Eimeria flavescens Oozyste unsporuliert im Kot von einem Kaninchen
Eimeria flavescens Oozyste unsporuliert im Kot von einem Kaninchen. Foto: Dr. M. Hallinger, exomed

Kokzidiose (Infektion mit Kokzidien), Eimeriose

Die sogenannte Kokzidiose ist die häufigste Parasitenerkrankung beim Kaninchen. Sie kann insbesondere bei Jungtieren hohe Verluste in Absatzalter verursachen, auch (geschwächte) Alttiere können erkranken.

Kokzidien (Coccidia) sind einzellige Parasiten, die im Magen-Darm-Trakt des Kaninchens parasitieren, sich dort vermehren und in ihrem Entwicklungszyklus den Darmtrakt schädigen. Beim Kaninchen kommen unzählige Arten von Kokzidien vor, jedoch gehören alle der Gattung Eimeria an. Diese einzelligen Parasiten sind in Zuchtbeständen, aber auch bei Privathaltung, leider weit verbreitet.

Arten

Es sind über viele Kokzidienarten der Gattung Eimeria beim Kaninchen nachgewiesen:
Eimeria stiedai, Eimeria magna, perforans, Eimeria media, Eimeria irresidua, Eimeria piriformis, Eimeria coecicol, Eimeria elongata, Eimeria intestinals, Eimeria matsubajashii, Eimeria nagpurensis, usw.

Dier Kokzidien unterscheiden sich in ihrer krankmachenden Eigenschaft: Diese Eigenschaft hängt von den Vermehrungszyklen der Kokzidien im Darm ab (sogenannte Merogonien), insbesondere Kokzidienarten, die mehrere Merogonien (z.B. Eimera flavescens / Eimeria interstinalis) durchführen sind möglichweise krankmachender, als andere Kokzidien. Außerdem hängt die Entwicklung einer deutlich sichtbaren Kokzidiose auch von anderen Faktoren ab, z.B. ob mehrere Kokzidienarten bei dem Kaninchen gleichzeitig parasitieren und so verschiedene Abschnitte des Darmes schädigen, aber auch wie hoch der Befall ist und ob bakterielle Sekundärinfektionen vorliegen.

Verdauung Kaninchen
Ein gesunder, parasitenfreier Verdauungstrakt ist beim Kaninchen die beste Vorbeugung für Verdauungsstörungen.

Häufig liegen aber auch Mischinfektionen mit verschiedenen Kokzidienarten vor!

Ursachen

  • Oft stecken sich die Kaninchen bereits als Jungtier bei der Mutter mit Darmkokzidien, im Zoohandel oder beim Kontakt mit anderen Kaninchen oder kontaminiertem Futter/Boden (z.B. von Wildkaninchen bewohnte Wiesen als Futterquelle) an. Gerade Kaninchen aus Massenzuchten (Zoohandel, Kleintiermärkte) sind sehr oft infiziert.
  • Beugen Sie einem Befall vor indem sie bei jedem neuen Kaninchen erst eine Kotprobe zum Tierarzt bringen oder ins Labor schicken (z.B. könnt ihr eine Kotprobe problemlos per Post an www.exomed.de einsenden), bevor es in die Gruppe darf. Zudem sollte vor jeder Impfung, aber auch bei Verdacht und mindestens einmal im Jahr eine Kotprobe untersucht werden. Bei starken Kokzidienbefall kann die Wirkung der Impfung beeinträchtigt sein.
  • Stress kann dazu führen, dass sich die Kokzidien stark vermehren, z.B. durch Vergesellschaftungen, unharmonische Gruppen, Umzüge, häufiges hoch nehmen der Kaninchen, grober Umgang mit den Tieren, Einzelhaltung, wenig Platz (Stall-/Käfig-Haltung). Zuvor symptomlose Tiere erkranken plötzlich.
  • Die Fütterung kann ein Ungleichgewicht im Darm verursachen, z.B. wenn die Kaninchen nicht hauptsächlich mit Grünfutter ernährt werden, Trockenfutter (Pellets, Mischfutter, viel Getreide/Saaten), Leckerlis, zu viel Knollengemüse/Obst oder anderes ungeeignetes Futter bekommen
  • Eine zu einseitige Fütterung fördert Kokzidien, besonders wenn übervorsichtig gefüttert wird (Kaninchen brauchen viele sekundäre Pflanzenstoffe um gesund zu bleiben, oft wird die Giftigkeit von Hunden, Katzen, Pferden oder dem Menschen auf Kaninchen übertragen und ist bei Kaninchen nicht der Fall)
  • Wenn der Boden (im Außengehege) stark verseucht ist (überbelegte Weideflächen, unhygienischer Gehegeuntergrund, Erdboden, schlechte Hygiene), kann das Immunsystem oft nicht mehr entgegenhalten und das Gleichgewicht kippt. Auf gut bewachsenen Flächen (Wiese) ist das Problem meist nicht so groß. Schlammige und erdige Bereiche sollten verhindert werden. Ideal sind Weide-Wechsel.
  • Wildkaninchen können Hauskaninchen anstecken, wenn sie Zugang zur Wiese haben.
  • Das Megacolon-Syndrom begünstigt Kokzidien
  • Hygienemangel und seltenes Ausmisten kann Kokzidien fördern
  • Bieten Sie das Futter nicht am Boden an, damit es nicht mit dem Kot in Kontakt kommt (Raufen verwenden), reinigen Sie Wasser- und Futtergefäße täglich
  • Eine angegriffene Darmflora, z.B. durch Medikamente, Narkosen, eine zu frühe Trennung von der Mutter, Erbkrankheiten, Stress, sie ist ein idealer Nährboden für Kokzidien
  • Andere Erkrankungen schwächen das Kaninchen oftmals so, dass die Kokzidien sich ausbreiten können
  • Bei Jungtieren kommen sie oftmals sogar grundlos im Wachstum zum Ausbruch.
  • Ein feuchtes (und auch feucht-warmes) oder schlechtes Stallklima, sowie feuchte Einstreu und Regenwetter begünstigen Kokzidiose. Finden die Kaninchen genug überdachte und trockene Flächen vor, oder sind sie der Witterung ausgesetzt?
  • Viel Bewegung sichert eine gesunde Verdauung und beugt Kokzidien vor.
Kaninchen aus unseriöser Herkunft bringen häufig bereits Kokzidien mit.

Krankheitsbild

Man unterscheidet beim Kaninchen zwei Krankheitsformen der Kokzidiose, zum einen die Leberkokzidiose, zum anderen die Darmkokzidiose.

Leberkokzidiose

Diese Form ist eher eine Gallengangskokzidiose, da sich die Parasiten in den Gallengängen der Leber vermehren. Die Erkrankung wird durch Gallengangskokzidien (Eimeria stiedai) hervorgerufen. Die Parasitenstadien gelangen über die Gallenflüssigkeit in den Darm und werden von dort mit dem Kot ausgeschieden . Diese mit dem Kot ausgeschiedenen sogenannten „Oozysten“ bleiben unter feucht-warmen Bedingungen monatelang in der Außenwelt infektiös. Die Ansteckung erfolgt über die orale Aufnahme dieser Stadien in der Außenwelt (z.B. mit dem Futter). Wenn sich Kaninchen mit diesen Erregern infizieren, kann es zu Krankheitsanzeichen wie Leberproblemen, Durchfall und Verdauungsstörungen kommen. Hier sind insbesondere ältere, erwachsene Tiere betroffen: Diese Form der Kokzidiose  befällt nur die Leber (Leberkokzidiose) und führt zu einer Schwellung  und auch zu entzündeten Gallengängen. Es bilden sich gräulich-weiße Abszess-artige Knubbel in der Leber. Wie schon erwähnt, tritt diese Form oft bei älteren Tieren auf und führt zur stetigen Abmagerung und stumpfen Fell, die Tiere haben oft ein schlechtes Allgemeinbefinden und fressen irgendwann weniger. Weitere Symptome sind ähnlich wie bei anderen Lebererkrankungen, jedoch sollte immer eine Leberkokzidiose ausgeschlossen werden mittels einer Kotuntersuchung (nicht immer werden Kokzidien ausgeschieden) und einer Ultraschalluntersuchung: Mehr zu Lebererkrankungen

Darmkokzidiose

Vermehrt liegengelassener Blinddarmkot kann auf Kokzidien hinweisen.

Bei der Darmkokzidiose vermehren sich die Kokzidien in der Darmwand und können diese so schädigen. Inbesondere die beiden Arten Eimeria flavescens und Eimeria interstinalis gelten als „krankmachendere“ Kokzidienarten. Häufig liegen aber auch Mischinfektionen mit anderen Kokzidien vor, die im Darm parasitieren. Erkrankte Kaninchen zeigen häufig Verdauungsstörungen, wässrigen bis übelriechenden Durchfall, Tympanien und Appetitlosigkeit. Auch Todesfälle können vorkommen, insbesondere wenn Jungtiere erkranken.

Die Kokzidiose ist die häufigste Todesursache bei Jungkaninchen. Generell sind Jungtiere auf Grund ihrer nicht so gut ausgeprägten Immunkompetenz anfälliger für Darmkokzidien als erwachsene Tiere. Insofern sollten Muttertiere vor der Trächtigkeit und Absatzkaninchen unbedingt auf Kokzidien untersucht und, wenn nachgewiesen, auch behandelt werden.

Darmkokzidien können auch ohne Symptome oder Krankheitsanzeichen vorhanden sein, insbesondere wenn die Kaninchen eine gewisse Immunität gebildet haben oder eine Infektion mit weniger krankmachenden Kokzidien vorliegt. Oft sind alle Kaninchen der Gruppe infiziert, aber nur einzelne, geschwächte Tiere, zeigen Symptome!

Wenn die Parasiten sich stark vermehren oder ein Tier gestresst oder geschwächt ist, kann es aber auch bei ausgewachsenen Kaninchen zum Krankheitsbild der sogenannten Kokzidiose kommen.

Diese verursacht Symptome wie (wiederkehrende) Magendilatationen, Ausgasungen und Magenüberladungen, seltener auch Durchfall (oft übel riechend), vermehrt herumliegender Blinddarmkot, unförmiger/matschiger Kot, Abmagerung, aufgedunsener Bauch, schlechte Futteraufnahme und andere Störungen der Verdauung. Betroffene Jungkaninchen sind oft abgemagert oder entwickeln sich schlecht oder langsam, teils kommt es bei Jungtieren auch zu Massensterben. In manchen Fällen werden bei Kaninchen auch Lähmungen, Ausfluss aus Maul und Nase, Fieber und Krämpfe durch Kokzidien ausgelöst. Im fortgeschrittenen Stadium stellt das Kaninchen die Nahrungsaufnahme ein oder wird apathisch. Im Darm werden weißliche, dicke Stellen sichtbar.

Unter dem Mikroskop kann der Tierarzt im Flotationsverfahren Kokzidien nachweisen. Foto: Dr. M. Hallinger, exomed

Diagnose: Wie werden Kokzidien festgestellt?

Kokzidien werden durch eine Kotprobe festgestellt (Flotationsverfahren), da sie nicht durchgängig ausgeschieden werden, muss der Kot mindestens zwei Tage, besser über drei Tage gesammelt werden, bevor er untersucht wird. Der Kot kann über den Tierarzt untersucht werden, oder ihr schickt ihn direkt an ein Labor (z.B. könnt ihr eine Kotprobe problemlos per Post an www.exomed.de einsenden).

Es empfiehlt sich, Kaninchen mindestens einmal jährlich auf Parasiten untersuchen zu lassen, zumindest vor dem Impftermin. Neu erworbene Tiere sollten bevor sie mit anderen Tieren vergesellschaftet werden, unbedingt auf Darmparasiten untersucht werden!

Behandlung und Pflegemaßnahmen

Kokzidien sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden! Eine rechtzeitige tierärztliche Behandlung ist bei Kokzidien unbedingt erforderlich. Jungtiere versterben unbehandelt recht schnell an Kokzidiose oder ihren Symptomen, auch geschwächte oder chronisch kranke Alttiere fallen der Kokzidiose oft zum Opfer. In der Zucht kommt es sehr häufig zu einem regelrechten Massensterben der Jungtiere durch Kokzidiose.

Kokzidien werden behandelt, sobald diese im Kot nachweisbar sind.
Dabei sollten insbesondere Neuzugänge, Abgabetiere, Jungtiere, Zuchttiere vor dem Decken, aber auch in Liebhaberhaltung vor jeder Impfung mittels einer Kotprobe auf Kokzidien untersucht werden, damit die Impfung optimal das Kaninchen schützt!

Der Tierarzt verabreicht ein Medikament gegen die Kokzidien (siehe unten), dieses müssen nicht unbedingt alle Kaninchen in der Gruppe erhalten, sondern nur solche mit Befall. In Einzelfällen ist die Behandlung der einzelnen Gruppe nötig, ihr Tierarzt wird eine Empfehlung abgeben. Achten Sie auf eine direkte Verabreichung, Medikamente die über das Trinkwasser oder Futter verabreicht werden sollen, werden oft ungenau dosiert (das eine Kaninchen trinkt mehr als das andere). Tipps zur Verabreichung der Medikamente

Folgende Wirkstoffe sind verbreitet:

Vecoxan lässt sich oft schonend mit Haferflocken, Banane, eingeweichten Cuni Complete oder anderem Lieblingsfutter verabreichen.
  • Toltrazuril (Baycox®, 10-15 mg/kg > 0,2-0,3 ml/kg) ist sehr verbreitet, allerdings reagieren einige Kaninchen auf die Gabe mit Nahrungsverweigerung oder schlechter Futteraufnahme. Nur die weiße Flüssigkeit (5%ig) ist geeignet, die 2,5%ige (durchsichtig) ist für Geflügel vorgesehen und für Kaninchen ungeeignet, da sie stark schleimhautreizend wirkt. Der oft angegebene Rhythmus von 3-3-3 (3 Tage geben, 3 Tage Pause, 3 Tage geben) wird mittlerweile durch den Rhythmus 2-5-2 abgelöst, der besser vertragen wird (Hersteller-Empfehlung).
  • Diclazuril (Vecoxan®, 2,5mg/kg = 1 ml/kg) ist ein besser verträgliches, aber weniger bekanntes Medikament, allerdings kommt es in größeren Beständen beim regelmäßigen Einsatz schneller zur Resistenzbildung. Vacoxan wird beim Kaninchen mit 1 ml/kg verabreicht. Bei symptomlosen Tieren mit geringen Befall reicht sogar die einmalige Gabe oder die Gabe an zwei Tagen hintereinander aus. Bei starken Befall oder Symptomen besser im Rhythmus 2-5-2 (2 Tage geben, 5 Tage Pause, 2 Tage geben).
  • Weitere Medikamente: Sulfamethoxypyrazin (Davosin®), Sulfathiazol (Eleudron®), Sulfaquinoxalin (Nococcin®), Sulfadimethoxin (Kokzidiol SD®, Retardon®)
  • Die Wirkung von Oregano und Knoblauch gegen Kokzidien ist in einer Studie bestätigt worden (Studie: vgl. Nosal et al. 2014), demnach haben sie eine bessere Wirkung als Baycox® bzw. führen in Versuchen im Vergleich zu Tieren ohne Behandlung, aber auch zu Tieren, die mit Baycox® behandelt wurden, zu einer besseren Gewichtszunahme und der geringsten Kokzidien-Ausscheidung. Häufig wird Oreganoöl verwendet, eine Auflistung finden Sie weiter unten.

Vorbeugen

Neben der tierärztlichen Therapie gibt es die Möglichkeit, den Kokzidienbefall mit weiteren Kräuterauszügen abzuschwächen bzw. die Behandlung zu unterstützen, diese sind auch vorbeugend möglich. Einige Präparate

mit Kräuterauszügen oder Kräutermischungen: 

  • AniForte Wurm-Formel und Wurm-O-Vet. Die Kräuter-Mittel verändern das Darm-Milieu, so dass es den Kokzidien „unbequem“ wird.

Folgende Präparate unterstützen die Darmflora und können so indirekt die Kokzidien bekämpfen (oder eine Reinfektion verhindern):

Oreganoöl: Eine sehr gute Möglichkeit, Kokzidien vorzubeugen und betroffene Bestände wieder kokzidienfrei zu bekommen, bietet Oreganoöl. Es wird auch in der Landwirtschaft, meist über das Trinkwasser, eingesetzt und die Wirkung wurde in Studien wissenschaftlich belegt (Studie: Nosal et al. 2014) und auch durch Haltererfahrungen bestätigt. Übrigens hält der Ölzusatz die Tränken auch bei starker Hitze algenfrei. In der Regel mögen Kaninchen den leichten Oregano-Geschmack sehr gerne. Wenn die Kaninchen wenig trinken, kann auch über das Futter Oraganoöl gegeben werden. Kombiniert mit  regelmäßigen Kotproben kann Oreganoöl ein gutes Mittel zur Kokzidienprophylaxe sein.

Achtung! Niemals reines ätherisches Oreganoöl verwenden! Die Futter- und Wasseröle sind extrem verdünnt (10%ig) und werden nur tropfenweise dem Wasser und Futter zugegeben.

Verbreitete Präparate

Futteröle
Probac  Brockamp Oregano Öl, 5ml Öl auf 1kg Futter, 2-3x/Wo., ca. 39,00€/l
ROPA-B FEEDING OIL 2%, 5 ml je kg Futter, für 4-5 Tage pro Woche, 15,95€/l
ROPA Poultry Feeding Oil, 5 ml je kg Futter, für 4-5 Tage pro Woche., ca. 500ml/14€ = 28€/l
Röhnfried Darmwohl 250ml 12,50€ (38€/l)

Trinkwasseröle (mit Emulgator) – Trinken die Kaninchen genug?
(können auch ins Futter gemischt oder über das Futter zerstäubt werden)
Ropadiar Solution Oreganoöl 10%, 2 – 3 ml je 10 Liter Wasser, ca. 39,90€/l
ROPA-B LIQUID 10%, 15 ml je 10 Liter Trinkwasser, für 3-4 Tage pro Woche, ca. 49,95€/l
Dosto® Liquid 10%, ca. 20ml pro 1 Liter Wasser, ca. 25€/250ml, bzw. ca.  53,50€/l
Dosto WG Ropa Flüssig 12%, 1ml pro 3l Trinkwasser, ca. 26€/300ml
Becker Enterosan flüssig, 5ml je 10l Wasser, 24,50€/250ml
Röhnfried UsneGano Oregano-Bartflechten-Mix, 3%, 3 ml / 1 Liter Trinkwasser, ca. 46€/l
Procura® 10% Lösung, 5-20ml je 10 Liter Wasser

Ernährung bei Kokzidiose

Wiesenfutter ist ideal für eine gesunde Verdauung.

Wichtig bei Kokzidien ist eine stärkende und für den Darm gesunde Ernährung mit vielen Kräutern (besonders Oregano (bzw. die veredelte Form Majoran), Thymian, Wermut, Löwenzahn, Schafgarbe, Petersilie, Rainfarn und Salbei, Eichenzweige (Rinde & Blätter), Schwarzkümmel so wie Heidelbeerpflanzen aber auch alle anderen Magen-Darm-stärkenden Kräuter die den Verdauungstrakt stützen) und Grünfutter (im Sommer Wiese, im Winter Blattgemüse wie z.B. Kohl-Blätter aller Kohlsorten, Salate, Mangold, Spinat, Karottengrün, Stangensellerie…) so wie Tannin-reiche Rinden/Zweige (Weide, Haselnuss, Eiche, Esche, Obstbäumen, Tannen, Fichten, Kiefern). Weiten Sie die Artenvielfalt aus. Bei abgemagerten Kaninchen sollten keine Haferflocken angeboten werden, da sie oft Hefen auslösen.

Hygiene & Desinfektion

Besonders Toiletten- und Fresslätze sollten während der Behandlung intensiv gereinigt werden, um eine erneute Ansteckung zu verhindern.

Zudem sollte während der Behandlung unbedingt auf Hygiene geachtet werden, insbesondere in den Toiletten und beim Futterplatz, damit die Kaninchen sich nicht immer wieder anstecken (re-infizieren).

  • Heu und Grünfutter sollte in einer Raufe angeboten werden, damit es nicht bekotet wird.
  • Wasser- und Futternapf werden täglich gründlich mit heißen Wasser (>60 Grad) oder in der Spülmaschine (heißes Programm) gereinigt.
  • Der Kot sollte mindestens einmal täglich komplett entfernt werden, so kann man verhindern, dass sporulierte Oozysten aufgenommen werden, denn diese entwickeln sich erst nach ein bis vier Tagen. Die Toiletten sollten mit kochendem Wasser ausgespült werden.
  • Das Gehege, inbesondere bekotete Areale können während der Behandlung schlicht gehalten werden, die Toilettenecken werden täglich gesäubert. Alles was bekotet wurde, muss sehr gründlich mechanisch geputzt, oder durch Hitze (>60 Grad, z.B. kochendes Wasser aus dem Wasserkocher) behandelt werden. der Rest des Geheges ein bis zweimal während der Behandlungsphase gründlich geputzt, der Boden gewischt (Innenhaltung) oder mit Dampfreiniger bzw. heißen Wasser bearbeitet (> 60 Grad) bzw. mit einem Schlauch, kochendem Wasser, Hochdruck- oder Dampfreiniger (> 60 Grad) ausgespült/gereinigt werden (Außenhaltung). Dampfreiniger können durch das feucht-warme Klima jedoch auch Kokzidien fördern (es werden nicht alle abgetötet und die verbliebenen fühlen sich pudelwohl).
  • Stoffe, Decken und Teppiche können in der Waschmaschine bei hohen Temperaturen (min. 60 Grad) gereinigt werden. Für die Zeit der medikamentösen Behandlung sollten sie aus dem Gehege entfernt werden.
  • Befindet sich im Gehege Erdboden, so muss die oberste Schicht abgetragen und dann Gehweg-Platten verlegt werden, um auch in Zukunft Kokzidienbefall zu verhindern. Als Zwischenlösung kann der Boden mit kochendem Wasser geflutet werden. Ebenfalls ist der vorsichtige Einsatz von Branntkalk möglich (die Kaninchen in dieser Zeit und die Phase danach nicht ins behandelte Areal lassen!).

Wiesenraufen ermöglichen den Kaninchen zu selektieren, ohne dass auf das frische Grünfutter uriniert oder Kot abgesetzt wird. Das uninteressante Futter landet in der Toilettenwanne.
  • Auslaufgehege auf der Wiese sollten nach der Behandlung umgestellt und die alte Fläche erst einmal nicht beweidet werden. Zudem kann mit Branntkalk und einem Unkrautbrenner die Fläche bearbeitet werden. Allgemein sollten solche Flächen nicht überweidet werden (Besatzdichte gering halten) und ggf. Weidewechsel erfolgen.
  • Eine oft empfohlene übertriebene Hygiene (Desinfektion, kein Auslauf, Abkochen oder Garen der Einrichtung…) ist hingegen unnötig, stresst Tiere und Halter und schwächt das Immunsystem.
  • Zur Desinfektion von Kokzidien sind alle gängigen Desinfektionsmittel wirkungslos. Geeignet wären insbesondere Kresole wie sie z.B. die Desinfektionsmittel Neopredisan oder Capha DesClean enthalten, wenn sie 3-4%ig sind und min. 2 Std. einwirken. Diese Putzmittel sind jedoch sehr giftig für Kaninchen, reizen die Schleimhäute und dürfen deshalb ausnahmslos auf Flächen verwendet werden, die rückstandslos abwischbar sind (PVC, Kacheln…). Jegliche Flächen in die es einziehen könnte (z.B. Holz, Teppiche und Stoff) dürfen anschließend nicht mehr von den Kaninchen genutzt werden, da sie dann giftig sind. Abwischbare Flächen müssen nach der Desinfektion rückstandslos vom Desinfektionsmittel befreit werden.  Die Kaninchen müssen ausquartiert und der Raum anschließend längere Zeit gelüftet werden. Zudem sind diese Desinfektionsmittel nur bedingt für den Einsatz in Innenräumen geeignet und für Allergiker und Asthmatiker sogar gefährlich. Eine Desinfektion ist deshalb nicht empfehlenswert, außer sie wird mit Dampfreiniger (> 60 Grad), einem Abflammgerät oder kochendem Wasser vorgenommen. Dabei ist es wichtig, die Flächen etwas länger der Hitze auszusetzen und das feucht-warme Klima anschließend schnell weg zu lüften. Kochendes Wasser ist die einfachste, günstigste und wirkungsvollste Desinfektion.

Wirksame Desinfektionsmittel


Herzlichen Dank an den Tierarzt Dr. M. Hallinger vom Labor Exomed (www.exomed.de) für die fachliche Beratung und Unterstützung für diesen Text.

Quellen

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