Augenerkrankungen sind eine recht verbreitete Kaninchenkrankheit.

Viele Augenerkrankungen werden wie beim Menschen oder anderen Tieren behandelt, andere sind spezielle Kaninchenerkrankungen, z.B. wenn die Aderhaut des Auges durch E. Cuniculi entzündet ist.

Das Tückische dieser Erkrankungen ist, dass sie beim Kaninchen oft völlig falsch eingeschätzt werden. Wer schon einmal Augenentzündungen oder andere Erkrankungen des Auges hatte, weiß, wie schmerzhaft diese sein können, Kaninchen hingegen zeigen meistens normales Allgemeinbefinden, so dass man ihnen den Schmerz nicht ansieht. Die Schmerztherapie ist jedoch sehr wichtig bei solchen Behandlungen. Zudem werden einige Erkrankungen wie z.B. Augenausfluss als harmlos eingeschätzt, sind jedoch dringend behandlungsbedürftig, da sie sonst chronifizieren.

Wir empfehlen bei Augenkrankheiten einen Augenspezialisten (Fachtierarzt für Augenheilkunde) aufzusuchen.
Bei Augenausfluss und einem hervorstehenden/rausgedrückten Auge ist ein Zahntierarzt mit Kaninchenspezialisierung besser geeignet. Bei einer Uveitis ist vor allem wichtig, dass der Tierarzt kaninchenkundig ist, dann wählen Sie am besten einen aus dieser Liste: kaninchenkundige Tierärzte

Grafik: Talos

Pflege

Positiv auf die Heilung von Augenbeschwerden wirkt sich die richtige Umgebung aus. Ungeeignet ist jeglicher Zug oder Wind, Sonneneinstrahlung oder Licht, verrauchte, trockene oder kalte Luft.

Vorbegutachtung

Das Auge kann vor dem Tierarztbesuch begutachtet werden. Sind Verletzungen sichtbar? Ist das Auge selber oder nur der Augenrand betroffen? Lassen sich Fremdkörper im Auge feststellen (z.B. Heuhalme)? Hierfür sollte der untere Augenrand durch leichten Druck nach unten unter dem Auge gezogen werden, um dahinter zu sehen. Die Entfernung von Fremdkörpern ist für Laien nicht einfach, da durch die Pinzette das Auge verletzt werden kann. Nur selten halten die Kaninchen absolut still und es kommt oft zum Zappeln. Der Tierarzt entfernt geübt den Fremdkörper.
Achtung: Der erste Eindruck lässt keine Einschätzung zu, die meisten Hornhautverletzungen sind mit dem bloßen Auge nicht sichtbar und Fremdkörper können übersehen werden.

Medikamente eingeben

Der Tierarzt erklärt, wie Medikamente zu verabreichen sind. Meist ist es nötig, Salben und Augentropfen in das Auge zu geben. Tropfen sind angenehmer für das Kaninchen und einfacher zu verabreichen, Salbe hält länger vor, muss also seltener eingegeben werden.
Am stressfreisten ist die Eingabe, wenn das Kaninchen auf dem Boden fixiert und das Medikament so schnell wie möglich in das Auge gegeben wird. Ein Hochnehmen stresst das Kaninchen unnötig.

Augen spülen

Um das Auge zu spülen, eignet sich Tränenersatzflüssigkeit (künstliche Tränen), abgekochtes lauwarmes Wasser oder Kochsalzlösung (500ml abgekochtes, lauwarmes Wasser mit einem Teelöffel Salz). Bei der Anwendung wird immer mit einer durchtränkten Watte von außen nach innen über die Wimpern gewischt. Das Wattepad darf nur für einmal wischen verwendet werden, bei einem weiteren Wischen muss es erneuert werden.

Erblindete Kaninchen?

Es kommt nicht selten vor, dass Kaninchen ein- oder beidseitig erblinden. Anders als wir Menschen sind Kaninchen nicht vorrangig auf das Sehen konzentriert, sondern messen anderen Sinnen eine größere Bedeutung zu.
Einseitig erblindete Kaninchen haben zwar ein kleineres Blickfeld, ansonsten sind sie jedoch im Alltagsverhalten völlig unauffällig und nicht von anderen Kaninchen zu unterscheiden.
Beidseitig erblindete Kaninchen kommen auch erstaunlich gut klar, allerdings sollte man bei ihnen Umzüge, spitze oder gefährliche Gegenstände und ein Umstellen der Einrichtung vermeiden.

Pigmentflecken

Einige Kaninchen haben anders farbige Pigmentflecken im Augen, diese sind unter Umständen angeboren oder genetisch bedingt, meist jedoch erworben, z.B. durch eine zu spät oder nicht behandelte Keratitis (Hornhautentzündung) bzw. Verletzungen.

Oftmals sind betroffene Kaninchen um das Auge herum gescheckt.

Allerdings besteht Verwechslungsgefahr mit anderen Erkrankungen, z.B. mit einer akuten Keratitis.

Entzündung/Ausfluss des Tränennasenkanals (Dacryocystitis)

Jeglicher Augen-Ausfluss beim Kaninchen ist krankhaft und muss behandelt werden.

Augenausfluss

Die Dacryocystitis ist eine Entzündung oder Verstopfung der ableitenden Tränenwege (Tränenkanälchen, Tränennasenkanal und/oder Tränensack). Dadurch kommt es zu einem flüssigen oder weißlich-milchigen Ausfluss am Auge, der oft auch zu Verkrustungen im Fell und einer nassen Augenumgebung führt. Ist die Flüssigkeit durchsichtig, so handelt es sich meist um keine infektiöse Ursache. Im späteren Stadium quillt dickflüssiger, weißer Eiter heraus. Dieser Eiter kann auch von Abszessen an den Zahnwurzeln, die in den Tränennasenkanal quillen, herrühren. Bei dieser Erkrankung sind sehr oft auch andere Teile des Auges entzündet, z.B. die Hornhaut, Augenlider und Bindehaut, da sie sich ansteckend.

Verlauf des Tränennasenkanals beim Kaninchen

Ursachen für den Ausfluss oder eine Entzündung des Tränennasenkanals sind fast immer Zahnprobleme oder bakterielle Infektionen. Die Zahnwurzeln sind beim Kaninchen sehr nah am Tränennasenkanal angelegt, so dass bei zu langen Zähnen (mangels ausreichenden Zahnabrieb (bzw. auch dadurch ausgelöst durch retrogrades Wachstum) oder durch Fehlstellungen der nachwachsenden Zähne) die Zahnwurzeln durch eine Schwellung den Tränennasenkanal behindern können. Oftmals führen auch entzündete Zahnwurzeln zu einer Entzündung und Eiter im Tränennasenkanal oder umgekehrt. Mehr dazu unter Kieferabszesse.

Kaninchen mit sehr runden Köpfen, Widder und Zwergenrassen leiden erblich bedingt häufig an Zahnerkrankungen, die sich auf den Tränennasenkanal auswirken. Bei Siehe Kurzköpfigkeit

Haarausfall ums Auge herum durch Tränenflüssigkeit (Ursache: Zahnerkrankung)

Oft haben einzeln gehaltene Kaninchen durchsichtigen Ausfluss, ohne dass sich eine Ursache finden lässt, der nach der Vergesellschaftung plötzlich weg ist. Manche Halter sprechen von einem „Weinen“ bei ihren unglücklichen Einzelkaninchen. Eine mögliche Erklärung wäre, dass das Immunsystem durch die Einzelhaltung geschwächt ist und es so zu der Erkrankung kommt. Oder aber das Partnertier putzt nach der Vergesellschaftung den Ausfluss weg, so dass er nicht mehr sichtbar ist.

Der Tränennasenkanal wird als erstes vom Tierarzt gespült (ist jedoch nicht immer durchgängig). Sollte er nicht durchgängig sein, so stecken meistens Zahnerkrankungen dahinter. Die Zahnwurzeln wachsen in den Tränennasenkanal oder engen ihn durch Schwellungen/Entzündungen ein. In selten Fällen kann der Tränennasenkanal auch durch die chronische Entzündung verlegt oder erweitert sein, bzw. das Sekret ihn verstopfen. Durch Kontrastmittelgabe in den Tränennasenkanal und anschließendes Kopf-Röntgen (Schrägbilder) kann die Ursache der schlechten Durchgängigkeit genauer festgestellt werden.

„Unauffälliger“ Augenausfluss: Bei diesem Tier steckten sehr schlechte Zähne dahinter, was nur im Röntgen sichtbar war.

Es sollte grundsätzlich abgeklärt werden, ob die Erkrankung auf die Zähne zurück zu führen ist (Röntgenbilder aus vier Ebenen), denn dies ist meistens die Ursache. Retrogrades Wachstum ist nur durch ein Röntgenbild feststellbar. Dann müssen natürlich auch die Zähne entsprechend behandelt werden (ggf. bei zu geringen Zahnabrieb auch Futterumstellung). Bei retrogradem Wachstum werden die Zähne unter Narkose korrigiert und so kurz geschliffen, dass das Kaninchen sie kurfristig nicht zum kauen nutzen kann, damit das retrograde Wachstum gestoppt wird. Zusätzlich muss das Futter auf reine Grünfutterernährung umgestellt werden. Siehe Zahnerkrankungen. Durch Abschleifen der Zähne verschwindet auch nach einer Weile automatisch der Augenausfluss. Bei Abszessen an der Zahnwurzel kann auch die Entfernung der betroffenen Zähne nötig sein (siehe Kieferabszesse).

Je nach ermittelter Ursache kann diese behoben werden (z.B. Zahnbehandlungen), sonst wird der Ausfluss immer wieder kommen… Zusätzlich ist die antibiotische Behandlung entscheidend. Tropfen sind dabei besser als Salben geeignet, da die Salben den Tränennasenkanal zusätzlich verstopfen können. Ebenfalls kann der Tränennasenkanal beim Spülen mit dem Antibiotikum aufgefüllt werden. Sollten die Augentropfen nicht wirken, kann versucht werden, einen Abstrich mit Antibiogramm zu erstellen um ein wirksames Antibiotikum zu ermitteln. Bei einer chronischen Erweiterung des Tränennasenkanals kann eine langfristige intensive Behandlung mit Tropfen zum Erfolg führen, oftmals ist eine Kombination mit einem systemischen Antibiotikum hilfreich. Während der Haltung sollte auf eine gute Belüftung und häufiges Misten (Ammoniak!) und staubfreie Einstreu geachtet werden.

Bitte suchen Sie bei Augenausfluss einen Kaninchen-Zahntierarzt aus dieser Liste auf. Andere Tierärzte sind mit der speziellen Anatomie des Tränennasenkanals und den Zusammenhang mit Zahnerkrankungen oftmals nicht vertraut.

Lidverletzung

Durch Rangkämpfe kann es zu Verletzungen der Augenlider kommen, die tierärztlich behandelt werden müssen. Unbehandelt kann die Hornhaut durch das Lid verletzt oder gereizt werden. Oft ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Zudem verordnet der Tierarzt antibiotische Medikamente. Es sollte auch abgeklärt werden, ob das Auge ebenfalls verletzt ist. Es sollten keinesfalls cortisonhaltige Augentropfen oder -salben eingesetzt werden!

Augenentzündungen

Lidbindehautentzündung (Konjunktivitis)
Die Konjunktivitis ist eine Entzündung der Bindehaut (die Bindehaut ist die Schleimhaut rings herum um das Auge, die beim Zwinkern das Auge befeuchtet) und tritt beim Kaninchen sehr häufig auf. Sie äußert sich durch eine gerötete oder auch geschwollene Bindehaut. Oft ist auch klarer Tränen-Ausfluss vorhanden, bei bakteriellen Ursachen meist sogar eitriger Ausfluss.

Augelöst wird sie bei einer Reizung am Auge durch Zugluft, eine hohe Staubbelastung oder schädliche Stoffe in der Luft (Ammoniak bei schlechter Hygiene im Kaninchengehge oder Rauch in verrauchten Räumen) oder Fremdkörper (z.B. Heu und Einstreu), die ins Auge gelangt sind.

Entzündung/Verletzungen am Lid durch Bisse.

Verletzungen durch Bisse oder Kratzer führen ebenfalls häufig zur Konjunktivitis. Auch Allergien kommen ursächlich in Frage. Diese Form der Konjunktivitis ist meist einseitig und nicht ansteckend.
Eine Konjunktivitis kann jedoch auch durch Bakterien (z.B. Pasteurellen/Kaninchenschnupfen), Viren (z.B. Myxomatose) und Pilze (sehr selten) ausgelöst werden und ist dann prinzipiell ansteckend und meist beidseitig. Ein entzündeter Tränennasenkanal (Dakryozystitis) löst oftmals ebenfalls eine Bindehautentzündung als Sekundärerkrankung aus, deshalb sollte immer geröngt werden um Zahnprobleme auszuschließen, er ist eine der häufigsten Ursachen!

Die Konjunktivitis wird immer mit Augentropfen oder -salben behandelt. Oft sind auch Euphrasia Augentropfen sinnvoll. Bei allergischen Bindehautentzündungen wirken Echinacea Augentropfen. Bei nur sehr leichten Bindehautentzündungen, die nicht von Verletzungen herrühren, kann Bepanthen Augensalbe angewendet werden. Zusätzlich werden Ursachen behoben und beteiligte Grunderkrankungen behandelt. Ein kortisonhaltiges Medikament darf allgemein nur eingesetzt werden, wenn die Hornhaut intakt ist, allerdings sollte auf solche Medikamente verzichtet werden, da Cortison von Kaninchen (anders als bei Menschen oder Hunden) sehr schlecht vertragen wird, die Leber schädigt und das Immunsystem schwächt, es kann laut Studienergebnissen die Lebenserwartung der Kaninchen stark verkürzen.

Keratitis durch Pilz und Pilzerkrankung am Auge
Bakterielle Keratitis

Hornhautentzündung (Keratitis), Hornhautverletzungen

Bitte bei Verletzungen einen tierärztlichen Notdienst aufsuchen! Augenverletzungen sind ein Notfall!

Die Keratitis ist eine Entzündung einer oder mehrerer Hornhautschichten (die Hornhaut ist die Schicht über dem Auge, also die „Linse“). Bei einer Hornhautentzündung ist das Kaninchen lichtempfindlich, deshalb und auf Grund von Schmerzen, kneift es unter Umständen die Augen zu oder schließt es häufiger als gewöhnlich. Im Auge lassen sich (nicht immer) leicht trübe bis weiße Stellen feststellen oder das gesamte Auge ist bereits mit einer weißen Schicht überzogen. Das Auge tränt oft auch etwas, teils eitert es auch. Zudem kann man gelegentlich rötliche Gefäße im Auge erkennen, dabei handelt es sich um Gefäßeinsprossungen. Nicht selten ist die Keratitis von anderen Augenerkrankungen begleitet, die weitere Symptome hervorrufen.

Kaninchen mit Rollied vor der OP
Direkt nach der Operation

Hornhautentzündungen können durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Verletzungen am Auge oder Fremdkörper (z.B. Heuhalme, Dreck, Dornen, Zweige, Haare – besonders bei langen Haaren ums Auge herum) sind eine häufige Ursache, diese Verletzungen und Fremdkörper sind mit dem bloßen Auge meist nicht sichtbar. Auch Viren (Myxomatose etc.) und Bakterien (z.B. Kaninchenschnupfen) können beim Kaninchen eine Keratitis auslösen, wenn die Kaninchen länger unbehandelt an einer Konjunktivitis oder Dakryozystitis litten. Sehr selten ist eine Lidfehlstellung (z.. ein Rolllid), wodurch das Auge gereizt wird, ursächlich. Diese ist angeboren und kann operativ korrigiert werden (Entfernung des Lidrands, so dass die Wimpern nicht mehr auf das Auge reiben oder Fixierung des Randes nach oben, so dass das Rolllied verwächst. Teils ist auch ein reines Hochkleben des Augenrandes im Wachstum erfolgsversprechend, sofern es gut fixiert wird.

Um festzustellen, ob die Hornhaut intakt oder verletzt ist, wird ein fluoreszierender Farbstoff ins Auge geträufelt und mit einer Spaltlampe das Ergebnis begutachtet. Man unterscheidet Abschürfungen (oberflächlich), perforierende (durchstoßende) und nicht-perforierende Verletzungen. Die Kaninchen erhalten Augentropfen oder -salben um die Keratitis zu behandeln. Bei intakter Hornhaut werden oft cortisonhaltige Augentropfen verabreicht, die von Kaninchen jedoch schlecht vertragen werden, das Immunsystem und die Leber schädigen, sowie die Lebenserwartung verkürzen. Bei Verletzungen der Hornhaut dürfen nur antibiotische Augentropfen angewendet werden. Oft werden auch Hornhaut-regenerierende Salben verodnet. Die Keratitis ist sehr schmerzhaft (auch wenn man es den betroffenen Kaninchen kaum anmerkt) und kann unbehandelt zur Erblindung führen.

Aderhautentzündung (Uveitis)
Die Uveitis ist eine sehr schmerzhafte Entzündung des inneren Auges, genauer gesagt der Aderhaut (Uvea). Beim Kaninchen wird sie meist durch eine Infektion mit E. Cuniculi (phakoklastische Uveitis) oder Pasteurellen ausgelöst (ein- oder beidseitige Uveitis), manchmal auch durch stumpfe Traumen oder einen Tumor (eher einseitige Uveitis). Die Uveitis äußert sich durch milchig gefärbte oder trübe Bereiche in der Iris oder Linse, ähnlich wie bei einer Hornhautentzündung. Durch Blutungen im Auge können sogar rötliche Bereiche auftreten. Teils blinzeln die Kaninchen häufiger als sonst und kneifen das Auge zu. Die Bindehaut kann gerötet sein, die Pupillen sind manchmal verengt (Miosis), das Kammerwasser (Wasser hinter der Hornhaut) getrübt und der Tierarzt kann einen erhöhten inneren Augendruck feststellen. Viele betroffene Kaninchen sind durch die Schmerzhaftigkeit auffällig ruhig oder zurückgezogen.

Die Behandlung der Uveitis ist je nach Ursache sehr unterschiedlich. Antibiotische Augentropfen werden fast immer angewendet, bei der phakoklastischen Uveitis sollte zusätzlich zu tetrazyklinhaltiger Augensalbe ein systemisches Antibiotikum und Panacur verabreicht werden. Die Gabe von Cortison bei Uveitis wird konträr diskutiert, da Kaninchen sehr sensibel auf Cortison reagieren, wobei Augen-Tierärzte tendenziell eher dazu raten. Beim Einsatz von Cotison sollte unbedingt Leberschutz gegeben werden. Ist der Augeninnendruck zu hoch (Glaukom), so werden Augentropfen verschrieben, die diesen senken. Wenn diese nicht ausreichend anschlagen, muss das Auge leider komplett entfernt werden, da der erhöhte Augeninnendruck sehr schmerzhaft ist. Meistens ist auch eine Schmerzmittelgabe erforderlich. Atropinhaltige Augentropfen können örtlich im Auge den Schmerz dämpfen. 

Eine Uveitis kann zu einem Glaukom, Katarakt oder einer Netzhautablösung führen.

Abszess im Auge

Abszess im Auge sind eher selten, werden aber gerne mit einer Uveitis verwechselt und dann falsch behandelt. Deshalb möchten wir hier darauf hinweisen.

Fallbeispiel: Dieses Kaninchen wurde zunächst auf eine Uveitis hin behandelt. Auf den Fotos ist zu sehen, dass der Abszess immer größer wurde und den Augapfel sehr stark veränderte. Als der Abszess erkannt wurde, war der Zustand bereits so schlecht, dass das Auge entfernt werden musste.

Ossäre Choristie (Augenverknöcherung)

Die Ossäre Choristie ist eine Erkrankung, bei der sich Knorpel- und Knochengewebe innerhalb des Auges bildet. Beim Kaninchen kommt sie sehr selten vor, beim Meerschweinchen häufiger. Zusätzlich ist meist der Augeninnendruck erhöht.

Ossäre Choristie wird vererbt, betroffene Kaninchen müssen aus der Zucht genommen werden. Eine Behandlung ist leider nur begrenzt möglich.

Grauer Star (Katarakt, Linsentrübung)

Grauer Star ist eine Trübung der Linse. Er kann erblich bedingt sein oder als schleichende Alterserkrankung auftreten, sehr häufig ist er jedoch auf E. Cuniculi zurück zu führen. Ebenfalls kann Diabetes einen Katarakt auslösen.

Das Symptom Katarakt kann nur durch eine spezielle und zügige Operation behandelt werden, zudem kann bei einer Behandlung der Grunderkrankung der Krankheits-Verlauf gestoppt oder verzögert werden. Deshalb ist es wichtig, die Krankheit, welche dahinter steckt, zu diagnostizieren und auch zu behandeln.

Grüner Star (Glaukom, erhöhter Augeninnendruck)

Das Glaukom ist eine verstärkte Wölbung des Augapfels (vergrößertes Auge), die sich vielfältig äußern kann und mit einem erhöhten Augeninnendruck einhergeht. Oft wird das Auge zugekniffen oder verstärkt gezwinkert und Lichtempfindlichkeit gezeigt, mitunter erscheint es rötlich durch die starke Durchblutung, die Pupille ist nicht selten recht groß. Bedingt durch den vergrößerten Augapfel, kann es jedoch nicht immer das Auge vollständig schließen, die Bereiche des Auges, die nicht von den Lidern bedeckt werden, bekommen eine grau-weiße Schicht. Ein Glaukom ist sehr schmerzhaft, den Kaninchen merkt man die Schmerzen jedoch selten an. Meistens werden sie jedoch ruhiger und zurückgezogener.

Der grüne Star entsteht beim Kaninchen meist durch Vorerkrankungen, z.B. durch eine Uveitis. Der Druck im Auge steigt extrem an, die Linse kann sich jedoch nicht ausdehnen. Ursache ist ein Ungleichgewicht in der Kammerwasser-Zirkulation. Normalerweise zirkuliert das Kammerwasser durch den Kammerwinkel zwischen der vorderen und hinteren Augenkammer. Ist der Kanal im Kammerwinkel nicht durchgängig, so wird in der hinteren Augenkammer weiter Kammerwasser produziert, das jedoch nicht in die vordere Augenkammer abfließen kann, so dass es zu einem starken Augeninnendruck kommt. Ebenfalls zu einem erhöhten Augeninnendruck kann es kommen, wenn zu viel Kammerwasser produziert wird.

Der Augeninnendruck sollte mit Medikamenten gesenkt werden, sofern die Erkrankung frühzeitig behandelt wird. In späteren Stadien ist das oft nicht mehr so leicht möglich, so dass das Augen entfernt werden muss, um die Schmerzen zu beseitigen. Ein Glaukom ist sehr schmerzhaft, unbehandelt erblindet das Kaninchen. Trotzdem muss auch nach der Erblindung noch das Glaukom behandelt werden, da das blinde Kaninchen weiterhin unter starken Schmerzen leidet. Der Schmerz wird selten durch Zukneifen, häufiger durch Verhaltensänderungen wie z.B. Rückzug und apathisches Verhalten gezeigt.

Exophthalmus (hervortretendes Auge)

Beidseitig hervorstehendes Auge durch ein Thymom

Das Auge tritt dabei aus der Augenhöhle hervor.
Ausgelöst wird die Problematik einseitig meist durch Zahnerkrankungen, die einen Abszess hinter dem Auge auslösen oder (seltener) durch Tumoren in der Nähe vom Auge. Beidseitiger Exophthalmus wird meist durch Herzerkrankungen oder Tumoren bzw. Abszesse in der Nähe vom Herzen ausgelöst. Insbesondere ist dabei das Thymom hervorzuheben. Oftmals auch verbunden mir einer schlechten Nahrungsaufnahme und Verhaltensveränderungen bzw. Rückzug des Tieres. Das Auge trocknet ggf. teils ein, da der Lidschluss erschwert wird.

Die Therapie richtet sich mach der Ursache.

Besonders die Zähne sollten durch Röntgenbilder des Kopfes (in mehreren Ebenen) und eine genaue Untersuchung der Mundhöhle als Ursache ausgeschlossen werden. Wenn sie jedoch die Ursache sind, muss der betroffene Zahn entfernt und der Abszess herausoperiert werden. Das Auge wird dabei entfernt und mit einem wirksamen Antibiotikum (bewährt hat sich Penicillin wie z.B. Duphamox, gespritzt, niemals oral!) über mindestens einen Monat bzw. deutlich über die Heilung hinaus, versorgt. Auch Abszesse können i.d.R. gut entfernt werden. In seltenen Fällen ist weder ein Abszess, noch ein Tumor hinter dem Auge zu finden, dann kann versucht werden, das Auge zu erhalten. Es ist auch möglich, das Auge mit Abszess zu erhalten, allerdings ist dies sehr viel teurer und funktioniert oftmals nicht, so dass dann doch noch das Auge entfernt werden muss. Da Kaninchen sich nicht so sehr über das Sehen orientieren, macht ihnen die Entfernung wenig aus. Das Auge muss auf Grund der starken Schmerzen, die zu Kreislaufversagen führen können, zeitnah entfernt werden! Bis zur OP muss starkes Schmerzmittel gegeben werden.

Um Erkrankungen des Herzens auszuschließen, ist besonders bei beidseitigen Exophthalmus ein Herzultraschall sinnvoll. Dabei werden auch Abszesse, Tumoren, Lymphome und Thymome am Herzen erkannt. Teils ist eine solche Erkrankung auch schon im Röntgen feststellbar. In solchen Fällen werden die hervortretenden Augen wie in den obigen Links beschrieben nach der Ursache behandelt.

Augapfelentfernungen

Nickhaut-Vorfall (Nickhautdrüsenhyperplasie)

Die Nickhaut (Nickhautdrüse, drittes Augenlid) ist beim Kaninchen normalerweise nicht sichtbar. Sollte diese (zeitweise) sichtbar sein, so liegt eine Erkrankung vor. Oft ist sie im Krankheitsfall z.B. nur bei Stress oder Hitze, teils auch bei einem Senken des Kopfes vor geschoben. Häufige Ursachen sind beispielsweise eine Verletzung oder ein Trauma der Nickhaut, eine Umfangsvermehrung in der Nähe vom Herzen (Thymom, Lymphom…) bzw. dadurch bedingter Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Augenerkrankungen, Abszesse/Tumore hinter dem Auge, Infektionen (Kaninchenschnupfen) und viele andere Ursachen. Deshalb ist die Diagnose nicht immer ganz einfach. Es sollte unbedingt ein Herzultraschall durchgeführt und das Auge genau untersucht werden.

Fettauge

Das Fettauge ist eine Erkrankung am Auge, die sich durch das hängende Augenlid und den hervorragenden Bindehautsack unter dem Auge äußert. Das Fettauge wird vererbt, deshalb ist es besonders bei einigen Rassen ausgeprägt (z.B. Deutsche Riesen, Deutsche Riesenschecken), wird fatalerweise jedoch oft mitgezüchtet, da es sich erst nach einigen Lebensmonaten (ca. nach der Pubertät) entwickelt. Betroffene Kaninchen müssen aus der Zucht genommen werden.

Häufig eingesetzte Medikamente

Antibiotische Salben/Tropfen (z.B. Floxal, Chibroxin, Refobacin, Posifenicol, Gent Ophtal, Oxytetracyclin…)
Diese werden bei Entzündungen am oder um das Auge herum verwendet wenn diese bakteriell bedingt sind.

Cortisonhaltige Salben/Tropfen (z.B. Ultracortenol, Isopto-Max etc.)
Diese sind beim Kaninchen sehr umstritten bzw. bei den meisten Krankheiten (Ausnahme: Uveitis) ungeeignet, sie können die Lebenserwartung verkürzen, das Immunsystem schädigen und sich negativ auf die Leber auswirken. Verwendet werden sie bei nicht-infektiösen Augenentzündungen oder Entzündungen um das Auge herum. Sie dürfen niemals bei Hornhautverletzungen verwendet werden, da sie die Heilung verhindern. Wir verwenden immer Alternativen und keine cortisonhaltigen Augentropfen.

Regenerierende Salben/Tropfen (z.B. Corneregel, Regepithel etc.)
Diese werden in der Regel bei Hornhautdefekten angewendet.

Feuchtigkeitstropfen
Diese werden verwendet, wenn das Auge über keinen ausreichenden Tränenfluss verfügt, z.B. weil es nicht ganz geschlossen werden kann.

Vitamin A haltige Augensalben/-tropfen (z.B. Vitagel)

Atropinhaltige Augentropfen
Vielfältiger Einsatz, u.a. zur Pupillenerweiterung, um Schmerzen zu reduzieren und um Verwachsungen zu vermeiden.

Augentropfen, die den Augeninnendruck senken (Azopt, Travatan, Xalatan, Azarga…)
Diese Tropfen senken den Augeninnendruck, beispielsweise bei einem Glaukom.

Bepanthen Augen- und Nasensalbe
Bei Haut-/Schleimhauterkrankungen.

Homöopathische Augentropfen
Verbreitet sind Echinacea und Euphrasia Augentropfen. Letztere werden bei Entzündungsgeschehen eingesetzt, erstere regulieren den Flüssigkeitshaushalt im Auge.

Quellen u.a.:
Böhmer, E. (2011): Zahnheilkunde bei Kaninchen und Nagern: Lehrbuch und Atlas; mit 27 Tabellen. Schattauer.
Ewringmann, A. (2016): Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie; Georg Thieme Verlag.
Gabriel S. (2016): Praxisbuch Zahnmedizin beim Heimtier. Stuttgart: Enke
Glöckner, B. (2016): Dacryocystitis beim Kaninchen. team. konkret, 12(04), 8-13.
Künzel, Frank (2013):  Thymom – ein unterdiagnostiziertes klinisches Problem beim Kaninchen? Veterinär-Spiegel 23.01: 22-25.
Morrisey, J. K., & McEntee, M. (2005): [Englisch] Therapeutic Options for Thymoma in the Rabbits
Zinke, J. (2004): Ganzheitliche Behandlung von Kaninchen und Meerschweinchen: Anatomie, Pathologie, Praxiserfahrungen; Georg Thieme Verlag.