Verdrehen der Leberlappen

Die Leber beim Kaninchen hat sechs Lappen, die sich teilweise um ihre eigene Axe verdrehen können, man spricht dann von einer Leberlappentorsion.

Der anatomische Aufbau der Leber
  • Linker zweigeteilter Lappen (Lobus sinister medialis und lateralis)
  • Rechter zweigeteilter Lappen (Lobus dexter medialis und lateralis)
  • Lobus caudatus mit Processus caudatus und Processus papillaris
  • Lobus quadratus

Besonders der Lobus caudatus ist beim Kaninchen von der Leberlappentorsion betroffen.

Das Problem dieser Erkrankung ist, dass die Symptome sehr unspezifisch sind und dadurch bei vielen Kaninchen die Diagnose nicht (frühzeitig) gestellt wird. Gerade die Diagnose ist jedoch wichtig um zu helfen, unbehandelt kann es zum Tode führen.

Warum ist das so?

Die Drehung des Leberlappens führt dazu, dass die Vene verschlossen, so dass Thrombosen und Gewebeauflösungen auftreten. Das Gewebe wird nicht mehr durchblutet und Toxine gelangen in den Blutkreislauf.

Ursachen: Wie entsteht eine Leberlappentorsion?

  • Lebererkrankungen wie z.B. Verletzung der Leber durch Sturz oder andere Ursachen (Traumata), Neoplasien, Infektionen der Leber oder Leberkokzidiose
  • Erkrankungen des Magens (z.B. (wiederholte) Magendilatationen) und Darmerkrankungen, vor allem Verschlüsse, werden als Ursache für ein Verdrehen der Leberlappen vermutet.
  • Es wird diskutiert, ob Zwergwidder, (v.a. bei weißen Widdern mit brauner Scheckung (Basseches 2014)) eine Veranlagung zu Leberlappentorsionen aufweisen. Evtl. besteht auch ein Zusammenhang mit dem Megacolon (häufige Verdauungsstörungen können eine Leberlappentorsion begünstigen!).

Symptome: Wie zeigt sich eine Leberlappentorsion?

Nahrungsverweigerung und Unwohlsein wird immer noch viel zu häufig nur auf Verdauungsstörungen zurückgeführt. Viele Kaninchen haben ähnliche Symptome wie bei Magen-Darmbeschwerden (Magendilatation), so dass leider häufig die Leberlappentorsion unentdeckt bleibt. Durch die Nahrungsverweigerung steht der Mageninhalt still und die Kaninchen gasen evtl. auf (Aufgasungen), viele versterben akut Ein Teil der Kaninchen mit Leberlappentorsion fällt durch immer wiederkehrende Magendilatationen auf. Zudem sind Fälle bekannt, bei denen Kaninchen ohne jegliche Symptome versterben.

Mögliche häufige Symptome

  • Nahrungsverweigerung und Magendilatation mit Aufgasung
  • Unwohlsein und Schmerzen (keine Position ist angenehm)
  • schlechter Kreislaufzustand (blasse Schleimhäute (teils auch ikterische Schleimhäute), dehydriert, Untertemperatur, selten erhöhte Temperatur, Herzrasen…)
  • Beim Abtasten Schmerzen im kranialen Abdomen, Masse rechts palpierbar
  • Weniger Köttel und zum Teil weicher Kot
  • schnelle Atmung

Diagnose: Wie stellt man fest, dass das Kaninchen eine Leberlappentorsion hat?

  • Manchmal ist bereits im Röntgenbild im rechten kaudalen Abdomen eine Schwellung der Leber sichtbar
  • Teils kann der Tierarzt die geschwollene Leber rechts vom Magen ertasten.
  • Sehr gut diagnostizieren lässt sich die Leberlappentorsion im Ultraschall, vorausgesetzt der Tierarzt ist entsprechend auf Ultraschall spezialisiert.
  • Auch die Leberwerte können im Blut auffällig sein (ALT und AST, seltener γ‑GT). Allerdings sind sie häufig komplett unauffällig und Auffälligkeiten können viele Gründe haben. Häufiger haben betroffene Kaninchen eine Anämie mit erniedrigten Hämatokrit vor.

Therapie: Wie wird behandelt?

Ohne eine Operation, mit einer medikamentösen Behandlung erholen sind nur ein Bruchteil der Kaninchen (in der einer Studie 44%), die überlebenden Kaninchen hatten außerdem danach auf Grund von Schmerzzuständen häufig mit Verdauungsstörungen (Magendilatationen) zu kämpfen, wohingegen die operierten Kaninchen (Lobektomie) alle wieder gesund wurden.

Stabilisierung bis zur Operation

  • Wärmen bei Untertemperatur
  • warme Infusionen in die Vene
  • starke Schmerzmittel (z.B. Opioide)
  • Antibiotikum (z.B. Enrofloxacin)
  • Metoclopramid (MCP)
  • Leberschutzpräparate (siehe Leberkrankungen)
  • ggf. weitere Unterstützungsmaßnahmen wie bei Magendilatation
  • ggf. bei starker Anämie Bluttransfusionen

Die Operation (Lobektomie)

Wenn der Kreislauf des Kaninchens stabilisiert wurde, kann der gedrehte Leberlappen in einer Operation entfernt werden. Die Operation hat eine gute Prognose, Komplikationen sind selten. Das Tier muss jedoch anschließend noch bis es wieder stabilisiert ist, in der Klinik bleiben.

Quellen und weiterführend

Basseches, J. (2014): Liver lobe torsion in pet rabbits. Vet Clin North Am Exot Anim Pract17, 195.

Eckert, Y., & Thöle, M. (2019): Verdreht–Leberlappentorsion, eine unterschätzte Erkrankung beim Kaninchen?. kleintier konkret22(S 02), 2-9.

Graham, J. E., Orcutt, C. J., Casale, S. A., Ewing, P. J., & Basseches, J. (2014): Liver lobe torsion in rabbits: 16 cases (2007 to 2012). Journal of Exotic Pet Medicine23(3), 258-265.

Graham, J., & Basseches, J. (2014): Liver lobe torsion in pet rabbits: clinical consequences, diagnosis, and treatment. Veterinary Clinics: Exotic Animal Practice17(2), 195-202.