Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose, SDU) und
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose, SDÜ)

Übergewicht kann durch eine Unterfunktion der Schilddrüse entstehen.

Die Schilddrüse produziert Hormone und beeinflusst dadurch den Körper des Kaninchen vielschichtig, sie wirkt sich u.a. auf den Stoffwechsel, den Kreislauf und das Wachstum des Tieres aus. Werden zu viele oder zu wenig Hormone produziert, hat dies Folgen für die Gesundheit.

Da Schilddrüsenerkrankungen weder in der deutschen, noch internationalen medizinischen Fachliteratur für Kaninchen erscheinen, werden sie häufig nicht diagnostiziert.

Symptome

Unterfunktion – sehr selten und auch nur eine Verdachtsdiagnose

  • Übergewicht, das sich nicht durch Nahrungsangebot/Diät beeinflussen lässt
  • Teilnahmslosigkeit, verminderte Aktivität, erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Haarausfall, Kahlstellen
  • Verstopfung, Darmabschnittsverschluss (Ileus), Megacolon
  • verlangsamter Herzschlag, veränderter Blutdruck

Überfunktion: Bisher sind keine Fälle beim Kaninchen bekannt.

Diagnostik und Therapie

Schilddrüsenerkrankungen beim Kaninchen sind bisher nicht erforscht und in der Literatur kaum angegeben. Erschwerend kommt hinzu, dass nur der T4 Wert im Blut bei Kaninchen bestimmt werden kann, alle anderen (bei Hunden und Katzen gängigen) Schilddrüsenwerte, werden für Kaninchen bisher nicht angeboten. Der T4 Wert kann erste Anhaltspunkte bei extrem abgemagerten oder adipösen Tieren geben, ist jedoch kein endgültiges Mittel zur Diagnose. Studien zu Referenzwerten fehlen bisher gänzlich, von Praktikern wird meistens von einem T4 Wert zwischen 0,8-1,5 µg/dl ausgegangen. Bei einer Unterfunktion liegt der T4 Wert deutlich unter dem Referenzwert. Man sollte nicht nur den Referenzbereich für eine Schilddrüsendiagnostik verwenden, da dies unzureichend wäre. Da genauere und weitere Untersuchungsdaten in diesem Bereich total fehlen, sollte beispielsweise bei Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion bei adipösen Tieren sämtliche Diätmaßnahmen durchgeführt und Ursachen abgeklärt werden, ehe an einen Versuch einer medikamentösen Therapie gedacht wird. Als Medikation kann Euthyrox (zu Beginn 10-20 µg/kg) eingesetzt werden. Außerdem müssen während der medikamentösen Behandlung ständige Kontrolluntersuchungen dieses Wertes erfolgen und wir empfehlen auch das Tier generell in regelmäßigen Abständen einer tierärztliche Kontrolle zu unterziehen und weitere Tests auch durchzuführen. Die Medikamente müssen durch regelmäßige Untersuchungen des T4 Wertes entsprechend angepasst werden.

Von Schilddrüsenerkrankungen abzugrenzen gilt es das  Euthyroid-Sick-Syndrom (ESS), dabei kommt es durch andere (nichtthyreoidale) Krankheiten  (vor allem bei chronischer Niereninsuffizienz, Tumoren und Leberkrankheiten, aber auch anderen Erkrankungen) oder Medikamentengaben (vorübergehend) zu einem starken Abfall des T4 Hormons. Dieses ist beim Kaninchen sehr häufig, z.B. hat das Kaninchen eine schwere Grunderkrankung (unentdeckte Tumore etc.) und dadurch einen sehr niedrigen T4-Wert.

In Fachkreisen ist umstritten, ob es echte Schilddrüsenunterfunktionen beim Kaninchen gibt, oder ob alle Kaninchen, die dafür gehalten werden, eigentlich am Euthyroid-Sick-Syndrom leiden. Bei diesen Tieren scheint allerdings die Behandlung mit Euthyrox ebenfalls anzuschlagen und zu einer Gewichtsreduktion zu führen. Ob die medikamentöse Therapie sinnvoll ist, ist umstritten. Zumindest sollte die Grunderkrankung herausgefunden und behandelt werden.

Beispiel Maya

Symptome: Übergewicht (3,1 kg), das durch mehrere Diäten nicht weg ging, Trägheit, wunde Läufe (Folge von Übergewicht und Trägheit), Haarausfall, Aggressivität, T4 bei 0,2 µg/dl

Behandlung: Medikamentöse Behandlung mit Euthyrox, das erst zu hoch angesetzt wurde, dadurch zitterte Maya sehr stark. Die Dosierung wurde sofort um die Hälfte gesenkt. Bei richtiger Dosierung kam es dann zu einem Gewichtsverlust (500g), die Sohlengeschwüre heilten ab, Maya wurde fitter, T4 Wert bei 0,8 µg/dl und später 0,5 µg/dl.  Bei einer weiteren Blutuntersuchung während einer Operation war eine Überfunktion mit T4 Wert 1,9 µg/dl festzustellen, dieser wurde evtl. durch andere Faktoren beeinflusst.

Für Maya kam die Behandlung recht spät und die Folgen waren leider schon da, aber dennoch ein Neustart im Leben auf ihre alten Tage, die sie nun fitter und schmerzfreier genießen kann.