Winterfütterung – die Mischung macht´s

Kaum eine Jahreszeit sorgt unter Kaninchenhaltern für so viel Unstimmigkeit, wie der Winter. Nicht nur die Haltung und Kälteschutz verunsichert manch Kaninchenhalter wenn die Temperaturen in den Keller steigen, auch die Ernährung sorgt für viel Gesprächsstoff, denn die Natur bietet scheinbar im Winter deutlich weniger Nahrungs-Quellen als im
Sommer. Was sollen die Kaninchen also während der schneereichen Zeit fressen um gesund über den Winter zu kommen?

Ist der Winter nicht auch in der Natur eine Mangelzeit?

Das Wildkaninchen im Winter nur „Heu“ oder „karge Kost“ essen, wird oft verbreitet, ist jedoch nicht ganz richtig. Der Großteil des Winters ist (je nach Winter) schneefrei, d.h. die Kaninchen haben rund um die Uhr Zugang zu Frischfutter, das sie knabbern. Bei Schnee graben und scharren sie nach Frischfutter. Aber ideal ist es natürlich trotzdem nicht, deshalb sterben im Winter mehr Wildkaninchen als im Sommer. Wir wollen aber bei unseren Hauskaninchen lieber ganzjährig eine optimale Fütterung.

Wer selber Freilaufkaninchen hält, die Zugang zur Natur und ihrer winterlichen Vielfalt haben, weiß, dass sie sich im Winter ähnlich wie ihre wilden Verwandten verhalten. Es werden unzählige Löcher in den Schnee gescharrt und die Wiese, die darunter zum Vorschein kommt, gefressen.
Außerdem graben sie Schlehen, Eicheln und andere Früchte
aus, die vom Herbst unter der Schneedecke liegen, und fressen sie. Auch Rinden werden von Bäumen geschält und liegen gebliebenes Herbstlaub unter den Büschen geknuspert. Wildkaninchen machen es genauso. Im Winter ist zwar ein Teil der Wiesenpflanzen braun, aber wenn man sich die Wiesen genau anschaust, kann man viele frische, grüne Pflanzen finden, z.B. Spitzwegerich, Löwenzahn, Gräser…).

Natürlich ist das Gebuddel recht aufwändig und braucht viel Energie, deshalb magern viele Wildkaninchen im Winter ab und wenn in harten Wintern die Schneedecke zu lange geschlossen bleibt, sterben auch eine Menge Wildkaninchen an Erschöpfung, Nahrungsmangel und Krankheiten. Gerade im Winter ist die Sterblichkeit in der Natur recht hoch. Das ist auch
wichtig, denn so überleben nur die Stärksten (und pflanzen sich im Frühjahr fort > natürliche Auslese). In der Heimtierhaltung ist dieser Effekt allerdings unerwünscht. Wir möchten, dass alle unsere Kaninchen optimal versorgt sind und keines geschwächt wird. In der Haustierhaltung benötigen wir keine natürliche Auslese durch Notzeiten. Deshalb füttern wir auch im Winter unsere Kaninchen vielseitig und gesund.
Wildkaninchen fressen übrigens auch im Winter kein Heu, wer in seiner Umgebung Wildkaninchen kennst, der lege einen Heuberg aus und beobachte ob sie an das Heu gehen. Er wird von den Wildkaninchen meist verschmäht. Denn die magere Kost, die Wildkaninchen im Winter vorfinden (Pflanzenreste unter der Schneedecke, Wurzeln, Rinde…) ist immernoch ergiebiger als Heu es ist. Im Winter gibt es in der Natur auch kein Heu, sondern viel Grünfutter und Rinden…

Was brauchen meine Hauskaninchen im Winter?

Die Winterfütterung von Kaninchen sollte immer aus verschiedenen Komponenten bestehen um Kaninchen bedarfsdeckend zu versorgen.

Hauptnahrung Grünfutter und Frischfutter

Sehr wichtig im Winter ist die ausreichende Versorgung mit Grünfutter. Auch wenn nun draußen in der Natur nur noch wenig gepflückt werden kann, sollten die Kaninchen täglich eine gute Menge Grünzeug bekommen. Solange sich draußen noch etwas finden lässt, sollte jedoch darauf zurück gegriffen werden.
Man kann auch einfach ganze Kohlköpfe oder Salatköpfe ins Gehege legen.

Blättriges Gemüse sollte dabei min. 70% der täglichen Frischfuttermenge ausmachen, festes Gemüse wie z.B. Karotten darf nur in kleinen Mengen dazu gegeben werden.

Besonders Kohlgemüse bietet sich hier sehr gut an, obwohl es einen vernichtenden Ruf hat, ist es für die Winterernährung unverzichtbar und sehr gesund. Sehr beliebt sind Kohlrabiblätter, Grünkohl/Braunkohl, Wirsing, Brokkoli, Spitzkohl und Blumenkohl. Alle anderen Kohlsorten können ebenfalls angeboten werden. Die Kohlfütterung verträgt sich nicht mit der Fütterung von handelsüblichen Trockenfutter, dieses sollte zuvor abgesetzt werden. Kohlgemüse muss grundsätzlich sehr langsam angefüttert werden, niemals sollte man gleich einen großen Berg verabreichen.

Küchenkräuter sind zwar oft teuer, aber sehr wertvoll für die Kaninchenernährung. Alle Küchenkräuter für Menschen sind auch für Kaninchen geeignet.

Auch andere blättrige Gemüsesorten wie Mangold, Karottengrün, Rucola, Stangensellerie, Spinat und Salate sind geeignet. Unter den Salaten sind besonders jene mit Bitterstoffen, wie z.B. Endivie, Frisée und Chicorée recht sinnvoll. In türkischen Läden gibt es Löwenzahn als Salat zu kaufen.

Ergänzend können in kleinen Mengen Wurzel- und Knollengemüse angeboten werden, z.B. Karotte, Pastinake, Rote Bete, Petersilienwurzel, Knollensellerie, Steckrübe (Kohlrübe), Mairübe und Topinambur.

Welches Gemüse darf verfüttert werden?

Gutes Raufutter ist Pflicht

Achten Sie gerade im Winter auf ein wirklich gutes Heu. Es sollte schmackhaft, trocken, schimmelfrei, grünlich, artenreich und trocken sein. Neben einem hochwertigen Heu, kann in kleinen Mengen eine Trockenkräuter-Mischung (evtl. auch mit getrockneten Blüten und Blättern ergänzt) angeboten werden. Als Richtwert kann bis zu einen EL voll für zwei Kaninchen täglich gereicht werden, sie dürfen auch gerne über das Heu gestreut werden. Wie das Heu, darf sie nicht überlagert sein. Sie kann selber gemischt, oder bereits gemischt gekauft werden. Informationen zum „selber mischen“ finden Sie hier, gekauft eignet sich z.B. „Purgrün“ von Grünhopper. Viele Halter trocknen bereits im Sommer und Herbst täglich eine Hand voll Wiesenpflanzen für den Winter, andere erwerben die Kräuter in Onlineshops.
Die Trockenkräuter versorgen das Kaninchen bedarfsdeckend mit Mineralien und gleichen den im Gemüse enthaltenen geringen Gehalt an sekundärenen Pflanzenstoffen aus. Diese Stoffe sind wichtig für eine gesunde Verdauung und fördern allgemein die Gesundheit.
Getrocknete Kräuter tragen außerdem zu der Versorgung mit ß-Carotin (Vorstufe zu Vitamin A) bei.
Besonders Beta-Carotin reiche trockene Bestandteile in µg je 100g
Getrocknete Petersilie 13871.00
Getrockneter Löwenzahn 22268.00
Getrockneter Kerbel 24127.00
Getrockneter Dill 26172.00
Getrockneter Sauerampfer 27712.00
Getrocknete Karotte 34820.00

Eine tolle, aber seltene Alternative zum Heu sind Cobsballen (Grascobsballen, Futtertrocknungsballen, Grasballen, Edelgrünballen…), diese haben einen sehr hohen Vitamin- und Eiweißgehalt und sind somit sehr viel hochwertiger und beliebter als Heu. Leider sind sie nur stark regional und in sehr großen Mengen erhältlich, oder aber man bestellt es lose im Hasenhaus im Odenwald.

Beikost

Ein wichtiger Energielieferant im Winter sind Früchte, bzw. einheimisches Obst, z.B. Apfel und Birne. Diese können ergänzend regelmäßig in kleineren Mengen aus der Hand angeboten werden. Bei starken Frost oder großen Kaninchenrassen, können sie auch mal ein paar Tage hintereinander gereicht werden.

In Winteraußenhaltung ist für Kaninchen mit hohen Energiebedarf eine Sämereienmischung  sinnvoll. Als Energiefutter eignen sich hier insbesondere mehlhaltige Saaten, also Mehlsaaten, je nach Bedarf der einzelnen Tiere, darf davon mehr oder weniger angeboten werden (große Rassen, Kaninchen im Wachstum, dünne Kaninchen).
Zur Deckung des Bedarfes an essentiellen Fettsäuren und Vitamin E sind Ölsaaten empfehlenswert. Diese sollten immer verfüttert werden.

Besonders Vitamin E reiche Saaten in µg je 100g
Sonnenblumenkerne 37.770,00
Kürbiskerne 4.000,00
Mohn 4.000,00
Leinsamen 3.000,00
Sesam 2.530,00

Getrocknete Wurzeln, z.B. Löwenzahnwurzeln dürfen ebenfalls gefüttert werden.

Völlig ungeeignet sind fast alle handelsüblichen Trockenfutter, als Alternative kann ein Trockenfutter selber zusammen gestellt werden: Die Sämereien können gemischt mit den getrockneten Wurzeln auch zu einer Art „Trockenfutter“ verarbeitet werden. Diese Mischung kann auch in die Trockenkräutermischung gegeben werden.
Hier finden Sie eine Anleitung
Solch ein Futter ist jedoch Energiefutter und nicht unbedingt gesund: Es sollte nur sehr dünnen, Tieren im Wachstum, laktierenden oder kranken Tieren verfüttert werden.

Wer viele Kaninchen beherbergt, kann hier nach einem geeigneten Sackfutter schauen: Sackfutter-Vergleich

Besser als Trockenfutter ist Mash, da es nicht so trocken ist. Trockenfutter kann auch zu Mash verwandelt werden. Infos dazu findet ihr hier

Eine wertvolle Nährstoffquelle im Winter sind Keimlinge, also angekeimte Saaten, diese werden am besten mit einem Keimglas angekeimt.
Unter den Saaten sind besonders Weizen- und Roggenkeime eine wertvolle Vitamin E Quelle. Allerdings sind alle Keimlinge sehr wertvoll für die Vitaminversorgung.

Vitamin E reiche Keimlinge in µg je 100g
Weizenkeime 24735.00
Roggenkeime 12600.00

Frisches Grün im Winter

Auch im Winter sind Kaninchen auf eine abwechslungsreiche Fütterung angewiesen. Wichtig ist es auch hier, frisches Grün anzubieten. Dafür bieten sich viele Möglichkeiten.

Keimfutter

Wenn man Samen zum keimen bringt, können die Nährstoffe besser verwertet werden, der Wassergehalt der Samen steigt und es bietet sich frisches Grün für die Kaninchen. Daher sind gekeimte Samen immer eine tolle Ergänzung für die Kaninchenernährung, gerade im Winter.

JR Farm Keimfutter (für Papageien oder Wellensittiche) und ein Keimglas (z.B. von DM-Drogeriemarkt f. ca. für 3,50€)

Benötigt werden: Samen, ein Sieb und eine Schale in das man das Sieb stellen kann (Sieb und Schale kann durch ein Keimglas ersetzt werden)
So wird es gemacht: Die Samen in das Sieb geben (Achtung, keine Leinsamen, sie sind ungeeignet! Besonders gut keimen die Keimsaaten von JR-Farm), unter fliesenden Wasser etwas abspülen und dann das Sieb in die Schale stellen. Die Schale mit Wasser füllen und 8 Stunden stehen lassen. Dann das Wasser aus der Schale schütten, die Samen im Sieb wieder abspülen und zurück in die Leere Schale stellen. Nun 2x tägl. Die Samen mit Wasser durchspülen (unter dem Wasserhahn) und ansonsten in der Schale stehen lassen (ohne Wasser!). Wenn sie gekeimt sind, können sie verfüttert werden.

Gründüngung

Eine recht kostengünstige und gesunde Ernährung ist mit Gründüngung möglich, diese wächst auf Feldern und kann bis tief in den Winter geerntet werden. So kann man den kompletten Herbst und einen Teil des Winters mit Gründüngung und Heu, ergänzt durch etwas Futtermöhren hochwertig und gesund füttern.

Wie erkenne ich Gründüngung? Was darf verfüttert werden? Was sollte ich beachten?

Wintergrüne Pflanzen

Einige Pflanzen sind auch im Winter noch grün. Ein Teil dieser Pflanzen sind als Kaninchenfutter geeignet. Zum Beispiel der Bambus (Gartenbambus jeder Art), er kann im Garten angepflanzt und im Winter dann verfüttert werden, er bleibt den Winter über grün. Oder die Brombeere, ihre Blätter sind auch im Winter noch grün und sehr beliebt bei den Kaninchen.

Zimmerpflanzen

Natürlich kann man auch seine Zimmerpflanzen etwas nach dem Geschmack der Kaninchen aussuchen. Einige Zimmerpflanzen sind gut verträglich. Ich selber verfüttere im Winter beispielsweise Papyrus an meine Kaninchen.
Frühlings-Äste

Im Winter sind die meisten Äste kahl und befinden sich in Winterruhe. Holt man sie ins Haus und stellt sie ins Wasser, so bilden sich Knospen und Blätter treiben aus.

Pflanzenreste

Wildkaninchen ernähren sich im Winter größtenteils von Pflanzenresten, diese finden sie unter der Schneedecke vor. Wenn man sich etwas umschaut kann man selbst im Winter noch einiges an Pflanzenresten finden. Sie sind meist nicht mehr ganz so ansehnlich aber dafür ein Festmahl für die Kaninchen. Das Pflücken lohnt sich somit auch im Winter.

Grün auf der Fensterbank

Auch im Blumentopf lassen sich Pflanzen ziehen. Allerdings ist der Ertrag hier äußerst gering.

Frisches aus der Zoofachhandlung

Im Handel werden Nagergräser (oder Katzengras) angeboten, diese können in einem Topf angesetzt werden. Ansonsten kann man Golliwoog kaufen, eine grüne, sehr beliebte Pflanze, die äußerst gerne verspeist wird.

Blattgemüse

Im Supermarkt findet man einiges an Blattgemüse. Dieses kann im Winter als Grundfutter gereicht werden.

Blattgemüse: Alle Arten von Salaten (Kopfsalat, Lattich Chicorée, Endivie, Rucola…), Karottengrün, Stangensellerie, Spinat, Radieschengrün, Fenchelgrün, Mangold, Topinambur-Pflanzen, Rote-Beete-Grün, Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl, Chinakohl und Grünkohl, Romanesko, Rotkohl, Wirsing, Weißkohl, Rosenkohl usw…

Ein zu hoher Anteil an festen Gemüse ist so nicht für Kaninchen geeignet. 70% sollte aus blättrigen Grünfutter bestehen.

Löwenzahn

In türkischen Läden kann man Löwenzahn kaufen, was die Kaninchen sicherlich freut.

Küchenkräuter

In vielen Läden bekommt man frische Kräuter in Bündeln oder Töpfen. Alle Küchenkräuter sind geeignet und die meisten werden geliebt.
Kräuter sind ein wichtiger Bestandteil der Kaninchenernährung.