Würmer, Wurmbefall

wuermer-kaninchen Besonders häufig wird das Kaninchen von Passalurus ambiguus und anderen Fadenwürmern/Rundwürmern befallen (z.B. Graphidium strigosum, Trichostrongylus retortaeformis), selten auch mal von Bandwürmern (Anoplocephaliden), Saugwürmern (Trematoden) und Lungenwürmern (Metastrongylus, Protostrongylus).

Diagnose: Woran erkenne ich einen Wurmbefall?

Festgestellt wird ein Wurmbefall durch eine Sammel-Kotprobe von mindestens drei Tagen, da Würmer zyklisch ausgeschieden werden. Leider gibt es auch oft Kotproben, die keine Eier oder Würmer enthalten, obwohl die Kaninchen betroffen sind. Die häufigste Wurmart, Passalurus ambiguus, ist in Kotproben häufig nicht feststellbar, sicherer ist die Diagnose dieser Wurmart durch einen Tesa-Abklatsch vom Anus. Oft werden die Würmer auch mit dem Kot ausgeschieden und dadurch sichtbar. Vor jeder Impfung und bei Verdacht auf Wurmbefall sollte eine Kotprobe (drei Tage lang den Kot sammeln und beim Tierarzt abgeben) untersucht werden.Kaninchen stecken sich meist beim Fressen von mit Wurmeiern verseuchten Futter (Wildpflanzen oder gekauftes Gemüse) oder bei der Körperpflege an. Ist ein Kaninchen einmal infiziert, so infiziert es sich ständig neu bei der Blinddarmkotaufnahme. Sehr gesunde Kaninchen mit intakten Immunsystem bekommen in der Regel keinen Wurmbefall. Würmer ernähren sich im Verdauungssystem vom Nahrungsbrei, deshalb kann es beim Kaninchen bei einem Befall zu Nährstoffmängeln und Abmagerung kommen. Besonders im Wachstum wirkt sich das fatal aus. Ein Wurmbefall wird oft bei Routine-Kotuntersuchungen festgestellt (Wurmeier oder Würmer), denn viele Kaninchen zeigen keine Symptome.  Er kann jedoch auch durch Verdauungsprobleme sichtbar werden. Besonders oft kommt es zu Durchfällen, Blähungen, Verstopfungen, Abmagerung und einem angeschlagenen Allgemeinbefinden, oft verbunden mit starken Haarwechsel. Gerade junge oder geschwächte Kaninchen zeigen häufig Symptome wie z.B. Durchfall.

Ursachen

Folgende Faktoren begünstigen einen Wurmbefall:

  • Grünfutter sammeln auf Feldern die von Wildkaninchen oder Feldhasen frequentiert werden. Kontakt zu erkrankten Kaninchen. Waschen Sie Frischfutter unter fließenden Wasser ab, um Würmern vorzubeugen.
  • Eine ungesunde Ernährung die nicht auf Frischfutter (insbesondere Grünfutter) basiert
  • Eine einseitige oder übervorsichtige Ernährung (Kaninchen brauchen viele Pflanzen, die auf einigen Listen als „giftig“ angegeben werden um gesund zu bleiben, oft orientieren sich diese Listen an Hunden, Katzen, Pferden oder Menschen, die diese Pflanzen nicht so wie Kaninchen vertragen).
  • Eine angegriffene Darmflora, z.B. durch Medikamente, Narkosen, eine zu frühe Trennung von der Mutter, Erbkrankheiten usw.
  • Unzureichende Hygiene im Kaninchengehege, Füttern vom Boden (Futter-Kontakt mit dem Kot), Kokzidien machen grundsätzlich auch Entwicklungsstadien außerhalb des Körpers durch und werden durch kontaminiertes Futter wieder aufgenommen.
  • Stress, z.B. durch Umzüge, unharmonische Gruppen, Vergesellschaftungen, häufiges Herumtragen und auf den Arm nehmen, wenig Platz (Haltung im Stall/Käfig)
  • Andere Erkrankungen, die das Kaninchen schwächen

Behandlung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Wurmbefall tierärztlich zu behandeln. Dabei kommt es auch auf die Wurmart an.

  • Am besten verträglich und für fast alle Würmer (Ausnahme sind z.B. Bandwürmer) geeignet ist die Behandlung mit Fenbendazol (Panacur® Pet-Paste oder Panacur Suspension, 5-20 mg/kg). Viele Kaninchen fressen es freiwillig, wenn man es mit Haferschmelzflocken oder Babygläschen der Geschnacksrichtung Apfel-Banane-Hafer (ohne Joghurt) oder mit zerdrückter Banane vermischt. Empfohlen wird der Rhythmus 5 – 5(-14) – 5 (5 Tage geben, 5-14 Tage nicht geben, 5 Tage geben). Mittlerweile geht diese Empfehlung jedoch dazu über, dass eine einmalige 5-Tage-Kur fast immer völlig ausreicht, bzw. eigentlich sogar eine 3-Tage-Kur.
  • Weitere verbreitete Medikamente sind Febantel (Rintal®, Welpan®, 10mg/kg, 1-5 Tage oder 3-14-3) und Mebendazol (Telmin®, 20mg/kg, 3-5 Tage oder 3(-5)-14-3(-5)), dieser werden insbesondere eingesetzt, wenn Panacur nicht wirkt bzw. Resistenzen vorhanden sind.
  • Neben der tierärztlichen Therapie gibt es die Möglichkeit, den Wurmbefall mit Kräuterauszügen zu behandeln, diese sind auch vorbeugend möglich. Einige Präparate mit Kräuterauszügen oder Kräutermischungen: AniForte Wurm-Formel, VermX, 7 Kräuter Wurmkur, Asvet Worm Stop und Wurm-O-Vet und Schwarzkümmelöl (in großen Mengen)
  • Recht gute Erfahrungen haben wir mit Kokosöl gemacht (kaltgepresst, z.B. aus dem Reformhaus oder Bioladen), es sollte ca. 3-5 Tage ein Tl je Tier verabreicht werden. Die enthaltene Laurinsäure tötet die Würmer ab, andere Bestandteile puschen das Immunsystem und bauen die Darmflora wieder auf.
  • Folgende Präparate unterstützen die Darmflora und bekämpfen somit indirekt die Würmer (und verhindern eine erneute Wurmplage): cdVet DarmAktiv, RodiCare akut, Rodicolan, Colosan und Herbi Colan. Diese Produkte verhindern außerdem einen erneuten Wurmbefall.
  • Diese Futterpflanzen beugen einem Wurmbefall vor und können einen Befall verringern oder sogar abtöten: Wurmfarn (nur bei Kaninchen die viele Pflanzen gewohnt sind, z.B. freilaufenden Kaninchen, in sehr kleinen Mengen), Thymian, Wermut, Beifuß, Rainfarn (auch in größeren Mengen täglich geeignet), Kresse aller Art, Berufkraut, Heidelbeeren, Knoblauch, Frühlingszwiebeln, Bärlauch, Schnittlauch, Lauch (Porree), Kürbiskerne und viele Wald-, Wiesen- und Küchenkräuter.
  • Meerrrettich und Ingwer über einen längeren Zeitraum verabreicht reduzieren Würmer sehr stark, besonders in Kombination mit Ingwer. Dazu gibt es Studien an Schafen und Hunden. Nicht immer schaffen es diese beiden Komponenten, die Würmer vollständig zu vernichten, reduzieren sie jedoch mindestens soweit, dass keine Gesundheitsprobleme auftreten. Sie sind eine sinnvolle Nahrungsergänzung für Kaninchen, die zu Wurmbefall neigen.
  • Wenn zusätzliche Symptome bestehen (z.B. Durchfall) müssen diese selbstverständlich zusätzlich symptomatisch behandelt werden.

Beachten Sie bitte unbedingt unsere Hinweise zu wirksamen Parasiten-Behandlungen: Neue Wege in der Parasitenprophylaxe

Wichtig: Kaninchen-Würmer können Hunde und Katzen besiedeln und umgekehrt, wenn diese den Kot der Kaninchen fressen (gerade Hunde lieben Kaninchenkot). Lassen Sie im Zweifelsfall Kot untersuchen und entwurmen Sie alle Tiere gleichzeitig.

Prophylaktische Wurmkuren?

Die aufgeführten pflanzlichen Produkte eignen sich gut um einem Wurmbefall vorzubeugen oder einen leichten Befall zu behandeln. Panacur und ähnliche Medikamente sollten normalerweise nicht vorbeugend verabreicht werden sondern nur nach einer Kotprobe, die einen Wurmbefall bestätigt oder nachdem man Würmer im Kot gefunden hat. Warum? Wurmkuren wirken nicht vorbeugend, d.h. wenn man eine Wurmkur gibt, obwohl das Kaninchen gar keine Würmer hat, bringen sie natürlich gar nichts und in den Tagen nach der Wurmkur kann es Würmer bekommen, da die Wurmkur nicht prophylaktisch wirkt. Zudem können sich durch den häufigen Einsatz der Medikamente Resistenzen bilden, dies ist in der Vergangenheit oft passiert und hat zur Folge, dass die Medikamente immer intensiver (länger und in höherer Dosierung) eingesetzt werden müssen bzw. die vorhandenen Medikamente gar nicht mehr wirken.
In Dänemark, Schweden, Finnland, Italien und Holland  ist der prophylaktische Einsatz von Entwurmungsmitteln verboten. Hier ist es vorgeschrieben, vor jeder chemischen Wurmkur den Nachweis zu erbringen, dass ein Wurmbefall tatsächlich vorliegt.

Darmparasiten und was Sie darüber wissen sollten…

Es ist oft nicht gerade einfach… Kokzidien und andere Parasiten gelten bei manchen Haltern, die den Kampf gegen sie aufnahmen, als absolut unbesiegbar und hartnäckig. Und wenn man sie behandelt hat, kommen sie auch ab und zu wieder. Oft wird sogar davon gesprochen, dass die Kaninchen sie „chronisch“ haben.

Woran liegt das? 
Ein Zitat aus dem Bericht der Kommission der Europäischen Gemeinschaften aus dem Jahr 2008 erklärt auch, woran das liegt:

„Sämtliche Kokzidiostatika verhindern die Vermehrung des Parasiten, führen jedoch nicht zu seiner völligen Beseitigung aus dem Tierdarm.“

Dieser Satz wird so manchen Halter schockieren und die ganze Sicht auf das Thema „Darmparasiten“ verändern. Kokzidien (und auch andere Darmparasiten wie z.B. Würmer) kann man nicht vollständig durch ein Mittel oder die Desinfektion der Gehege abtöten. Auch wenn man es absolut perfekt macht. Alle diese Mittel reduzieren die Anzahl der Parasiten stark, aber es bleiben grundsätzlich Restparasiten im Darm und der Umgebung. 
Außerdem kann man beobachten, dass Kaninchen teils einen hohen Befall haben und kaum Symptome zeigen und andere schon bei leichtem Befall, Probleme bekommen. 
Wildtiere tragen oft eine Menge Parasiten in sich und trotzdem sind sie augenscheinlich bei bester Gesundheit und nur Einzeltiere zeigen Symptome. Diese Anzahl von Parasiten würde bei einem Haustier den Tod heraus fordern und ein Wildtier hat damit keine Probleme. Wie kann das sein? Die Antwort ist ganz einfach: Kaninchen die viele Parsiten und andere Krankheitserreger um sich haben, trainieren ihr Immunsystem, der Körper entwickelt Strategien um mit ihnen umzugehen. Dadurch entwickeln auch die Parasiten immer mehr Strategien, den Wirt zu behalten. Diese Kampf fördert das Immunsystem und die Strategien des Wirtes. Irgendwann lernt der Wirt, dass es sinnvoller ist, in friedlicher Einigung mit dem Parasit zu leben, als ihn zu bekämpfen. Es entsteht sogar ein gesundheitsfördernder Effekt, denn Autoimmunkrankheiten und Allergien gehen zurück:

„Ein erfolgreicher Parasit wird seinen Wirt immer am Leben halten. Den Menschen zu töten ist das letzte, was ein Parasit im Sinn hat. Und dem Immunsystem erscheint es als legitim, lieber die Produktion von Wurmeiern zuzulassen, wenn die Alternative Elephantiasis lautet. Würmer aktivieren Regulationsmechanismen, die Fehlreaktionen, wie sie bei Allergien und Autoimmunkrankheiten bestehen, beseitigen oder abschwächen. Und das aufregende dabei ist, dass wir in den klinischen Studien sehen, dass das tatsächlich funktioniert.“

Graham Rook (Immunologe)

Ein Symptom bei Parasitenbefall ist also meist eine Überreaktion eines schlecht entwickelten Immunsystems. Diese Reaktionen treten meist bei Stress (Umzüge, Veränderungen, Vergesellschaftungen, unharmonische Gruppen…), schlechten Umgebungsbedingungen oder anderen Krankheiten auf. Durch diese Faktoren vermehren sich die Parasiten und das Immunsystem kämpft gegen sie an. 
In diesem Fall kann man dem Immunsystem helfen und die Parasiten mit Medikamenten zurück drängen. Das eine geringe Menge Parasiten jedoch chronisch vorhanden ist, das ist völlig normal und gesund! Es geht vielmehr darum, das Kaninchen in seinen Abwehrkräften zu stärken, eine parasitenfeindliche Umgebung zu schaffen und das Immunsystem gut auszubilden, so dass der Körper bei einer Parasiten-Vermehrung durch Stress oder Krankheit nicht überreagiert. Eine gesunde Hygiene kann dabei helfen, übertriebene Hygiene macht meistens eher alles schlimmer.

„Eine völlige Liquidierung der Kokzidien ist nicht beabsichtigt, weil sich nur im Gefolge ständiger subklinischer Infektionen eine Präimmunität ausbilden kann, die ihrerseits die durch entsprechende andere Maßnahmen zu hebende Widerstandskraft der Wirtstiere (Kaninchen) steigert. Angestrebt ist eine parasitenarme Aufzucht und Haltung, die massiven Kokzidioseausbrüchen vorbeugt.“
Kötsche/Gottschalk: „Krankheiten der Kaninchen und Hasen,“

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie hier: Selektive Parasitenprophylaxe

59 Antworten zu “Würmer”

  1. Claudia sagt:

    Liebes Kaninchenwiesenteam,

    ich habe 4 Kaninchen, die draußen leben. Nachts sind sie im 16 qm großen Gehege mit mehreren Ställen, Unterschlüpfen, etc. und tagsüber toben sie zusätzlich im 250 qm großen Garten mit vielen Büschen, Gräsern, Kräutern, Verstecken, ihrem Bau, etc.. Jetzt habe ich nach 4 Jahren zum ersten Mal Würmer im Kot gefunden. Die Kaninchen sind unauffällig, also quickfidel wie immer. Sie rasen durch den Garten, fressen wie immer, etc.
    Natürlich möchte ich etwas gegen die Würmer tun, aber ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt Erfolg haben kann, wenn die Kaninchen sich doch im Garten jederzeit wieder etwas einfangen können? Denn den Garten kann ich ja schlecht mit kochend Wasser reinigen…..
    Oder sollte man das wie z.B. bei Pferden handhaben, die bekommen ja auch 2 mal im Jahr eine Wurmkur, einfach, weil sie sich fast immer etwas einfangen?
    Andererseits hat mich Euer Artikel nachdenklich gemacht, wenn Ihr schreibt, dass Wildkaninchen meist sehr gut mit Würmern leben können und sich anpassen. Das klingt einleuchtend, aber damit hätte ich nicht gerechnet. Da könnte man ja fast vermuten, dass wenn es meinen Kaninchen gut geht, sie einfach mit den Würmern leben können (ich weiß auch nicht, wer von den 4 die Würmer ausgeschieden hat). Ich möchte aber natürlich nichts riskieren, vor allem, weil ja die Wurmkur an sich recht harmlos für die Kaninchen ist (von wegen Nebenwirkungen).

    • Hallo Claudia,
      also wenn die Würmer schon sichtbar im Kot sind, sollten sie definitiv eine Wurmkur bekommen. Am Besten sammelst du ein paar Knödel und lässt sie vom Tierarzt untersuchen, das kostet nicht viel, dauert nicht lange und der Tierarzt kann dann die beste Behandlung empfehlen. Die Wurmkur an sich wird meist recht gut vertragen. Es ist eine Ansichtssache, ob du eine vorsorgliche Wurmkur machen willst. Einerseits wird sie oft recht gut vertragen, andererseits ist sie Stress für alle Beteiligten und die Würmer sind oft nur eine Sekundär“infektion“. Du solltest also nun darauf achten, ob die Kaninchen andere Symptome zeigen.
      Kräuter wie Oregano und Marjoran und auch Beifuß und Rainfarn können die Entwurmung unterstützen, sie können nun in kleinen Mengen im Gemisch angeboten werden.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

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