Die Präsentation der Tiere in den Baumärkten und Zoohandlungen hat sich in den letzten Jahren verbessert. Kunden sind sich dadurch oftmals nicht bewusst, welche Bedingungen sie hinter den Kulissen mit einem Einkauf unterstützen.

Kaninchen aus der Zoohandlung?

In den Zoohandlungen und Baumärkten selbst, ist die Haltung mittlerweile besser geworden. Trotzdem steckt ein Geschäft dahinter, das auf Kosten der Tiere geht. Das liegt vor allem daran, dass die Zuchtbedingungen hinter dem Verkauf für die Kunden nicht sichtbar sind.

Woher kommen Zoohandel-Kaninchen?

Die meisten Zoohandlungen beziehen ihre Kaninchen aus unkontrollierten Massenzuchten unter fragwürdigen Bedingungen, teils befinden sich diese sogar im Ausland und die Tiere werden (vergleichbar mit dem illegalen Welpenhandel) unter desolaten Zuständen geboren, aufgezogen und anschließend weit transportiert.

Auf Anfrage geben die Zoohandlungen oft „qualifizierte, erfahrene Züchter“ an. Allerdings ist mir tatsächlich deutschlandweit keine einzige seriöse Zucht bekannt, die Tiere in Zooläden abgeben würde. Ich habe selbst schon zwei solcher Zuchten angeschaut, die für Zooläden Kaninchen produzieren. Einzelne Zoohandelketten geben an, dass sie ihre Züchter zertifizieren, so gibt beispielsweise Fressnapf an, dass es ein Zertifizierungssystem gäbe, welches sich an den Vorgaben der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) oder dem Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz e.V. (BNA) orientieren soll. Genaue Kriterien, wie es sonst bei Siegeln üblich ist, seien „geheim“. Immer wieder werden Zustände in Zuchten, die Fressnapf-Märkte beliefern, aufgedeckt, welche zeigen, dass das Zertifizierungssystem scheinbar nicht ernsthaft umgesetzt wird bzw. die Kriterien mangelhaft sind. Daher gehen wir davon aus, dass es sich bei dem Zertifizierungssystem um ein Siegel ohne Inhalt handelt, welches den Verbraucher einen verantwortlichen Umgang mit den Tieren vorspielen soll.

Obwohl solche Zoohandelzuchten oftmals sehr abgeschottet hinter verschlossenen Türen betrieben werden, kommt es immer wieder zu Medienberichten, die Zustände aufdecken, welche das Leid der Muttertiere und die schlimmen Aufzuchtbedingungen aufzeigen.

Massenzucht auf einem Balkon in Berlin

Schlechte tierärztliche Versorgung

Die Präsentation von Tieren im Zoohandel vermittelt den Kunden ein falsches Bild – Tiere sollten nicht als Ware, sondern als Lebewesen wahrgenommen werden. Eine Anschaffung muss gründlich überlegt und geplant werden. Kaninchen sind anspruchsvoller in ihrer Haltung als viele Katzen. Katzen werden aus gutem Grund nicht im Zoohandel angeboten.

In der Tierhandlung angekommen, werden die Tiere leider unzureichend tierärztlich versorgt, denn das würde erhebliche Einbußen im Gewinn bedeuten. Kranke Tiere werden oftmals an Laien verkauft oder in den Lagerräumen abgestellt, notdürftig versorgt, abgewartet und so Schmerzen oder den Tod des Tieres in Kauf genommen.

Welche Zoohandlung zahlt 80 Euro Tierarztkosten für ein Kaninchen, welches für 30 Euro verkauft wird?

Kranke, aggressive oder erwachsen gewordene und somit unverkäufliche Kaninchen

Manche Zooläden und Baumärkte geben unverkäufliche Tiere zurück an den Züchter, wenn sie nicht mehr im süßen Alter, aggressiv, oder krank sind, bzw. nicht dem Schönheitsideal der Käufer entsprechen. Leider habe ich selbst schon mehrfach erlebt, dass diese sie dann oftmals gesetzeswidrig ertränken, vergasen oder unsachgemäß töten, sie als Futtertiere an Zoos oder Reptilienhalter abgeben oder sich anderweitig ihrer entledigen.

Einige Mitarbeiter solcher Märkte versuchen, die Tiere zu vermitteln oder nehmen sie mit nach Hause, um ihnen die Rückgabe an den Züchter zu ersparen.

Es handelt sich meist um Tiere, die zu alt bzw. bissig sind oder nicht dem Schönheitsidealen entsprechen so dass sie keiner möchte. Wer im Zoohandel einkauft möchte ein süßes, gesundes und liebes Tier. Denn der Zoohandel lebt von Spontankäufen „süßer Tiere“.

Zoohandlungen fördern Spontankäufe von Tieren

„Oh ist das süß! Das möchte ich haben!“

Die meisten Zooladen-Kaninchen werden spontan beim Einkauf gekauft, weil sie so süß sind. Letztens stand in an einem Kaninchengehege in der Zoohandlung. Eine andere Kundin interessierte sich für eines der Kaninchen und meinte zu ihrer Begleitung: „Oh schau mal, wie süß das ist! Das möchte ich haben!“. Daraufhin meinte die Begleiterin „Aber schau mal, 30€ für ein Kaninchen!“. Wäre das Tier ein paar Euro günstiger gewesen, hätte sie es mitgenommen. Dass dieses Tier ein Gehege und Einrichtung benötigt, was 100€ schnell übersteigt, dass ein zweites Kaninchen notwendig ist und Futter- und Tierarztkosten der beiden Tiere den Kaufpreis schnell um das 10fache übersteigen, das wussten die Frauen noch gar nicht und hätten sie wohl auch nie erfahren. Das Kaninchen hätte ein einsames Leben im kleinen Käfig fristen müssen.

Zoohandlungen überfüllen Tierheime und Notstationen

Ausgesprochen viele Kaninchen, die bei uns in der Notstation abgegeben werden, wurden ursprünglich in einer Zoohandlung gekauft.

Hier haben zwei unkastrierte Rammler in Außenhaltung gelebt, die von einem Fressnapf-Markt mit dieser Ausstattung verkauft wurden. Wegen der Urinspritzer wurden sie nach draußen gestellt. Das unterlegene Kaninchen hatte Bissverletzungen und Abszesse am ganzen Körper.
  • Viele der Halter merken nach ein paar Wochen, Monaten oder Jahren, dass sie den Tieren nicht gerecht werden, da sie nicht die finanziellen und räumlichen Möglichkeiten haben, deshalb geben sie die Kaninchen aus Tierliebe wieder ab.
  • Andere Halter sind Opfer einer systematischen Fehlberatung:
  • So werden immer wieder zwei unkastrierte Rammler zusammen in Käfighaltung zu uns gebracht, die von Bisswunden und Abszessen übersäht sind, da sich unkastrierte Rammler in der Pubertät schwer verletzen oder sogar töten können.
  • Auch die Abgabe des falschen Geschlechts betrifft immer noch einige Halter, so dass sie Tiere abgeben muss, da dadurch ungeeignete Gruppenkonstellationen entstehen und kein Platz für eine zweite Gruppe ist.
  • Auch chronische Erkrankungen wie z.B. Zahnfehstellungen, welche einer lebenslange kostenintensive Behandlung bedürfen, sind von vielen Haltern nicht finanzierbar, insbesondere wenn z.B. Arbeitslosigkeit hinzutritt.
  • Leider ist vielen Haltern auch nicht bewusst, dass es ganz normal ist, dass sich Kinder nicht dauerhaft und zuverlässig um Haustiere kümmern können, und die Verantwortung bei Ihnen liegt – ein Kind kann aus gutem Grund kein Tier erwerben. Häufig werden Tiere abgegeben, weil die Jugendlichen sich z.B. in der Pubertät nicht mehr kümmern oder das vermeintlich „einfache Käfigtier“ mehr Pflege benötigt, als angenommen.

Fehlinformationen im Zoohandel vermitteln ein falsches Bild der Kaninchenhaltung

Macht ein Freikauf von Kaninchen aus dem Zoohandel Sinn?

Auch wenn man mit einem Freikauf dem einzelnen Kaninchen hilft, unterstützt man damit leider auch, dass weitere Tiere produziert werden und das gleiche Schicksal erleiden. Je mehr Tiere „freigekauft“ werden, desto mehr Kaninchen werden nachproduziert und desto mehr Kaninchen müssen das gleiche Schicksal erleiden.

Die Mitleidskäufe haben mittlerweile eine derartige Dimension angenommen, dass einige Zoohandlungen gezielt das Mitleid der Kunden ausnutzen um den Vertrieb der Tiere zu steigern. So werden z.B. Schilder an einsam präsentierte, ältere oder kranke Tiere angebracht, die dazu aufrufen, das Tier aus Mitleid zu kaufen.

Was kann ich dagegen tun?

Kaufen Sie keine gesunden Tiere frei! Für jedes gekaufte Tier rückt ein neues aus den Massenzuchten nach und das Geschäft wird angekurbelt. Selbst wenn Sie alle Kaninchen auf einmal kaufen, sitzen am nächsten Tag genauso viele Kaninchen an deren Stelle im Zooladen.

Wenn sie Tiere sehen, die krank sind, dann kaufen Sie diese frei und bringen Sie sie zum Tierarzt. Dokumentieren Sie durch ein Gutachten des Tierarztes und viele Fotos den Zustand des Tieres, legen sie diese der Zoohandlung vor bzw. fordern Sie die Tierarztkosten für das Tier beim Zoohändler ein, dieser muss für entstandene Schäden aufkommen, wenn das Tier nachweislich trächtig oder krank verkauft wurde (Tierarztkosten, Jungenaufzucht usw.).

Überbelegung, Durchfall/Blinddarmkot im Gehege und kein Frischfutterangebot – schauen Sie genau hin und sprechen Sie Missstände in Zoohandlungen an.

Nicht wegschauen sondern handeln! Wenn gehäuft kranke Tiere im Zoohandel sitzen, sammeln sie die Gutachten und Fotos und legen Sie diese dem Veterinäramt vor oder erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

Sprechen Sie Missstände direkt in der Zoohandlung an („Im Kaninchengehege ist Durchfallkot“ „Die Gehege sehen heute aber sehr dreckig aus“ „Ist das Gehege nicht ziemlich überbesetzt?“). Sprechen Sie auch an wenn Ihnen etwas positiv auffällt.

Überzeugen Sie Bekannte davon, Ihr Tier nicht in der Zoohandlung zu erwerben.

Kontrollieren Sie die Zoohandlungen im Umkreis bei Ihren Besuch. Der TVT stellt ein Infoblatt zur Verfügung, an dem sich auch die meisten Veterinärämter orientieren. Wenn Sie Missstände beobachten, erstatten Sie bitte Anzeige bei der Polizei und/oder melden sie diese beim Veterinäramt.

Merkblätter des TVT
Tierquälerei – was tun?