
Kaninchen frisst nicht: Magen-Darm-Stase, Magendilatation & Darmverschluss
Nahrungsverweigerung ist beim Kaninchen immer ein absoluter Notfall! Sie endet innerhalb von Stunden tödlich! Suche sofort einen Tierarzt auf. Verliere keine Zeit und warten keinesfalls ab!
Nahrungsverweigerung und Verdauungsstörungen sind beim Kaninchen ein sehr ernstes Thema und führt nicht selten zum Tod. Deshalb sollte man sich als Halter damit auskennen und im Bedarfsfall richtig handeln.
Die meisten betroffenen Kaninchen haben eigentlich gar kein Verdauungsproblem, sondern eine andere Erkrankung, die zur Nahrungsverweigerung führt und dadurch eine Magendilatation zur Folge haben kann.
Mein Kaninchen frisst nicht: warum ist das so gefährlich?
Ein Kaninchen, das nicht frisst, hat meist nicht „einfach Bauchweh“, sondern häufig eine andere Erkrankung, die Schmerzen, Übelkeit oder Stress verursacht. Dadurch wird weniger gefressen, der Magen-Darm-Trakt arbeitet langsamer und es kann zu einer Magen-Darm-Stase, Aufgasung, Magendilatation oder sogar einem Darmverschluss kommen. Besonders wichtig: Eine Magen-Darm-Stase ist fast immer ein Symptom und nicht die eigentliche Ursache. Deshalb muss nicht nur die Verdauung behandelt, sondern auch der Auslöser gesucht werden.
Kritisch wird es bereits, wenn ein Kaninchen mehrere Stunden nicht frisst, Leckerlis verweigert, deutlich weniger Kot absetzt oder apathisch wirkt. In der tierärztlichen Triage gelten verminderter Appetit, verminderte Kotmenge, Bauchschmerz und Lethargie als typische Hinweise auf eine gastrointestinale Stase. Kaninchen können sehr lange Schmerzen verbergen, deshalb sollte man nicht abwarten, bis das Tier „richtig krank aussieht“.
Erste Hilfe
Natürlich können zunächst Notfallmedikamente verabreicht werden. Jeder Halter sollte Simeticon (z.B. Sab Simplex 0,5-1ml/kg 3-6x tägl.) oder ein anderes Mittel mit dem Wirkstoffen Simeticon oder Dimeticon (langsamer wirksam) und Colosan/RodiCare akut (7-10 Tropfen 3x tägl.) oder ein ähnliches Medikament als Notfallmedikament zu Hause haben. Zudem sollte das Kaninchen sanft am Bauch massiert und (wenn die Ohren kalt sind) die Körpertemperatur mit einem Thermometer gemessen werden (siehe Erste Hilfe). Tritt jedoch keine zeitnahe Besserung ein, sollte gleich ein kaninchenkundiger Tierarzt kontaktiert werden. Je nach Zustand des Tieres kann bis zu eine Stunde abgewartet werden. Ist das Tier dehydriert (Hautfalte legt sich nicht sofort) oder hat es Untertemperatur (unter 38,5 Grad), sollte nach der Gabe sofort der Tierarzt hinzugezogen werden! Die Kaninchen müssen auf dem Weg zum Tierarzt gewärmt werden, dafür werden sie auf eine Decke gesetzt, unter der eine Wärmflasche (nicht zu heiß!) oder ein Snuggle Safe liegt, und mit einer Decke zugedeckt.


Woran erkennt man Bauchschmerzen beim Kaninchen?
Die betroffenen Kaninchen sind meistens ruhiger als sonst, ziehen sich zurück, nehmen nicht am Alltag teil. Zudem verweigern sie die Nahrungsaufnahme. Auch beliebte Leckerlis werden verschmäht. Fehlender Kotabsatz wird durch die Gruppenhaltung häufig nicht wahrgenommen, ein umfangvermehrtes, pralles Abdomen kann von erfahrenen Haltern teils getastet werden. Manche Kaninchen wirken rund und „aufgeplustert“. Einige Tiere reagieren empfindlich beim Abtasten des Bauches (Schmerzen!). Die Erkrankung schreitet sehr schnell voran, so dass sich einige Kaninchen bereits im Schockzustand befinden, dieser geht mit Untertemperatur (unter 38,5 Grad) und Dehydrierung (eine hochgezogene Hautfalte legt sich nicht sofort, sondern erst langsam) einher.
Die Diagnose kann einzig ein Tierarzt stellen, indem er das Kaninchen röntgt, denn es gibt einige andere Krankheiten, die sich ähnlich äußern.
Wann muss ein Kaninchen sofort zum Tierarzt?
Ein Kaninchen muss sofort tierärztlich vorgestellt werden, wenn es nicht frisst, Leckerlis verweigert, weniger oder keinen Kot absetzt, apathisch wirkt, aufgegast ist, Schmerzen zeigt, Untertemperatur hat, kalte Ohren hat, dehydriert wirkt oder sich der Zustand trotz erster Maßnahmen nicht rasch bessert. Besonders gefährlich sind Kombinationen aus Nahrungsverweigerung, aufgeblähtem Bauch, Teilnahmslosigkeit und niedriger Körpertemperatur.
Warte nicht bis zum nächsten Tag. Bei Kaninchen können Verdauungsprobleme innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden. Je früher die Ursache gefunden und das Tier stabilisiert wird, desto besser sind die Chancen.
Häufige Ursachen: Warum frisst ein Kaninchen nicht mehr?

- Jegliche Form der Nahrungsverweigerung sei es durch Schmerzen (Organerkrankungen, Zahnprobleme, Ohrenentzündungen etc. – in den meisten Fällen von außen nicht sichtbar), führt zur Eintrocknung des Darminhaltes durch Dehydration. Dieser wird durch die schwache Muskulatur nicht abtransportiert, d.h. es entstehen Fehlgärungen und ein trockenes/verklebtes Futter-Gemisch (teils mit kleinen Haarballen, die davor schon da waren!).
- Verstopfungen werden stark begünstigt oder sogar ausgelöst, wenn das Kaninchen sehr trocken, energiereich oder proteinreich ernährt wird. Der trockene Nahrungsbrei kann dadurch nicht angefeuchtet werden und rutscht nicht weiter. Die natürliche Nahrung besteht zu 70-80% aus Flüssigkeit (Frischfutter), daher ist die Kaninchenverdauung auf einen sehr feuchten Nahrungstransport ausgelegt.
- Ein Parasitenbefall mit Kokzidien, seltener auch mit Hefepilzen, oder Würmern kann Verstopfungen auslösen. Bandwurmzysten können sogar zum Verschluss führen. Gebe eine Kotprobe von drei Tagen ab um Parasiten auszuschließen.
- Darmentzündungen (Enteritis, Enterocolitis), insbesondere bakterielle, führen zur wiederkehrenden plötzlichen Nahrungsverweigerung.
- Viele Kaninchen fressen immer mal wieder nicht mehr, da ihnen übel ist. Das ist häufig auf Magenerkrankungen zurückzuführen, insbesondere bei Kaninchen mit chronischen Erkrankungen, gestresste Tiere oder wiederholter Schmerzmittelgaben. Auch ein wandernder Haarballen oder Darmentzündungen können die Ursache sein. Solche Tiere sollten dauerhaft ggf. Säureblocker (Omeprazol) bzw. Magenschutz (Sucralfat, Rinitidin) erhalten.
- Bösartige oder gutartige Gewebeneubildungen/Tumoren (Neoplasien) (sehr selten)
- Jahannisbrokerne, Pellets oder Trockengemüse oder -obst, uneingeweichte Leinsamen – wenn sie heruntergeschlungen wurden und im Darm aufquellen (selten)
- Verklebungen von Gewebe nach der Weibchenkastration (selten)
- Fressen von (Klump-)Katzenstreu, Strohpellets, Futterpellets, Kokoseinstreu, Karton, Stoffen, Teppichen, Vetbeds/Isobeds oder anderen Dingen, die im Magen und Darm stark aufquellen oder verklumpen (z.B. auch Fremdkörper).
- Schimmel im Futter oder Innenraum
- Fremdkörper wie z.B. Deko, Plastik… die aufgenommen wurden – der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
- Kein freier Zugang zu Trinkwasser kann Verstopfungen verursachen.
- Erhöhte Umgebungstemperatur, Hitze (dadurch kann die Darmflora umkippen)
- Infektionserkrankungen
- Ein Hitzschlag kann die Darmflora zum Kippen bringen
- Abgeschnürte Hernien oder Ausstülpungen vom Darm, die den Darm blockieren.
- Abszesse im Bauchraum
- Raumeinnehmende Erkrankungen der Gebärmutter oder anderer Organe
- Auch Bewegungsmangel, eine Haltung, welche die Bewegung einschränkt und/oder
- Verfettungen können eine Verstopfung verstärken.
- Grundsätzlich verstärkt eine faserarme, trockene oder schlecht verdauliche Nahrung die Obstipation beim Kaninchen.
- Auch wenn plötzlich größere Mengen Trockenfutter oder Leckerlis gegeben werden, kommt es oft zu Verstopfung.
- Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann ebenfalls Verstopfungen auslösen.
- Längere Fresspausen oder Schlingen führen häufig zu Blähungen. Biete den Kaninchen mehrmals täglich und ausreichend Grünfutter an, damit es in Ruhe fressen kann und stetig über Tag und Nacht verteilt, Nahrung zu sich nimmt.
- Auch Übergewicht kann den Darm verdrängen und so Verstopfungen begünstigen.

Wichtig: Häufig wird die überholte Information, dass die Kohlfütterung zu Blähungen führt, noch verbreitet. Das stimmt so nicht! Gesund ernährte Kaninchen vertragen angefütterten Kohl problemlos in großen Mengen. Sollte er nicht vertragen werden, liegt es meist an der Fütterung von Pellets oder anderem ungesunden Futter, das den Darm belastet und zu Unverträglichkeiten gegenüber Kohl, Gras und anderen Frischfutter führen kann.
Haarballen beim Kaninchen: Ursache oder Folge?
Haarballen werden häufig überschätzt, reine Haarballen sind seltener die Ursache als angenommen. Viele Kaninchen nehmen beim Putzen Haare auf, besonders im Fellwechsel, beim Nestbau oder wenn sie selbst oder das Partnertiere langes Fell haben (Angora, Teddy…). Problematisch wird es vor allem, wenn Haare zusammen mit trockenem, schlecht weitertransportierbarem Futterbrei verklumpen oder wenn die Darmbewegung bereits gestört ist. Deshalb ist die beste Vorbeugung nicht eine „Anti-Haarballen-Paste“, sondern eine sehr gute Flüssigkeits- und Faseraufnahme, viel Bewegung und das Entfernen loser Haare im Fellwechsel mit einer speziellen Fellwechsel-Bürste. In Außenhaltung wird Fell meistens durch Wind weg getragen, in der Wohnung sollte regelmäßig gekehrt und gesaugt sowie bei Stoffen und Teppichen dieser spezielle Tierhaarentferner verwendet werden.
Köttelketten sind nicht automatisch gefährlich. Sie zeigen häufig, dass Haare ausgeschieden werden. Kritisch wird es, wenn das Kaninchen weniger frisst, weniger kotet, Schmerzen zeigt oder aufgegast wirkt. Dann sollte nicht auf „Haarballen“ behandelt werden, ohne die eigentliche Ursache abzuklären.
Entwicklung – so entsteht die Magendilatation

Wie entsteht eine lebensgefährliche Magendilatation?
Wenn ein Kaninchen nicht frisst, wird weniger Magen-Darm-Inhalt weitertransportiert. Gleichzeitig kann sich Speichel im Magen ansammeln, Futterbrei bleibt liegen, Flüssigkeit verschiebt sich und Bakterien können das Gleichgewicht im Darm stören. Durch Gärungsprozesse entsteht Gas. Der Magen kann sich ausdehnen und auf umliegende Strukturen drücken. Bei starker Magendehnung können Atmung und Kreislauf beeinträchtigt werden, weil der erweiterte Magen das Zwerchfell und große Gefäße belastet. Bei Übergewicht kann sich der Magen zudem weniger gut ausdehnen und drückt schneller auf Gefäße und umliegende Strukturen.
Bei einem Darmverschluss staut sich der Inhalt vor dem Verschluss an. Der Magen kann sich dann rasch mit Flüssigkeit und Gas füllen. Typisch sind ein stark vergrößerter Magen mit überwiegend flüssigem Inhalt und Gasanteil sowie Veränderungen im Dünndarm. Röntgenbilder sind deshalb entscheidend, um eine Magendilatation und Hinweise auf einen Verschluss zu erkennen.
⚠️ Es kommt sehr schnell zur Dysbiose (Entgleiten der Darmflora), welche zu Atemnot und einem Kreislaufzusammenbruch mit Todesfolge führt!
Diagnose beim Tierarzt: Warum Röntgen so wichtig ist
| Suche unbedingt einen Tierarzt auf, der nicht nur auf Kleintiere (Hunde & Katzen), sondern auf Heimtiere (Kaninchen und Nager!) spezialisiert ist! Nur gezielt fortgebildete Tierärzte können Kaninchen behandeln, denn im Studium sind sie nur Randthema. Tierarzt finden Im Notdienst sollte jedoch ggf. auch ein normaler Tierarzt die Erstversorgung übernehmen bis ein spezialisierter Tierarzt wieder erreichbar ist. |

Befindet sich das Kaninchen im Schock, müssen zunächst lebensrettende Sofortmaßnahmen ab mittelgradiger Untertemperatur eingeleitet werden, ehe eine Diagnostik gemacht werden kann. Umso weiter sie fortschreitet, umso ausgeprägter sind Organschäden, die später nicht mehr behandelt werden können.
Ein kaninchenkundiger Tierarzt wird bei einem Kaninchen mit Nahrungsverweigerung nicht nur den Bauch abtasten, sondern den Allgemeinzustand einschätzen, Temperatur messen, Schleimhäute, Kreislauf, Hydratation und Schmerz beurteilen und Röntgenbilder anfertigen. Abtasten allein reicht nicht aus, um eine Magendilatation, Aufgasung oder einen Darmverschluss sicher zu diagnostizieren.
Röntgenbilder helfen, Magengröße, Mageninhalt, Gasverteilung, Dünndarmweite und mögliche Hinweise auf einen Verschluss zu beurteilen. In einer Studie mit 63 Kaninchen mit bestätigter Dünndarmobstruktion unterschieden sich unter anderem Magengröße, Mageninhalt, Dünndarmdilatation und Gasverteilung im Dickdarm/Blinddarm deutlich von Kaninchen ohne gastrointestinale Erkrankung. Besonders verdächtig waren schwere Magendilatation, überwiegend flüssiger Mageninhalt mit Gas, Dünndarmdilatation und wenig Gas in Blinddarm und Dickdarm.
Wichtig: Bestehe beim Tierarzt auf Röntgenbilder, nur so kann eine Aufgasung sicher diagnostiziert, und Verschlüsse lokalisiert werden – durch Abtasten ist dies nicht möglich!
Im Röntgenbild kann man den vergrößerten, mit Flüssigkeit gefüllten Magen mit Gasanteilen erkennen. Ist die Gasblase mittig („Spiegeleimagen“) oder seitlich angeordnet, ist die Prognose schlechter einzustufen. Der Magen wird gemessen und mit der Länge der Lendenwirbelsäule abgeglichen, zudem wird kontrolliert ob er über L2 hinaus ragt oder/und der Bauchdecke aufliegt. An welcher Stelle die Verstopfung liegt, ist durch die Gasansammlung oder Kontrastmitteluntersuchungen feststellbar. Der Abschnitt vor dem Verschluss (Ileus) ist überfüllt, der danach aufgegast. Liegt der Verschluss am Magenausgang oder im Dünndarm? Auch Kontrastmittelröntgen kann in manchen Fällen sinnvoll sein (nur jodhaltige Kontrastmittel, kein Bariumsulfat!). Das Kontrastmittel setzt sich nicht in Haarballen-Futterklumpen ab, so dass diese je nach Lage sichtbar werden können. Kontrastmittel können die Verdauung zusätzlich überladen, die Darmwände (bis hin zum Durchbruch) schädigen und die Blinddarmbakterien aus dem Gleichgewicht bringen, was lebensgefährliche Aufgasungen oder auch Verstopfungen zur Folge haben kann. Zudem dürfen sie nicht verwendet werden, wenn das Kaninchen dehydriert ist. Deshalb werden sie nach sorgfältiger Abwägung eingesetzt.
Wichtig: kein Bariumsulfat als Kontrastmittel, denn es dickt den Darminhalt zusätzlich ein und falls der Magen oder Darm einen Riss hat, wäre es gefährlich, wenn es in den Bauchraum austritt!
Je nach Befund können zusätzlich Blutuntersuchung, Glukosemessung, Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte, Urinuntersuchung, Ultraschall oder weitere Bildgebung sinnvoll sein. Wichtig ist außerdem die Suche nach der Ursache: Zähne, Maulhöhle, Bauchorgane, Harnwege, Gebärmutter, Leber, Blinddarm und andere Schmerzquellen sollten je nach Fall mitbeurteilt werden.
Die Temperatur gibt Aufschluss darüber, welche weiterführenden Untersuchungen sinnvoll sind. Bei Untertemperatur sollte z.B. immer ein Verschluss ausgeschlossen werden, bei Fieber u.A. eine Appendizitis (Entzündung des Wurmfortsatzes am Blinddarm) und Leberlappentorsion.
Eine recht sichere Einschätzung der Prognose ist durch ein Blutcheck möglich. Auch die Leberwerte sind bei betroffenen Kaninchen häufig erhöht, dann sollte unbedingt mittels Ultraschall eine Leberlappen-Torsion ausgeschlossen werden. Es empfehlt sich zudem eine Blutuntersuchung, um eine Prognose und weitere dadurch bedingte Probleme (Leber, Nierenschäden, Entzündungen, Glukose) abschätzen zu können.
Eine Untersuchung des Harnes (Urin-Teststreifen) kann helfen, die Stoffwechsellage und somit die Prognose abzuschätzen. Ein saurer Urin-pH-Wert kann auf eine katabolische Stoffwechsellage und somit eine schlechtere Prognose hindeuten.
Da Leberlappentorsionen teilweise ohne einen Anstieg der Leberwerte im Blut einhergehen können, wird empfohlen, einen Ultraschall der Leber vornehmen zu lassen. Dabei kann ggf. auch der Verdauungsapparat mit angeschaut werden.
Eine weitere Ursache für Nahrungsverweigerung ist die Appendizitis (Entzündung des Wurmfortsatzes am Blinddarm), betroffene Kaninchen haben oft Fieber und reagieren schmerzhaft beim Abtasten. Meist ist eine schlauchförmige Masse im Bauch tastbar, welche sich auch sehr gut im Ultraschall darstellen lässt. In etwa der Hälfte der Fälle haben diese Kaninchen einen niedrigen Glokosespiegel (weitere Ursachen: Darmentzündung, Zahnerkrankungen, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen), auch ein niedriger Kalziumspiegel und eine regenerative Anämie sind bei einigen Kaninchen nachweisbar. Bei Fieber oder anderen Hinweisen sollte ein Ultraschall vom Blinddarm erfolgen. Die Appendizitis wird häufig nicht diagnostiziert, da sie eine kaninchenspezifische Erkrankung ist, die bei Hunden und Katzen kaum vorkommt. Mehr Infos
Bei erhöhten Umgebungs-Temperaturen oder Verdauungsstörungen bei mehreren Kaninchen sollte eine bakterielle Kotprobe bakterielle Darmentzündungen ausschließen.


Prognose: Welche Werte sind besonders wichtig?
Die Körpertemperatur ist beim Kaninchen ein sehr wichtiger Prognosefaktor. Bei Unterkühlung besteht ein dreifach erhöhtes Sterberisiko. Für jede 1° C unter der Normaltemperatur verdoppelt sich das Sterberisiko
Auch Blutwerte können helfen, den Schweregrad einzuschätzen:
- Hyperglykämie: Bei etwa 70% der Tiere mit Darmverschluss ist die Glucose im Blut stark erhöht. In einer Studie lag der Durchschnittswert erkrankter Tiere bei 24,7 mmol/l, wobei Kaninchen mit einer Glukosekonzentrationen von mehr als 20 mmol/l/ (=360mg/dl) eine schlechtere Prognose zugesagt wird.
- Azotämie (erhöhter Harnstoff-Stickstoff-Wert): >24,7 mg/dl = 3-fach erhöhtes Sterberisiko
- Hyponatriämie (<129 mEq/L = 2,3-fach erhöhtes Sterberisiko) und
- Erhöhung von Kreatinin
Schwere radiologische Veränderungen oder das Nichtansprechen auf eine Therapie wurden bei Kaninchen mit Magendilatation oder gastrointestinaler Obstruktion als ungünstige Faktoren beschrieben.
Neuere Daten zu Magendilatation zeigten, dass ausgeprägte Gasansammlungen, ungünstige Lage der Gasblase (mittig oder seitlich) mit einer schlechteren Prognose verbunden sein können.
Magen-Darm-Stase, Magendilatation, Ileus: Was bedeutet was?
Magen-Darm-Stase bedeutet, dass sich der Magen-Darm-Trakt zu langsam oder kaum noch bewegt. Dadurch bleibt Futterbrei liegen, trocknet ein, gärt und verursacht Schmerzen sowie Aufgasung. Eine Stase entsteht meist durch eine andere Ursache, zum Beispiel Zahnschmerzen, Organerkrankungen, Stress, Dehydratation oder Fütterungsfehler.
Magendilatation bedeutet, dass der Magen krankhaft erweitert ist und mit Futterbrei, Flüssigkeit und Gas gefüllt sein kann. Sie kann durch fehlenden Weitertransport, Nahrungsverweigerung oder einen Darmverschluss entstehen und ist ein akuter Notfall. In Studien zur Magendilatation beim Kaninchen wurden häufig mechanische Verschlüsse gefunden, besonders im Dünndarm.
Ileus bedeutet, dass der Weitertransport im Darm gestört ist. Das kann mechanisch durch einen Fremdkörper, Haar-Futter-Klumpen, Gewebeneubildungen oder Verwachsungen passieren, aber auch funktionell durch eine Darmlähmung. Ein Ileus ist lebensbedrohlich und muss tierärztlich abgeklärt werden.
Tympanie beschreibt eine Aufgasung im Magen-Darm-Trakt. Gas kann bei gestörter Darmbewegung, Fehlgärung oder hinter einem Verschluss entstehen. Die Aufgasung ist sehr schmerzhaft und kann Kreislauf und Atmung zusätzlich belasten.
Behandlung – wie kann man helfen?
Generell sollte das Tier beim Tierarzt erst stabilisiert werden. Dafür erhält es erwärmte Infusionen (je nach Kreislaufzustand muss diese intravenös verabreicht werden), Wärme, ggf. Sauerstoff, Schmerzmittel (z.B. Buprenorphin oder Novalgin, 10-20 mg/kg, 2-3x tägl. ggf. kombiniert, jedoch kein Meloxicam (z.B. Metacam)!)
Bei einer Magenüberladung kommt meistens kein Medikament mehr zeitnah im Dünndarm an um vom Körper resorbiert zu werden, d.h. es sollte möglichst viel über einen Venenzugang gegeben werden, um zu wirken und den Magen nicht zusätzlich zu belasten.
Es sollte etwas gegen die Übelkeit gegeben werden. Metoclopramid (Emeprid/MCP am Anfang 5mg/kg, am besten gespritzt, danach 1mg/kg, 1-3x tägl., Achtung, MCP nicht länger als drei Tage, wenn doch notwendig, dann langsam ausschleichen!). Zudem darf MCP nicht bei Verstopfung angewendet werden (Kontraindikation). Maropitant ist oftmals sehr gut wirksam, da es die Übelkeit optimal bekämpft.
Zur Förderung der Magen-Darm-Bewegung ist MCP in seiner Wirkung beim Kaninchen nicht wissenschaftlich belegt, scheint aber besonders in höheren Dosen gut zu wirken. Die Wirkung von Cisaprid beim Kaninchen ist nach der aktuellen Studienlage eher zweifelhaft. Nachgewiesen ist die Wirkung von Lidocain-Infusionen (50-100 μg/kg/Min. intravenös per Dauertropf – wirkt schmerzlindernd, anti-endotoxisch, antiinflammatorisch und prokinetisch, Dosierung berechnen) und Mirtazapin (3 mg/kg, 1x tägl.) – erfordert jedoch zwingend eine stationäre Aufnahme und Überwachung.
Ggf. ist Säureblocker (Omeprazol) und Magenschutz (Sucralfat, Rinitidin) sinnvoll. Auch um eine Azidose (Übersäuerung) zu verhindern. Butafosfan und Cyanocobalamin (Vitamin B12) (Catosal) kann verwendet werden um den Stoffwechsel zu stabilisieren
Simeticon/Dimeticon wird gegeben um die Gasblasen zu zerkleinern, so dass sie leichter abgehen.
Lactulose (macht den Stuhl weicher, indem es Wasser aus dem Darm zieht) kann den Abgang der Verstopfung unterstützen.
Vitamin B und K können gegeben werden um die fehlende Blinddarmkot-Aufnahme auszugleichen, ein gutes Mikrobiom zu fördern, den Appetit zu fördern und ggf. Funktionsstörungen der Leber auszugleichen.
Phytotherapeutika (Colosan/RodiCare akut oder vergleichbare Präparate) helfen, indem sie die Durchblutung der Darmschleimhaut anregen, krampflösend wirken, sowie durch den antimikrobiellen Effekt die Bildung weiterer Gärgase verhindern.
Im Magen und ersten Abschnitt des Dünndarms wirken Pflanzenöle abführend und wenn größere Mengen verabreicht werden, erreicht eine wirksame Menge Öl auch den Darm. Zudem wirken sie über Motilin stimulierend auf die Darm-Muskulatur. Achtung: Pflanzenöle werden zu gut 80% bereits im Dünndarm resorbiert und teilweise verseift, so dass sie ggf. nicht ankommen, wo sie benötigt werden. Paraffinöl wird nicht resorbiert, steht jedoch im Verdacht, die Darmflora zu stören, allerdings ist das bisher nicht belegt und beim Pferd z.B. auch nicht bekannt. Es darf bei eingetrockneten Blinddarm-Inhalt jedoch keinesfalls verabreicht werden!
Keinesfalls darf ein Spasmolytikum (z.B. Buscopan) bei Kaninchen mit Verdauungsstörung eingesetzt werden!

Gezielte Massagen helfen, die Verstopfung an der ermittelten Stelle zu lösen oder Klumpen zu verlagern, so dass der Nahrungsbrei wieder vorwärtsrutschen kann. Der Tierarzt kann nach dem Röntgenbild erklären, an welcher Stelle gezielt massiert werden kann. Erfahrungsgemäß wirken sich Streckbewegungen lösend aus.
Auch Bewegung kann helfen: Versuchen Sie, das Kaninchen vorsichtig zur Bewegung zu animieren, räumen Sie ihn jedoch auch Erholungsphasen ein.
Besteht der Verdacht, dass sich krankmachende Keime vermehrt haben (zum Beispiel im Differenzialblutbild an einer Pseudolinksverschiebung erkennbar, die ein Hinweis auf eine Entzündung ist, auch bei starker Aufgasung meistens relevant), wird auch ein Antibiotikum wie z.B. Enrofloxacin gespritzt, auch Metronidazol kann hilfreich sein. Keinesfalls PLACE-Antibiotika: Penicillin – Lincomycin – Ampicillin, Amoxicillin – Clindamycin, Cephalosporine –Erythromycin
Liegt eine wirkliche Unterzuckerung vor, muss dringend Glukose verabreicht werden, dies fand Harcourt-Brown in einer Untersuchung 2012 aber nur in 1,7% der Fälle.
Wichtig! Bei einem Verschluss oder wenn der Magen massiv überfüllt ist, kann es durch die Zwangsernährung und/oder große Medikamentenmengen (z.B. Lactulose) zu einem Zerreisen der sehr dünnen Magenwand (Magenruptur) kommen! Der Magen wird zudem durch den Päppelbrei noch mehr überladen, drückt auf das Zwerchfell und schränkt so die Atemfunktion des sehr kleinen Brustkorbs ein. Dadurch kommt es ggf. zu Kreislaufproblemen bis hin zum Tod! Ist ein Verschluss ausgeschlossen, hält die Verdauungssymptomatik länger an und ist der Magen nicht überfüllt, kann dünnflüssig gepäppelt werden.
Statt dessen kann Mageninhalt durch eine Sonde abgelassen werden, so dass der Kreislauf im Akutfall stabilisiert wird. Allerdings muss dies sehr gut abgewogen werden, da die Sonde ebenfalls zu einem Riss der Magenwand führen kann. Eine Magenentlastung sollte besonders dann erwogen werden, wenn zusätzlich deutliche Warnzeichen vorliegen, zum Beispiel ein niedriger Natriumwert unter 138 mEq/l, eine schwere Hyperglykämie über 350 mg/dl oder röntgenologische Hinweise auf eine ausgeprägte Magendehnung. Die Vorteile einer solchen Entlastung sind, dass Gas und Flüssigkeit entfernt werden können, der Druck im Magen sinkt und der Patient stabilisiert werden kann. In manchen Fällen kann über die Sonde später auch Flüssigkeit oder Nahrung gegeben werden. Gleichzeitig ist die Maßnahme nicht ohne Risiko: Es kann zur Aspiration von Mageninhalt oder zu Verletzungen während der Sondenplatzierung kommen. Deshalb muss sie immer sorgfältig durch einen erfahrenen Tierarzt abgewogen werden.
Konservative Behandlung oder Operation?
Bei Verdacht auf einen Darmverschluss wird in vielen Fällen zunächst eine intensive medikamentöse Behandlung versucht, sofern der Zustand des Kaninchens dies zulässt. Die Überlebensraten liegen dabei je nach Studie und Ausgangssituation etwa zwischen 63 und 91 %. Muss ein Kaninchen wegen eines Darmverschlusses operiert werden, ist die Prognose leider deutlich vorsichtiger einzuschätzen; hier wird eine Überlebensrate von etwa 47,5 % beschrieben.
Eine Operation (explorative Laparotomie), kommt vor allem dann infrage, wenn im Röntgen oder Ultraschall deutliche Hinweise auf einen Magen-Darm-Verschluss vorliegen und sich der Zustand trotz intensiver medizinischer Behandlung nicht bessert. Auch eine nachlassende Darmbewegung, die fehlende Möglichkeit, den Magen-Darm-Trakt zu entlasten, oder anhaltende starke Bauchschmerzen trotz Schmerztherapie können Gründe sein, eine Operation in Betracht zu ziehen.
Die häufigsten Stellen für einen Verschluss im Darm sind das proximale Jejunum und der Übergang vom Ileum zum Blinddarm.
Häufig kann bei einer Operation der Klumpen im Darm von der Engstelle weg massiert werden, so dass er in einem weiteren Darmabschnitt gelangt. Bei dieser Methodik ist die Überlebensrate deutlich höher, da der Magen-Darm-Trakt nicht eröffnet wird.
Was darf das Kaninchen während und nach der Erkrankung fressen?

Wenn der Tierarzt einen Verschluss ausgeschlossen hat und das Kaninchen wieder selbstständig fressen darf, gilt: Hauptsache, es frisst. Viele Kaninchen nehmen zuerst aromatische Kräuter wie Dill, Petersilie, Basilikum, Löwenzahn oder Kohlrabiblätter an. Frisches, blättriges, wasserreiches Futter ist besonders wertvoll, weil es Flüssigkeit und strukturierte Rohfaser liefert. Heu sollte zusätzlich jederzeit verfügbar sein.
Nach überstandener Magen-Darm-Stase sollte die Ursache konsequent gesucht werden. Wiederkehrende Episoden sind ein Warnsignal für chronische Schmerzen, Zahnerkrankungen, Organprobleme, Stress, Haltungsfehler oder eine ungeeignete Ernährung. Eine reine Behandlung mit „Bauchmitteln“ reicht dann nicht aus.
Ursache: diese muss gesucht werden!
Nahrungsverweigerung hat beim Kaninchen viele Ursachen. Die Ursache sollte gefunden werden, da so weitere Zwischenfälle verhindert werden können. Zudem stecken oft Krankheiten mit hohen Leidensdruck dahinter, die zeitnah behandelt werden müssen.
Es könnten sämtliche Erkrankungen, die Schmerzen verursachen dazu führen (Gebärmuttererkrankungen, Ohrenentzündungen, Zwerchfellhernien…).
Auch Übelkeit durch Niereninsuffizienz, Nierensteine oder Magenschleimhautentzündung ist ein häufiger Grund.
Sehr oft ist eine unwissentlich gut gemeinte, aber fehlerhafte Fütterung die Ursache. Ein zu viel an Kohlenhydraten (Obst, Saaten, Knollengemüse, Trockenfutter..), schlecht strukturiertes und energiereiches Futter (Trockenfutter, Pellets) und Zahnerkrankungen (häufig durch schlechtes Futter ausgelöst) sind eine Hauptursache.
Auch Stress kann zur Magendilation führen. Der Sympathikus wird durch Stress aktiviert und hemmt die Magentätigkeit.
Kaninchenkiste


Eine artgerechte Ernährung für Kaninchen bedeutet, dass Sie rund um die Uhr frisches Blattgemüse zur Verfügung haben müssen. Kaninchen benötigen sehr große Mengen an Frischfutter, die Hauptbestandteile sollten Kohl und Bittersalate sein. Die meisten Supermärkte bieten nicht alle Sorten, die man hierfür benötigt.
Diesen Bedarf deckt die Firma Kaninchenkiste GmbH & Co. KG. Hier kannst du bequem von zu Hause alles bestellen für deine Kaninchen. Sie haben genau die Auswahl, die ein Kaninchenhalter braucht und ersparen dir so in verschiedene Supermärkte zu fahren. Alles wird bequem nach Hause geliefert zu einem fairen Preis.
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Ernährung zur Vorbeugung

Es gibt immer wieder Kaninchen, die aufgrund einer früheren Falschfütterung zu Verdauungsstörungen neigen. Natürlich sollte an erster Stelle die Ernährung umgestellt werden. Eine Ernährung mit unbegrenzt Grünfutter (nach Möglichkeit aus der Natur) ist bei Verdauungsstörungen die beste Wahl, da dadurch der Verdauungstrakt gleichmäßig belastet und reguliert wird. Jede Form von Getreide und fertigen Futtermitteln (Trockenfutter, Pellets, Mischfutter…) sollte erst einmal abgewöhnt werden. Getreide und Saaten als Energiefutter können, wenn die Verdauung wieder stabil ist, im begrenzten Umfang wieder angefüttert werden (nie mehr als 1Tl/Tag/Tier, Leinsamen, Chiasamen etc. vorher quellen lassen!). Fertigfutter jeder Art ist aufgrund der verdauungsschädigenden Wirkung und den kritischen Inhaltsstoffen als Futter nicht empfehlenswert.
Nach der Erkrankung ist eine grünfutterreiche (so viel Wiesenkräuter und/oder Gemüsegrün wie sie wollen), durch Gemüse und Heu ergänzte Ernährung zu empfehlen. Gerade die Frischfutteraufnahme ist sehr wichtig um Verstopfungen vorzubeugen, eine trockene Ernährung führt unweigerlich zu wiederholten Verstopfungen.
Auch stark verdünnte Pflanzensäfte (reiner Obstsaft oder Karottensaft ohne Zuckerzusatz) können angeboten werden, um die Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen. Auch reine Kräutertees sind geeignet.
Eingeweichte Leinsamen oder Flohsamenschalen (1 TL (5g) auf 100ml Wasser über Nacht einweichen und 1-3 Tl je Tier z.B. mit geraspelter Karotte vermischt füttern, den Rest in Eiswürfel-Formen einfrieren und portionsweise auftauen), ggf. Lactulose von Albrecht (macht den Stuhl weicher, indem es Wasser aus dem Darm zieht) können den Abgang einer Verstopfung unterstützen. RodiCare Hairball hat sich ebenfalls bewährt.

Diese Futtermittel wirken gezielt gegen Blähungen: und regulieren die Verdauung
- Küchen-Kräuter: Dill, Pfefferminze, Melisse, Basilikum, Petersilie, Thymian, Majoran, Salbei, Schnittlauch, Wermut, Liebstöckel, Lavendel, Brennnessel
- Wald- und Wiesenkräuter: Bärenklau, Löwenzahn, Eichenrinde und -blätter, Bärlauch, Echte Kamille, Weidenkätzchen und Zweige, Schafgarbe, Wegwarte
- Saaten: Dillsamen, Fenchelsamen, Kümmel, Anissaat
- Gemüse: Fenchel, Ingwer
Ernährung während des Fellwechsels
(zur Vorbeugung von Haarballen)
Damit es nicht zu lebensbedrohlichen Haarballen (Haarklumpen im Verdauungstrakt) kommt, sollte man besonders während des Fellwechsels vorbeugend die losen Haare weg kämmen (oder mit den Händen oder angefeuchteten Gummihandschuhen die Haare regelmäßig weg streicheln). Um das lose Fell zu entfernen, ist diese spezielle Kaninchenbürste ideal. Indem ihr verengte Stellen im Gehege, Durchschlüpfe oder Tunnel mit Bürsten ausstattet, könnt ihr auch weniger zahme Kaninchen von überflüssigen Haaren befreien. Sie bürsten sich beim Hindurchlaufen von selbst. Ich rate jedoch davon ab, zu häufig zu kämmen, da dann erfahrungsgemäß mehr Haare geschluckt werden. Wenn wirklich viel loses Fell vorhanden ist, kann man es einmal entfernen, aber z.B. tägliches Bürsten kann das Problem verstärken! Sehr wichtig ist auch die Entfernung der Haare in der Umgebung.
Eine unterstützende Ernährung beugt Haarballenbildungen vor. Es wäre hier eine Fütterung mit einer großen Menge Wiesengewächsen ideal, oder Kräuter und Blattgemüse in unbegrenzter Menge. Das Grünfutter sollte unbegrenzt, also Tag und Nacht verfügbar, angeboten werden. Dies ist die beste Form der Vorbeugung von Haarballen! Trockenfutter (auch Trockenkräuter, viel Heu etc.) verursacht Haarballen.
RodiCare Hairball, Lactulose hat sich ebenfalls bewährt. Flohsamenschalen können gut eingeweicht mit einem leckeren Gemüse (geraspelt) oder Obst (gerieben) vermischt angeboten werden. Dies ist sozusagen die kostengünstige Alternative zu RodicareHairball.

Und noch ganz wichtig: Biete den Kaninchen Tag wie Nacht viel Platz an, damit sie sich bewegen können, das löst Haarballen. In Innehaltung und geschützter Außenhaltung sollte während des Fellwechsels viel gesaugt werden, da der Wind fehlt, der das Fell beseitigt. In Extremfällen kann es helfen, Innenkaninchen das Fell zu scheren, so dass die aufgenommenen Haare deutlich kürzer sind.
Bei Haarballen sollte auf jeden Fall das betroffene Kaninchen und alle anderen Kaninchen der Gruppe sorgfältig täglich gekämmt werden so dass beim Putzen keine weiteren Haare aufgenommen werden, die das Ganze noch verschlimmern können. In Innenhaltung hat sich das tägliche Saugen bewährt.
Köttelketten sind übrigens nicht bedenklich, ganz im Gegenteil. Wenn Köttelketten auftauchen, heißt dies, dass die Haare wieder ausgeschieden werden und nicht im Darm verbleiben und zu Haarballen werden können.
Und noch ganz wichtig: Biete den Kaninchen Tag wie Nacht viel Platz an, damit sie sich bewegen können, das löst Haarballen.

Folgende Ernährungs- und Haltungsfehler begünstigen eine lebensbedrohliche Haarballenbildung:
- Heu als Grundnahrung mit Frischfutterportionen
- Heu als Grundnahrung mit Trockenfutter & Frischfutter (das Trockenfutter saugt auch noch das gesamte Wasser weg)
- Heuernährung,
- Trockenfutter-Ernähhrung und
- Fütterungsformen mit geringen Fasergehalt: Zu viel Kraftfutter (Samen, Getreide etc.), handelsübliches Trockenfutter etc. Das Trockenfutter saugt nicht nur die Flüssigkeit weg, sondern hat kaum Wassergehalt und auch kaum Rohfaser.
Maltpaste? Bezo-Pet-Paste?
Die Zusammensetzung dieser Pasten ist größtenteils fehlerhaft oder gar nicht auf der Verpackung aufgeführt. Meistens wird nur die Wirkung beschrieben, die laut Packungen auf drei Faktoren beruht: Pflanzenöle und -fette, Ballaststoffe und Malt, der verdauungsfördernd sein soll. Katzenpasten sind nahezu identisch mit Kaninchenpasten und werden von vielen Haltern auch verwendet. Ballaststoffreich sind diese Pasten jedoch nur für Katzen. Jegliches Kaninchenfutter (Kräuter, Heu, Äste) enthält deutlich mehr Ballaststoffe als diese Pasten! Kaninchen nehmen bei normaler Ernährung sehr viel mehr Ballaststoffe als Katzen auf. Was für die Katzen ballaststoffreich ist, kann man für Kaninchen als ballaststoffarm einstufen. Malz (Malt) sind Getreidekeime die nach kurzer Ankeimung getrocknet und verarbeitet werden. Oft handelt es sich um den schlecht verdaulichen Weizen. Hinzu kommt eine Menge an Zusatzstoffen die den Kaninchen schaden können. Selbst die Wirkung der Pflanzenöle ist nicht gegeben, da sie bereits im Dünndarm resorbiert werden. Die Pasten enthalten keine Wirkstoffe die gegen Haarballen helfen könnten. Dafür sind viele schädliche Stoffe enthalten und die meisten Inhaltsstoffe sind nicht angegeben.
Besser geeignet ist RodiCare Hairball, das auf aufgequollenen Flohsamen basiert.
Vorher-Nachher-Fotos
Yuki mit Magenschmerzen






Elli mit Haarballen
Elli hatte eine großflächige Verklumpung mit Haaren und vermutlich auch Textilien (Teppich etc.) im Magen. Leider konnte er medikamentös nicht gelöst werden. Daher wurde eine Operation empfohlen: Durch einen Bauchschnitt wurde der Magen geöffnet und entleert. Es hat fast 2 Wochen gedauert, bis sie wieder selbständig gefressen hat. Zum Füttern musste ich sie in einen Kissenbezug stecken (Tipp der Tierärztin), da man sonst nicht ans Mäulchen gekommen ist (sie hat den Kiefer richtig zugesperrt). Aber alle schlaflosen Nächte haben sich gelohnt! Heute geht es ihr super.



Quellenverzeichnis
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