Gelegentlich gibt es in Kaninchenbeständen die Kaninchensyphilis (Spirochätose). Diese wird durch das Bakterium Treponema cuniculi ausgelöst. Ihren Namen hat die Erkrankung durch ihre Ähnlichkeit zur Syphilis beim Menschen (Treponema pallidum).

Symptome: Wie erkenne ich Syphilis beim Kaninchen?

Befallene Kaninchen fallen auf durch…

  • Schwellungen und Rötungen (Entzündung) oder sogar Eiter im Genitalbereich, und/oder
  • Entzündungen und Krusten an der Nase (wird oft mit Kaninchenschupfen verwechselt)
  • selten auch an den Augen, teils auch am Gesäuge.
  • Sehr selten können auch erst andere Bereiche betroffen sein.
  • Bei einer Entzündung im Genitalbereich ist häufig Durchfall eine Begleiterscheinung.

Diese Entzündungen breiten sich immer weiter aus und können unbehandelt bei geschwächten Tieren zum Tode führen. Immunstarke, unbehandelte Tiere haben oft über lange Zeit immer wieder Symptome oder durchgängig die Erkrankung.

In der Regel haben die betroffenen Tiere zunächst nur an einer Stelle Hautveränderungen (nur an der Nase oder am Geschlechtsteil).

Die Diagnose wird meist anhand des klinischen Bildes auf Verdacht gestellt, prinzipiell ist jedoch auch ein Erreger-Nachweis im Blut möglich, dieser benötigt jedoch etwas Zeit (etwa zwei Wochen).

Differenzialdiagnosen: Ist es wirklich Kaninchensyphilis?

Sehr häufig sind die klinischen Symptome der Myxomatose, Kaninchenschnupfen oder einer Hautreizung durch Durchfall, festklebenden Blinddarmkot oder Hautreizungen durch das Scheren nach Durchfällen ähnlich und somit nicht eindeutig, dann ist ein Erreger-Nachweis über das Labor ratsam (dauert etwa 2 Wochen). Bei leichten Symptomen kann ggf. erst einmal abgewartet und örtlich behandelt werden, z.B. wenn die Region nach einem Durchfall gereinigt wurde und gereizt aussieht. Verheilen die entzündeten Stellen jedoch nicht zeitnah, gibt es keine Ursache für den Durchfall (insbesondere Kotprobe auf Parasiten untersuchen und Zähne röntgen lassen!), oder kommen die Symptome wieder, muss zeitnah ein Erregernachweis angefordert werden.

Wichtig: Suchen Sie einen kaninchenkundigen Tierarzt auf, der speziell auf kleine Heimtiere spezialisiert ist. Die meisten Tierärzte kennen sich mit Hund und Katze, aber nicht mit Kaninchen ausreichend gut aus! Dadurch werden spezielle Kaninchenkrankheiten wie z.B. die Kaninchensyphilis oder Zahnerkrankungen häufig nicht erkannt und fehlbehandelt.  Tierarzt finden

Übertragung, Ansteckungsgefahr

Besonders unbehandelt breitet sich die Syphilis in Beständen oft seuchenhaft aus, so dass mehrere Tiere betroffen sind, erkrankte Kaninchen können zudem Rückfälle bekommen. Erfolgreich behandelte Kaninchen, die keine Symptome mehr zeigen, übertragen die Krankheit jedoch in der Regel nicht. Übertragen wird die Erkrankung durch den Deckakt und Kontakt mit der Kaninchenspucke (Bisse, Belecken), Jungtiere werden meist von der Mutter bereits in den ersten Lebenstagen infiziert, deshalb ist Syphilis eine Ausschlusskrankheit für die Zucht. Eine Impfung ist zur Zeit nicht möglich.

Syphilis am Geschlechtsteil mit Schwellung und Durchfall.

Therapie: Wie kann man Syphilis behandeln?

Eine Behandlung mit klassischen Antibiotika schlägt i.d.R. nicht an, deshalb ist es unumgänglich, mit Penicillin zu therapieren (meist Duphamox). Penicillin ist  jedoch oral (in den Mund eingegeben) für Kaninchen meist tödlich, deshalb darf es ausnahmslos gespritzt werden. Es ist auch möglich, ein Antibiogramm zu erstellen um zu ermitteln, welches Antibiotikum wirksam ist.

Zusätzlich werden häufig die betroffene Stelle mit antibiotischen Augentropfen und Salben behandeln.

Die Penicillin-Behandlung sollte unterstützt werden, indem Stressoren (schlechte Haltungs- oder Fütterungbedingungen, Stress in der Gruppe, Stress durch häufiges Hochnehmen/Tragen etc.) abgestellt werden. Zudem kann das Immunsystem mit (Meer)rettich unterstützt werden, dieser wirkt antibakteriell und ist mit Banane (oder einem anderen Lieblingsfutter) vermischt einfach zu verabreichen. Er sollte langsam angefüttert werden (erst Kleinstmengen untermischen und behutsam steigern) und über die Heilung hinaus gegeben werden, ist in der Regel jedoch recht schnell wirksam.

Ebenfalls unterstützend zum Antibiotikum ist Kokosöl (im Internet, Naturkosthandel oder Reformhaus erhältlich, betroffene Stellen täglich damit einreiben) eine gute Hautpflege, dieses wirkt gegen die Entzündung, heilungsfördernd und tötet einen Teil der Bakterien ab.

Kolloidales Silber kann zur Erreger-Bekämpfung äußerlich (betroffene Stellen einreiben) verwendet werden.

Oft ist es nötig, zusätzlich das Immunsystem zu fördern.

All diese unterstützenden Maßnahmen eignen sich nur als örtliche Behandlung, zusätzlich zum Penicillin, und nicht als alleinige Therapie.