertragen Kohl problemlos in großen Mengen. Sollte er nicht vertragen werden, liegt es meist an der Fütterung von Pellets oder anderem ungesunden Futter, das den Darm belastet und zu Unverträglichkeiten gegenüber Kohl, Gras und anderen Frischfutter führen kann. 

Entwicklung – so entsteht die Magendilatation

Bei Nahrungsverweigerung wird der Magen- und Darminhalt nicht weiter transportiert, da Kaninchen wenig Muskulatur besitzen oder ein Verschluss vorliegt. Dadurch trocknet der Darminhalt ein.
Dies führt zu Fehlgärungsprozessen, es vermehren sich pathogene Keime, eine Aufgasung entsteht. Der Speichel läuft zurück in den Magen, im Zusammenspiel mit Gärungsprozessen kommt es zur Verflüssigung des Mageninhalts, es bildet sich eine Gasblase.
Bei adipösen Tieren kann sich der Magen noch weniger ausdehnen, da das Fettgewebe ihn einengt. Der Magen drückt durch die Erweiterung auf das Herz und die Lunge, es kommt zu Kreislaufversagen und zum Tod!

⚠️ Es kommt sehr schnell zur Dysbiose (Entgleiten der Darmflora), welche zu Atemnot und einem Kreislaufzusammenbruch mit Todesfolge führt!

Diagnose – ist es eine Magendilatation?

Suchen Sie unbedingt einen Tierarzt auf, der nicht nur auf Kleintiere (Hunde & Katzen), sondern auf Heimtiere (Kaninchen und Nager!) spezialisiert ist! Nur gezielt fortgebildete Tierärzte können Kaninchen behandeln, denn im Studium sind sie nur Randthema. Tierarzt finden

🌡 Die Temperatur von Kaninchen sollte nicht unter 38 Grad liegen, bei Stress kommt es zu einem Temperaturanstieg, der nicht mit Fieber verwechselt werden darf. Ist die Temperatur also niedriger, sprechen wir von Untertemperatur. Diese wirkt sich auf das Herz und den Kreislauf und die Produktion von Magensäure aus.
Außerdem kann es zu einem Darmverschluss durch Lähmung der Darmmuskulatur (paralytischen Ileus) kommen. Auch zentralnervöse Probleme wie Inkoordination , Störungen der Bewegung, Bewusstseinstrübungen (Minderdurchblutung des Zentralen Nervensystems) bis hin zum Koma, können eintreten.
Es kommt im weiteren Verlauf zu Leber- und Nierenversagen sowie Atemnot.
Es müssen lebensrettende Sofortmaßnahmen ab mittelgradiger Untertemperatur eingeleitet werden, ehe eine Diagnostik gemacht werden kann. Umso weiter sie fortschreitet, umso ausgeprägter sind Organschäden, die später nicht mehr behandelt werden können.

Der Tierarzt wird das Tier abtasten, die Temperatur messen und auf jeden Fall Röntgenbilder aus mehreren Ebenen erstellen, wobei die seitliche Aufnahme am aussagekräftigsten ist! Im Röntgenbild kann man den vergrößerten, mit Flüssigkeit gefüllten Magen mit Gasanteilen erkennen. Diese Erscheinung ist unter dem Begriff „Spiegeleimagen“ bekannt.
An welcher Stelle die Verstopfung liegt, ist durch die Gasansammlung feststellbar. Sind die Gase am Magenausgang oder im Zwölffingerdarm (direkt nach dem Magen) angesiedelt, oder im Dünndarm? Auch Kontrastmittelröntgen kann in manchen Fällen sinnvoll sein. Ohne Kontrastmittel sind Haarballen-Nahrungs-Klumpen teils sichtbar, wenn der Verdauungsabschnitt davor gefüllt und der anschließende Bereich leer oder aufgegast ist. Kontrastmittel können die Verdauung zusätzlich überladen und die Blinddarmbakterien aus dem Gleichgewicht bringen, was lebensgefährliche Aufgasungen zur Folge haben kann. Deshalb werden sie nach sorgfältiger Abwägung eingesetzt.
Ein kaninchenkundiger Tierarzt wird Röntgenbilder in solch einer Situation als selbstverständlich ansehen. Haben Sie auf Grund des Notdienstes nicht die Wahl und weigert sich der Tierarzt zu röntgen, so zeigen Sie ihm diesen Fachartikel (nur auf einem Desktop kostenlos sichtbar).

Wichtig: Bestehen Sie bei Ihrem Tierarzt auf ein Röntgenbild, nur so kann eine Aufgasung sicher diagnostiziert werden, durch Abtasten ist dies nicht möglich!

Eine recht sichere Einschätzung ist durch ein Blutcheck möglich. Bei etwa 70% der Tiere mit Darmverschluss ist die Glucose im Blut stark erhöht. In einer Studie lag der Durchschnittswert erkrankter Tiere bei 24,7 mmol/l, wobei Kaninchen mit einer Glukosekonzentrationen von mehr als 20 mmol/l eine schlechtere Prognose zugesagt wird. Es empfehlt sich zudem eine Blutuntersuchung, um eine Prognose und weitere dadurch bedingte Probleme (Leber, Nierenschäden, Entzündungen, Glukose) abschätzen zu können.

Behandlung – wie kann man helfen?

👉🏼 💊 Generell sollte das Tier beim erst Tierarzt stabilisiert werden. Dafür erhält es erwärmte Infusionen (je nach Kreislaufzustand muss diese intravenös verabreicht werden, 20-40 ml/kg)), Wärme, ggf. Sauerstoff, Schmerzmittel (z.B. Novalgin, 10-20 mg/kg, 2-3x tägl.), etwas gegen die Übelkeit (MCP 1-5 mg, 1-3x tägl. oder Cisaprid – Achtung nicht länger als drei Tage), ggf. Säureblocker (Omeprazol) und Simeticon/Dimeticon um die Gasblasen zu zerstören.
Eine halbe Stunde eingeweichte Leinsamen oder Flohsamenschalen, ggf. Lactulose von Albrecht (macht den Stuhl weicher, indem es Wasser aus dem Darm zieht) können den Abgang der Verstopfung unterstützen. RodiCare Hairball hat sich ebenfalls bewährt. 
Colosan/RodiCare akut helfen die Verdauung wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Achtung: Paraffinöl stört die empfindliche Darmflora und wird deshalb nicht empfohlen! Pflanzenöle werden bereits im Dünndarm resorbiert, so dass sie ggf. nicht ankommen, wo sie benötigt werden. Im Magen wirken sie jedoch abführend.

Diese Griff eignet sich um das Kaninchen zum Strecken zu bringen. Die untere Hand wird langsam immer weiter nach unten genommen, das Kaninchen streckt sich dadurch automatisch.

Gezielte Massagen helfen, die Verstopfung an der ermittelten Stelle zu lösen oder Klumpen zu verlagern, so dass der Nahrungsbrei wieder vorwärtsrutschen kann. Der Tierarzt kann nach dem Röntgenbild erklären, an welcher Stelle gezielt massiert werden kann. Erfahrungsgemäß wirken sich Streckbewegungen lösend aus.

Auch Bewegung kann helfen: Versuchen Sie, das Kaninchen zur Bewegung zu animieren, räumen Sie ihn jedoch auch Erholungsphasen ein.

Besteht der Verdacht, dass sich krankmachende Keime vermehrt haben (zum Beispiel im Differenzialblutbild an einer Pseudolinksverschiebung erkennbar, die ein Hinweis auf eine Entzündung ist) wird auch ein Antibiotikum wie z.B. Enrofloxacin gespritzt.
Liegt eine wirkliche Unterzuckerung vor, muss dringend Glukose verarbreicht werden, dies fand Harcourt-Brown in einer Untersuchung 2012 aber nur in 1,7% der Fälle.
Gepäppelt wird vom Tierarzt extrem dünnflüssig und vorsichtig, sofern kein Verschluss vorliegt.

✂️ Wenn trotz aller Versuche tatsächlich die medikamentöse Behandlung nicht hilft, entscheidet sich der Tierarzt in Absprache mit dem Halter für einen chirurgischen Eingriff.
Sofern der Verschluss weiter hinten in größeren Darmabschnitten liegt, kann nach öffnen der Bauchdeckel evtl. der Nahrungs-Haarkot-Brei ausmassiert werden, ohne den Darm aufzuschneiden. Zudem kann fast immer nach dem Öffnen der Bauchdecke der Haarballen manuell in den Dickdarm geschoben/massiert werden. Alternativ wird der Haarballen zurück in den Magen massiert und anschließend durch Kneten zerkleinert. Sollte der Magen oder Darm aufgeschnitten werden, ist die Prognose schlechter, aber dennoch als letzter Versuch anzuraten.

Ernährung & Pflege kranker Kaninchen

Viele Kaninchen mit Magendilatation essen als erstes Kohlrabiblätter, Dill, Petersilie oder Löwenzahn.

Während der Erkrankung bietet man dem Kaninchen am besten sämtliche Küchen- und Wildkräuter frisch an, auch Luzerne, Klee, Kohl und Wiesenkräuter sollten zur Verfügung stehen. Prinzipiell gilt jedoch: Hauptsache das Kaninchen frisst, was es frisst ist zweitrangig.

Ursache – diese muss gesucht werden!

Nahrungsverweigerung hat beim Kaninchen viele Ursachen. Die Ursache sollte gefunden werden, da so weitere Zwischenfälle verhindert werden können. Zudem stecken oft Krankheiten mit hohen Leidensdruck dahinter, die zeitnah behandelt werden müssen.

Es könnten sämtliche Erkrankungen, die Schmerzen verursachen dazu führen (Gebärmuttererkrankungen, Ohrenentzündungen…).

Auch Übelkeit durch Niereninsuffizienz, Nierensteine oder Magenschleimhautentzündung ist ein häufiger Grund.

Sehr oft ist eine unwissentlich gut gemeinte, aber fehlerhafte Fütterung die Ursache. Ein zu viel an Kohlenhydraten (Obst, Saaten, Knollengemüse, Trockenfutter..), schlecht strukturiertes und energiereiches Futter (Trockenfutter, Pellets) und Zahnerkrankungen (häufig durch schlechtes Futter ausgelöst) sind eine Hauptursache.

Auch Stress kann zur Magendilation führen. Der Sympathikus wird durch Stress aktiviert und hemmt die Magentätigkeit.

Ernährung zur Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Magendilatationen sollte Grünfutter immer Hauptfutter sein und mindestens 70% der Nahrung ausmachen.

Es gibt immer wieder Kaninchen, die aufgrund einer früheren Falschfütterung zu Verdauungsstörungen neigen. Natürlich sollte an erster Stelle die Ernährung umgestellt werden. Eine Ernährung mit unbegrenzt Grünfutter (nach Möglichkeit aus der Natur) ist bei Verdauungsstörungen die beste Wahl, da dadurch der Verdauungstrakt gleichmäßig belastet und reguliert wird. Jede Form von Getreide und fertigen Futtermitteln (Trockenfutter, Pellets, Mischfutter…) sollte erst einmal abgewöhnt werden. Getreide und Saaten als Energiefutter können, wenn die Verdauung wieder stabil ist, im begrenzten Umfang wieder angefüttert werden (nie mehr als 1Tl/Tag/Tier). Fertigfutter jeder Art ist aufgrund der verdauungsschädigenden Wirkung und den kritischen Inhaltsstoffen als Futter nicht empfehlenswert.

Nach der Erkrankung ist eine grünfutterreiche (so viel Wiesenkräuter und/oder Gemüsegrün wie sie wollen), durch Gemüse und Heu ergänzte Ernährung zu empfehlen. Gerade die Frischfutteraufnahme ist sehr wichtig um Verstopfungen vorzubeugen, eine trockene Ernährung führt unweigerlich zu wiederholten Verstopfungen.

Auch Pflanzensäfte (reiner Obstsaft wie z.B. Ananassaft, Karottensaft) können angeboten werden, um die Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen.

Eingeweichte Leinsamen oder Flohsamenschalen, ggf. Lactulose von Albrecht (macht den Stuhl weicher, indem es Wasser aus dem Darm zieht) können den Abgang Verstopfung unterstützen. RodiCare Hairball hat sich ebenfalls bewehrt. Auch reine Kräutertees sind geeignet.

Diese Futtermittel wirken gezielt gegen Blähungen: und regulieren die Verdauung

Kräuter unterstützen die Verdauung.
  • Küchen-Kräuter: Dill, Pfefferminze, Melisse, Basilikum, Petersilie, Thymian, Majoran, Salbei, Schnittlauch, Wermut, Liebstöckel, Lavendel, Brennnessel
  • Wald- und Wiesenkräuter: Bärenklau, Löwenzahn, Eichenrinde und -blätter, Bärlauch, Echte Kamille, Weidenkätzchen und Zweige, Schafgarbe, Wegwarte
  • Saaten: Dillsamen, Fenchelsamen, Kümmel, Anissaat
  • Gemüse: Fenchel, Ingwer

Ernährung während des Fellwechsels

(zur Vorbeugung von Haarballen)

Damit es nicht zu lebensbedrohlichen Haarballen (Haarklumpen im Verdauungstrakt) kommt, sollte man besonders während des Fellwechsels vorbeugend die losen Haare weg kämmen (oder mit den Händen oder angefeuchteten Gummihandschuhen die Haare regelmäßig weg streicheln). Um das lose Fell zu entfernen, sind Zupfbürsten ideal. Indem ihr verengte Stellen im Gehege, Durchschlüpfe oder Tunnel mit Bürsten ausstattet, könnt ihr auch weniger zahme Kaninchen von überflüssigen Haaren befreien. Sie bürsten sich beim Hindurchlaufen von selbst.

Eine unterstützende Ernährung beugt Haarballenbildungen vor. Es wäre hier eine Fütterung mit einer großen Menge Wiesengewächsen ideal, oder Kräuter und Blattgemüse in unbegrenzter Menge. Das Grünfutter sollte unbegrenzt, also Tag und Nacht verfügbar, angeboten werden. Dies ist die beste Form der Vorbeugung von Haarballen!  Trockenfutter (auch Trockenkräuter, viel Heu etc.) verursacht Haarballen.
RodiCare Hairball, Lactulose hat sich ebenfalls bewährt. Flohsamenschalen können gut eingeweicht mit einem leckeren Gemüse (geraspelt) oder Obst (gerieben) vermischt angeboten werden. Dies ist sozusagen die kostengünstige Alternative zu RodicareHairball. 

Viel Platz und Bewegung kombiniert mit der Möglichkeit zu Grasen, beugt Magendilatationen vor.

Und noch ganz wichtig: Bieten Sie Ihren Kaninchen Tag wie Nacht viel Platz an, damit sie sich bewegen können, das löst Haarballen. In Innehaltung und geschützter Außenhaltung sollte während des Fellwechsels viel gesaugt werden, da der Wind fehlt, der das Fell beseitigt. In Extremfällen kann es helfen, Innenkaninchen das Fell zu scheren, so dass die aufgenommenen Haare deutlich kürzer sind.

Bei Haarballen sollte auf jeden Fall das betroffene Kaninchen und alle anderen Kaninchen der Gruppe sorgfältig täglich gekämmt werden so dass beim Putzen keine weiteren Haare aufgenommen werden, die das Ganze noch verschlimmern können. In Innenhaltung hat sich das tägliche Saugen bewährt.

Köttelketten sind übrigens nicht bedenklich, ganz im Gegenteil. Wenn Köttelketten auftauchen, heißt dies, dass die Haare wieder ausgeschieden werden und nicht im Darm verbleiben und zu Haarballen werden können. Und noch ganz wichtig: Bieten Sie Ihren Kaninchen Tag wie Nacht viel Platz an, damit sie sich bewegen können, das löst Haarballen.

Köttelketten sind übrigens nicht bedenklich, ganz im Gegenteil. Wenn Köttelketten auftauchen, heißt dies, dass die Haare wieder ausgeschieden werden und nicht im Darm verbleiben und zu Haarballen werden können. Und noch ganz wichtig: Bieten Sie Ihren Kaninchen Tag wie Nacht viel Platz an, damit sie sich bewegen können, das löst Haarballen.

Auch im Winter sollte Grünfutter (blättriges Futter, keine Knollen!) 70-100% der Ernährung ausmachen!

Folgende Ernährungs- und Haltungsfehler begünstigen eine lebensbedrohliche Haarballenbildung:

  • Heu als Grundnahrung mit Frischfutterportionen
  • Heu als Grundnahrung mit Trockenfutter & Frischfutter (das Trockenfutter saugt auch noch das gesamte Wasser weg)
  • Heuernährung,
  • Trockenfutter-Ernähhrung und
  • Fütterungsformen mit geringen Fasergehalt: Zu viel Kraftfutter (Samen, Getreide etc.), handelsübliches Trockenfutter etc. Das Trockenfutter saugt nicht nur die Flüssigkeit weg, sondern hat kaum Wassergehalt und auch kaum Rohfaser.

Maltpaste? Bezo-Pet-Paste?

Die Zusammensetzung dieser Pasten ist größtenteils fehlerhaft oder gar nicht auf der Verpackung aufgeführt. Meistens wird nur die Wirkung beschrieben, die laut Packungen auf drei Faktoren beruht: Pflanzenöle und -fette, Ballaststoffe und Malt, der verdauungsfördernd sein soll. Katzenpasten sind nahezu identisch mit Kaninchenpasten und werden von vielen Haltern auch verwendet. Ballaststoffreich sind diese Pasten jedoch nur für Katzen. Jegliches Kaninchenfutter (Kräuter, Heu, Äste) enthält deutlich mehr Ballaststoffe als diese Pasten! Kaninchen nehmen bei normaler Ernährung sehr viel mehr Ballaststoffe als Katzen auf. Was für die Katzen ballaststoffreich ist, kann man für Kaninchen als ballaststoffarm einstufen. Malz (Malt) sind Getreidekeime die nach kurzer Ankeimung getrocknet und verarbeitet werden. Oft handelt es sich um den schlecht verdaulichen Weizen. Hinzu kommt eine Menge an Zusatzstoffen die den Kaninchen schaden können. Selbst die Wirkung der Pflanzenöle ist nicht gegeben, da sie bereits im Dünndarm resorbiert werden. Die Pasten enthalten keine Wirkstoffe die gegen Haarballen helfen könnten. Dafür sind viele schädliche Stoffe enthalten und die meisten Inhaltsstoffe sind nicht angegeben.
Besser geeignet ist RodiCare Hairball, das auf aufgequollenen Flohsamen basiert.

Quellen/Weiterführend u.a.:
Böttcher, A. (2017): Untersuchungen zur Magendilatation bei Heimtierkaninchen (Oryctolagus cuniculus) (Doctoral dissertation, Freie Universität Berlin).
Harcourt-Brown, F. M. (2007): Gastric dilation and intestinal obstruction in 76 rabbits, Veterinary Record 161, 409-414
Hein, J. (2018). Röntgenbildinterpretation Magen-Darm-Trakt Kaninchen. kleintier konkret, 21(S 01), 12-20.
Köstlinger, S. (2014): Notfälle beim Kaninchen. kleintier konkret, 17(S 02), 2-7.
Nickel, R., Schummer, A., & Seiferle, E. (2004): Lehrbuch der Anatomie der Haustiere—Band II Eingeweide. Parey, Stuttgart.
Schnabl, E., Böhmer, E., & Matis, U. (2009): Diagnostik und Therapie des Magenbezoars beim Kaninchen: katamnestische Betrachtung von 39 Patienten. Tierärztliche Praxis Kleintiere, 37(2), 107-113.
Schnabl, E., Böhmer, E., & Matis, U. (2009): Diagnostik und Therapie des Magenbezoars beim Kaninchen: katamnestische Betrachtung von 39 Patienten. Tierärtzliche Praxis, 37, 107-113.