Herzerkrankungen

Foto: Peulle

Herzerkrankungen können sowohl angeboren oder vererbt sein, als auch in Folge von verschleppten/unbehandelten Infektionen, z.B. durch Kaninchenschnupfen oder eine Lungenerkrankung auftreten. Besonders häufig betroffen sind große Kaninchenrassen. Der größte Teil der herzkranken Kaninchen erwirbt die Krankheit jedoch durch die Ermüdung des Herzes im Alter (Alterserscheinung). Besonders große und sehr kleine Kaninchen sind häufig betroffen. Herzerkrankungen treten in der Regel ab ca. 5,5 Jahren auf, bei großen Rassen auch früher. Ein Mangel an Vitaminen und Mineralien, z.B. von Vitamin D, spielt ebenfalls eine Rolle, Stress, Bewegungsmangel und Übergewicht können sich zusätzlich negativ aufs Herz auswirken.

Symptome

Herzerkrankungen werden meistens sehr spät oder zu spät festgestellt, da die ersten Symptome unauffällig sind. Das erste Anzeichen ist meistens, dass betroffene Kaninchen nicht ausgelassen herumtollen, Freudensprünge zeigen etc. sondern gegenüber Gleichaltrigen eher „ruhig“ sind.

  • Bewegungsunlust: das Kaninchen bewegt sich weniger
  • Verminderter Appetit, Abmagerung, Appetitlosigkeit
  • Schnelle Ermüdung, schlechte Kondition: das Kaninchen wirkt nach kleinerer Anstrengung erschöpft und atmet schwer
  • Blähungen
  • (zeitweise) vorgeschobene Nickhaut, z.B. bei Hitze oder Stress
  • Heraus“quillende“ Augen, herausstehende Augen
  • Bewegungsstörungen, unsicherer Gang, Anfälle, Koordinationsprobleme etc.
  • Herzgeräusche (Knattern, besonders bei Stress)
  • Schwäche

Akute Anzeichen für Herzversagen:

  • Atemnot, starke Flankenatmung, starke Nasenatmung (Nasenbewegungen), offener Mund (durch Wasser in der Lunge/Lungenödem)
  • schneller Herzschlag (gesunde Kaninchen haben im Ruhezustand eine Herzfrequenz mit etwa 140 bis 180 Schlägen pro Minute, bei Stress über 300 Schläge je Minute, also über fünf Schläge je Sekunde)
  • Offener Mund
  • Kopf anheben um besser Luft zu bekommen (im Endstadium), im Extremfall wird der Kopf in den Nacken gelegt
  • Wasser im Bauch/Wasseransammlungen/Ödem (Thoraxerguss)

Fallbeispiel Krümel, Mecklenburger Schecke (großes Kaninchen), ca. 5,5 Jahre alt. Mit 5 Jahren nach Silvester zeitweises Vorschieben der Bindehaut (wurde mit Augentropfen behandelt), ein halbes Jahr später über Nacht akutes Herzversagen mit Wasser in der Lunge und im Abdomen, ruhiges Verhalten, aber frisst. Entwässerung mit Dimazon und ACE-Hemmer als Dauermedikation führten zur Stabilisierung. Ein Herzultraschall wenige Wochen später zeigte, dass Krümel ein gesundes Herz, aber eine Umfangsvermehrung neben dem Herzen hat, die auf das Herz drückt. In Frage kommt ein Abszess, Tumor oder ein Thymom.
Im Video ist Krümel etwa sechs Stunden nach der ersten Entwässerungsspritze zu sehen. Starke Flankenatmung, starke Nasenatmung, Wasser im Bauch (hängt herunter), vorgeschobene Nickhaut:

Diagnostik

Bei der Diagnostik sollte beachtet werden, dass betroffene Kaninchen meist sehr stressanfällig sind und beispielsweise beim Röntgen versterben können.

  • Abhören mit einem Stethoskop
  • Röntgen
  • Herz-Ultraschall (Echokardiografie)
  • Herz-EKG

Ein Herz-Ultraschall ist unbedingt anzuraten um Differenzialdiagnosen (z.B. Lungenentzündung, SchilddrüsenerkrankungenTumore, Abszesse, Thymom etc. die das Herz einschränken…) auszuschließen und festzustellen, welche Herzerkrankung vorliegt. Dann können auch die Medikamente richtig angepasst werden. Ein Herzultraschall wird normalerweise so durchgeführt, dass das Kaninchen normal sitzen kann und der Schallkopf von unten heran geführt wird. So ist das Verfahren stressfreier, was sehr wichtig ist. Der Herzultraschall wird normalerweise nicht bei akuter Atemnot sondern erst, wenn eine Stabilisierung erreicht werden konnte, durchgeführt.

Therapie

Die Therapie sollte möglichst schonend erfolgen, da z.B. Zwangs-Eingaben von Medikamenten oftmals mehr anrichten als unterstützen. Suchen Sie eine schonende Möglichkeit der Eingabe, z.B. indem Sie das Medikament in einem leckeren Lieblingsfressen verstecken.
Nach umfangreicher Diagostik verschreibt der Tierarzt geeignete Medikamente (je nach Herzerkrankung), z.B.

  • Cortison bei akuter Atemnot (einer der wenigen Fälle, bei denen Cortison beim Kaninchen gegeben werden darf!), nur kurzfristig
  • Pflanzliche Präparate wie z.B.
    Cardio Komplex,
    Cardio Liquid,
    Weißdornextrakt (Crateagutt Tropfen, Crataegus ad usum vet),
    Schwarzkümmelöl
  • Diuretika (Entwässerung, wenn Wasser in der Lunge ist, z.B. Furosemid, Dimazon),
  • ACE-Hemmer bei Herzinsuffizienz (z.B. Prilium) und
  • Herzglycoside (dürfen nicht auf Verdacht hin, sondern nur nach aufwändiger Diagnostik verschrieben werden!)

Es ist empfehlenswert, einen Tier-Kardiologen aufzusuchen.

Die Medikamente müssen in der Regel durch Beobachtung und „Ausprobieren“ in der richtigen Dosierung angepasst werden.

Wichtig: Vermeiden Sie hohe Luftfeuchtigkeit und Hitze, jeglichen Stress und Narkosen.

Schuhmann, B., Helmich, K. (2014): Herzerkrankungen bei Kaninchen.