„Mit Kamillentee kann man entzündete Augen spülen.“

Die Kamille soll so angewendet die Entzündung hemmen und das Auge beruhigen. Tatsächlich hat sie auch entzündungshemmende Inhaltsstoffe, allerdings reizt sie gleichzeitig das Auge sehr stark durch andere enthaltene Stoffe.

Deshalb sollte Kamillentee nie am Auge angewendet werden. Alternativ ist sterile Kochsalzlösung, Tränenersatzflüssigkeit (künstliche Tränen) oder abgekochtes Wasser (ausgekühlt!) geeignet.

„Cortison ist ein wichtiges Medikament für Kaninchen.“

Glukokortikoide sollten bei Kaninchen vermieden werden. Bereits kleine Einmalgaben (subkutan, oral, okulär oder auch aurikulär gegeben!) wirken speziell bei den als kortikosteroidempfindlich geltenden Kaninchen nicht nur immunsuppressiv, sondern ggf. auch toxisch v. a. auf Leber (Fett-und Glykogeneinlagerung, Vakuolisierung, hydrophische Degeneration, Gallengangsproliferation), lymphatische Organe (Atrophie), Nebennieren und andere Organe (Gastritiden, Magenulzeration). Zudem haben Studien gezeigt, dass Kaninchen bei Steroidgaben anfälliger für Infektionen sind, sich langsamer erholen und Antibiotika weniger wirksam sind.“
Kraft, W., Emmerich, I. U., & Hein, J. (2012): Dosierungsvorschläge für Arzneimittel bei Kleinnagern, Kaninchen und Frettchen. Schattauer Verlag

Auch wenn es wenig bekannt ist, sind Kaninchen eine Corticosteroid-sensitive Spezies und so anders als andere Kleinsäuger, Hunde oder Katzen deutlich empfindlicher auf die Gabe von Steroiden, also Cortison. Es gibt zwar einzelne Kaninchen, welche die Cortison-Gabe gut vertragen, aber das sind große Ausnahmen. Gerade Kaninchen, die länger Cortison bekommen haben, sterben oder leiden häufig an organischen Erkrankungen, bekommen nach der Cortison-Therapie viele verschiedene weitere Krankheiten (schlechtes Immunsystem) und oft sind später auftretende Erkrankungen nur sehr schlecht zu therapieren, da kaum ein Mittel anschlägt (schlechtes Immunsystem).

Schon gewusst? Kaninchen sollten nach Möglichkeit niemals Cortison bekommen (auch nicht in Augentropfen oder z.B. Surolan). Anders als bei Katzen, Hunden und Menschen wird es von Kaninchen recht schlecht vertragen. Einzig bei schwer kranken Tieren, die nur noch eingeschläfert werden könnten, kann es als letztes Mittel versucht werden. Beispielsweise bei Gelenkserkrankungen, wenn nichts anderes anschlägt oder bei akuten Atemproblemen, beispielsweise durch Herzerkrankungen.

Die ungefähre Übersetzung eines Artikels aus dem Englischen, der das ganz gut beschreibt:

Kaninchen und Steroide

Steroide können bei Kaninchen zu zwei Arten von Nebenwirkungen führen. Kortikosteroide führen zu einer starken Immunsuppression und Lebertoxizität. Andere innere Organe können betroffen sein. Dies ist keine neue Erkenntnis, aber seit der Mitte des letzten Jahrhunderts bekannt.

Das Kaninchen ist eine Kortikosteroid-empfindlichen Art. Deshalb können auch kleine, einmalige Dosen schwere Veränderungen bei Kaninchen verursachen. Eine Überprüfung dieser Änderungen wurde von Borgmann und Mitarbeiter berichtet. Toxizität in Kaninchen wurde in lymphatischen Organen, der Leber und Nebenniere dokumentiert.

Die Toxizität wurde durch über die Augen verabreichte Steroide verursacht. Typische Leberveränderungen, die durch Steroid-Gabe an Kaninchen verursacht werden, sind Lipidablagerungen, Glykogen Deposition, Vakuolisierung und hydropische Degeneration. Diese Änderungen waren zu sehen, egal ob die Steroide oral, über die Augen-, oder subkutan gegeben wurden.

Das Immunsystem wird durch Steroide in einer Vielzahl von Arten beeinflusst. Atrophie und Verschwinden von Lymphgewebe der Peyer’schen Plaques wird ebenso beschrieben wie Lymphgewebe in der Milz.

Studien haben ergeben, dass direkt die schweren Schäden in der Kaninchenleber mit der Verabreichung von Steroiden auftreten. Auch bei niedrigen Steroiddosen, wurde der biochemischen Nachweis von Leberzerstörung demonstriert. Bemerkenswert sind die erhöhten Gallensäure-Konzentration unter Steroid-Einfluss. In dieser Studie inklusive Leberpathologie wurde eine deutliche Vermehrung der Cholangiole und der Gallenwege mit mononukleare Zell Infiltrate in Portalbereichen. Einige dieser Steroid-behandelten Kaninchen hatten auch Magengeschwüre und Gastritis.

Andere Studien untersuchten direkt die Auswirkungen der Steroid-induzierten Immunsuppression auf Kaninchen und die Fähigkeit des Kaninchens zur Bekämpfung von Infektionen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Steroid-verursachte Immunsuppressionen eine verminderte Überlebensrate bei Kaninchen auslösen.

Kaninchen wurden als Modell zur Untersuchung der Meningitis eingesetzt. Die Steroide, auch wenn sie nur einmal gegeben wurden, verringerten die Immunantwort, was eine bessere Untersuchung der Wirksamkeit des Antibiotikums ermöglichte.

Modelle von Kniegelenk-Infektionen und den Einfluss und die Wirksamkeit von Antibiotika erfordern die Verwendung von Steroiden bei Kaninchen. Sobald Steroide gegeben werden, tritt eine erhöhte Zerstörung des Kniegelenks ein und die Antibiotika sind weniger wirksam.

Ein weiteres Modell der Infektion ist das Kaninchen Keratitis Protokoll. Eine Dosis eines Steroids bewirkt genug Unterdrückung dass invasiven Läsionen der Hornhaut, dass die Behandlung gründlich untersucht werden kann. “

 

Rabbits and Steroids

Steroids in rabbits cause two types of adverse reactions. Corticosteroids cause a severe immune suppression and liver toxicity. Other internal organs can also be affected. This is not a new finding but has been recognized since the middle of the last century.

The rabbit is a corticosteroid-sensitive species. Therefore, even small, one-time doses can cause severe changes in rabbits. A review of these changes was reported by Borgmann and coworkers. Toxicity in rabbits was documented in lymphoid organs, the liver, and the adrenal gland.

Toxicity was caused by ocular administration of steroids. Typical hepatic changes caused by steroid administration in rabbits include lipid deposits, glycogen deposition, vacuolization, and hydropic degeneration. These changes were seen whether steroids were given orally, ocular, or subcutaneously.

The immune system is affected by steroids in a multitude of ways. Atrophy and disappearance of lymphoid tissue of Peyer’s patches is described as well as lymphoid tissue in the spleen.

Studies have directly revealed the severe damage that occurs to the rabbit liver with administration of steroids. Even with low steroid doses, biochemical evidence of hepatic destruction was demonstrated. Bile acid concentration increased remarkably with steroid administration. In this study, liver pathology included marked proliferation of cholangioles and bile ducts with mononuclear cell infiltrates in portal areas. Some of these steroid-treated rabbits also had gastric ulceration and gastritis.

Other studies looked directly at the affects of steroid-induced immunosuppression in rabbits and the rabbit’s ability to fight off infection. Numerous studies have shown that steroid immunosuppression causes a decreased survival in rabbits.

Rabbits administered corticosteroids are used as a model for studying meningitis. The steroids, even given just once, reduce the immune response, allowing better study of the effectiveness of the antibiotic.

Models of knee joint infections and the influence and effectiveness of antibiotics require the use of steroids in rabbits. Once steroids are given, increased destruction of the knee joint occurs and the antibiotics are less effective.

Another model of infection is the rabbit keratitis protocol. One dose of a steroid causes enough suppression that invasive lesions of the cornea and treatment can be thoroughly studied.“

Karen L Rosenthal (2004): Therapeutic contraindications in exotic pets (http://www.journals.elsevierhealth.com/periodicals/ysaep/article/PIIS1055937X03000562/abstract)

E. Cuniculi und Cortison

Frau Dr. med. vet. Hein gilt deutschlandweit als absolute EC-Expertin:

„Die lange Zeit verwendete Gabe von Glukokortikoiden über einen oder mehrere Tage gilt heute als obsolet.
Glukokortikoide führten in keiner der Kombinationen (Antibiose ± Fenbendazol) zu einer Verbesserung, bergen viele Nebenwirkungen (Lebertoxizität bei steroidsensiblen Kaninchen, Immunsuppression, Wundheilungsstörung, Hyperglykämie etc.) und sind bei Tieren mit zusätzlichen Infektionen durch die entstehende Immunsuppression oft fatal.“

Sie bezieht sich dabei auf die Studie nach Sieg, die verschiedene Behandlungsformen vergleicht.

Borgmann AR, Bogle D, Robb CA, McDonald TO: Comparative toxicity of two-dexamethasone derivatives following topical ocular instillation to rabbits II. Systemic histopathological changes. Toxicology 6:77-84, 1976

Tennant BC, Balazs T, Baldwin BH, Hornbuckle WE, Castleman WL, Boelsterli U, Kallfelz FA: Assessment of hepatic function in rabbits with steroid-induced cholestatic liver injury. Fund Appl Toxicol 1:329-333, 1981

Sheng FC, Freischlag JA, Backstrom B, Kelly D, Busuttil RW: The effect of dexamethasone in vivo on blood and peritoneal neutrophils (PMN) in rabbits with peritonitis. J Surg Res 43:296-301, 1987

Ahmed A, Jafri H, Lutsar I, et al: Pharmacodynamics of vancomycin for the treatment of experimental penicillin- and cephalosporin-resistant pneumococcal meningitis. Antimicrob Agents Chemother 43:876-881, 1999

Schurman DJ, Johnson BL, Amstutz HC: Knee joint infections with Staphylococcus aureus and Micrococcus species. J Bone Joint Surg 57:40-49, 1975

Fraser–Smith EB, Matthews TR: Effect of ketorolac on Candida albicans ocular infection in rabbits. Arch Ophthalmol 105:264-267, 1987

Gupta PN, Ichhpujani RL, Bhatia R, Arora DR, Chugh TD: Corneal pathogenicity of Candida albicans in dexamethasone administered rabbits. J Commun Dis 15:36-39, 1983

O’Day DM, Head WS, Robinson RD, Yang R, Shetlar D, Wang MX: Contact lens-induced infection: A new model of Candida albicans keratitis. Iovs 40:1607-1611, 1999