Otitis (Ohrenentzündung)

Ohrenentzündungen sind beim Kaninchen leider nicht selten, Untersuchungen aus Schlachtkaninchen-Haltungen zeigen, dass etwa 32% der ausgewachsenen Kaninchen an einer Otitis leiden. Dies deckt sich, abhängig von der Rasse, etwa mit den Erfahrungen in deutschen Tierarztpraxen. 

Verstärkt betroffene Kaninchen(rassen)
  • Kaninchen mit neurologischen Erkrankungen haben laut einer Studie zu 63% mit Ohrenentzündungen zu kämpfen.
  • Dies erhöht sich auf bis zu 85%, wenn gleichzeitig Kaninchenschnupfen oder eine andere Atemwegserkrankung vorliegt. Erreger in der Nase wandern sehr häufig ins Ohr und verursachen dort Ohrenentzündungen. 
  • Besonders häufig treten Ohrenentzündungen auch bei Widderkaninchen auf. Ein großer Teil der Widder entwickelt im Laufe des Lebens eine Ohrenentzündung. Zahlreiche Studien zeigen, dass Schlappohr-Kaninchen eine Veranlagung für Mittelohrentzündungen aufweisen. Durch die hängende Ohrmuschel wird der Gehörgang schlecht belüftet, zudem ist er beim Widder häufig sehr eng, der Abtransport des Ohrenschmalzes ist gestört, es entsteht ein ideales Milieu für Bakterien und Hefen. 
  • Auch sehr kleine Ohren der Zwergkaninchenrassen (enger Gehörgang) oder
  • stark behaarte Ohren können das Auftreten einer Entzündung begünstigen.
  • Außerdem sind auch Kaninchen mit sehr großen Ohren überdurchschnittlich oft betroffen.
Spasmus des Fazilialisnervs führt zum hochgezogenen Mundwinkel an der erkrankten Seite.

Symptome: Wie erkenne ich, dass mein Kaninchen erkrankt ist?

Die meisten Kaninchen mit Ohrenentzündung zeigen keine Symptome. In einer Studie zeigt fast jedes dritte Kaninchen mit Ohrenentzündung trotz intensiver Untersuchung keine Symptome. Manche fallen lediglich durch das schmerzbedingte, etwas ruhigere, in selteneren Fällen auch aggressive Verhalten auf. Die meisten Widder haben zudem sehr stark verschmutzte, teils auch verlegte Gehörgänge. Kleine Knubbel am Ohransatz (Ohrgrundabszesse) oder gerötete und warme, oder kalte Ohransätze sind ebenfalls möglich. Beim Abtasten des Ohransatzes sollten beide Seiten verglichen werden, so fallen die Abszesse auf. In seltenen Fällen, besonders wenn Hefen die Ohrenentzündung auslösen, schütteln die Kaninchen den Kopf oder kratzen die Ohren, auch Pendelbewegungen des Kopfes (Scannen) oder zuckende Augenbewegungen (Nystagmus), so wie ein schiefer Mund sind mögliche Symptome. Manche Kaninchen reagieren schmerzhaft wenn man die Ohren intensiv abtastet oder das Kaninchen am Kopf streichelt. Durch eine Ohrenentzündung schwerhörige oder taube Kaninchen fallen häufig auf, da sie sich erschrecken, wenn man sich von außerhalb des Sichtfelds nähert und sie streicheln möchte. 

Aussackungen am Gehörgang lassen sich tasten, indem man am Ohransatz beide Seiten gleichzeitig abtastet.

Fortgeschrittene Ohrenentzündungen äußern sich wie E. cuniculi und werden häufig mit dieser Erkrankung verwechselt (Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsstörungen und im Kreis laufen, Augenzucken….)!

Durch die ständige chronische Entzündung im Körper haben betroffene Tiere jedoch meist ein generell geschwächtes Immunsystem, so dass jegliche Erreger leicht ausbrechen (E. cuniculi, Parasiten…). und andere Entzündungen wie z.B. Zahnwurzelentzündungen, Abszesse und Kaninchenschnupfen gehäuft auftreten. Durch die chronischen Schmerzen im Kopfbereich verändern die Kaninchen ihr Kauverhalten, was sehr häufig Zahnerkrankungen auslösen kann. Viele Kaninchen mit Ohrenentzündungen entwickeln deshalb langfristig Zahn(wurzel)erkrankungen. Manche Kaninchen fressen durch die Schmerzen schlechter, teil sind auch eine komplette Nahrungsverweigerung (Schmerzverhalten) oder auch wiederkehrende Verdauungsstörungen zu beobachten. 

Weiterführende Infos zu einzelnen, erklärungsbedürftigen Symptomen:

  • Nystagmus (Augenbewegungen): sehr häufig horizontale oder rotierende Bewegungen.
  • Aggressive Kaninchen: Häufig sind diese Tiere in bestehenden Gruppen irgendwann schlecht verträglich, oder aber schwer zu vergesellschaften, das sind jedoch nur wenige Kaninchen, die so auffällig werden!
  • Schiefer Mund: (Einseitige) Gesichtslähmungen oder Spasmen. Anfangs oft eine Lähmung (Fazialislähmung, hängender Mundwinkel) und chronisch ein Spasmus (hochgezogener Mundwinkel (ipsilateraler hemifaszikulärer Spasmus), der andere Mundwinkel wirkt optisch  „hängend“). Teils ist auch das Auge halb geschlossen, die Nickhaut vorgeschoben und/oder der Lidschluss gestört (Horner-Syndrom).
  • Gleichgewichtsstörungen: Bei Innenohrentzündung (Otitis interna) durch eine Schädigung eines Nervens, der sich dort befindet (Nervus vestibulocochlearis).
Mit dem Otoskop kann der Tierarzt nur den Gehörgang sehen, Entzündungen hinter dem Trommelfell (Innenohr und Mittelohr) sind nicht sichtbar.

Diagnose

Suchen Sie unbedingt einen ohrenkundigen Tierarzt auf, der nicht nur auf Kleintiere (Hunde & Katzen), sondern auf Heimtiere (Kaninchen und Nager!) spezialisiert ist!
Nur gezielt fortgebildete Tierärzte können Kaninchen behandeln, denn im Studium sind sie nur Randthema. Tierarzt finden (Ohrensymbol beachten)

Die meisten Kaninchen zeigen keinerlei offensichtliches Zeichen sondern nur etwas schmutzigere Gehörgänge und ein apathisches/ruhiges Verhalten. Durch ein Blutbild sind Ohrenentzündungen oftmals ein Zufallsbefund, wenn die Entzündungswerte auffällig sind und die Ursache dafür gesucht wird (Pseudolinksverschiebung, Leukozytose). Allerdings verursachen leider nicht alle Ohrenentzündungen Entzündungsreaktionen im Blut.

Bei der Diagnostik wird unterschieden (auch mehrere Entzündungen gleichzeitig sind möglich):

  • Gehörgangsentzündung (Otitis externa): durch den Blick ins Ohr erkennbar (Otoskop, Endoskop), jedoch oft durch Ohrschmalz verdeckt. Ein Abstrich aus der Tiefe hilft ggf. dabei, Eiter von Ohrenschmalz zu unterscheiden (sieht gleich aus) oder Milben festzustellen, zudem kann sich so der Tierarzt unter dem Mikroskop einen Überblick über die Besiedlung verschaffen (Zytologie). Ggf. Bakteriologische Kultivierung um die Besiedlung zu prüfen und ein wirksames Antibiotikum zu ermitteln.
  • Mittelohrentzündung (Otitis media): das Mittelohr befindet sich hinter dem Trommelfell und ist von außen nicht einsehbar. In extremen Fällen kann das Trommelfell nach außen gewölbt oder Eiter in den Gehörgang eingedrungen sein, normalerweise ist sie jedoch nicht sichtbar. Bei Widderkaninchen ist das Trommelfell durch den verengten Gehörgang i.d.R. nicht einsehbar und das Außenohr verstopft. Im Röntgen sieht man nur weiter fortgeschrittene Mittelohrentzündungen (am besten die 45 Grad verkippten Aufnahmen + ggf. die dorso-vetrale), in einer CT, DVT oder in der MRT sind Ohrenentzündungen zuverlässiger zu diagnostizieren.
  • Innenohrentzündung (Otitis interna): diese ist beim Röntgen in mehreren Ebenen selten sichtbar, oftmals muss eine Computertomographie (CT, DVT) herangezogen werden, um Innenohrentzündungen zu diagnostizieren.  Auch durch eine Magnetresonanztomographie (MRI) kann eine Otitis interna diagnostiziert werden.
Wach-CT in der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Der Karton wird für wenige Minuten geschlossen, damit das CT durchgeführt werden kann. Die Kaninchen bekommen ausreichend Luft. Diese schonende Form der Diagnostik ist vielerorts schon Standard. Um Ohrenentzündungen auszuschließen, muss ein Kopfröntgenbilder erstellt werden, dieses zeigt jedoch nicht jede Mittelohrentzündung, deshalb wird zur Computertomographie (CT) geraten. 

Häufig haben Kaninchen mit Ohrenentzündungen einen langen Leidensweg, weil die Diagnose nicht richtig gestellt wird.

Etwa jedes dritte Kaninchen mit Kopfschiefhaltung hat beispielsweise kein E. cuniculisondern eine Ohrentzündung. Oft kontaktieren uns Halter, deren Tiere seit „einem halben Jahr ohne Besserung E. cuniculi haben“. Bei genaueren Nachfragen stellt sich dann heraus, dass „der Tierarzt sich sicher war, dass das Tier E.C.“ hat aber nie Diagnostik gemacht wurde, die das bestätigt. Oft wurde nicht einmal das Außenohr gründlich untersucht. Durch die lange Zeit ohne Behandlung ist die Ohrenentzündung meistens schon so weit fortgeschritten, dass sie teils nicht mehr in in den Griff zu bekommen ist oder sogar sich ausgebreitet hat. Unbehandelt kann es zu Zahnerkrankungen, zur Meningitis (Hirnhautentzündung), Abszessen oder Entzündungen im Rückenmark bzw. in der Lunge kommen.

Teils ist auch die Niere entzündet oder die Gelenke mit betroffen. Diese Erkrankungen führen zu weiteren Symptomen, die mit E. cuniculi verwechselt werden können. Lange unbehandelt löst sich oft sogar der Knochen auf oder wird stark angegriffen, so dass nur noch eine Einschläferung in Frage kommt.

Da Kaninchen kaum Schmerzanzeichen zeigen, leben sie teils unentdeckt mit starken Schmerzen.

E. cuniculi bricht oftmals bei geschwächten Tieren aus, es gibt auch viele Kaninchen die durch eine Ohrenentzündung einen zusätzlichen E. cuniculi-Ausbruch bekommen, deshalb sollte auch bei positiven und hohen E. cuniculi – Titer unbedingt untersucht werden, ob die Ohren wirklich gesund sind.

Ohrenentzündungen kann man nur zu ca. 80% im Röntgen feststellen, 100% sieht man in einer CT bzw. in hochauflösenden DVT (wie hier zu sehen). [Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Tierarzt Claus Meyer]
Ein Röntgenbild deckt fortgeschrittene Mittelohrenentzündungen auf.

Ursachen:

Leo wurde mit Kopfschiefhaltung, Krämpfen, Schnupfen und linksseitigen Lähmungserscheinungen ein halbes Jahr lang gegen E. cuniculi behandelt (u.a. mit drei Antibiotika), erst dann bekam die Halterin in einer Beratung den Hinweis, dass eine Ohrenentzündung dahinter stecken könnte, die dann auch festgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er schon in einem schlechten Zustand und steif.

Die Infektion des Mittelohrs kann über eine Außenohrentzündung mit Durchbruch des Trommelfells (absteigend), oder von der Nase aus über die sogenannte Eustachische Röhre (aufsteigend, vor allem bei Schnupfen) erfolgen.

  • Infektion Erregern (zu fast 80% ein Erreger, über 20% mehr als ein Erreger) aus dem positiven und negativen Keimspektrum (Staphylococcaceae (45,%), Enterobacteriacea (26,1%), Pasteurellacae (11,5%), Pseudomonadaceae (6,8%), Streptococcaceae (4,3%)
  • Ohrräude
  • Bissverletzungen, Abszesse
  • Zahnerkrankungen, Zahnabszesse
  • schlechte Belüftung der Gehörgänge durch Hängeohren (Widderkaninchen), sehr kleine oder behaarte Ohren. Hängeohren knicken den Gehörgang ab, das kann man sich wie einen genickten Gartenschlauch, der das Wasser nicht mehr durchlässt, vorstellen. Zudem ist der Gehörgang bei Widdern anatomisch verengt.

Therapie: Was hilft?

Suchen Sie unbedingt einen ohrenkundigen, auf Kaninchen spezialisierten Tierarzt auf! In unserer Liste sind diese als ohrenkundig gekennzeichnet.

Behandlung der Außenohrenentzündung (Otitis externa):

Diese richtet sich danach, welche Erreger die Ohrenentzündung ausgelöst haben.

Ernie hat mehrfach Kaninchen (schwer) verletzt und musste neu vergesellschaftet werden. Trotz kaninchenkundiger Tierärzte kam niemand auf die Idee, seine Ohren zu röntgen und eine Zytologie zu machen. Erst sehr spät wurde die chronische Ohrenentzündung erkannt, zu diesem Zeitpunkt war er wegen der chronischen Erkrankung schon im Rang gefallen und eher unterwürfig. Aggressives Verhalten ist (neben Gebärmuttererkrankungen) häufig auf Schmerzen im Kopfbereich (Ohren, Zähne) zurückzuführen.
  • Welche Erreger sind die Ursache? Es gibt viele Erreger, die eine Außenohrentzündung auslösen können. Durch eine Zytologie (Probe aus dem Ohr wird angefärbt unter dem Mikroskop beurteilt um zu sehen, was genau das Ohr besiedelt/krank macht) kann herausgefunden werden, welche Mittel eingesetzt werden.
  • In manchen Fällen ist auch eine bakteriologischen Untersuchung (BU) mit Antibiogramm (welches Antibiotikum wirkt am besten?) sinnvoll.  Dafür wird ein Abstrich entnommen (mit Kopfkanüle Eiter aus dem Ohr gespült) und eingeschickt. Ohne das vorherige Herausspülen mit NaCl-Lösung ist das Ergebnis meistens nicht nützlich. In einer Studie hat sich Enrofloxacin als sehr wirksam herausgestellt (nur ca. 8% sind resistent). Zudem ist es auch für Kaninchen zugelassen. Evtl. in Kombination mit Marbofloxacin.
  • Behandlung der auslösenden Erreger:
    – 
    Wenn Bakterien die Ohrenentzündung auslösen: antibiotischen Augentropfen oder Ohrentropfen (beispielsweise Floxal). Diese werden ggf. je nach Antibiogramm angepasst. Nicht alle Augentropfen sind geeignet, da einige das Gehör schädigen (ototoxisch wirken), wenn das Trommelfell nicht intakt ist. Zunächst wird i.d.R. auf Enrofloxacin-Lösungen zurück gegriffen, diese Spüllösungen werden in der Apotheke oder beim Tierarzt angemischt. Eine lokale antibitische Behandlung erreicht in Studien eine 30-850fach höhere Konzentration im Ohr als eine systemische Gabe.
    Achtung! Keinesfalls Surolan oder andere cortisonhaltige Ohrenmittel beim Kaninchen anwenden!
    – Wenn Hefen die Ohrenentzündung auslösen: Hier wird i.d.R. eine Spüllösung aus Clotrimazol (z.B. Canesten) und Kochsalzlösung (NaCl) vom Tierarzt oder der Apotheke angemischt, um damit die Wochen 2-3x täglich zu behandeln.
    -Wenn Ohrmilben die Ohrenentzündung auslösen, müssen diese mit einem Antiparasitika behandelt werden (z.B. Stronghold oder Ivomec, siehe hier). 
  • Eine Reinigung des äußeren Gehörgangs wird bei jeder Ohrenentzündung empfohlen (teils in Sedierung bei Erstreinigung verstopfter/verengter Gehörgänge): Dabei muss beim Widder intensiv hinter den Knick gespült werden (z.B. mit Ernährungssonden, Zitzenaufsätzen…), da häufig Sekret vor dem Trommelfell sitzt. Durch den verengten Gehörgang ist er beim Widder schlecht einsehbar! Die Wahl des Ohrreinigers richtet sich nach der Ohrenentzündung/Besiedlung des Ohres und der Menge des Ohrenschmalzes. Der Tierarzt gibt eine Empfehlung ab. Je nach Ohrschmalz-Menge, Schwere und Behandlungserfolg wird mehr oder weniger häufig der Gehörgang mit Ohrreiniger oder NaCl gespült, der Tierarzt berät zum Anwendungs-Rhythmus. 
    Sollte das Kaninchen auf einen Ohrreiniger stark reagieren (Hautveränderungen in der Ohrmuschel oder Reaktion nach der Reinigung (Brennen)), muss dieser gewechselt werden.
WirkstoffPräparatWirkungTrommelfell (ototoxisch?)Hinweise
Tris-EDTA und ChlorhexidinEpibac Ohrreinigerantimikrobiell
Zerstörung des
Biofilms
nur wenn Trommelfell intakt!Nur für junge Kaninchen zur vorbeugenden Reinigung geeignet, oder aber bei einer reinen Außenohrentzündung mit intaktem Trommelfell (unterstützt Wirkung von Enrofloxacin),
Tris-EDTATrizEDTAantimikrobiell
Zerstörung des
Biofilms
auch bei defektem TrommelfellVorbeugend für alle Kaninchen geeignet, auch wenn nicht bekannt ist, in welchem Zustand das Trommelfell ist. Bei allen Ohrenentzündungen anwendbar (unterstützt Wirkung von Enrofloxacin).
SqualanEpiSqualanceruminolytisch (löst Ohrschmalz auf)auch bei defektem TrommelfellBei erhöhter Ohrschmalzproduktion oder Eiter im Ohr, sollte zunächst mit EpiSqualen der Gehörgang gereinigt werden, teils wiederholte Anwendungen nötig, bis er frei ist! Ggf. als Prophylaxe bei Widdern, um den sehr engen Gehörgang freizuhalten. Bei einzelnen Tieren nicht verträglich!
N-Acetylcystein (NAC/ACC)ACC Injektionslösung (z.B. Equimucin 200 mg/ml pur oder 1:10 mit NaCl vermischt) oder Tris-NAC Ohrreinigerzerstört den Biofilmauch bei defektem TrommelfellBehandlung des Ohren vor der Gabe des Antibitikums, der Biofilm wird zerstört, die Antibiotika sind besser wirksam. Ggf. dem Ohrreiniger beimischen.
medizinischer HonigMielosam Ohrentropfenantimikrobiell zerstört den Biofilmnur wenn Trommelfell intakt!Löst sehr gut den Biofilm und ist in einer Studie zu über 90% bei einer Otitis externa wirksam.
Kolloidales SilberKolloidales Silberantimikrobiell
zerstört den Biofilm
nur wenn Trommelfell intakt!Löst sehr gut den Biofilm, auch bei empfindlichen Kaninchen verträglich.
KochsalzlösungNaClSpülung der Ohrenauch bei defektem TrommelfellZur Spülung der Ohren sehr gut geeignet, auch bei empfndlichen Kaninchen wirksam.
hypochlorige Säure (HOCl) Vetericyn Ohrspülung,
Vetericyn VF Plus Augen- & Ohrreiniger
antimikrobiellauch bei defektem TrommelfellAls Reiniger und zur Nachbehandlung der Ohren nach der Spülung.
Beispiel für ein Behandlungsschema mit defektem Trommelfell: EpiSqualan einwirken lassen, Ohrgrund massieren und mit NaCl-ACC-Lösung das Ohr spülen, bis es frei ist. Dann 2x tägl. mit TrizEDTA (ACC inject zugeben!) den Biofilm zerstören und ein antimikrobielles Klima schaffen. 15 Minuten später die Erreger gezielt bekämpfen (z.B. Enrofloxacin-NaCl gegen Bakterien ins Ohr). Ggf. anschließend Vetericyn in das Ohr geben.

  • Zusätzlich kann auch Schleimlöser oral sinnvoll sein (ACC Kindersaft und Bromhexin), da es den zähen Eiter und das Ohrschmalz etwas verflüssigt, sowie den Biofilm zerstört, dass Antibiotika besser wirken können.
  • Schmerzmittel, meistens Meloxicam (z.B. Metacam), möglichst hoch dosiert, ggf. 2x täglich. Häufig kombiniert mit weiteren Schmerzmittel(n) (meist Metamizol und/oder Tramadol). Das Schmerzmanagement ist auch abhängig vom Schmerzverhalten.
  • Orale Antibiotika sind in den meisten Fällen nicht notwendig. 
  • Besonders wichtig ist es, das Immunsystem aufzubauen und entzündungshemmende Mittel wie z.B. Ingwer (entzündungshemmend und schmerzlindernd) und Meerrettich (antibiotisch). Diese müssen geraspelt zunächst in sehr kleinen Mengen in einem absoluten Lieblingsfutter angefüttert und nur langsam in der Menge gesteigert werden, damit sie die Kaninchen mit fressen. Zum Beispiel in geraspelten Apfel, Cuni Complete – Brei oder zerdrückter Banane.
  • Der Behandlungserfolg wird durch Zytologische Untersuchungen überprüft und erst wenn diese keine Entzündung mehr anzeigt, werden die Medikamente abgesetzt. Dieser Punkt ist oft entscheidend, damit es nicht zu chronischen Ohrenentzündungen kommt, die dann auf das Mittelohr übergehen können.
  • Bei wiederkehrenden Außenohren-Entzündungen oder wenn sich ein Abszess am Ohransatz bildet, wird zu Operationen geraten: die Art des chirurgischen Eingriffs richtet sich nach der Lokalisation der Otitis:
    – Laterale Gehörgangsresektion (bei reiner Otitis externa): Entfernung der Gehörgangswand zur besseren Belüftung des Außenohrs.
    Partielle Gehörgangsresektion (bei reiner Otitis externa): Entfernung eines Teiles der Gehörgangswand am Ohrgrund.
    – Selten: Totale Gehörgangsresektion (bei schwerer Otitis externa): Entfernung aller Knorpel des äußeren Gehörgangs. Das Gewebe und die Haut können anschließend wieder zugenäht werden. Es kann jedoch auch eine neue Öffnung angelegt werden. Verhältnismäßig schwerer Eingriff!
Behandlungsverlauf einer Otitis externa beim Widder

Mittelohrentzündung (Otitis media):

Es gibt zwei verschiedene Vorgehensweisen:

  • Konservative Therapie (ohne Operation): Nur sehr selten ist hier mit einer Heilung zu rechnen, in den meisten Fällen wird die Entzündung nur zurückgedrängt und die Lebensqualität verbessert. Man spricht deshalb auch von einer palliativen Behandlung. Es muss i.d.R. lebenslang behandelt werden. 
    – Entscheidend ist ein wirksames Antibiotikum. Dafür sollte bei nicht intakten Trommelfell ein Abstrich aus dem Ohr entnommen und ein Antibiogramm erstellt werden. Für diesen Abstrich wird mit einer Kopfkanüle Eiter aus dem Ohr gespült und eingeschickt. Ohne das vorherige Herausspülen mit NaCl-Lösung ist das Ergebnis meistens nicht nützlich. Oft ist Penicillin (darf nur gespritzt werden!) sehr gut wirksam, es ist aber nur geeignet, wenn das Kaninchen gut frisst. Idealerweise wird es mit einem Antibiotikum kombiniert, das ZNS-gängig ist. Auch die Kombination aus Metronidazol und Enrofloxacin (Baytril, Orniflox…) ist oft sehr wirksam.
    Schmerztherapie, meistens Meloxicam (z.B. Metacam), möglichst hoch dosiert, ggf. 2x täglich. Häufig kombiniert mit weiteren Schmerzmittel(n) (Metamizol und/oder Tramadol). Das Schmerzmanagement ist auch abhängig vom Schmerzverhalten. Kaninchen zeigen auch bei den schlimmsten Mittelohrentzündungen oftmals keine Schmerzanzeichen sondern leiden leise.
    – Die Behandlung der Erreger kann unterstützt werden durch die Anwendung von N-Acetylcystein (NAC, ACC), es verfügt über Biofilm-auflösende Wirkungen und verflüssigt den Ohrenschmalz/Eiter, so dass die Antibiotika besser wirken und der Eiter besser abläuft. Dabei kann mit der ACC Injektionslösung (z.B. Equimucin 200 mg/ml pur oder 1:10 mit NaCl vermischt) das Ohr gespült, oder Tris-NAC angewendet werden (vor/zur örtlichen Antibiotikabehandlung). Zusätzlich kann auch Schleimlöser oral sinnvoll sein.
  • Chirurgische Therapie (mit Operation): Leider ist bei der antibiotischen Therapie häufig mit Rückschlägen zu rechnen. Hinzu kommt, dass viele Antiobiotika nur sehr begrenzt im Ohr wirken, da der Eiter beim Kaninchen zu zäh ist. Deshalb wird die Otitis media durch die Antibiotika in der Regel nur zurückgedrängt, aber nicht ausgeheilt, es ist mit Rückschlägen zu rechnen. Aus diesem Grund wird bei der Mittelohrentzündung häufig zu Operationen geraten. 
    Die Art des chirurgischen Eingriffs richtet sich nach der Lokalisation der Otitis:
    Absaugung: Einschnitt ins Trommelfell (Myringotomie, sollte es noch intakt sein) und anschließend Absaugung und Spülung des Mittelohrs, Nachbehandlung mit antibiotischen Ohrentropfen und CT-Kontrolle. Voraussetzung: Die Bulla ist noch nicht verdickt oder aufgelöst.
    – Laterale Bullaosteotomie (bei nicht intaktem Trommelfell, Otitis interna oder Otitis media zusammen mit Otitis externa): Oft zusammen mit einer der „Otitis externa“-Operationen. Dabei wird der Hohlraum des Mittelohrs (Bulla tympanica) angebort, ausgeschabt und gespült. Es gibt zwei Verschlussmethoden (Öffnung zum Spülen oder Totalverschluss).
    – Selten! Ventrale Bullaosteotomie (bei intaktem Trommelfell, Otitis media ohne Otitis externa): Freilegung des Mittelohrs durch einen Schnitt, anschließende Ausschabung und Spülung. 

Innenohrentzündung (Otitis interna):

Die Innenohrentzündung geht so gut wie immer mit einer Mittelohrentzündung einher. 

  • In vielen Fällen kann eine intensive Behandlung der Mittelohrentzündung (siehe Mittelohrentzündung) zu einem Abklingen der Innenohrentzündung führen. 
  • Schwerste Innenohrentzündungen mit neurologischen Symptomen sind meistens nicht behandelbar oder operabel, so dass betroffene Tiere erlöst werden sollten. Manche Tiere stabilisieren sich mit einer intensiven palliativen Therapie sehr gut und, ggf. kann nach der Stabilisierung operiert werden.

Operation – ja oder nein?

Ob eine Operation möglich und im Einzelfall sinnvoll ist, wird nach den Befunden (CT, MRT, DVT…) entschieden. Es gibt bisher noch keine einheitliche Vorgehensweise. Einige Tierärzte plädieren ein möglichst frühes Eingreifen um ein Voranschreiten der Entzündung auszubremsen oder zu verhindern. Andere empfehlen ein operatives Eingreifen auf Grund der Schwere der Operation erst, wenn Druck auf dem Mittelohr (Trommelfell wölbt sich nach außen), die Bulla verändert ist bzw. sich auflöst, oder das Tier Symptome zeigt, nicht aber, wenn sie „nur“ gefüllt ist. 

Prognose? Durch die Operationen wird der Entzündungsprozess in der Regel gestoppt, besonders die „Otitis externa“-Operationen beheben häufig die schlechte Belüftung des Gehörgangs und haben eine gute Prognose. Anders sieht es bei den „Otitis media“-Operationen aus, auch diese führen in der Regel zu einer Ausheilung der Entzündung, teils wird jedoch auch nur Zeit gewonnen, da es auch immer wieder bei Tieren zu Rückfällen kommt. Einige Tiere erlangen durch die Operation wieder eine sehr gute Lebensqualität und „ruhige“ Widder werden wieder munter und aktiv. Die Prognose ist bei absteigenden Ohrenentzündungen (aus dem Außenohr ins Mittelohr, z.B. bei Widdern) wohl etwas besser, als bei aufsteigenden (Schnupfenkaninchen). Bereits bestehende neurologische Symptome (im Kreis laufen, Kopfschiefhaltung, Spasmus des Fazialisnervs, …) werden durch die Operation nicht behoben, Kopfschiefhaltungen bilden sich bei intensiver konservativer Therapie häufig zurück. 

Die Pflege nach den Ohren-OP´s ist zeitintensiv und kann sich über mehrere Wochen erstrecken. Der Zeitrahmen sollte berücksichtigt werden.

Entscheidend für den Erfolg der Operation ist ein sehr erfahrener Chirurg, der bereits viele Kaninchenohren operiert hat. Solche Experten können aus ihrem Erfahrungen heraus abschätzen, in welchen Fällen eine Operation für das einzelne Tier die richtige Behandlung ist. Nur wenige Chirurgen operieren in Deutschland Kaninchenohren sachkundig, zudem sollte ein kaninchenkundiger Tierarzt die medikamentöse Behandlung dazu abstimmen. In unserer Liste findet ihr ohrenkundige Anlaufstellen gekennzeichnet, diese operieren selbst oder überweisen an Kollegen, die kundig sind. Die Kaninchen sollten für die Operation intubiert werden und ein sehr gutes Schmerzmanagement vorhanden sein!

Es handelt sich dabei um sehr schwere Operationen, die eine intensive Pflege über ca. ein bis zwei Wochen erfordert. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie Ihr Kaninchen intensiv pflegen, mehrmals täglich Medikamente verabreichen, ggf. tagelang zufüttern, Tierarzt-Kontrolltermine wahrnehmen, ggf. mehrmals täglich Augentropfen verabreichen müssen, wenn der Lidschluss beeinträchtigt ist. Entscheidend ist ein sehr gutes Schmerzmanagment!

Mögliche Komplikationen sind Wundheilungsstörungen am Ohr (sehr häufig aber gut händelbar), eine Schädigung des Fazialisnervs (vorübergehend Lidschluss gestört, Spasmus… Meistens nach 2-3 Wochen wieder normalisiert), massive Schmerzzustande und Nahrungsverweigerung, Kopfschiefhaltung (selten).

Vorbeugen

Ein großer Teil der Widder-Kaninchen entwickelt im Laufe des Lebens eine Ohrenentzündung. Eine computertomographische Studie zeigt, dass Schlappohr-Kaninchen eine Prädisposition für Außen- und Mittelohrentzündungen aufweisen. Durch die hängende Ohrmuschel wird der Gehörgang schlecht belüftet, es entsteht ein ideales Milieu für Bakterien und Hefen. Diese Erreger können Entzündungen auslösen. Deshalb können Widder  als Qualzucht eingestuft werden, eine Zucht von Schlappohr-Kaninchen sollte nicht durch den Erwerb neuer Tiere unterstützt werden. Auch Kaninchen mit Atemwegserkrankungen oder anderen chronischen Entzündungen im Körper können zur Otitis neigen.
Diese Kaninchen sollten deshalb ein spezielles Ohrenpflege-Programm durchlaufen.

Ohrräude erkennt man durch Krusten im Außenohr.

Otidien durch Ohrenpflege vorbeugen
Widder leiden meist lebenslang unter dem chronischen Entzündungsprozess, durch gute Pflege kann diese Entzündung nicht zwangsläufig verhindert, aber oftmals vermieden werden.
Empfehlungen zur Otitis-Prävention:
□ Wöchentliche Reinigung der Ohren mit einem antibakteriellen und ohrschmalzlösenden Ohrreiniger, der Tris-EDTA und Chlorhexidin enthält (von Jungtieralter an!). Zum Beispiel Epibac Ohrreiniger
Achtung: Einige Ohrreiniger reizen das Ohr aufgrund einer für Kaninchen nicht geeigneten Zusammensetzung. In Einzelfällen kann auch bei einem geeigneten Ohrreiniger eine Reaktion bei sensiblen Kaninchen auftreten, dann sollte NaCl verwendet werden.
□ Gründliche Reinigung der Ohren wenn Narkosen nötig sind oder bei Bedarf in Sedierung.

Otitiden frühzeitig erkennen
Es gibt Maßnahmen die helfen, Otitiden in frühen Stadien zu erkennen, diese sind bei Widdern wichtig:
□ Wöchentliches Abtasten des Ohransatzes (leichte Wölbungen? evtl. warm? Schmerzempfindlich? Juckreiz?)
□ Zweimal Jährlich einen Abstrich aus dem Gehörgang mit mikroskopischer Analyse zur Statuserfassung und Früherkennung anfertigen lassen (z.B. bei den Impfungen)
□ Einmal jährlich eine CT/DVT/MRT ( Mittelohr, Innenohr! Frühstadien erkennen) oder zumindest ein Röntgenbild (schwerere Ohrenentzündungen erkennen)
□ Kopfschütteln oder Ohrkratzen? Schiefer Mund? Scannen? Sie sollten die Symptome kennen!

So klappt die Ohrenpflege

Vergleich eines gesunden, weiten Gehörgangs und eines entzündeten, verengten Gehörgangs

Weitere Beispiele:

Mickey mit Kreisbewegungen, Schnupfen und Kopfschiefhaltung

Micky hatte 10 Monate lang einen schrägen Kopf und wurde anfangs gegen EC behandelt, weil er im Blut den Titer hatte. Da der Kopf nicht gerade wurde, lies man ihn unbehandelt sitzen. Ich habe durch umfangreiche Diagnostik abklären lassen, warum der Kopf schräg gehalten wird. Er hatte eine Ohrenentzündung und wurde von mir gegen EC und die Ohrenentzündung behandelt. Der Kopf wurde nun innerhalb von wenigen Tagen wieder gerade. Auch sein Schnupfen ist sehr viel besser geworden. Kaninchen mit Ohrenentzündung halten den Kopf schräg um die extremen Schmerzen zu reduzieren. Oft wird das mit EC verwechselt und keine Diagnostik gemacht. Dadurch leiden sehr viele Kaninchen über Monate an höllischen Qualen (jeder, der mal eine kräftige Mittelohrentzündung hatte, kann sich wohl vorstellen, wie das ist). Äußerlich war bei Micky übrigens das Ohr völlig in Ordnung und auch beim Reinschauen mit einer Kamera konnte man nichts sehen. Nur durch ein Kopf-Röntgenbild wurde die Entzündung sichtbar. Auch über ein Blutbild kann man übrigens Entzündungen sehen. Während früher EC eher unbekannt war und man erst einmal einen Tierarzt finden musste, der es richtig behandelt, ist es heute so, dass fast alles den Stempel „E. cuniculi“ bekommt und dadurch eine Masse an Tieren falsch gegen das schmerzfreie E. cuniculi behandelt wird, obwohl sie eigentlich eine ganz andere Erkrankung (mit Schmerzen) haben. Dadurch heißt es oft „mein Kaninchen ist an EC gestorben“. Kein Kaninchen stirbt an EC, sofern man mit einem Blutbild die Nieren überprüft und mitbehandelt (an Nierenversagen durch EC können sie sterben) und sie von Anfang an richtig behandelt werden. Ganz viele Kaninchen leiden Qualen oder sterben jedoch an einer ganz anderen Krankheit, die mit EC verwechselt wird. Micky hatte Glück weil die Ohrenentzündung nicht so stark war und auch, weil ich ihn mitgenommen habe und die Diagnostik machen lies. Bei anderen Kaninchen die monatelang unbehandelte Ohrenentzündung haben, ist oft schon der Knochen aufgelöst und das Tier muss eingeschläfert werden oder verstirbt.

Paul mit schiefer Schnute, Kopfschiefhaltung und Hinterhandlähmung

Seit Juli 2015 hatte Paul eine „schiefe Schnute“. Den Grund kannte unser Tierarzt nicht und wusste keinen Rat. Auch im Internet konnte man keine Informationen bekommen.
Dann knickten Paul erstmals im Frühjahr und dann November 2016 die Hinterläufe weg. Diagnostiziert wurde u.a. ein Rückenproblem.
Da die Symptome nicht besser wurden, drängten wir auf eine andere Behandlung. Er wurde schließlich beide Male gegen EC behandelt, wodurch die Symptome verschwanden und Paul wie früher war. Im November bekam er zudem eine leichte Kopfschiefstellung, die nicht mehr ganz zurück ging.
Am 27. Dezember 2016 kippte er erneut weg. Wir besorgten uns am 28. Dezember die notwendigen Medikamente um den vermuteten EC-Schub sofort zu stoppen. Dies waren Baytril und Panacur sowie Vitamin B Komplex. Leider wurden Pauls Symptome deutlich schlechter, so dass es notwendig wurde auf Grund der Urlaubszeit bei einer Vertretungs-Tierärztin vorstellig zu werden.
Paul wurde (unzureichend) per „Tasten“ und „Ansehen“ untersucht. „Es muss wohl EC sein“ so lautete die Diagnose. Er bekam eine Spritze Kortison und eine Spritze Enrofloxacin. Da die Wirkung am gleichen Tag positiv anschlug, wurde er am nächsten Tag noch einmal identisch behandelt. Er ging ihm deutlich besser, bis er zum Wochenende stark einknickte und wir am folgenden Montag zu unserem regulären Haustierarzt gingen. Dieser befand auch, dass es EC sei, es wurde uns bereits erstmalig die Einschläferung nahelegte, da Paul bereits kaum noch hocken konnte. Durch unser Drängen wurde eine Woche später ein Röntgenbild angefertigt und Blut abgenommen um eine Mittelohrentzündung (Otitis Media) auszuschließen. Trotz der schiefen Aufnahme war, wie sich später herausstellte eine deformierte zu erkennen, die unser Tierarzt aber nicht erkannte. Das Blutbild ergab, dass kein EC Titer und keine Entzündungswerte vorhanden waren. Ab hier wurde Paul 3 Wochen intensiv gepflegt, er konnte nur noch liegen. Auf unserem Druck hin wurde Paul mit Chloromycetin Palmitat behandelt, in dessen Folge er gepäppelt werden musste. Nach 10 Tagen wurde das Antibiotika abgesetzt und Paul begann wieder von alleine zu fressen. Generell ging es ihm deutlich besser, aber konnte trotzdem nur noch liegen. Wir holten ein 2. Meinung ein. Die Tierärztin fertige ein CT an hier wurde eine langjährige Otitis Media festgestellt und ein daraus resultierender Abzess am Gehirn verbunden mit Knochenauflösung. Dies war auch der Grund der „schiefen Schnute“ (ipsilateraler hemifaszikulärer Spasmus/Fazialislähmungen), die er seit 2015 hatte. Die Behandlung mit dem Antibiotika war zwar erfolgreich, kam nur rund 1 ¾ Jahre zu spät. Paul musste eingeschläfert werden.

Quellen u.a.:

Anonymous (2018): Qualzucht beim Kaninchen – Leiden für die Schönheit? Kugelköpfe, Schlappohren und Lebensschwäche, VetImpulse Nr. 13, 27. Jg.
Chow, E. P. (2011): Surgical management of rabbit ear disease. Journal of Exotic Pet Medicine, 20(3), 182-187
Chow, E. P., Bennett, R. A., & Dustin, L. (2009): Ventral bulla osteotomy for treatment of otitis media in a rabbit. Journal of Exotic pet medicine, 18(4), 299-305.
Dinicola, S., De Grazia, S., Carlomagno, G., & Pintucci, J. P. (2014): N-acetylcysteine as powerful molecule to destroy bacterial biofilms. A systematic review. Eur Rev Med Pharmacol Sci18(19), 2942-2948.
Cole LK, Papich MG, Kwochka KW et al. (2009): Plasma and ear tissue concentrations of enrofloxacin and its metabolite ciprofloxacin in dogs with chronic end-stage otitis externa after intravenous administration of enrofloxacin. Vet Dermatol 2009; 20: 51–59
Eatwell, K, Mancinelli, E., Hedley, J., Yool, J. (2013): Partial ear canal ablation and lateral bulla osteotomy in rabbits
Eckert, Y., Witt, S., Reuschel, M., & Fehr, M. (2017): Otitis beim Kaninchen–Symptome, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten. kleintier konkret, 20(S 02), 2-9.
Ewringmann, A. (2016): Leitsymptome beim Kaninchen: Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Georg Thieme Verlag
Flatt, R. E.; Deyoung, D. W.; Hogle, R. M. (1977): Suppurative otitis media in the rabbit: prevalence, pathology, and microbiology. Laboratory animal science, 27. Jg., Nr. 3, S. 343-347.
Haberfield, J. (2015): Otitis Media in Rabbits.
Mancinelli, E., Lennox, A. M. (2017): Management of Otitis in Rabbits. Journal of Exotic Pet Medicine 26 (2017), pp 63–73
Maruhashi E, Braz BS, Nunes T, Pomba C, Belas A, Duarte-Correia JH, Lourenço AM (2016):Efficacy of medical
grade honey in the management of canine otitis externa – a pilot study. Vet Dermatol. 27(2):93-8e27.
Meredith, A., & Lord, B. (2014). BSAVA manual of rabbit medicine. British Small Animal Veterinary Association
Matos, R., Ruby, J., Hatten, R. A. van, Thompson, M. (2015): Computed tomographic features of clinical and subclinical middle ear disease in domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus): 88 cases (2007–2014). Journal of the American Veterinary Medical Association, February 1, 2015, Vol. 246, No. 3 , Pages 336-343 [https://doi.org/10.2460/javma.246.3.336, 27.08.2017]
Reuschel, M. (2017): Ohrentzündungen bei Kaninchen. [https://vetline.de/ohrentzuendungen-bei-kaninchen/150/3252/103523/, 15.09.2017]
Reuschel, M. (2018): Untersuchungen zur Bildgebung des Kaninchenohres mit besonderer Berücksichtigung der Diagnostik einer Otitis bei unterschiedlichen Kaninchenrassen.
Richardson, J., Longo, M., Liuti, T., & Eatwell, K. (2019): Computed tomographic grading of middle ear disease in domestic rabbits (Oryctolagus cuniculi). Veterinary Record, vetrec-2018.
Thöle M, Parmentier S, Müller LS (2020): Ohrerkrankungen beim Heimkaninchen (Oryctolagus cuniculus) – Teil 1: Anatomische Grundlagen und diagnostische Aufarbeitung. Kleintierprax 65 (09): 489–506
Varga, M. (2014): Textbook of Rabbit Medicine. Second Edition