Kaninchenimpfungen – Schutz oder Gefahr?

Ein umstrittenes Thema sachlich aufarbeitet

impfpassIm Gegensatz zu anderen Haustierarten und dem Menschen gibt es beim Kaninchen noch richtige Seuchen, die hunderte Kaninchen in wenigen Tagen dahin raffen können. Durch die Mastkaninchenhaltung haben einige Hersteller geeignete Impfstoffe entwickelt, um diesen Seuchen vorzubeugen. Unsere Hauskaninchen profitieren von diesen Impfstoffen. Mittlerweile wurden sogar teils spezielle Hauskaninchen-Impfstoffe entwickelt. Auf der anderen Seite können Impfstoffe auch Nebenwirkungen verursachen, so dass eine kritische Auseinandersetzung mit Inhaltsstoffen, Impfstoffen und den zu impfenden Krankheiten sinnvoll erscheint.

Wir beobachten in letzter Zeit verstärkt, dass sich verschiedene Lager ergeben, die Impfungen verherrlichen oder verteufeln. Dadurch ist oftmals kein sachlicher Austausch mehr möglich. Uns geht es vielmehr um eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik, so dass eine Risiko-Nutzenabwägung möglich wird.

Die Kaninchenwiese empfiehlt keine pauschale Impfung, sondern eine genau auf die Einstellung des Halters, den Gesundheitszustand des Kaninchens und dessen Haltungsform sowie an die Region angepasste Empfehlung umzusetzen.

Übersicht im Impfstoff-Dickicht: Welche Impfungen für Hauskaninchen?

Generell können Kaninchen gegen folgende Erkrankungen geimpft werden:
RHD2: Mutierte Form der RHD-1, momentan in ganz Deutschland aktiv, führt bei ca. 80% der Kaninchen innerhalb von 1-4 Tagen zum Tod. Die Impfung schützt zuverlässig. Dringend Hauskaninchen impfen. Mehr Infos
RHD1: Auch Chinaseuche genannt, führt innerhalb weniger Tage bei ca. 80% der Kaninchen zum Tod. Die Impfung schützt zuverlässig. Dringende Impfempfehlung.
Myxomatose: Besonders in Gebieten mit Wildkaninchen sehr verbreitet, tritt wellenartig alle paar Jahre auf. Es gibt akute und milde Verlaufsformen. Die Impfung schützt zu ca. 70-90% vor Symptomen, die restlichen Kaninchen erkranken, teils jedoch deutlich milder. Impfempfehlung für Gebiete mit Wildkaninchenpopulationen oder Futterbezug aus ggf. gefährdeten Gebieten (Heu, Gemüse, Wiese…!). Mehr Infos
Kaninchenschnupfen: Faktorenkrankheit, die durch andere (chronische) Erkrankungen, ein geschwächtes Immunsystem oder schlechte Fütterungs-/Haltungsbedingungen bedingt ist. Impfung wirkt nur gegen Pasteurella multocida und Bordetella bronchiseptica, andere Erreger werden nicht abgedeckt. Schützt nicht das Einzeltier sondern dient dem Bestandsschutz, für Züchter oder große Bestände wird die Impfung empfohlen. Mehr Infos
Darmlähme/Enterocolitis: Haltungs- und fütterungsbedingte Erkrankung (Trockenfutter-Fütterung mit wenig Struktur, energiereiche Ernährung, Bewegungsmangel durch Buchtenhaltung). Die Impfung wirkt nur gegen Clostridium perfringens Typ A, andere Erreger werden nicht abgedeckt. Für artgerecht gehalteneHauskaninchen nicht empfohlen, für Mast- oder Zuchtbetriebe teils sinnvoll.

kaninchen impfintervalle übersicht

Nur gesunde Kaninchen impfen

Damit das Kaninchen den Impfstoff besser verträgt und möglichst wenig Impffolgen bekommt, sollten die Kaninchen in den Tagen vor der Impfung genau beobachtet werden. Zudem ist es sinnvoll, eine gründliche Allgemeinuntersuchung (Fellzustand, Parasiten, Augen, Zähne, Verhalten…) und eine Kotprobe vor jeder Impfung zu veranlassen. Chronisch kranke Kaninchen (nasse Schnupfer, geschwächte, kranke und altersschwache Kaninchen) empfehlen wir, wie auch auf den Packungsbeilagen empfohlen, bei geringen Seuchendruck von der Impfung auszuschließen. Gleiches gilt für Kaninchen, die bei einer vorherigen Impfung extrem reagiert haben, so dass sie in einen gesundheitlich kritischen Zustand kamen (Allergien auf Zusatzstoffe können dafür eine Ursache sein). Bei hohem Seuchendruck sollte ein verträglicher Impfstoff in Absprache mit dem Tierarzt verimpft werden.

Kotproben vor jeder Impfung!

Die Verträglichkeit und Wirksamkeit  von Impfungen kann durch einen gesunden Darm drastisch verbessert werden. Vor jeder Impfung sollte drei Tage lang Kot gesammelt und über den Tierarzt auf Parasiten (Würmer und Kokzidien) untersucht werden.

Welche Kosten kommen auf mich zu?

Die Kosten für die Kaninchenimpfung können leicht variieren.
Den gesetzlichen Rahmen für Impfkosten bildet die GOT:

impfung-kaninchen-kosten

Fragen Sie Ihren Tierarzt nach den genauen Kosten vor der Impfung. Da die Impfung eine sehr überschaubare Tierarztleistung ist, kann er den Rechnungsbetrag auf jeden Fall im Voraus angeben. Wir empfehlen vor jeder Impfung eine Kotprobe von drei Tagen Kot der gesamten Gruppe gemischt abzugeben und auf Kokzidien, Würmer und Hefen untersuchen zu lassen. Solch eine Kotprobe kostet meist etwa 8-20€.

kaninchen-impfungTierschutzgedanke beim Impfen

Zur Herstellung der meisten Impfstoffe (mit Ausnahme des Impfstoffes NOBIVAC Myxo-RHD) werden gesunde Kaninchen künstlich infiziert und anschließend der Impfstoff aus der Leber gewonnen. Dabei wird für etwa 30.000 Impfdosen ein Kaninchen infiziert und getötet. Aus Tierschutzsicht ist dies sehr kritisch zu beurteilen. Letztendlich quält und tötet man andere Kaninchen, um die eigenen zu schützen, was dazu führt, dass man das Leben des eigenen Kaninchens über das von anderen Kaninchen stellt. Deshalb sollte man nach Möglichkeit auf den Impfstoff NOBIVAC Myxo-RHD ausweichen, er schützt vor RHD und Myxomatose, ohne dass andere Kaninchen getötet und gequält werden.

Wie funktioniert das Prinzip „impfen“?
Es gibt zwei verschiedene Formen der Impfung:

Die aktive Impfung (Lebendimpfstoffe, Totimpfstoffe)

Die aktiven Impfstoffe sind Lebendimpfstoffe, d.h. es werden Krankheitserreger so behandelt, dass sie abgeschwächt oder getötet werden. Dadurch ist es möglich, ein Tier oder einen Menschen mit der Krankheit zu infizieren und das Immunsystem kann durch die geschwächte Form den Erreger bekämpfen und Antikörper bilden (Impf-Titer).

Die passive Impfung (Impfserum)

Hier wird nicht der Krankheitserreger gespritzt, sondern bereits die Antikörper gegen die Erkrankung. Beim Kaninchen ist kein Impfstoff mit diesem Wirkprinzip in Deutschland zugelassen.

Wie lange hält der Impfschutz an?

„Zunehmend müssen wir uns auch der Diskussionen stellen, ob von den vorgegebenen, meist jährlichen Impfintervallen, angesichts der heutigen Qualität der Impfstoffe abgewichen werden kann. Gesichertes Wissen zur Dauer der Immunität jenseits der Jahresgrenze, zumindest für die wichtigsten Impfkomponenten, wäre dringend notwendig.“ [Hoffmann, 2003]

Die Impfmittelhersteller geben bei RHD1 einvernehmlich auf den Packungsbeilagen eine Mindestschutzdauer von 12 oder mehr Monaten an (in der Packungsbeilage nachlesen, je nach Hersteller leichte Differenzen!). Diese Mindestschutzdauer ist sehr eng bemessen, die Internationale Tierseuchenbehörde geht von einer Mindestschutzdauer von 16 Monaten aus. Sicher ist somit, dass die Impfstoffe mindestens 12 oder 16 Monate Immunität vor RHD bieten, ob der Schutz lebenslang oder zumindest länger als diese Empfehlungen anhält, ist noch nicht einwandfrei belegt, dazu fehlen aussagekräftige Studien.

Bei Myxomatose-Impfstoffen sind sehr starke Differenzen zwischen den einzelnen Impfstoffherstellern zu erkennen. Daher ist es unumgänglich, den Beipackzettel zu lesen, um die Mindestschutzdauer ausfindig zu machen. Der Hersteller „Riemser“ (gängiger Impfstoff) empfiehlt beispielsweise eine Nachimpfung der Zuchttiere je nach Seuchenbelastung nach 6-9 Monaten (geringer Infektionsdruck) bzw. 4-5 Monaten (hoher Infektionsdruck). Andere Hersteller geben andere Abstände vor.

Mangels Studien werden diese sehr engen Impfabstände von den meisten Tierärzten und Haltern praktiziert, ganz nach dem Motto „viel hilft viel“ oder „lieber zu viel als zu wenig“. Ich gebe dabei allerdings zu bedenken, dass zu häufige Impfungen genauso schädlich sein können wie zu seltene Impfungen. Man bedenke, dass die Impfstoffe auch viele stark giftige Zusatzstoffe enthalten, die z.B. die Leber belasten. Bei vielen anderen Haustieren (Hunde und Katzen) wurden mittlerweile nach jahrelangem „Jahres-Impfen“ doch noch Studien durchgeführt und festgestellt, dass der Impfstoff weit über das eine Jahr hinaus und die Lebendimpfstoffe sogar lebenslang anhalten. Dr. Ronald D. Schultz, einer der führenden Veterinär Immunologen, weist darauf hin, dass jährliche Tier-Impfungen nicht nur völlig unnötig sind, sondern dass diese Praxis signifikante Gesundheitsprobleme auslöst.
Die Hersteller der Impfstoffe müssen vor der Zulassung lediglich den Zeitraum, der später im Beipackzettel stehen soll prüfen, ob noch Impfschutz besteht. Ob der Impfstoff darüber hinaus noch Monate, Jahre oder sogar lebenslänglich besteht, muss nicht geprüft werden. Dies ist eigentlich ein Skandal und für menschliche Impfstoffe nicht vorstellbar, für Tierimpfstoffe ist diese Praktik jedoch normal.
Leider werden bei Kaninchen (die immer noch Stiefkinder der Impffürsorge sind) noch weniger geforscht und korrigiert, als bei Hunden und Katzen, so dass wir wahrscheinlich als Kaninchenhalter noch länger mit recht engen Impfabständen leben müssen, während bei Hunden und Katzen der Skandal immer mehr thematisiert wird und einige offiziellen Behörden und Institutionen bereits deutlich längere Impfabstände empfehlen und vor zu häufigen Impfungen warnen. Immerhin wurde der neueste Impfstoff unter den Kaninchenimpfstoffen schon 1 Jahr getestet, während bei den älteren Modellen noch 6 Monate-Tests verbreitet waren. Nachdem Kaninchen nur etwa ein Jahrzehnt leben, wäre es sehr einfach möglich zu testen, wie lange bzw. ob die Impfstoffe lebenslänglich immunisieren. Dies ist jedoch nicht gewünscht, denn halbjährliche oder jährliche Impfungen sind provitabler als eine einmalige lebenslange Impfung oder seltenere Impfabstände.
Eine Alternative wäre es, jährlich den Impftiter im Blut überprüfen zu lassen statt die Impfung standardmäßig durchzuführen. Dies wird für Kaninchen bislang jedoch noch von keinem Labor angeboten.

„Kinder oder Erwachsene werden nicht jährlich neu geimpft, und es werden auch keine Titer gemessen, ob sie noch einen angemessenen Schutz haben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das der Fall ist. Humanimpfstoffe sind nicht anders als Tierimpfstoffe und das Immunsystem von Hund und Katze ist auch nicht anders als das Immunsystem des Menschen.“
Prof. Alive Wolf (Texas A & M University, Austin, Veterinary Proceedings, 1998)

„Eine Praxis, die vor vielen Jahren einsetzte und der es an wissenschaftlicher Gültigkeit oder Rechtfertigung mangelt, sind die jährlichen Wiederholungsimpfungen. Für jährliche Revakzinierungen besteht fast ohne Ausnahme keine immunologische Notwendigkeit. Die Immunität gegen Viren hält über Jahre oder das ganze Tierleben an. Eine wirksame Impfung gegen die meisten bakteriellen Krankheitserreger ruft ein immunologisches Gedächtnis hervor, das über Jahre anhält und es dem Tier ermöglicht, eine protektive anamnestische Antwort zu entwickeln, wenn es virulenten Erregern ausgesetzt ist…“
T.R. Phillipps/R.D. Schultz (Kirk´s Current Veterinary Therapy, 1992)

Zusatzstoffe

Um die Impfstoffe haltbar zu machen oder anderweitig „anzupassen“, enthalten sie viele Zusatzstoffe. Diese Zusatzstoffe sind seit langer Zeit sehr umstritten. Beispielsweise enthalten der Kaninchen-Schnupfen-Impfstoff und auch der Impfstoff gegen RHD Aluminiumadjuvantien, um bei der Impfung die Immunantwort zu verstärken. Dieser Zusatzstoff fördert nicht nur die Entstehung von Impfsarkomen (bösartige Tumore des Bindegewebes, die meist zum Tode führen): 2007 stellte man bei einer Studie fest, dass er sich bei Mäusen negativ auf Nervenzellen auswirkt.

„Die Forscher waren so erschrocken über ihr Ergebnis (absterbende Hirnzellen), dass sie sich selber nicht mehr impfen wollten (M. Petrik et al.). Die Aluminiumhydroxid-Mäuse wiesen gesteigerte Ängstlichkeit auf, Gedächtnisstörungen und Allergieneigung.“ [Peichel 2009]

Ein weiterer Zusatzstoff sind z.B. Öladjuvantien. Im RHD-Impfstoff werden diese als Verstärker eingesetzt. Öladjuvantien lösen bei Mäusen und Ratten recht zuverlässig Arthritis aus, dies machen sich die Forscher zu Nutze indem sie Labor-Nager, die der Arthritis-Forschung dienen, mittels Öladjuvantien künstlich erkranken lassen um an ihnen zu forschen. In Menschen-Impfstoffen sind Öladjuvantien übrigens verboten, da sie zu gefährlich und gesundheitsschädlich sind. Auf dem RHD-Impfstoff-Beipackzettel wird vor den Öladjuvantien gewarnt, falls sich ein Mensch aus Versehen den Kaninchen-Impfstoff injizieren sollte.

Bild anklicken um eine aktuelle Deutschlandkarte mit gemeldeten Seuchenfällen und impfenden Tierärzten anzusehen.

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Leben meine Kaninchen in einem Seuchengebiet?

Bitte den örtlichen Tierarzt befragen (sie bekommen im Seuchenfall vermehrt Fälle), evtl. Züchter kontaktieren und diese Seuchenkarten einsehen:
Seuchenkarte

Impffolgen – Nebenwirkungen der Impfstoffe

„Unerwünschte Arzneimittelwirkungen lassen sich trotz intensiver Labor- und klinischer Prüfungen im Zulassungsverfahren nicht immer ausschließen. Bei selten auftretenden Reaktionen kann erst der Einsatz unter Feldbedingungen das Risikopotential eines Impfstoffes offenbaren.“ [Hoffmann, 2003]

„Zu den typischen Impfreaktionen beim Kaninchen gehören Reaktionen an der Injektionsstelle und Störungen des Allgemeinzustandes. In Einzelfällen werden auch Augenaffektionen und neurologische Störungen berichtet. Todesfälle, die sich im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung ereignen, sind relativ häufig. Daten zur Aufklärung solcher Fälle anhand einer Autopsie liegen allerdings selten vor.“ [Hoffmann, 2012]

Gerade Kaninchenimpfstoffe haben vielfältige „Nebenwirkungen“ und gelten als schlecht ausgereift. Solche Nebenwirkungen zu kennen, ist wichtig, um sich bei Impffragen richtig zu entscheiden (z.B. bezüglich der Abstände) und Folgen abschätzen zu können.

Einen sehr wichtigen Anhaltspunkt bieten die Statistiken des Paul-Ehrlich-Institutes, das jährlich alle gemeldeten Fälle auswertet. Deshalb ist es sehr wichtig, entsprechende Impffolgen ordnungsgemäß zu melden (sofern sie nicht schon in der Packungsbeilage angegeben sind)! Dies ist leider bisher kaum bekannt und wird nur selten praktiziert. Von 2003 bis 2007 haben sich die eingegangenen Meldungen bezüglich der Kaninchenimpfstoffe fast verneunfacht. Im Jahr 2006 gingen Meldungen zu 643 Kaninchen ein, 139 dieser Kaninchen waren als Impffolge verstorben, der Rest kam mit einem Impfschaden davon und überlebte die Impfung.

Allgemein unterteilt man Impfzwischenfälle in Impfdurchbrüche, Impfschäden und Impferkrankungen. [Holubek, 2004]

Von Impfdurchbrüchen spricht man, wenn geimpfte Kaninchen an der geimpften Krankheit erkranken, weil ihr Immunsystem zu schwach war, um gegen den Impfstoff anzukämpfen (dieser „Kampf“ ist nötig, um Impfschutz aufzubauen).

Um Impfdurchbrüche zu verhindern, ist es von großer Bedeutung, nur impfwürdige Kaninchen zu impfen!

Durch Impfdurchbrüche besonders gefährdet sind:

– Tiere in der Inkubationszeit einer Infektionskrankheit (durch Untersuchung nicht feststellbar)

– Kranke Tiere (chronisch oder akut)

– Tiere, die Stresssituationen ausgesetzt sind

– Tiere mit geschwächtem Immunsystem (Anzeichen: Parasitenbefall usw.)

– Tiere nach Operationen

– Tiere in Außenhaltung bei Minustemperaturen oder anstrengender Witterung

– Tiere während der Genesung (kurz nach einer Erkrankung)

– Tiere, die zuvor mit Cortison behandelt wurden

– Alte Tiere

– Tiere mit Immunerkrankungen

– Und viele andere…

Bei solchen Kaninchen muss, je nach Seuchenlage, von einer Impfung Abstand genommen werden, um Impfdurchbrüche zu vermeiden!

Unter Impfschäden werden alle negativen Impfreaktionen zusammengefasst. Dies können harmlose „Erkrankungen“ sein wie etwa Haarveränderungen oder Haarverlust nach der Impfung mit CUNIVAC JET. Harmlosere Impfschäden sind oftmals auch als „Nebenwirkungen“ auf den Beipackzetteln der Impfstoffe vermerkt. Auch eine Temperaturerhöhung (Fieber) nach der Impfung und eine damit einhergehende Appetitverminderung zählen zu den Impffolgen. Diese sind normal und zeigen lediglich, dass der Körper gegen den Impfstoff ankämpft und somit den Impftiter ausbildet, was Voraussetzung für einen Impfschutz ist. Schlimmer sind Impfschäden, die bleibende Schäden oder den Tod verursachen bzw. eine Behandlung erfordern. Sind diese noch nicht auf der Packungsbeilage vermerkt, sollten sie umgehend dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet werden.

Impfschäden können besonders bei empfindlichen Tieren oder durch die unsachgemäße Handhabung der Impfstoffe entstehen.

Nebenwirkungen von Myxomatose-Impfstoffen
– Schwächung des Immunsystems (Kann zu erhöhtem Krankheitsrisiko führen)
– Impfknoten an der Einstichstelle
– Impfmyxomatose (teilweise tödlich, wenn die Kaninchen z.B. durch (latente) Pasteurellen oder Kokzidien geschwächt waren)
– Ausbruch von Pasteurellen nach Myxomatose-Impfung bei latentem Vorhandensein
– Mangelnde Wirksamkeit
– Ungeklärte Todesfälle

Nebenwirkungen von RHD-Impfstoffen
– Impfknoten an der Impfstelle
– Impfsarkome (bösartige Tumore des Bindegewebes)
– Hauterkrankungen, Haarausfall an der Einstichstelle, Schwellungen, Geschwüre
– Ungeklärte Todesfälle
– Arthritis
– Leicht erhöhte Körpertemperatur, Schlappheit, Zurückgezogenheit, teils Nahrungsverweigerung
– gesteigerte Ängstlichkeit, Gedächtnisstörungen und Allergieneigung

Nebenwirkungen vom Schnupfen-Impfstoff
– Impfknoten an der Einstichstelle
– Impfsarkome (bösartige Tumore des Bindegewebes)
– Ausbruch von Pasteurella multocida und/oder Bordetella bronchiseptica (Schnupfen-Symptome) bei zuvor augenscheinlich gesunden Kaninchen
– Wirksamkeit fragwürdig
– Überreaktion des Immunsystems, Schwächung der Immunabwehr (erhöhtes Krankheitsrisiko)
– Allergien, Allergischer Schock
– gesteigerte Ängstlichkeit, Gedächtnisstörungen und Allergieneigung

Impferkrankungen sind alle Erkrankungen, die durch eine falsche Impfstoffzusammensetzung (z.B. nicht abgetötete oder zu wenig abgeschwächte Erreger oder toxische bzw. anderweitig ungeeignete Inhaltsstoffe) ausgelöst werden.

Bei keiner anderen Tierart außer dem Kaninchen werden so viele Todesfälle als Impffolge gemeldet. Und bei keiner anderen Tierart gehen so gehäuft Meldungen zur Unwirksamkeit der Impfstoffe ein. Deshalb ist es auch verständlich, dass in der Schweiz die Kaninchenzüchter durchsetzten, dass die Myxomatose-Impfung verboten wurde. Eine Überarbeitung der Impfstoffe und weitere Studien zur Wirksamkeit, den Impfabständen und Nebenwirkungen sind dringend nötig.

Trotz der jährlich auffällig hohen Rate an eingehenden Meldungen zu Todesfällen nach der Impfung wurden bisher keine weiteren Studien durchgeführt. In den offiziellen Berichten wird lediglich der Mängel erwähnt:

„Leider gibt es beim Kaninchen häufiger Meldungen über „plötzliches Verenden am Folgetage“, die aufgrund unzureichender Angaben nicht näher zu beurteilen sind.“ [Hoffmann, 2006]

„Neben weiteren eher allergoiden Reaktionen wurden auch schwer abzuklärende Fälle wie „plötzliches Verenden nach Impfung“ gemeldet“ [Hoffmann, 2003]

Vorbeugen!

Mit einfachen Mitteln lassen sich viele Impffolgen vorbeugen. Es sollten, je nach Seuchensituation, nur absolut gesunde Kaninchen geimpft werden. Daher sind eine gründliche Allgemeinuntersuchung (Fellzustand, Parasiten, Temperatur, Augen, Zähne, Verhalten…) und eine Kotprobe vor jeder Impfung nötig (3 Tage Kot sammeln und auf Hefen, Kokzidien und Würmer prüfen lassen). Die meisten Unwirksamkeits-Fälle nach Impfungen wurden in Studien im Nachhinein mit einer Fehl-Besiedlung der Darmflora (Kokzidien, E. coli etc.) oder einer latenten Erkrankung in Verbindung gebracht [Bauer/Selbitz, 1998].

Um das Immunsystem zu entlasten, empfiehlt es sich zumindest bei der Erstimpfung, die einzelnen Krankheiten versetzt zu impfen und das Immunsystem nicht mit allen Erregern auf einmal zu konfrontieren.

Achtung! Impfstoffe dürfen nur dann kombiniert werden, wenn die Kombination auf dem Beipackzettel zugelassen ist. Myxomatose und Schnupfen dürfen beispielsweise niemals gleichzeitig geimpft werden!

Warum hat mein geimpftes Kaninchen trotzdem die Erkrankung bekommen?

Dafür gibt es mehrere Gründe.

Eine Infizierung durch die Impfung

Das Immunsystem ist zwei-schienig, es besteht aus der TH-1 und der TH-2-Schiene. Die TH-1-Schiene ist die unspezifische Abwehr, u.a. die weißen Blutkörperchen, die TH-1-Schiene bekämpft alles, was sie für einen Eindringling hält. Die TH-2-Schiene ist die spezifische Abwehr, diese bekämpft gezielt Erreger und bildet Gedächtniszellen aus, falls das Tier noch mal mit der Krankheit in Kontakt kommt, dann kann es schneller reagieren. Impfstoffe schalten die TH-1-Schiene aus, damit der abgeschwächte Impfstoff an die TH-2-Schiene herankommt. Denn nur, wenn er die TH-2-Schiene erreicht, entstehen Antikörper (das ist der sogenannte „Impfschutz“). Die TH-1 Schiene ist gerade bei chronisch erkrankten Tieren sehr wichtig, um das Tier vor Ansteckungen zu schützen. Wenn diese jetzt ausgeschaltet wird (dies geschieht durch die Zusatzstoffe im Impfstoff), dann kann gerade ein chronisch krankes Tier damit ernsthafte Probleme bekommen, denn die chronische Erkrankung (Schnupfen etc.) wird ja dann nicht mehr richtig abgewehrt und kann sich besser ausbreiten…

Lebendimpfstoffe (Schnupfen und Myxomatose) sind abgeschwächte Erreger, die dem Kaninchen infiziert werden. Diese werden vom spezifischen Abwehrsystem bekämpft und dadurch merkt sich das Immunsystem den Erreger, falls der echte Erreger mit dem Kaninchen in Kontakt kommt, denn dann kann es schneller reagieren. Ist das Kaninchen nicht gesund, so ist der Körper mit dem abgeschwächten Erreger überfordert, er hat ja schon gegen die anderen Erkrankungen (Parasiten, Schnupfen…) zu kämpfen. Das Immunsystem schafft nicht, gegen den abgeschwächten Erreger anzukommen, er besiegt das Immunsystem und breitet sich aus. Die Folge ist eine Erkrankung.

Die Abschwächung der Erreger für die Lebendimpfung ist auch fehlerhaft, teilweise sind die Erreger zu stark abgeschwächt, so dass nachher keine Wirkung erreicht wird und teilweise sind sie zu wenig abgeschwächt, so dass die Erkrankung bei dem Tier ausbricht.

Wenn Viren mutieren

Ein weiterer Grund ist die Verschiedenartigkeit von dem Virus und der Impfung. Viren haben von Natur aus die Eigenschaft zu mutieren. Innerhalb von wenig Zeit ändern sie sich so, dass wieder ein ganz neues Antigen eingesetzt und der Krankheitserreger erneut herausgefunden werden muss. Diese wissenschaftliche Arbeit braucht Zeit und oftmals ist nach dieser Zeit (wenn endlich ein neuer Impfstoff entwickelt wurde) das Virus erneut mutiert und die Arbeit fängt wieder von vorne an.

Ein aktuelles Beispiel ist der RHD2 Virus, der von den meisten Impfstoffen nicht abgedeckt ist.

„Gleichzeitig zeigt die Geschichte der RHD beispielhaft, wie Viren, die auf Grund ihres enorm hohen Virulenzpotenzials der Gefahr der «  Selbstausrottung  » ausgesetzt sind, es verstehen, sich dieser immer wieder durch Veränderung und Anpassung zu entziehen.“
Quelle

Würden die Pharmakonzerne nun hergehen und sagen: „der entwickelte Impfstoff ist schon wieder veraltet, wir bringen ihn gar nicht erst auf den Markt“, so könnten sie die Forschungen nicht mehr finanzieren. Deshalb werden meistens (gerade bei den Tierimpfstoffen) stark veraltete Impfmittel eingesetzt, die nicht mehr ihren Zweck erfüllen und somit nur Schaden, aber keinen Nutzen bringen… Der mutierte Virus ist dann so andersartig als der, gegen den geimpft wurde, dass die Impfung nicht greifen kann oder nur zum Teil wirkt (Kreuzimmunität). Ein weiterer Grund ist, dass die Zulassung teils recht viel Zeit in Anspruch nimmt.

Fehler bei der Impfung, Impf-ungeeignete Tiere etc.

„Die in diesem Zusammenhang unter Kaninchenzüchtern und Kaninchenhaltern anzutreffende Meinung, dass nach einer Impfung gegen eine bestimmte Krankheit ein 100-prozentiger Schutz gegeben sein muss, geht leider an der Wirklichkeit vorbei. Eine „Vollkasko-Garantie“ kann auch durch den besten Impfstoff nicht gewährleistet werden.“ [Holubek, 2004]

Wird eine Impfung optimal ausgeführt, bietet sie auch nur bei 95% der Tiere eine ausreichende Immunität gegen die Krankheit. Da aber leider immer noch in vielen Fällen „falsch“ geimpft wird, kann man davon ausgehen, dass nur etwa 70% der Tiere anschließend zeitweise immun sind. Bei ungünstiger Vorgehensweise sind die Zahlen noch schlechter. Hier besteht leider nur bei ungefähr der Hälfte aller Tiere ein geeigneter Krankheitsschutz. Bei Parasitenbefall kann sich meistens kein ausreichender Impfschutz ausbilden und immer noch zu wenige Tierärzte kontrollieren vor der Impfung eine Kotprobe, um die Wirksamkeit zu verbessern bzw. Parasiten auszuschließen.

Bei den für Kaninchen im Handel angebotenen Impfstoffen gilt:

Impfstoffe gegen Schnupfen und Myxomatose verhindern nicht den Ausbruch der Krankheit!
Laut Hersteller der Kaninchenimpfstoffe gegen Schnupfen und Myxomatose schützen diese Impfstoffe nicht vor einer Infektion mit den Krankheiten, sondern verringern lediglich die Todesrate bei der betroffenen Krankheit und mildern den Krankheitsverlauf im Falle einer Infektion ab. Und der Schnupfenimpfstoff wirkt nicht beim einzelnen Kaninchen, sondern senkt lediglich den Infektionsdruck bei durchgeimpften Großbeständen.

Infizierung vor Aufbau des Impfschutzes

In der Packungsbeilage ist vermerkt, ab wann der Impfschutz aufgebaut ist. Infiziert sich das Kaninchen davor, so kann es trotz Impfung ggf. erkranken.

Notimpfungen?

Einige RHD Impfstoffe sind für eine Notimpfung zugelassen, Myxomatose kann hingegen nicht notgeimpft werden.

Krankheitsverbreitungen durch Impfstoffe?

Ein großer Kritikpunkt an den Kaninchenimpfstoffen ist, dass dadurch Krankheiten erhalten bleiben und sich somit auch verbreiten können. Impfstoffe, die keinen Schutz vor der Ansteckung ansich bieten, sondern lediglich durch die Immunisierung dafür sorgen, dass das Kaninchen den Impfstoff besser bekämpfen kann, sorgen dafür, dass infizierte Tiere die Seuche weiter übertragen. Wird beispielsweise ein geimpfter Bestand mit der Seuche infiziert, so treten je nach Wirkung des Impfstoffes nur kleine Krankheitszeichen wie Fieber oder Mattigkeit auf. Tiere, die geschwächt sind oder bei denen die Impfung nicht gewirkt hat, werden hingegen nun mit dem Erreger angesteckt und versterben. Die geimpften Kaninchen scheiden nun mehrere Monate die Seuche aktiv aus und sind gute Krankheitsüberträger. Manche Tiere werden sogar zum Dauerausscheider. In ungeimpften Beständen hingegen ist sich der Halter der Gefahr bewusst und isoliert erkrankte Tiere bzw. schottet sie von anderen Kaninchen ab.

Quellen u.a.:

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Bundesverband praktizierender Tierärzte: Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Vet. für Kaninchen
Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft: Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere, Jahresbericht 2002
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Diverse Packungsbeilagen, Fach- und Gebrauchsinformationen der zugelassenen Kainchenimpfstoffe

127 Antworten zu “Kaninchen-Impfungen”

  1. Darinka Dzubiel sagt:

    Hallo liebes Team,
    meine drei leben noch in Innenhaltung und sind nicht geimpft. Sie ziehen allerdings demnächst in ihr neues Außengehege, wofür ich sie auch impfen lassen werde. Wie lange vorher sollten sie denn geimpft werden, damit der Schutz besteht?
    Gruß Darinka

    • Hallo Darinka,
      nach meinem Kenntnisstand sollten es 6 Wochen mindestens sein. Der richtige Ansprechpartner hierfür ist aber definitiv der Haustierarzt :).
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

  2. Schmitz Sophia sagt:

    Wie sieht es denn mit den RHD2-Impfstoffen aus hinsichtlich des Tierschutzgedankens? Sind Die zugelassenen Impfstoffe Eravac und Filavac VHD K.C+V ebenfalls bedenklich oder werden diese anders gewonnen (wie Nobivac Myxo-RHD)?
    Ich möchte meine Kaninchen unbedingt vor RHD2 schützen, aber nicht, dass andere Kaninchen dafür so leiden und grauenvoll sterben müssen…

    Liebe Grüße
    Sophia

    • Hallo Sophia,
      die RHD2 Impfstoffe werden nicht künstlich, sondern an Kaninchen gewonnen. Allerdings ist RHD2 momentan so akut, dass ich trotzdem dringend impfen würde. Es wäre zwar besser wenn es einen anderen Impfstoff gäbe, aber so lange es ihn nicht gibt, ist man auf diesen angewiesen. Immerhin kann man durch den Tod eines Kaninchens sehr viele andere schützen. Das ist zwar nicht gerecht für das eine, aber momentan das kleinere Übel (denn statt dessen Tausende an RHD2 verenden zu lassen, wäre auch nicht ideal ;)).
      Ich achte selbst immer darauf, möglichst wenig Tierleid zu verursachen. Aber in manchen Fällen fehlen leider die Alternativen.
      Liebe Grüße
      Viola vom Kaninchenwiese-Team

  3. Svenja sagt:

    Liebes Kaninchenwiese Team,

    Ich weiß nicht so richtig was ich machen soll. Unsere Kaninchen sind jetzt 5 Jahre alt und wurden bisher nicht geimpft, da unser Tierarzt damals davon abgeraten hat, weil unsere Kaninchen in freier Wohnungshaltung leben. Nun ist es aber so, dass wir in ein Haus gezogen sind und ich die Kaninchen gerne mal unter Aufsicht draußen auf den Rasen lassen würde. Unser Weibchen hat manchmal eine kleine Schnupfnase, aber nur weil sie etwas allergisch auf Heu und Staub reagiert.
    Ehrlich gesagt habe ich etwas Angst vor dem impfen.
    Wozu würdet ihr mir raten? Muss ich die Kaninchen jetzt impfen lassen?
    Liebe Grüße Svenja

    • Hallo Svenja,
      bei E.c.-Kaninchen kann es riskant sein, wenn sie wiederholte Anfälle haben oder schlimmen chronischen Schnupfern, sonst ist es aber wirklich völlig ungefährlich :). Die Krankheiten gegen die sie geimpft werden sind leider überall und sicherlich schlimmer als die Impfung. Ich kenne Menschen denen der gesamte Bestand an RHD2 gestorben ist. Außer die Impfung gegen Kaninchenschnupfen kann ich also nur dazu raten.
      Liebe Grüße,
      Kathinka vom Kaninchenwiese-Team

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