Ein paar Worte zur Kaninchenimpfung

Impfempfehlung der Kaninchenwiese

Die Kaninchenwiese empfiehlt keine pauschale Impfung, sondern eine genau auf die Einstellung des Halters, den Gesundheitszustand des Kaninchens und dessen Haltungsform sowie an die Region angepasste Empfehlung umzusetzen.

Nur gesunde Kaninchen impfen!

Damit das Kaninchen den Impfstoff besser verträgt und möglichst wenig Impffolgen bekommt, sollten die Kaninchen in den Tagen vor der Impfung genau beobachtet werden. Zudem ist es sinnvoll, eine gründliche Allgemeinuntersuchung (Fellzustand, Parasiten, Augen, Zähne, Verhalten…) und eine Kotprobe vor jeder Impfung zu veranlassen. Chronisch kranke Kaninchen (nasse Schnupfer, geschwächte, kranke und altersschwache Kaninchen) empfehlen wir, wie auch auf den Packungsbeilagen empfohlen, von der Impfung auszuschließen. Gleiches gilt für Kaninchen, die bei einer vorherigen Impfung extrem reagiert haben, so dass sie in einen gesundheitlich kritischen Zustand kamen (Allergien auf Zusatzstoffe können dafür eine Ursache sein).

Wann & mit was sollte ich impfen?

impfpassWir empfehlenden den Impfstoff NOBIVAC Myxo-RHD zu verwenden. Er wird ab der 5. Lebenswoche einmalig (keine Grundimmunisierung erforderlich!) im Frühjahr gespritzt und schützt das Kaninchen vor RHD und Myxomatose ohne eine Nachimpfung im Herbst, erst im nächsten Frühjahr ist die erneute Impfung nötig. Wurden die (älteren) Kaninchen bisher gar nicht, nur gegen RHD oder gegen Myxomatose und RHD geimpft, kann er im nächsten Frühjahr einfach den vorherigen Impfstoff ersetzen. Wurde das Kaninchen nur gegen Myxomatose geimpft, impft man sie am besten erst gegen RHD mit einem Einzelimpfstoff und 3-4 Wochen später mit Nobivac Myxo-RHD.
Der Impfstoff hat den Vorteil gegenüber anderen Impfstoffen, dass er nur 1x im Jahr verabreicht werden muss und nicht aus künstl. infizierten Kaninchen gewonnen wird. Die anderen Kaninchen werden aus Laborkaninchen gewonnen, die dafür extra mit RHD infiziert und getötet wurden.
Sonderfall RHD2: Der neue Virusstamm RHDV2 wird vom Nobivac-Impfstoff und anderen RHD-Impfstoffen nicht abgedeckt. Es sollte unbedingt zusätzlich zu Nobivac ein RHD2-Impfstoff geimpft werden:  mehr Infos. RHD2 ist momentan in Deutschland die aggressivste und am weitesten verbreitete Seuche!

Ist eine Impfung nötig?
In Risikogebieten sollten gesunde, in Außenhaltung lebende Kaninchen auf jeden Fall gegen RHD geimpft werden.
Alle anderen Fälle (Innenhaltung, kranke Kaninchen in Risikogebieten, Kaninchen, die auf den Impfstoff reagieren, Schnupfer usw.) sollten individuell mit dem Tierarzt abgesprochen und auf diesem Weg Vor- und Nachteile abgewogen werden.
Der Nutzen der Schnupfenimpfung ist für Liebhaberkaninchen nicht gegeben, daher ist diese Impfung abzulehnen. Die Myxomatose-Impfung ist in ihrem Nutzen umstritten, verzichtet man auf sie, muss man allerdings auf einen RHD-Einzelimpfstoff ausweichen, für den ein anderes Kaninchen leiden und sterben musste, was ethisch fragwürdig ist. Besonders in Seuchengebieten ist sie zudem anzuraten.
Die Impfung gegen Enterocolitis (bzw. gegen Clostridium perfringens Typ A, Impfstoff CUNIVAK ENT) ist für normalere Hauskaninchen ebenfalls nicht nötig.

Welche Kosten kommen auf mich zu?

Die Kosten für die Kaninchenimpfung können leicht variieren. Die Impfstoffe, die zweimal im Jahr geimpft werden müssen und auch eine Grundimmunisierung erfordern, kosten etwa 20 Euro je Mal, also im ersten Jahr etwa 60 Euro je Kaninchen (Frühlingsimpfung, Nachimpfung, Herbstimpfung) und in darauf folgenden Jahren 40 Euro. Der von uns empfohlene Impfstoff Nobivac Myxo-RHD ist im Einkauf für den Tierarzt etwas teurer als die anderen Impfstoffe, dafür muss er nur einmal im Jahr geimpft werden und er erfordert keine Grundimmunisierung. Dadurch fallen erhebliche Kosten weg. Im Schnitt kostet die Impfung mit diesem Impfstoff um die 40 Euro im Jahr. Zu allen Kosten kann noch eine geringe Gebühr für das Impfheft anfallen, wenn dieses bisher nicht vorhanden ist. Fragen Sie Ihren Tierarzt nach den genauen Kosten vor der Impfung, da die Impfung eine sehr überschaubare Tierarztleistung ist, kann er den Rechnungsbetrag auf jeden Fall im Voraus angeben. Wir empfehlen vor jeder Impfung eine Kotprobe von drei Tagen Kot der gesamten Gruppe gemischt abzugeben und auf Kokzidien, Würmer und Hefen untersuchen zu lassen. Solch eine Kotprobe kostet meist etwa 15-20€.

Gegen welche Krankheiten können Kaninchen geimpft werden?

Kaninchenpest (Myxomatose)
Erreger: Leporipoxvirus myxomatosis (Pockenvirus)

Übertragung: Durch direkten Kontakt zu kranken Tieren oder indirekt durch Stechmücken, den Kaninchenfloh, Milben und andere Insekten oder kontaminiertes Futter bzw. andere Gegenstände.

Symptome: Gerötete, weiche Schwellungen (Myxome) an Augenlidern, Lippen, der Nase, den Genitalien usw., Augenausfluss, Atembeschwerden, Abmagerung, Nahrungsverweigerung, Schluckbeschwerden, schlechter Allgemeinzustand und schließlich der Tod. Desweiteren sind versch. mildere Verlaufsformen bekannt mit weniger auffälligen Symptomen wie Unfruchtbarkeit, Flecken etc.

Therapie: Sehr schlechte Prognose, daher wird oft von einer Behandlung abgeraten, meist verläuft die Maxomatose tödlich. Bei sehr milden Verlaufsformen kann eine Behandlung versucht werden, überlebende Tiere sollten allerdings nur mit anderen „Überlebenden“ vergesellschaftet werden (ansonsten besteht Ansteckungsgefahr)! Die Myxomatose wird smptomatisch behandelt (Antibiotikum, Infusionen etc.), eine Notimpfung ist nicht sinnvoll.

Zugelassene Impfstoffe in Deutschland (Lebendimpfstoffe): CUNIVAK JET, CUNIVAK MYXO, Lapimed Myxo id, Riemser Myxomatose-Vakzine, Lapimed RHD, RIKA-VACC Myxo dn, RIKA-VACC Myxo jet, RIKA-VACC Myxo

Zugelassene Doppelimpfstoffe (Kombi mit RHD): NOBIVAC Myxo-RHD, CUNIVAK COMBO, Dercunimix, RIKA – VACC Duo [Paul Ehrlich Institut, 2005]

Was bewirkt eine Impfung?
Die Schutzimpfungen bieten keinen Schutz vor Myxomatose (wie oft fälschlich angenommen!), sondern mildern im Falle einer Infizierung laut Impfstoffherstellern lediglich den Krankheitsverlauf ab. Egal ob geimpft oder ungeimpft, können Kaninchen an der Myxomatose erkranken, bei Kontakt mit dieser. Geimpfte Kaninchen haben im Schnitt allerdings einen milderen Krankheitsverlauf und somit bei entsprechender Behandlung eine größere Überlebenschance. Einige Menschen fordern, Kaninchen, die an Myxomatose erkranken, grundsätzlich einzuschläfern, da es sich um eine schwere Erkrankung handelt und auch bei milderem Verlauf und guter Behandlung das Tier gequält wird, allerdings gibt es auch in seltenen Fällen extrem milde Verläufe, die das Kaninchen bei entsprechender Therapie gut und ohne Qualen übersteht. Wichtig ist auch zu wissen, dass erkrankte Tiere nach der Genesung weiterhin das Virus ausscheiden, also zu seiner Verbreitung beitragen und auch andere Kaninchen gefährden, sie sollten eine Weile (min. ein halbes Jahr) nur mit ebenfalls infizierten Tieren zusammen leben. Entscheidet man sich für die Einschläferung, wenn ein Tier Myxomatose bekommt, wäre die Impfung überflüssig, nur wenn man in diesem Fall kämpfen möchte, ist sie sinnvoll, da der Krankheitsverlauf dann milder sein kann (= höhere Überlebenschance).
Impfstoff-Wirkung
„Zur aktiven Immunisierung von Kaninchen ab einem Lebensalter von 5 Wochen um die Mortalität und die klinischen Symptome der Myxomatose zu verringern sowie um die durch die Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen verursachte Mortalität zu verhindern. Beginn der Immunität: 3 Wochen; Dauer der Immunität: 1 Jahr“

Quelle: Impfstoff-Hersteller NOBIVAC

„Im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Züchter in ihrem Bestand die Kaninchenseuche Myxomatose obwohl die Tiere geimpft waren. Viele Tiere haben die Seuche nicht überstanden, einige haben jedoch überlebt und sind jetzt wieder wohlauf. Sie haben aber kleine vernarbte Stellen auf der Nasenkuppe (leichte Verschorfung).“
Achim S. LV Berlin-Brandenburg in einem Brief an den Impfstoffhersteller IDT Biologica

Im Internet gibt es einen Erfahrungsbericht eines geimpften Kaninchens, deren Besitzer den Kampf mit der Myxomatose aufnahmen und ihn leider verloren. Und einen von zwei Kaninchen mit milder Verlaufsform, die überlebten. Solche Berichte sind sehr selten, Züchterkreise raten bei jedem Myxomatose-Ausbruch zur Einschläferung. Myxomatose-Überlebende (auch geimpfte Tiere) sind leider immer noch wirkliche Einzelfälle. In den meisten Fällen werden die Kaninchen aufgrund der Ansteckungsgefahr, der Qualen und dem schlechten Allgemeinzustand eingeschläfert. Daher stellt sich die Frage nach dem Nutzen der Impfung, die wohl von jedem Halter eigenverantwortlich abgewogen werden muss.

 

Chinaseuche (RHD; Rabbit Haemorrhagic Disease)
Erreger: Calici-Virus

Übertragung: Durch direkten Kontakt zu kranken Tieren oder indirekt durch Stechmücken, den Kaninchenfloh, Milben und andere Insekten oder kontaminiertes Futter bzw. andere Gegenstände.

Symptome: plötzlicher Tod, Tiere werden oft mit überstrecktem Kopf (in den Nacken geworfen) und blutiger Nase vorgefunden. Seuchenhaftes Massensterben. Organschäden, innere Blutungen, Atemnot, Erstickungsanfälle

Therapie: Nicht möglich, zu schneller Krankheitsverlauf. Wenige Überlebende.

Zugelassene Impfstoffe in Deutschland (Totimpfstoffe): CASTOREX, CUNIVAK RHD, Lapimed RHD, RIKA – VACC RHD

Zugelassene Doppelimpfstoffe (Kombi mit Myxomatose): NOBIVAC Myxo-RHD, CUNIVAK COMBO, Dercunimix, RIKA – VACC Duo [Paul Ehrlich Institut, 2005]

Achtung!kaninchen-impfung
Zur Herstellung der meisten Impfstoffe (mit Ausnahme des Impfstoffes NOBIVAC Myxo-RHD) werden gesunde Kaninchen künstlich infiziert und anschließend der Impfstoff aus der Leber gewonnen. Dabei wird für etwa 30.000 Impfdosen ein Kaninchen infiziert und getötet. Aus Tierschutzsicht ist dies sehr kritisch zu beurteilen. Letztendlich quält und tötet man andere Kaninchen, um die eigenen zu schützen, was dazu führt, dass man das Leben des eigenen Kaninchens über das von anderen Kaninchen stellt. Deshalb sollte man nach Möglichkeit auf den Impfstoff NOBIVAC Myxo-RHD ausweichen, er schützt vor RHD, ohne dass andere Kaninchen getötet und gequält werden.

Was bewirkt eine Impfung?
Die Impfstoffe gegen RHD verfügen aber über eine gute Wirksamkeit und wenige Nebenwirkungen. Sie sind der zurzeit am besten ausgereifte Impfstoff unter allen Kaninchen-Impfstoffen.

Achtung RHD2!
rhd2 kaninchenEs gibt einen RHD Virenstamm, der nicht von den regluären Impfstoffen optimal abgedeckt wird, er wird RHD-2 oder auch RHDV2 genannt und stammt aus Frankreich. Das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) gibt an, dass bisher RHD-2 in 24 Fällen beim Hauskaninchen in Deutschland bestätigt wurde (Stand: Januar 2015). Weitere Fälle sind bei Wildkaninchen und Feldhasen bekannt. Besonders stark betroffen ist NRW, aber auch andere Bundesländer (Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Reinland-Pfalz, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt) sind durch Einzelfälle aufgefallen. Das Institut vermutet, dass es viele weitere Fälle gibt bei denen keine genaue Diagnostik durchgeführt wurde, so dass sie nicht bekannt wurden. Das RHD 2 Virus kann bisher nur am FLI am toten Tier diagnostiziert werden.

Erfahrungen und Infos einer Notstation, die von RHD 2 betroffen war

Weitere Infos zu RHD2 und wie die Kaninchen am besten geschützt werden

„Kaninchenschnupfen“ (Pasteurella multocida und Bordetella bronchiseptica)
Erreger: Pasteurella multocida und Bordetella bronchiseptica (und zahlreiche weitere Erreger, gegen die (noch) kein Impfstoff existiert), evtl. auch Viren etc. [Zinke 2004].

Übertragung: Direkte Ansteckung bei infizierten Tieren (Nasenausfluss), bei anderen Tieren (z.B. Vögel) oder an kontaminierten Gegenständen.

Symptome: Mit den Erregern sind latent (versteckt) der Großteil der Kaninchen (bis zu 90%) infiziert, ohne Symptome zu zeigen. Wird das Immunsystem geschwächt, so können Symptome ausbrechen: Niesen, weißer Nasenausfluss, Augenentzündungen und/oder –ausfluss, Entzündungen innerer Organe (Gebärmutter, Lunge, Ohren, Brustfell, Herz…). Schlechter Allgemeinzustand bis hin zum Tod (bei ausbleibender Behandlung).

Therapie: Gute Therapiemöglichkeiten, Antibiose oft erfolgreich (wenn keine Resistenzen gegen das Antibiotikum bestehen). Immunsystem unterstützen, Hygiene.

Zugelassene Impfstoffe in Deutschland (Totimpfstoff): CUNIVAK PAST [Paul Ehrlich Institut, 2005]

Was bewirkt eine Impfung?
Der Impfstoff schützt nicht gegen die Erreger oder das einzelne Individuum, sondern soll laut Hersteller lediglich den Infektionsdruck in großen Beständen senken, daher wird die Impfung nur für Massenhaltungen empfohlen. Die Wirksamkeit ist umstritten, viele Züchter und Halter lehnen den Impfstoff ab, da er nur gegen zwei von vielen Erregern hilft und es sehr oft nach der Impfung zum Ausbruch des Schnupfens kommt. Die Wirksamkeit des Impfstoffes ist stark umstritten. Manche Halter oder Tierärzte setzen ihn bei „trockenen“ Schnupfern ein, das Ergebnis ist sehr unterschiedlich, bei einigen bricht dadurch der Schnupfen wieder extrem aus, bei anderen bleibt er zukünftig fern.

 

Wie funktioniert das Prinzip „impfen“?
Es gibt zwei verschiedene Formen der Impfung:

Die aktive Impfung (Lebendimpfstoffe, Totimpfstoffe)

Die aktiven Impfstoffe sind Lebendimpfstoffe, d.h. es werden Krankheitserreger so behandelt, dass sie abgeschwächt oder getötet werden. Dadurch ist es möglich, ein Tier oder einen Menschen mit der Krankheit zu infizieren und das Immunsystem kann durch die geschwächte Form den Erreger bekämpfen und Antikörper bilden (Impf-Titer).

Die passive Impfung (Impfserum)

Hier wird nicht der Krankheitserreger gespritzt, sondern bereits die Antikörper gegen die Erkrankung. Beim Kaninchen ist kein Impfstoff mit diesem Wirkprinzip in Deutschland zugelassen.

 

Wie lange hält der Impfschutz an?

„Zunehmend müssen wir uns auch der Diskussionen stellen, ob von den vorgegebenen, meist jährlichen Impfintervallen, angesichts der heutigen Qualität der Impfstoffe abgewichen werden kann. Gesichertes Wissen zur Dauer der Immunität jenseits der Jahresgrenze, zumindest für die wichtigsten Impfkomponenten, wäre dringend notwendig.“ [Hoffmann, 2003]

Die Impfmittelhersteller geben bei RHD einvernehmlich auf den Packungsbeilagen eine Mindestschutzdauer von 12 oder mehr Monaten an (in der Packungsbeilage nachlesen, je nach Hersteller leichte Differenzen!). Diese Mindestschutzdauer ist sehr eng bemessen, die Internationale Tierseuchenbehörde geht von einer Mindestschutzdauer von 16 Monaten aus. Sicher ist somit, dass die Impfstoffe mindestens 12 oder 16 Monate Immunität vor RHD bieten, ob der Schutz lebenslang oder zumindest länger als diese Empfehlungen anhält, ist noch nicht einwandfrei belegt, dazu fehlen aussagekräftige Studien.

Bei Myxomatose-Impfstoffen sind sehr starke Differenzen zwischen den einzelnen Impfstoffherstellern zu erkennen. Daher ist es unumgänglich, den Beipackzettel zu lesen, um die Mindestschutzdauer ausfindig zu machen. Der Hersteller „Riemser“ (gängiger Impfstoff) empfiehlt beispielsweise eine Nachimpfung der Zuchttiere je nach Seuchenbelastung nach 6-9 Monaten (geringer Infektionsdruck) bzw. 4-5 Monaten (hoher Infektionsdruck). Andere Hersteller geben andere Abstände vor.

Da es nur einen Schnupfenimpfstoff gibt, ist hier glücklicherweise nicht so ein gewaltiges Chaos wie bei den anderen Krankheiten anzutreffen. Der Hersteller des Schnupfenimpfstoffes empfiehlt für Zuchten mindestens die halbjährliche Auffrischung. In befallenen Beständen wird ein kürzerer Abstand und die Impfung der trächtigen Häsinnen im ersten Drittel der Trächtigkeit nahe gelegt. Studien zur Schutzdauer fehlen bisher.

Die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Bundesverband praktizierender Tierärzte) gibt eine allgemeine Impfempfehlung für die Abstände der Myxomatose-, RHD- und Schnupfenimpfung vor (Stand: 2013, die Angaben wurden grundliegend überarbeitet und nun durch den neuen Impfstoff ergänzt):

Myxomatosevirus und Rabbit-Haemorrhagic-Disease-Virus (RHD)

Grundimmunisierung:
Im Alter von 4 – 6 Woche: Myxomatose, RHD
4 Wochen später: Myxomatose, RHD
Ausnahme: s. nachstehend
In einem höheren Alter vorgestellte Tiere erhalten ihre Impfungen gemäß Packungsbeilage des Impfstoffs.

Wiederholungsimpfungen:
alle 6 Monate: Myxomatose (in Endemiegebieten u. U. alle 4 Monate)
alle 12 Monate: RHD (Häsinnen in intensiver Zuchtnutzung sollten in kürzeren Intervallen – alle 6 Monate – geimpft werden.)
Ausnahme: Bei Verwendung des gentechnisch veränderten Kombinationsimpfstoffes erfolgt im Rahmen der Grundimmunisierung eine einmalige Impfung frühestens ab einem Alter von 5 Lebenswochen und Wiederholungsimpfungen in 12-monatigem Abstand. Bei einer früheren Wiederholungsimpfungen sowie bei Kaninchen, die bereits mit einem anderen Myxomatose-Impfstoff geimpft wurden oder eine natürliche Myxomatose-Feldinfektion durchlebt haben, entwickelt sich aufgrund vorhandener Antikörper und daraus resultierender Neutralisation des Impfstoffes möglicherweise keine ausreichende Immunantwort gegen RHD.

Pasteurella multocida / Bordetella bronchiseptica

– Vor allem als Bestandsimpfung in Kaninchenzuchten.
– Durch regelmäßige Wiederholungsimpfungen soll in Verbindung mit geeigneten veterinärhygienischen Maßnahmen eine Verminderung des
Infektionsdrucks im Bestand erzielt werden.
– Grundimmunisierung: 2 x im Abstand von 14 Tagen ab der 4. Lebenswoche
– Wiederholungsimpfungen: Alle 6 Monate; bei intensiv zur Zucht genutzten Häsinnen mindestens vor jeder zweiten Trächtigkeit.“

Der neue Doppel-Impfstoff NOBIVAC Myxo-RHD hält ein Jahr an, d.h. es reicht aus, die Kaninchen jedes Frühjahr zu impfen und es kann auf die Nachimpfung im Herbst verzichtet werden.

Mangels Studien werden diese sehr engen Impfabstände von den meisten Tierärzten und Haltern praktiziert, ganz nach dem Motto „viel hilft viel“ oder „lieber zu viel als zu wenig“. Ich gebe dabei allerdings zu bedenken, dass zu häufige Impfungen genauso schädlich sein können wie zu seltene Impfungen. Man bedenke, dass die Impfstoffe auch viele stark giftige Zusatzstoffe enthalten, die z.B. die Leber belasten. Bei vielen anderen Haustieren (Hunde und Katzen) wurden mittlerweile nach jahrelangem „Jahres-Impfen“ doch noch Studien durchgeführt und festgestellt, dass der Impfstoff weit über das eine Jahr hinaus und die Lebendimpfstoffe sogar lebenslang anhalten. Dr. Ronald D. Schultz, einer der führenden Veterinär Immunologen, weist darauf hin, dass jährliche Tier-Impfungen nicht nur völlig unnötig sind, sondern dass diese Praxis signifikante Gesundheitsprobleme auslöst.
Die Hersteller der Impfstoffe müssen vor der Zulassung lediglich den Zeitraum, der später im Beipackzettel stehen soll prüfen, ob noch Impfschutz besteht. Ob der Impfstoff darüber hinaus noch Monate, Jahre oder sogar lebenslänglich besteht, muss nicht geprüft werden. Dies ist eigentlich ein Skandal und für menschliche Impfstoffe nicht vorstellbar, für Tierimpfstoffe ist diese Praktik jedoch normal.
Leider werden bei Kaninchen (die immer noch Stiefkinder der Impffürsorge sind) noch weniger geforscht und korrigiert, als bei Hunden und Katzen, so dass wir wahrscheinlich als Kaninchenhalter noch länger mit recht engen Impfabständen leben müssen, während bei Hunden und Katzen der Skandal immer mehr thematisiert wird und einige offiziellen Behörden und Institutionen bereits deutlich längere Impfabstände empfehlen und vor zu häufigen Impfungen warnen. Immerhin wurde der neueste Impfstoff unter den Kaninchenimpfstoffen schon 1 Jahr getestet, während bei den älteren Modellen noch 6 Monate-Tests verbreitet waren. Nachdem Kaninchen nur etwa ein Jahrzehnt leben, wäre es sehr einfach möglich zu testen, wie lange bzw. ob die Impfstoffe lebenslänglich immunisieren. Dies ist jedoch nicht gewünscht, denn halbjährliche oder jährliche Impfungen sind provitabler als eine einmalige lebenslange Impfung oder seltenere Impfabstände.
Eine Alternative wäre es, jährlich den Impftiter im Blut überprüfen zu lassen statt die Impfung standardmäßig durchzuführen.

„Kinder oder Erwachsene werden nicht jährlich neu geimpft, und es werden auch keine Titer gemessen, ob sie noch einen angemessenen Schutz haben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das der Fall ist. Humanimpfstoffe sind nicht anders als Tierimpfstoffe und das Immunsystem von Hund und Katze ist auch nicht anders als das Immunsystem des Menschen.“
Prof. Alive Wolf (Texas A & M University, Austin, Veterinary Proceedings, 1998)

„Eine Praxis, die vor vielen Jahren einsetzte und der es an wissenschaftlicher Gültigkeit oder Rechtfertigung mangelt, sind die jährlichen Wiederholungsimpfungen. Für jährliche Revakzinierungen besteht fast ohne Ausnahme keine immunologische Notwendigkeit. Die Immunität gegen Viren hält über Jahre oder das ganze Tierleben an. Eine wirksame Impfung gegen die meisten bakteriellen Krankheitserreger ruft ein immunologisches Gedächtnis hervor, das über Jahre anhält und es dem Tier ermöglicht, eine protektive anamnestische Antwort zu entwickeln, wenn es virulenten Erregern ausgesetzt ist…“
T.R. Phillipps/R.D. Schultz (Kirk´s Current Veterinary Therapy, 1992)

Zusatzstoffe

Um die Impfstoffe haltbar zu machen oder anderweitig „anzupassen“, enthalten sie viele Zusatzstoffe. Diese Zusatzstoffe sind seit langer Zeit sehr umstritten. Beispielsweise enthalten der Kaninchen-Schnupfen-Impfstoff und auch der Impfstoff gegen RHD Aluminiumadjuvantien, um bei der Impfung die Immunantwort zu verstärken. Dieser Zusatzstoff fördert nicht nur die Entstehung von Impfsarkomen (bösartige Tumore des Bindegewebes, die meist zum Tode führen): 2007 stellte man bei einer Studie fest, dass er sich bei Mäusen negativ auf Nervenzellen auswirkt.

„Die Forscher waren so erschrocken über ihr Ergebnis (absterbende Hirnzellen), dass sie sich selber nicht mehr impfen wollten (M. Petrik et al.). Die Aluminiumhydroxid-Mäuse wiesen gesteigerte Ängstlichkeit auf, Gedächtnisstörungen und Allergieneigung.“ [Peichel 2009]

Ein weiterer Zusatzstoff sind z.B. Öladjuvantien. Im RHD-Impfstoff werden diese als Verstärker eingesetzt. Öladjuvantien lösen bei Mäusen und Ratten recht zuverlässig Arthritis aus, dies machen sich die Forscher zu Nutze indem sie Labor-Nager, die der Arthritis-Forschung dienen, mittels Öladjuvantien künstlich erkranken lassen um an ihnen zu forschen. In Menschen-Impfstoffen sind Öladjuvantien übrigens verboten, da sie zu gefährlich und gesundheitsschädlich sind. Auf dem RHD-Impfstoff-Beipackzettel wird vor den Öladjuvantien gewarnt, falls sich ein Mensch aus Versehen den Kaninchen-Impfstoff injizieren sollte.

Grundimmunisierung

Eine typische „Forenregel“ ist die Grundimmunisierung von Kaninchen. Wie oft habe ich schon gelesen, dass Leuten klar gemacht wurde, dass Kaninchen, die nicht grundimmunisiert wurden, keinen Impfschutz hätten. Die Leute wechseln erfahrungsgemäß daraufhin entsetzt den „falsch beratenden“ Tierarzt. Schließlich haben sie ja jetzt „ganz umsonst geimpft“.

Die Grundimmunisierung kommt von Kaninchen-Jungtieren. Die meisten Tierärzte übertragen dieses Impfschema auch auf erwachsene Kaninchen und fordern dort auch die Grundimmunisierung.

Aber ist die Grundimmunisierung überhaupt beim Kaninchen nötig?
Nein, nicht grundsätzlich. Die Impfstoffe werden eigentlich nach Packungsbeilage angewendet. Die Packungsbeilage der Kaninchenimpfstoffe schreibt keine zwingende Grundimmunisierung vor, bei manchen (nicht allen!) Impfstoffen wird in Seuchengebieten aber eine Grundimmunisierung (2 Impfungen mit geringen Abstand) empfohlen. In Gebieten, die nicht zu den absoluten Seuchengebieten zählen, wird auch vom Impfstoffhersteller (zumindest bei den meisten Impfstoffen, Packungsbeilage lesen!) eine einmalige Impfung für völlig ausreichend erachtet. Manche Impfstoffhersteller geben eine Grundimmunisierung nur bei sehr jungen Kainchen vor, da diese bei der Erstimpfung meist noch durch die Muttermilch immun sind.

Die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Vet. für Kaninchen empfiehlt die Grundimmunisierung nur bei Kaninchenbabys mit 4-6 Wochen. Erhalten Kaninchen erst später ihre erste Impfung, so hält die Kommission eine einmalige Impfung für ausreichend.

Welchen Nutzen hat die Grundimmunisierung?

Eine Grundimmunisierung sind zwei dicht aufeinander folgende Einzelimpfungen. Bei Babykaninchen, die bereits sehr früh (mit vier oder fünf Wochen) geimpft werden, besteht die Gefahr, dass sie durch die Muttermilch noch geschützt sind und so sich der Impfschutz nicht aufbauen kann, deshalb wird vorbeugend wenige Wochen später noch einmal geimpft. Durch die frühe Impfung werden Kaninchen, die nicht mehr über die Muttermilch geschützt sind, jedoch bereits mit Impfschutz versehen.
Deshalb wird auch in Seuchengebieten oftmals eine Grundimmunisierung empfohlen, da so besser gewährleistet ist, dass der Impfschutz greift, denn eine der beiden Impfungen schlägt meistens an.

Fazit: Man kann, muss aber nicht grundimmunisieren. Impfstoffe sollten grundsätzlich nach Packungsbeilage angewendet werden. Bei manchen Impfstoffen wird in der Packungsbeilage empfohlen, in Seuchengebieten die Kaninchen zu grundimmunisieren, dies sollte beachtet und umgesetzt werden. Bei anderen Impfstoffen ist das hingegen unnötig.

Leben meine Kaninchen in einem Seuchengebiet?

Bitte den örtlichen Tierarzt befragen (sie bekommen im Seuchenfall vermehrt Fälle), evtl. Züchter kontaktieren und diese Seuchenkarten einsehen:
Seuchenkarte

Impffolgen – Nebenwirkungen der Impfstoffe

„Unerwünschte Arzneimittelwirkungen lassen sich trotz intensiver Labor- und klinischer Prüfungen im Zulassungsverfahren nicht immer ausschließen. Bei selten auftretenden Reaktionen kann erst der Einsatz unter Feldbedingungen das Risikopotential eines Impfstoffes offenbaren.“ [Hoffmann, 2003]

„Zu den typischen Impfreaktionen beim Kaninchen gehören Reaktionen an der Injektionsstelle und Störungen des Allgemeinzustandes. In Einzelfällen werden auch Augenaffektionen und neurologische Störungen berichtet. Todesfälle, die sich im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung ereignen, sind relativ häufig. Daten zur Aufklärung solcher Fälle anhand einer Autopsie liegen allerdings selten vor.“ [Hoffmann, 2012]

Gerade Kaninchenimpfstoffe haben vielfältige „Nebenwirkungen“ und gelten als schlecht ausgereift. Solche Nebenwirkungen zu kennen, ist wichtig, um sich bei Impffragen richtig zu entscheiden (z.B. bezüglich der Abstände) und Folgen abschätzen zu können.

Einen sehr wichtigen Anhaltspunkt bieten die Statistiken des Paul-Ehrlich-Institutes, das jährlich alle gemeldeten Fälle auswertet. Deshalb ist es sehr wichtig, entsprechende Impffolgen ordnungsgemäß zu melden (sofern sie nicht schon in der Packungsbeilage angegeben sind)! Dies ist leider bisher kaum bekannt und wird nur selten praktiziert. Von 2003 bis 2007 haben sich die eingegangenen Meldungen bezüglich der Kaninchenimpfstoffe fast verneunfacht. Im Jahr 2006 gingen Meldungen zu 643 Kaninchen ein, 139 dieser Kaninchen waren als Impffolge verstorben, der Rest kam mit einem Impfschaden davon und überlebte die Impfung.

Allgemein unterteilt man Impfzwischenfälle in Impfdurchbrüche, Impfschäden und Impferkrankungen. [Holubek, 2004]

Von Impfdurchbrüchen spricht man, wenn geimpfte Kaninchen an der geimpften Krankheit erkranken, weil ihr Immunsystem zu schwach war, um gegen den Impfstoff anzukämpfen (dieser „Kampf“ ist nötig, um Impfschutz aufzubauen).

Um Impfdurchbrüche zu verhindern, ist es von großer Bedeutung, nur impfwürdige Kaninchen zu impfen!

Durch Impfdurchbrüche besonders gefährdet sind:

– Tiere in der Inkubationszeit einer Infektionskrankheit (durch Untersuchung nicht feststellbar)

– Kranke Tiere (chronisch oder akut)

– Tiere, die Stresssituationen ausgesetzt sind

– Tiere mit geschwächtem Immunsystem (Anzeichen: Parasitenbefall usw.)

– Tiere nach Operationen

– Tiere in Außenhaltung bei Minustemperaturen oder anstrengender Witterung

– Tiere während der Genesung (kurz nach einer Erkrankung)

– Tiere, die zuvor mit Cortison behandelt wurden

– Alte Tiere

– Tiere mit Immunerkrankungen

– Und viele andere…

Bei solchen Kaninchen muss, je nach Seuchenlage, von einer Impfung Abstand genommen werden, um Impfdurchbrüche zu vermeiden!

Unter Impfschäden werden alle negativen Impfreaktionen zusammengefasst. Dies können harmlose „Erkrankungen“ sein wie etwa Haarveränderungen oder Haarverlust nach der Impfung mit CUNIVAC JET. Harmlosere Impfschäden sind oftmals auch als „Nebenwirkungen“ auf den Beipackzetteln der Impfstoffe vermerkt. Auch eine Temperaturerhöhung (Fieber) nach der Impfung und eine damit einhergehende Appetitverminderung zählen zu den Impffolgen. Diese sind normal und zeigen lediglich, dass der Körper gegen den Impfstoff ankämpft und somit den Impftiter ausbildet, was Voraussetzung für einen Impfschutz ist. Schlimmer sind Impfschäden, die bleibende Schäden oder den Tod verursachen bzw. eine Behandlung erfordern. Sind diese noch nicht auf der Packungsbeilage vermerkt, sollten sie umgehend dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet werden.

Impfschäden können besonders bei empfindlichen Tieren oder durch die unsachgemäße Handhabung der Impfstoffe entstehen.

Nebenwirkungen von Myxomatose-Impfstoffen

– Schwächung des Immunsystems (Kann zu erhöhtem Krankheitsrisiko führen)

– Impfknoten an der Einstichstelle

– Impfmyxomatose (teilweise tödlich, wenn die Kaninchen z.B. durch (latente) Pasteurellen oder Kokzidien geschwächt waren)

– Ausbruch von Pasteurellen nach Myxomatose-Impfung bei latentem Vorhandensein

– Mangelnde Wirksamkeit

– Ungeklärte Todesfälle

Nebenwirkungen von RHD-Impfstoffen

– Impfknoten an der Impfstelle
– Impfsarkome (bösartige Tumore des Bindegewebes)

– Hauterkrankungen, Haarausfall an der Einstichstelle, Schwellungen, Geschwüre

– Ungeklärte Todesfälle
– Arthritis
– Leicht erhöhte Körpertemperatur
– gesteigerte Ängstlichkeit, Gedächtnisstörungen und Allergieneigung

Nebenwirkungen vom Schnupfen-Impfstoff

– Impfknoten an der Einstichstelle
– Impfsarkome (bösartige Tumore des Bindegewebes)

– Ausbruch von Pasteurella multocida und/oder Bordetella bronchiseptica (Schnupfen-Symptome) bei zuvor augenscheinlich
gesunden Kaninchen

– Wirksamkeit fragwürdig
– Überreaktion des Immunsystems, Schwächung der Immunabwehr (erhöhtes Krankheitsrisiko)

– Allergien, Allergischer Schock
– gesteigerte Ängstlichkeit, Gedächtnisstörungen und Allergieneigung

Impferkrankungen sind alle Erkrankungen, die durch eine falsche Impfstoffzusammensetzung (z.B. nicht abgetötete oder zu wenig abgeschwächte Erreger oder toxische bzw. anderweitig ungeeignete Inhaltsstoffe) ausgelöst werden.

Bei keiner anderen Tierart außer dem Kaninchen werden so viele Todesfälle als Impffolge gemeldet. Und bei keiner anderen Tierart gehen so gehäuft Meldungen zur Unwirksamkeit der Impfstoffe ein. Deshalb ist es auch verständlich, dass in der Schweiz die Kaninchenzüchter durchsetzten, dass die Myxomatose-Impfung verboten wurde. Eine Überarbeitung der Impfstoffe und weitere Studien zur Wirksamkeit, den Impfabständen und Nebenwirkungen sind dringend nötig.

Trotz der jährlich auffällig hohen Rate an eingehenden Meldungen zu Todesfällen nach der Impfung wurden bisher keine weiteren Studien durchgeführt. In den offiziellen Berichten wird lediglich der Mängel erwähnt:

„Leider gibt es beim Kaninchen häufiger Meldungen über „plötzliches Verenden am Folgetage“, die aufgrund unzureichender Angaben nicht näher zu beurteilen sind.“ [Hoffmann, 2006]

„Neben weiteren eher allergoiden Reaktionen wurden auch schwer abzuklärende Fälle wie „plötzliches Verenden nach Impfung“ gemeldet“ [Hoffmann, 2003]

Vorbeugen!

Mit einfachen Mitteln lassen sich viele Impffolgen vorbeugen. Es sollten, je nach Seuchensituation, nur absolut gesunde Kaninchen geimpft werden. Daher sind eine gründliche Allgemeinuntersuchung (Fellzustand, Parasiten, Temperatur, Augen, Zähne, Verhalten…) und eine Kotprobe vor jeder Impfung nötig (3 Tage Kot sammeln und auf Hefen, Kokzidien und Würmer prüfen lassen). Die meisten Unwirksamkeits-Fälle nach Impfungen wurden in Studien im Nachhinein mit einer Fehl-Besiedlung der Darmflora (Kokzidien, E. coli etc.) oder einer latenten Erkrankung in Verbindung gebracht [Bauer/Selbitz, 1998].

Um das Immunsystem zu entlasten, empfiehlt es sich zumindest bei der Erstimpfung, die einzelnen Krankheiten versetzt zu impfen und das Immunsystem nicht mit allen Erregern auf einmal zu konfrontieren.

Achtung! Impfstoffe dürfen nur dann kombiniert werden, wenn die Kombination auf dem Beipackzettel zugelassen ist. Myxomatose und Schnupfen dürfen beispielsweise niemals gleichzeitig geimpft werden!

Warum hat mein geimpftes Kaninchen trotzdem die Erkrankung bekommen?

Dafür gibt es mehrere Gründe.

Eine Infizierung durch die Impfung

Das Immunsystem ist zwei-schienig, es besteht aus der TH-1 und der TH-2-Schiene. Die TH-1-Schiene ist die unspezifische Abwehr, u.a. die weißen Blutkörperchen, die TH-1-Schiene bekämpft alles, was sie für einen Eindringling hält. Die TH-2-Schiene ist die spezifische Abwehr, diese bekämpft gezielt Erreger und bildet Gedächtniszellen aus, falls das Tier noch mal mit der Krankheit in Kontakt kommt, dann kann es schneller reagieren. Impfstoffe schalten die TH-1-Schiene aus, damit der abgeschwächte Impfstoff an die TH-2-Schiene herankommt. Denn nur, wenn er die TH-2-Schiene erreicht, entstehen Antikörper (das ist der sogenannte „Impfschutz“). Die TH-1 Schiene ist gerade bei chronisch erkrankten Tieren sehr wichtig, um das Tier vor Ansteckungen zu schützen. Wenn diese jetzt ausgeschaltet wird (dies geschieht durch die Zusatzstoffe im Impfstoff), dann kann gerade ein chronisch krankes Tier damit ernsthafte Probleme bekommen, denn die chronische Erkrankung (Schnupfen etc.) wird ja dann nicht mehr richtig abgewehrt und kann sich besser ausbreiten…

Lebendimpfstoffe (Schnupfen und Myxomatose) sind abgeschwächte Erreger, die dem Kaninchen infiziert werden. Diese werden vom spezifischen Abwehrsystem bekämpft und dadurch merkt sich das Immunsystem den Erreger, falls der echte Erreger mit dem Kaninchen in Kontakt kommt, denn dann kann es schneller reagieren. Ist das Kaninchen nicht gesund, so ist der Körper mit dem abgeschwächten Erreger überfordert, er hat ja schon gegen die anderen Erkrankungen (Parasiten, Schnupfen…) zu kämpfen. Das Immunsystem schafft nicht, gegen den abgeschwächten Erreger anzukommen, er besiegt das Immunsystem und breitet sich aus. Die Folge ist eine Erkrankung.

Die Abschwächung der Erreger für die Lebendimpfung ist auch fehlerhaft, teilweise sind die Erreger zu stark abgeschwächt, so dass nachher keine Wirkung erreicht wird und teilweise sind sie zu wenig abgeschwächt, so dass die Erkrankung bei dem Tier ausbricht.

Wenn Viren mutieren

Ein weiterer Grund ist die Verschiedenartigkeit von dem Virus und der Impfung. Viren haben von Natur aus die Eigenschaft zu mutieren. Innerhalb von wenig Zeit ändern sie sich so, dass wieder ein ganz neues Antigen eingesetzt und der Krankheitserreger erneut herausgefunden werden muss. Diese wissenschaftliche Arbeit braucht Zeit und oftmals ist nach dieser Zeit (wenn endlich ein neuer Impfstoff entwickelt wurde) das Virus erneut mutiert und die Arbeit fängt wieder von vorne an.

Ein aktuelles Beispiel ist der RHD2 Virus, der von den meisten Impfstoffen nicht abgedeckt ist.

„Gleichzeitig zeigt die Geschichte der RHD beispielhaft, wie Viren, die auf Grund ihres enorm hohen Virulenzpotenzials der Gefahr der «  Selbstausrottung  » ausgesetzt sind, es verstehen, sich dieser immer wieder durch Veränderung und Anpassung zu entziehen.“
Quelle

Würden die Pharmakonzerne nun hergehen und sagen: „der entwickelte Impfstoff ist schon wieder veraltet, wir bringen ihn gar nicht erst auf den Markt“, so könnten sie die Forschungen nicht mehr finanzieren. Deshalb werden meistens (gerade bei den Tierimpfstoffen) stark veraltete Impfmittel eingesetzt, die nicht mehr ihren Zweck erfüllen und somit nur Schaden, aber keinen Nutzen bringen… Der mutierte Virus ist dann so andersartig als der, gegen den geimpft wurde, dass die Impfung nicht greifen kann oder nur zum Teil wirkt (Kreuzimmunität). Ein weiterer Grund ist, dass die Zulassung teils recht viel Zeit in Anspruch nimmt.

Fehler bei der Impfung, Impf-ungeeignete Tiere etc.

„Die in diesem Zusammenhang unter Kaninchenzüchtern und Kaninchenhaltern anzutreffende Meinung, dass nach einer Impfung gegen eine bestimmte Krankheit ein 100-prozentiger Schutz gegeben sein muss, geht leider an der Wirklichkeit vorbei. Eine „Vollkasko-Garantie“ kann auch durch den besten Impfstoff nicht gewährleistet werden.“ [Holubek, 2004]

Wird eine Impfung optimal ausgeführt, bietet sie auch nur bei 95% der Tiere eine ausreichende Immunität gegen die Krankheit. Da aber leider immer noch in vielen Fällen „falsch“ geimpft wird, kann man davon ausgehen, dass nur etwa 70% der Tiere anschließend zeitweise immun sind. Bei ungünstiger Vorgehensweise sind die Zahlen noch schlechter. Hier besteht leider nur bei ungefähr der Hälfte aller Tiere ein geeigneter Krankheitsschutz. Bei Parasitenbefall kann sich meistens kein ausreichender Impfschutz ausbilden und immer noch zu wenige Tierärzte kontrollieren vor der Impfung eine Kotprobe, um die Wirksamkeit zu verbessern bzw. Parasiten auszuschließen.

Bei den für Kaninchen im Handel angebotenen Impfstoffen gilt:

Impfstoffe gegen Schnupfen und Myxomatose verhindern nicht den Ausbruch der Krankheit!
Laut Hersteller der Kaninchenimpfstoffe gegen Schnupfen und Myxomatose schützen diese Impfstoffe nicht vor einer Infektion mit den Krankheiten, sondern verringern lediglich die Todesrate bei der betroffenen Krankheit und mildern den Krankheitsverlauf im Falle einer Infektion ab. Und der Schnupfenimpfstoff wirkt nicht beim einzelnen Kaninchen, sondern senkt lediglich den Infektionsdruck bei durchgeimpften Großbeständen.

Notimpfungen?

Einige RHD Impfstoffe sind für eine Notimpfung zugelassen, Myxomatose kann hingegen nicht notgeimpft werden.

Krankheitsverbreitungen durch Impfstoffe?

Ei großer Kritikpunkt an den Kaninchenimpfstoffen ist, dass dadurch Krankheiten erhalten bleiben und sich somit auch verbreiten können. Impfstoffe, die keinen Schutz vor der Ansteckung ansich bieten, sondern lediglich durch die Immunisierung dafür sorgen, dass das Kaninchen den Impfstoff besser bekämpfen kann, sorgen dafür, dass infizierte Tiere die Seuche weiter übertragen. Wird beispielsweise ein geimpfter Bestand mit der Seuche infiziert, so treten je nach Wirkung des Impfstoffes nur kleine Krankheitszeichen wie Fieber oder Mattigkeit auf. Tiere, die geschwächt sind oder bei denen die Impfung nicht gewirkt hat, werden hingegen nun mit dem Erreger angesteckt und versterben. Die geimpften Kaninchen scheiden nun mehrere Monate die Seuche aktiv aus und sind gute Krankheitsüberträger. Manche Tiere werden sogar zum Dauerausscheider. In ungeimpften Beständen hingegen ist sich der Halter der Gefahr bewusst und isoliert erkrankte Tiere bzw. schottet sie von anderen Kaninchen ab.

Abschließende Worte

Die Kaninchenimpfstoffe sind alles andere als ausgereift, es fehlen Studien, die ihre Schutzdauer über ein Jahr hinaus untersuchen, so dass momentan nur für 1 Jahr eine sichere Immunität angegeben wird und evtl. die Immunität deutlich länger anhalten würde. Der Schnupfen-Impfstoff bewirkt bei so vielen Kaninchen einen Krankheitsausbruch, dass von diesem Impfstoff in den meisten Fällen abzuraten ist, der Myxomatose-Impfstoff „mildert“ nur den Krankheitsverlauf, beugt aber nicht der Myxomatose-Erkrankung vor. Das heißt, die Kaninchen haben wahrscheinlich bei Kontakt mit Myxomatose eine größere Überlebenschance bzw. einen leichteren Krankheitsverlauf als ungeimpfte Kaninchen. Der RHD-Impfstoff ist immer noch am besten und wirksamsten, enthält aber auch sehr kritische Zusatzstoffe. Es sollten nur gesunde Kaninchen mit viel Achtsamkeit geimpft werden. Zudem gibt es bisher nur einen Impfstoff gegen Myxomatose, der nicht aus künstlich krank gemachten und getöteten Kaninchen gewonnen wird, sondern künstlich.

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen in das umfangreiche Thema „Impfung bei Kaninchen“ einführen. Leider gibt es heute zwei Fronten, die „Impfgegner“ und die „Impfbefürworter“. Ich denke, man sollte sich informieren und dann die Vor- und Nachteile abwägen, so dass für das Tier großmöglicher Nutzen und kleinstmöglicher Schaden entsteht.

Quellen:

Behr/Panek.: Impfgegner fordern tierärztliche Impferklärung. Kleintierpraxis

Bundesverband praktizierender Tierärzte: Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Vet. für Kaninchen

Belsham, G. J./ Polacek, Ch./Breum, S./Larsen, L. E./Bøtner, A.:

Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft: Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere, Jahresbericht 2002
European Medicines Agency: Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit: Nobivac Myxo-RHD. Lebendes Myxomatose-Virus mit RHD-Virus-Vektor, Stamm 009, 2011

Ewringmann, A.: Leitsymptome beim Kaninchen. Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Enke Verlag, Stuttgart, 2005

Eylert, J.: Bleibt das Wildkaninchen auf der Strecke? Zur Jagdstreckenentwicklung des Wildkaninchens in Nordrhein-Westfalen. LÖBF Mitteilungen, 2004

Franke, A.: Geschlossene Impfdecke schützt vor Myxomatose und RHD. Kaninchenzeitung, 2008

Gall, A./Hoffmann, B./Teifke, J.P./Lange, B./Schirrmeier, H.: Etablierung, Validierung und praktische Anwendung einermultiplex real-time RT-PCR zum Nachweis des Rabbit Haemorrhagic Disease Virus, Tierärztliche Hochschule Hannover, 2006

Gortázar, C./Höfle, U.: Das Wildkaninchen in Spanien. Bestandsaufnahme und Analyse der durchgeführten Maßnahmen 15 Jahre nach dem Auftreten

der Hämorrhagischen Kaninchenseuche (RHD). LÖBF Mitteilungen, 2004

Grätz, J-F.: Impfungen bei Tieren – Schaden statt Nutzen

Hoffmann, A.: Unerwünschte Wirkungen nach Applikation immunologischer Arzneimittel beim Tier Zusammenfassung der 2003 eingegangenen Meldungen, 2003

Hoffmann, A.: Pharmakovigilanzreport Tierimpfstoffe Zur Statistik der im Jahr 2004 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen, 2004

Hoffmann A.: Unerwünschte Wirkungen nach Applikation immunologischer Arzneimittel beim Tier: Zusammenfassung der im Jahr 2004 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen, 2005

Hoffmann, A.: Pharmakovigilanzreport Tierimpfstoffe Zur Statistik der im Jahr 2006 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen, 2006

Hoffmann, A.: Pharmakovigilanzreport Tierimpfstoffe Zur Statistik der im Jahr 2007 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen, 2007

Hoffmann A: Pharmakovigilanzreport Tierimpfstoffe: Analyse der im Jahr 2008 und 2009 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen, 2010

Hoffmann A: Pharmakovigilanzreport Tierimpfstoffe: Analyse der im Jahr 2010 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen, 2011

Hoffmann A.: Pharmakovigilanzreport Tierimpfstoffe: Analyse der im Jahr 2011 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen, 2012

Holubek, R.: Das Einmaleins der RHD-Schutzimpfung

Holubek, R.: Hohe Myxomatosegefahr trotz niedriger Temperaturen

Holubek, R.: Immunprophylaxe beim Kaninchen

Holubek, R.: Kaninchenschnupfen. Typische Keimträgerseuche

Holubek, R.: RHD – Myxomatose – Schnupfen. Sicherer Rundumschutz durch regelmäßige Impfungen

Holubek, R.: Schutzimpfungen für gesunde Kaninchen

Holubek, R.: Umfang von Schutzimpfungen beim Kaninchen

Holubek, R.: Wann ist ein Kaninchenbestand impfwürdig? Kaninchenzeitung, 2004

Holubek, R.: Zuchtverluste durch Myxomatose verhindern

Hoop, R. K./Ehrsam, H./Keller, B. :10 Jahre Kaninchensektionen – Eine Übersicht häufiger Krankheits- und Abgangsursachen. Institut für Veterinärbakteriologie, Universität Zürich

IDT Biologika: Putzmunter. Schutzimpfungen für rundum gesunde Kaninchen, 2010

Lutz, W.: Zur Naturgeschichte des Wildkaninchens. Ein Blick in die Geschichte des Wildkaninchens in der Alten und der Neuen Welt. LÖBF Mitteilungen, 2004

Paul Ehrlich Institut: Kaninchenimpfstoffe. http://www.pei.de/cln_101/nn_161774/DE/arzneimittel/vet-mittel/kaninchen/kaninchen-node.html?__nnn=true, 2005 (Abruf 2009/2010)

Peichl, M.: Haustiere impfen mit Verstand. Ein kritischer Ratgeber. Norbert Höpfinger Verlag, 2009

Riemser Arzneimittel: Das gesunde Kaninchen. …Schutzimpfungen können helfen.

Vahlenkamp, T.: Influenzavirusinfektionen beim Kleintier. Kleintierpraxis, 2008

VETimpulse: In Endemiegebieten alle vier Monate impfen, 2008

Wegener, H.: Impf-Friedhof

Zinke, J.: Ganzheitliche Behandlung von Kaninchen und Meerschweinchen. Anatomie – Pathologie – Praxiserfahrung. Sonntag Verlag, 2004

Diverse Packungsbeilagen, Fach- und Gebrauchsinformationen der zugelassenen Kainchenimpfstoffe, insbesonders der Firmen Cunivak und Nobivac.

89 Antworten zu “Kaninchen-Impfungen”

  1. Tina sagt:

    Hallo.
    Ich hätte mal eine Frage bezüglich des Impfens. Und zwar habe ich eine Kaninchen Widder Dame welche am 15.06.16 geboren wurde. Sie wurde als ich sie holte vom Vorbesitzer einmalig am 02.08.16 gegen RHD/Myxo geimpft. Muss ich hier jetzt nochmal nachimpfen?

    Mein 2. Kaninchen ist ein kastrieter Rammler welcher am 03.09.16 geboren wurde. Er wurde vom Vorbesitzer einmalig nur gegen RHD am 03.11.16 geimpft. Da die selbe Frage. Soll ich jetzt nochmal nachimpfen und wenn ja auch gegen Myxo gleich mit?

    Ich muss noch anmerken das meine Kaninchen das ganze Jahr in Außenhaltung Leben. Daher weiß ich nicht ob es jetzt wo es so kalt ist gut wäre zu impfen?

    Vielen Dank schon mal im Voraus für die Antwort.

    Liebe Grüße Tina

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