Atemwegserkrankungen beim Kaninchen

Die Seuche Kaninchenschnupfen oder doch nur eine Erkältung?

Symptome: Woran erkenne ich Schnupfen und Erkältungen?

kaninchen-schnupfen


kaninchenschnupfen einseitiger ausfluss

Einseitiger Nasenausfluss ist in der Regel kein Schnupfen sondern hat z.B. eine Zahnwurzelentzündung oder einen Abszess im Zahnbereich zur Ursache.

Erste Anzeichen für Atemwegserkrankungen ist meist gelegentliches, trockenes Niesen. Die Tiere haben ansonsten ein normales Allgemeinbefinden und sind fit. Das Niesen weitet sich je nach Immunabwehr recht schnell in regelrechte Niesattacken aus, die sich irgendwann anhören, als würde das Kaninchen husten oder als hätte es einen Fremdkörper im Hals bzw. in der Nase. Im fortgeschrittenen Stadium, wenn keine Behandlung erfolgt, fliest Sekret aus der Nase, das zu erst klar, später weißlich-gelb gefärbt ist. Bei den Niesattacken und durch die mit Sekret verstopften Atemwege bekommen die Kaninchen schlecht Luft, sie versuchen nun, die Nase zu putzen, um wieder besser Luft zu bekommen. Dabei verteilen sie das Sekret nicht nur rund um die Nase, sondern auch an den Vorderpfoten. Das Fell an diesen Stellen sieht nun verklebt aus und kann auch feucht sein. Beim Putzen wird der Erreger oft über die Vorderpfoten in die Augen übertragen, so dass auch dort eine eitrige Entzündung mit Ausfluss entsteht. Recht schnell kommt es auch schon bei leichten Schnupfensymptomen wie z.B. Niesen neben einer Entzündung der Atemwege (Akute Bronchitis) auch zu einer Entzündung der Lunge (Lungenentzündung oder Pneumonie), diese führen unbehandelt zum Tod. Die Erkrankung schwächt einen Teil der Kaninchen, das Allgemeinbefinden verschlechtert sich zunehmend, dadurch werden viele Folgeerkrankungen ausgelöst.
Das Kaninchen verliert Gewicht und sein Allgemeinzustand verschlechtert sich. Zudem kann die Erkrankung sich im ganzen Körper ausbreiten und zu eitrigen Entzündungsherden vieler Organe führen. Typische Folgeerkrankungen sind Abszesse, Bindehaut- und Trännennasenkanal-Entzündungen sowie Ohrenentzündungen (Kopfschiefhaltung).
Schnupfen ist beim Kaninchen oftmals ein Bestandsproblem, wenn Kaninchen dicht und nicht optimal gehalten werden, breitet sich der Schnupfen seuchenhaft aus. Unter guten Haltungsbedingungen mit medizinischer Versorgung ist es meist nur ein Problem einzelner oder geschwächter Kaninchen, die sich auch behandeln lassen.

Auslöser

Die auslösenden Erreger sind bei Kaninchen allgegenwärtig, sehr viele Kaninchen tragen sie, ohne jemals zu erkranken. Die Infizierung mit den Bakterien reicht nicht aus, um einen Schnupfen auszulösen. Viel entscheidender für die Erkrankung sind u.a. folgende Auslöser:kaninchenschnupfen

  • Stress durch falsche Handhabung, auf den Arm nehmen und „Kuscheln“, grober Umgang
  • Vergesellschaftungen, unharmonische Gruppen, Neuzugänge
  • Umzug
  • Andere (chronische) Erkrankungen oder ein geschwächtes Immunsystem, manchmal auch Impfungen
  • Schlechte Haltungsbedingungen, z.B. wenig Witterungsschutz, Zugluft, wenig Platz, keine trockenen und winddichten Schutzhütten, trockene Heizungsluft
  • Schlechte Hygiene, z.B. Erdboden in kleinen Gehegen, eine hohe Ammoniakbelastung, seltenes Ausmisten, feuchte Einstreu
  • Eine wirkstoffarme/übervorsichtige Ernährung mit wenig Pflanzen, die ätherische Öle beinhalten

Diagnose: Hat mein Kaninchen eine Erkältung oder den Kaninchenschnupfen?

kaninchenschnupfenKaninchen können sowohl an einer Erkältung erkranken, die recht leicht zu behandeln ist, unbehandelt jedoch chronisch werden kann, als auch an den seuchenhaften Erregern des Kaninchenschnupfens.
Schnupfen beim Kaninchen ist meistens nicht mit einer Erkältung beim Menschen vergleichbar, denn der Schnupfen beim Kaninchen wird meistens durch Bakterien ausgelöst und nicht durch Viren.

Haupterreger des Kaninchenschnupfens sind
Pasteurella multocida und
Bordetella bronchiseptica,
so gut wie immer sind jedoch mehrere Erreger gleichzeitig beteiligt, dazu gehören auch Streptokokken, Staphylokokken, Hämophilusarten und Pseudomonas. Viren und Mycoplasmen werden ebenfalls als Mit-Erreger vermutet.

Ob es nun ein harmloserer Schnupfen ist, oder die recht aggressiven Erreger des Kaninchenschnupfens, lässt sich als Laie nicht erkennen. Weiter unten erfahren Sie, wie der Tierarzt feststellt, welche Erkrankung vorliegt.

rettich-gruenduengung

Rettich ist im Herbst auf Gründüngefeldern zu finden, die Blätter können dann als Kur in großen Mengen gefüttert das beste Mittel gegen Schnupfen sein. In den anderen Jahreszeiten muss auf die Rettichwurzel aus dem Supermarkt oder andere Pflanzen zurückgegriffen werden.

Erste Hilfe bei Niesen

Wenn das Kaninchen wirklich nur gelegentlich niest, aber keinen Nasen- oder Augenausfluss hat, kann man fünf Tage lang mit Angocin behandeln. Die Behandlung muss allerdings sofort angesetzt werden, sonst setzt sich der Schnupfen fest!
Angocin ist ein natürliches, rein pflanzliches Antibiotikum, das gegen Bakterien, Viren und Pilze der Atemwege und harnableitenden Organe wirkt. Es ist in der Apotheke frei verkäuflich. Die Tagesdosis für Kaninchen sollte bei mindestens 8-10 Tabletten liegen (bis 2,5 kg, ansonsten mehr), sonst wirkt es nicht, sie werden in Wasser von ihrer Schutzschicht befreit, diese lässt sich recht leicht abwaschen. Angocin wird von vielen Kaninchen sehr gerne als Leckerli gefressen, ansonsten kann es mit wenig Wasser aufgelöst und dann mittels nadelloser Spritze ins Maul verabreicht, oder mit zerdrückter Banane schmackhaft gemacht werden.
Alternativ zu Angocin kann versucht werde, dem Kaninchen Futtermittel mit Senfölglycosiden zu füttern, insbesondere Rettich & dessen Grün, Radieschen(blätter), Rucola, Kresse, Rapspflanzen, Rübsenpflanzen und Kapuzinerkresse, in geringen Mengen ist es auch in Kohl enthalten. Wenn das Kaninchen davon große Mengen frisst, wirkt es wie Angocin und besser als jedes Antibiotikum. Senföle sind das beste Mittel gegen Bakterien und Viren der Atemwege und ein natürliches Antibiotikum.
Tritt innerhalb der fünf Tage keine Besserung ein oder kommt es zu einer Verschlechterung, muss umgehend der Tierarzt aufgesucht werden. Je früher erfolgreich behandelt wird, desto höher sind die Erfolgs-Chancen.

Wann muss ich zum Tierarzt?

erkältung kaninchen

Schon bei den ersten Niesern behandelter Schnupfen ist gut in den Griff zu bekommen. Wenn man erst einmal abwartet, ist das Kaninchen recht schnell unheilbar/chronisch erkrankt!

Sobald erste Anzeichen (Niesen) für einen Schnupfen auftreten, ist es unumgänglich, diese sehr ernst zu nehmen. Keinesfalls sollte man „abwarten ob es wieder von alleine weg geht“ sondern umgehend mit der Behandlung beginnen. Wenn man erst einmal wartet, bekommt man ihn meist nicht mehr oder nur mit extrem viel Aufwand über einen langen Zeitraum in den Griff. Sollte nach fünf Tagen Angocin (siehe oben) keine Besserung eintreten oder während der Behandlung eine Verschlimmerung spürbar sein, muss zeitnah der Tierarzt aufgesucht werden.

Die richtige Behandlung

Kaninchenschnupfen kann sehr zäh sein, besonders wenn er nicht frühzeitig behandelt wird. Es hat sich die Behandlung nach den fünf Säulen bewährt, dabei müssen alle Säulen beachtet und umgesetzt werden, ansonsten ist die Behandlung meistens nicht erfolgreich:

kaninchenschnupfenbehandlung erfolgreich Kopie

Wichtig: Es müssen alle 5 Bausteine/Säulen gleichzeitig und über einen längeren Zeitraum konsequent umgesetzt werden! Sonst hat man gegen Kaninchenschnupfen meistens kaum eine Chance!

Bestandsaufnahme und Diagnose

Neben der Abklärung von einer Lungenentzündung durch gründliches Abhören steht als erstes eine Bestandsaufnahme der Symptome beim Tierarzt an.
Dabei sind die Symptome für den Tierarzt das wichtigste Diagnosekriterium. Dadurch kann er feststellen, wie stark der Schnupfen bereits ist und ob andere Ursachen in Frage kommen könnten.

Viele Kaninchen mit Nasen- oder Augenausfluss haben eigentlich Zahnerkrankungen und keinen Schnupfen!

Der Tierarzt überprüft, ob eine Zahnerkrankung hinter den Symptomen stecken könnte und untersucht dafür genau die Zähne. Teils müssen sie sogar geröngt werden, denn viele Zahnerkrankungen sind von außen nicht sichtbar.

Zudem wird er das Kaninchen genau untersuchen, denn viele Kaninchen mit Schnupfen haben andere Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen und so den Schnupfenausbruch hervorrufen.

Bei stärkeren Schnupfen kann der Tierarzt mittels einer Spülprobe aus der Nase (keinem normalen Abstrich!) am ehesten ein Erreger nachweisen. Dann kann geprüft werden, ob es ein Kaninchenschnupfen-Erreger ist.

Wenn dr Tierarzt sich einen Überblick über das Allgemeinbefinden des Kaninchens gemacht und die Symptome genau geprüft hat, kann er abschätzen, welche Behandlung erfolgsversprechend ist.

Andere Urachen für Niesen, Ausfluss und Niesattacken: Neben Schnupfen gibt es noch weitere Erkrankungen, die Niesen auslösen können. Eine mögliche Ursache sind Allergien auf Staub, Einstreu, Heu, Stroh oder andere Stoffe aus der Umgebung, solche Allergien sind jedoch extrem selten. Überprüfen kann man dies, indem man mit Decken/Handtüchern einstreut und das Kaninchen mit frischer Wiese statt mit Heu füttert oder das Heu in einen Baumwollbeutel mit kleinen Löchern, aus denen es herausgezüpft werden kann, anbietet. Zudem sollte das Heu nicht im Raum, in dem das Kaninchen lebt, aufgefüllt werden. Sollte es sich um eine Allergie handeln, kann eine Behandlung mit Enzymkomplex und Xanthium erfolgen.
Auch ein Fremdkörper in der Nase kann zu Niesen und Ausfluss führen.
Ebenfalls ursächlich kann sehr trockene Raumluft oder extrem trockenes, heißes Wetter sein. Zu (chronischen) Nasenausfluss kommt es oftmals auch durch Zahnerkrankungen oder eine Erkrankung des Tränennasenkanals. Deshalb sollten Zahnerkrankungen immer ausgeschlossen werden!

Erreger-Bekämpfung

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Bei solch starkem Schnupfen muss zunächst ein starkes Antibiotika Teil der Therapie sein um den Schnupfen zu bekämpfen.

In schwereren Fällen wird direkt ein Antibiotikum verordnet, oftmals Baytril wegen seiner hervorragenden Verträglichkeit. Allerdings wirkt Baytril nicht immer, da manche Erreger bereits resistent gegen den Wirkstoff sind. Ein Antibiotikum, das fast immer gegen Schnupfen wirkt, ist Penicilin, z.B. Duphamox,  allerdings darf es ausnahmslos gespritzt und niemals oral gegeben werden, zudem nur bei Tieren mit gesunder Verdauung. Auch Chloromycetin wirkt bei vielen Kaninchen zuverlässig.
Um sicher zu gehen, sollte bei schwereren Verläufen eine Spülprobe aus der Nase genommen werden, mittels der dann ein Antibiogramm erstellt werden kann. Dafür wird mit einer Kopfkanüle Sekret aus der Nase gespült und eingeschickt, ohne das vorherige Herausspülen mit NaCl-Lösung ist das Ergebnis meistens nicht nützlich. Oft ist Penicillin (darf nur gespritzt werden!) sehr gut wirksam, es ist aber nur geeignet, wenn das Kaninchen gut frisst. Ein reiner Abstrich ohne Spülprobe ist meistens nicht sehr aussagekräftig. Ein Antibiogramm zeigt an, welche Antibiotika am besten die Erreger abtöten und gegen welche die Bakterien bereits immun sind. Bestehen Sie besonders bei schwereren Verläufen, die über das Niesen hinaus gehen, auf ein Antibiogramm, denn viele Antibiotika sind völlig wirkungslos und Behandlungsversuche mit nicht wirksamen Antibiotika verschwenden viel kostbare Zeit. Zu beachten ist jedoch, dass im Abstrich oft nicht alle Erreger erfasst werden und somit das Antibiogramm nicht immer aufschlussreich ist. Teils sind auch Antibiotika als sensibel angegeben, die es nicht wirklich sind, beispielsweise Baytril bei Pasteurellose.

Wird mittels Spülprobe ein wirksames Antibiotikum ermittelt, kann dieses eingesetzt werden. Konnte man mit anderen Mitteln in der Zwischenzeit die Symptomatik bereits stark abmildern, so ist ein Antibiotikum überflüssig. Ansonsten ist der Einsatz eines Antibiotikums sehr wichtig.

kaninchenschnupfenGründe, warum das „richtige“ Antibiotikum nicht anschlägt:

  • Ein schlechtes Immunsystem, oft verbunden mit einer Granulozytopenie (ggf. erst das Immunsystem aufbauen)
  • Fremdkörper oder Abszess in den Atemwegen, Beteiligung der Zähne (durch Röntgen abklären!)
  • Keine oder schlechte Resorption des Antibiotikums
  • Unwirksamkeit durch Kombination mit anderen Medikamenten
  • Resistenzentwicklung während der Therapie
  • Der festgestellte Erreger war gar nicht der Haupt-Erreger

Bei leichteren Verläufen wird oft auf das Antibiotikum verzichtet und statt dessen andere erregerabtötende Mittel genutzt. Bei Antibiotika-Einsatz sollten diese Mittel aber trotzdem zusätzlich verwendet werden.
Dafür hat sich Angocin (Schutzschicht abwaschen, Dosierung siehe weiter oben), RodiCare Pulmo (1x tägl. 1-1,5ml) oder Sinupret (2-3x täglich etwa 0,2ml/kg) bewährt. Gute Erfahrungen haben wir auch mit Schwarzkümmelöl (3-8 Tropfen/Tag) gemacht. Hoch wirksam gegen Schnupfen ist auch die Gabe von Ingwer und Meerrettich. Ingwer heilt die Entzündung und führt zur Schleimverflüssigung bei Lungen- und Nebenhöhlenentzündung. Meerrettich oder Rettich ergänzt den Ingwer in seiner Wirkung, er ist ein natürliches Antibiotikum, die enthaltenen Senfölglycoside hemmen die Vermehrung von Bakterien, Pilzen und Viren. Sie wirken damit gegen die typischen Krankheitserreger von Atemwegsinfekten. Senföle sind der am besten wirksame Pflanzenstoff gegen Kaninchenschnupfen. Rettich & dessen Grün, Radieschen(blätter), Rucola, Kresse, Rapspflanzen, Rübsenpflanzen und Kapuzinerkresse, in geringen Mengen ist es auch in Kohl enthalten.
Ingwer und Meerrettich sind sehr gut erforschte Heilpflanzen, die auch bei chronischen Schnupfen sehr gut helfen. Am besten verabreicht man sie, indem man sie mit Banane oder einem anderen Lieblingsfutter vermischt anbietet.

Neben der Erreger-Abtötenden Therapie (Antibiotikum) ist es sehr wichtig, das Immunsystem gleichzeitig zu aktivieren.

Immunsystem aufbauen

medikamente gebenMittel, die das Immunsystem puschen sind sinnvoll, oft reichen diese kombiniert mit erregerabtötenden Mitteln bei leichten Schnupfen aus, so dass auf ein Antibiotikum verzichtet werden kann. Es ist aus der Erfahrung heraus sogar meist wirksamer, andere Mittel anzuwenden und auf das Antibiotikum nur bei schweren Fällen zurück zu greifen.
Durch den Schnupfen wird das Immunsystem stark beansprucht und braucht einige Zeit um sich zu regenerieren. Zum Aufbau des Immunsystems ist Gladiator Plus (40 Tage Kur) sehr gut geeignet. Dadurch wird der Schnupfen meist bereits abgemildert und andere Mittel schlagen nach der Gabe deutlich besser an. Ebenfalls für das Immunsystem wäre Umijo Pet eine sinnvolle Möglichkeit.
Vielen Kaninchen, die erstmals Schnupfen haben (kein chronischer Schnupfen) hilft eine Zylexiskur, allerdings darf diese nur bei ansonsten gutem Allgemeinzustand angewendet werden.

Homöopathisch ist PetMun (PlantaVet), Echinacea comp. (Heel), Engystol (Heel), Membrana Nasalium (PlantaVet) und Equinun (PlantaVet) möglich. In Absprache mit einem Homöopathen können auch Einzelmittel herausgesucht werden. Erfahrungsgemäß sind homöopathische Mittel, wenn überhaupt, jedoch bei Schnupfen nur als Ergänzung wirksam.

Thuja

Thuja kann in kleinen Mengen gegen den Schnupfen als Futter angeboten werden.

Über die Ernährung sollte auf einen hohen Anteil an ätherischen Ölen in einigen Futterpflanzen geachtet werden, diese sind erregerabtötende Pflanzen. Geeignete Pflanzen sind zum Beispiel Thymian, Oregano (gibt es auch als Futter- oder Wasseröl, ideal um Schnupfen im Bestand vorzubeugen oder begleitend zur Behandlung), Efeu, Thuja, Salbei, Kapuzinerkresse, Rettich und Nadelbaumzweige (außer Eibe, giftig!). Eine Auswahl dieser Kräuter, rund um die Uhr angeboten, kann den Schnupfen sehr gut beheben. Thuja aktiviert außerdem sehr stark das Immusystem. Ebenfalls ein bewährtes Mittel sind Schwarzkümmelpellets und Leinpellets.

Schleim lösen

Bei Nasenausfluss sollte als erstes die Nase gründlich gereinigt und Krusten gelöst werden, außerdem wird sie mit Kochsalzlösung gespült. Zusätzlich können Schleimlöser eingesetzt werden. Gut geeignet ist beispielsweise ACC Kindersaft. Babynasensauger aus der Apotheke können anschließend verwendet werden um die Nase frei zu halten. Eine verstopfte Nase führt sehr schnell zur oft tödlichen Lungenentzündung!

Als Schleimlöser helfen auch schleimlösende Pflanzen wie z.B. Senöle (Kapuzinerkresse, Meerrettich, Rettich) und Pflanzen mit ätherischen Ölen (Thymian, Oregano, Thuja…).

maria inhalieren

Training zum freiwilligem/stressfreien Inhalieren für chronische Schnupfer *klick aufs Foto*

Inhalationen verschaffen gerade bei chronischen Verläufen im Alltag Linderung. Eine Meersalzlösung oder Thymianöl in heißem Wasser bzw. Thymiantee sind gut geeignet. Schonend inhaliert wird, indem das Kaninchen in eine Transportbox oder ein Kaninchenhäuschen sitzt und eine Schale mit kochendem Wasser vor das Gitter gestellt wird. Ein Handtuch, das darüber liegt sorgt dafür, dass der Dampf in die Box zieht.
Das Thymianöl kann auch an Lieblingsplätzen auf das Holz getropft werden, dabei reicht bereits ein Tropfen.

Nimmt das Kaninchen viel Wasser auf, so ist der Schleim flüssiger und fließt eher ab. Um dies zu erreichen können Obst- oder Gemüsesäfte angeboten werden. Zudem sollten die Kaninchen fast rein mit Frischfutter ernährt werden. Bei starkem Schnupfen können auch Infusionen helfen.

Haltungsbedingungen

Kaninchenschnupfen wird durch viele Faktoren beeinflusst, Fakt ist jedoch, dass Kaninchen mit idealen Haltungsbedingungen deutlich selten betroffen sind als Kaninchen mit schlechter Haltung. Zudem gibt es einige Faktoren, die für Kaninchen mit Schnupfen die Haltung verbessern.

außengehege kaninchenAußen- oder Innenhaltung? Auch wenn vielerorts bei Schnupfen zur Außenhaltung geraten wird, weil diese förderlich sein soll, lässt sich das in der Praxis nicht immer bestätigen. Wichtig ist bei Innenhaltung, dass die trockene Raumluft durch ein nasses Tuch auf der Heizung oder andere Maßnahmen befeuchtet wird, dies ist für die Atemwege wichtig. Außerdem ist eine UVB Lampe unverzichtbar. In Außenhaltung sollte auf guten Wetterschutz, winddichte Bereiche und trockene Einstreu geachtet werden. Auch der Platzbedarf der Kaninchen muss berücksichtigt werden, viel Platz sorgt für harmonischere Gruppen und weniger Infektionsdruck. Je idealer die Haltung ist, desto stärker wirkt sich das auf das Immunsystem aus.

Eine schlechte Ernährung begünstigt Schnupfen, eine gute Ernährung kann ihn reduzieren. Achten Sie auf eine frischfutterreiche, bedarfdeckende Ernährung, lesen Sie sich genau in die Ernährungsbedürfnisse von Kaninchen ein. Kaninchen mit Schnupfen sollten besonders viele Kräuter (Wild- und Küchenkräuter) bekommen. Atemwege-Kräuter wie z.B. Salbei, Pfefferminze, Thuja, Oregano, Kapuzinerkresse, Spitzwegerich und Thymian sind sehr wichtig. Auch mit Ingwer und Meerrettich wurden gute Erfahrungen gemacht, er wird jedoch meist erst nach ein paar Tagen angerührt. Sollte er gar nicht gefressen werden, kann man ihn geraspelt in zerdrückter Banane verstecken.

Wärme kann bei Schnupfen helfen, eine Rotlichtlampe oder auch eine UVB Lampe kann den Kaninchen zur Verfügung gestellt werden.

holzpelletskaninchen

Ideale Einstreu bei Schnupfen

Einstreu sollte besonders staubarm sein (z.B. Hanfeinstreu oder Ecoflax), am besten wird nur die Toilette eingestreut und nicht der Rest des Geheges, dort können Baumwollteppiche und Decken ausgelegt werden. Auch das Heu sollte staubarm sein (heißluftgetrocknet), staubige Streu und staubiges Heu reizen die angegriffenen Atemwege und können den Schnupfen verstärken. Besonders empfindlich sind Schnupfer bei feuchter oder ammoniakhaltiger Einstreu, deshalb sollten sie sehr häufig ausgemistet werden. Außerdem haben sich Holzpellets bewährt, da sie ideal den Ammoniak binden und sehr saubfähig und staubarm sind.

Impfungen?

Gegen zwei der Erreger, Pasteurella multocida und Bordetella bronchiseptica, können Kaninchen geimpft werden. Die Impfung wird jedoch nicht empfohlen, sie deckt nicht alle Erreger ab und ist nur bei großen Beständen sinnvoll um den Infektionsdruck allgemein zu senken. Nach der Impfung tritt bei einigen zuvor augenscheinlich gesunden Kaninchen Schnupfen auf, in großen Beständen werden diese getötet und so die Krankheit ausgemerzt. In der Heimtierhaltung ist das natürlich keine Lösung.

Für immer krank?

Ein Großteil aller in Deutschland lebenden Kaninchen ist mit den Schnupfenerregern latent (d.h. ohne das Symptome auftreten) infiziert. Bei einzelnen Kaninchen kommt es ab und an zu einem Ausbruch, der sich durch Niesen und die oben genannten Symptome äußert, insbesondere wenn das Immunsystem der Tiere geschwächt ist. Wird dieser wirklich bereits am Anfang, also wenn nur geniest wird, behandelt, so bekommt man ihn meist problemlos in den Griff. Weitere Ausbrüche können, müssen aber nicht folgen, gerade bei optimaler Ernährung und Haltung sind die Kaninchen oft lebenslang gesund. Tiere mit chronisch schwachen Immunsystem oder Kaninchen, die lange unbehandelten Kaninchenschnupfen haben, sind jedoch oftmals chronisch betroffen und müssen mittels Inhalation und anderen Mitteln fit gehalten werden. Das Ausmaß des Kaninchenschnupfens, das oft so plastisch als Seuche dargestellt wird, kommt zu stande indem es Halter gibt, die erste Symptome nicht ernst nehmen und den Schnupfen länger unbehandelt lassen, oft noch unter schlechten Ernährungs- und Haltungsbedingungen. Auch eine falsche Behandlung kann dazu führen. Allerdings kann es auch bei Tieren, die von anderen chronischen Krankheiten betroffen sind und dadurch kein gutes Immunsystem haben, dazu kommen. Ebenfalls problematisch kann der Schnupfen sein, wenn die Kaninchen sich sehr früh (bei der Mutter) angesteckt haben. Dan tritt er meistens häufiger in Form von Schüben oder als Dauerschupfen auf, weil das Immunsystem sich dadurch oft mit dem Schnupfen „arrangiert“ hat.

Ansteckungsgefahr

Wie bereits beschrieben, sind sehr viele Kaninchen mit den Erregern infiziert, ohne jemals zu erkranken. In Zuchtbetrieben sind in der Regel 25-100% der Kaninchen von Pasteurellen betroffen. Pasteurellen ist einer der Schnupfenerreger, es gibt noch viele weitere. In Mastbetrieben sind sogar je nach Bestand 75-100% der Kaninchen Träger des Erregers. Man geht davon aus, dass in Haustierbeständen die Durchseuchungsrate ähnlich hoch ist.  Die Erreger werden durch Tröpfeninfektion über direkten Kontakt, bei der Geburt oder auch durch Gegenstände übertragen. Die Inkubationszeit beträgt zwei Wochen. Nur wenige Kaninchen erkranken tatsächlich an einem Symptom, die meisten Kaninchen sind infiziert, aber völlig gesund.In der Gruppenhaltung ist es deshalb sehr wahrscheinlich, dass ein Teil der Kaninchen sich angesteckt hat und Bestände ohne alle Erreger aufzubauen ist nahezu unmöglich.
Einige Vereine trennen Kaninchen, die bereits Schnupfenausbrüche hatten von Kaninchen, die noch keine hatten. Nachdem viele der Nicht-Schnupfer jedoch den Erreger tragen, ist dies nicht unbedingt zweckmäßig. Zudem sind Gruppen, die nur aus Schnupfern bestehen, für die Schnupfentiere nicht förderlich, da diese verschiedene Erreger und Nebenerreger beherbergen, die sie an die anderen, immunschwachen Tiere weiter geben, so dass ihr Immunsystem mit noch mehr Erregern kämpfen muss. Erschwerend kommt hinzu, dass sich oft die (Haupt)Erreger selbst bei einer Spülprobe  nicht nachweisen lassen, oder nur ein Teil der Erreger bekannt ist. Kaninchenschnupfen wird fast immer durch mehrere Erreger ausgelöst. Sicher feststellen, ob das Kaninchen Träger von einem der Erreger ist, kann man nur beim toten Tier.
Schnupfer ohne Symptome (trockene Schnupfer) sollten wie jedes andere Kaninchen behandelt werden, Kaninchen mit aktueller Symptomatik hingegen können andere, immunschwache Tiere infizieren, da bei einem akuten Ausbruch ein hoher Erregerdruck im Gehege herrscht. Diese Kaninchen sollten nicht unbedingt mit anderen immunschwachen Tieren zusammen leben und zügig behandelt werden, damit der Infektionsdruck im Gehege zurück geht. Normalerweise ist es problemlos möglich, ein akut erkranktes Tier mit anderen Kaninchen, die ein gutes Immunsystem haben, zusammen zu halten. Zudem werden diese weniger gefährdet, als ein immunschwaches, vielleicht schon durch andere Erreger schnupfendes Kaninchen. Einzelhaltung ist niemals eine Lösung, nachdem sowieso sehr viele Kaninchen infiziert sind (und dies selbst durch eine Spülprobe der oberen Atemwege kaum ausgeschlossen werden kann) müsste man den Großteil aller Kaninchen einzeln unterbringen. Zudem führt Einzelhaltung zu unsichtbaren Stress, die Kaninchen können sich nicht tiefen-entspannen, da nie ein anderer aufpasst und bei Gefahr das entspannte Kaninchen warnt, so wie es bei Gruppen der Fall ist. Dieser Stress kann den Schnupfen verstärken.

273 Antworten zu “Kaninchenschnupfen”

  1. Tina sagt:

    Guten Tag,
    mein Kaninchen hat Schnupfen und ich möchte das mit ANGOCIN behandeln. Auf der Packung seht für einen Erwachsenen Menschen eine empfohlene Tagesdosis von maximal 12 Tabletten. Und meinem Kaninchen soll ich 8-10 geben?
    Klingt mir stark nach einer Überdosis?
    LG Tina

    • Hallo Tina,
      Kaninchen sind Pflanzenfresser und brauchen deshalb Pflanzenstoffe (die Angocin enthält) ganz anders dosiert als wird. Bitte nicht die menschliche Dosierung einfach auf Kaninchen übertragen.
      Liebe Grüße
      Viola vom Kaninchenwiese-Team

  2. Sophie sagt:

    Liebes Kaninchenwieseteam
    Wir haben uns vor ein paar Monaten ein neues Kaninchen Männchen von der Kleintierhilfe in unserer Stadt gehohlt.
    Da unser vorheriges leider verstorben ist. Als wir ihn abgeholt haben hatte er leichten Nasenausfluss die Kleintierhilfe meinte jedoch Kaninchen hätten manchmal Schnupfen,das würde wieder weg gehen und das sei nicht schlimm. Wir haben darauf vertraut. Da die Kleintierhilfe eine gute Stelle war in der die Kaninchen viel Platz haben,gepflückte Wiese als Nahrung haben usw. Wir haben unsere beiden in einem großen Raum in dem noch keiner der beiden war vergesellschaftet. Nach der Vergesellschafftung haben die beiden gut zusammengelebt. Der Schnupfen vom Männchen blieb gleich. Nach ein paar Tagen hatte er eine Wunde am Rücken und hatte Gewicht verloren.Wir sind gleich zu unserem Tierarzt gefahren. Von dem die Kleintierhilfe so viel Postives erzählt hat. Der Tierarzt hat uns eine Salbe für die Wunde verschrieben und wegen dem Gewicht und der Wunde die wahrscheinlich vom Weibchen stammt sollten wir
    sie trennen.
    Am nächsten Tag zitterte er und hatte leicht Durchfall als ich nach Hause kam bin ich bin vor Angst natürlich gleich blöderweise zu irgendeinem Notierartzt der gerade Dienst hatte gefahren. Der hat ihm eine Infussion gegeben und war der Meinung unser Kaninchen hätte die Salbe abgeschleckt. Und Durchfall würde manchmal tödlich aus gehen. Das kam uns ziemlich komisch vor ohne zu wissen welche Urasache der Durchfall hatte, dass einfach zu behaupten. Ich weiß wir haben wahrscheinlich einen Fehler gemacht zu diesem Nottieratzt zu gehen. Vor Angst sind wir aber am nächsten Tag wieder zu unserem Tierarzt gefahren. Unser Tierarzt hat eine Kotprobe eingeschickt wir haben dann auch gleich nach dem Schnupfen gefragt er hat uns ein Pulver mitgegeben das wir ihm täglich mit Wasser aufgeweicht mit einer nadellosen Spritze geben sollten. Bei der Kotprobe kam heraus er habe Kokzidien. Wir haben totale Angst bekommen da schon mal ein Kaninchen bei uns daran gestorben ist. Wir sind gleich ohne Kanninchen zum Tierarzt und haben die Medizin abgeholt der Tierarzt hat uns aber auch für unser Weibchen die Medizin mitgegeben denn er meinte sie sei Trägerin weil sie die Krankheit schon mal hatte aber behandelt wurde.Es war Antiparasitikum was wir Ihnen jetzt haben sollten. Nach der Zeit der Gabe wurde noch ein mal Kot eingeschickt. Inzwischen war die Wunde beim Männchen verheilt und er hatte trotz der Krankheiten wieder zugenommen. Der Tierarzt meinte wir könnten Sie jetzt wieder zusammen lassen. Wir haben sie also bei uns im Garten zusammen gelassen. Sie haben sich gleich wieder vertagen und wir könnten sie wieder zusammen in das 10 m2Meter Außen Gegege zusammen lassen. Bei der Kotprobe kam heraus die Koziedien sein Weg aber es wurden aber Eier von Fadenwürmerm im Kot gefunden. Wir mussten also wieder ohne Kaninchen zum Tierarzt um erneut Antiparasitikum und wieder für beide zu holen. In dieser Zeit wurde aber auch noch der Schnupfen des Männchens schlimmer und er nieste jetzt auch. Wir sind dann trotz der Ausage der Kleintierhfe zum Tierarzt. Der Tierarzt hat einfach gleich ein Antibiotikum verschrieben meinte jedoch es würde nur bei manchen Kaninchen anschlagen. Das kam uns ziemlich merkwürdig .3Tage haben wir ihm das Antibiotikum gegeben während dem Geben wurde der Schnuofen immer besser nach den 3 Tagen wirdees dann langsam wieder schlimmer. Ich mache mir große Sorgem um den kleinen Schnupfer ich weiß aber nicht ob es etwas bringt wieder unseren Tierarzt aufzusuchen weil ich mich jetzt auf Kaninchenwiese Komplet belesen habe kommt es mir so vor als habe der Tierarzt bei all den Krankheiten manches falsch gemacht. Vielen Dank für diese wunderbare Seite. Ich gebe ihnen im Moment viel Gemüse mit Senföl,Kräuter und anderes was hier steht. Zu allem kommt das unser Männchen wieder ein Wunde hat. Der Tierarzt meinte dazu nur wenn es mit den beiden nicht ginge müsse man sie dauerhaft trennen,dass werden wir natürlich nicht zu. Ich bin jetzt sehr verzweifelt was ich tun soll zudem haben die Tierarzt Besuche uns sehr viel gekostet. Ich bin jetzt auf der Suche nach einem neuen guten Tierarzt bei uns in der Nähe auf eurer Liste haben ich aber leider keinen gefunden da ich in Östereich in Vorarlberg in Dornbirn wohne. Auf Listen im Internet wurde ich auch nicht fündig. Tut mir Leid das der Text so lang geworden ist. Wisst ihr vielleicht von einem guten Tierarzt bei uns?
    Liebe Grüße Sophie
    Ich würde mich sehr über eure Antwort freuen

  3. Valentina Kasalo sagt:

    Hallo, kurze Frage: wie lange gibt man Schwarzkümmelöl? Bin jetzt beim 10. Tag – das gelegentliche Niesen ist wohl weg…

    LG!

  4. Sarah sagt:

    Hallo,
    Über welchen Zeitraum sollte man denn Angocin geben?
    Danke und viele Grüße!

    • Freya Haase sagt:

      Hallo Sarah,
      das Angocin kann bis zum Abklingen der Symptome und noch einige Tage länger verabreicht werden. Wenn der Schnupfen zum erstem Mal auftritt, sollte das Kaninchen jedoch nach fünf Tagen einem Tierarzt vorgestellt werden, wenn die Symptome durch das Angocin nicht abklingen.
      Liebe Grüße
      Freya vom Kaninchenwiese-Team

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