Die Rammler-Kastration – ein Tierschutzthema

Wir merken immer wieder bei Beratungen, wie wichtig dieses Thema ist.

Neu angeschafft sind zwei unkastrierte Rammler ein Herz und eine Seele und lieben sich über alles. Der Halter kann sich nicht vorstellen, dass diese Tiere sich je etwas antun könnten!

Wenn man diesen Haltern nun rät, die beiden Rammler schnellst möglich zu kastrieren, wird man für übertrieben und extrem gehalten. Kein Wunder, denn dass sich diese herzallerliebsten Kuschelbabys mal die Hodensäcke abbeißen und sich bis zum Tod bekämpfen könnten, kann sich niemand vorstellen…

Das Tückische bei unkastrierten Rammlern ist jedoch:

Bissverletzung am Geschlechtsteil durch unkastr. Rammler an Rivalen.
  • Die Beißereien kommen plötzlich, meistens wenn die Rammler in die Pubertät kommen. Wenn es blöd läuft, ist dann plötzlich über Nacht das Geschlechtsteil abgebissen und ein Tier verblutet…
  • Je später man die Rammler kastriert, desto wahrscheinlicher werden sie in der Pubertät komplett unverträglich.
  • Es reicht nicht aus, die Rammler bei den ersten Anzeichen zu kastrieren: Einmal kämpfende und beißende Rammler sind so stark traumatisiert, dass Neuvergesellschaftungen meistens scheitern. Einzelhaltung ist keine Option, d.h. diese Halter müssen dann plötzlich zwei Gruppen halten oder ein Tier abgeben.

Das Ergebnis: Viele Rammler landen ab der Pubertät als unverträgliche „Bösewichte“ abgetan in Einzelhaltung! Das darf niemals passieren!

Was passiert, wenn unkastrierte Rammler in die Pubertät kommen (in etwa 90% der Fälle, also sehr wahrscheinlich):

Dieser Rammler war von oben bis unten mit Bisswunden übersäht, das herausstehende Fell macht die Bisswunden trotz Pelz sichtbar. Er wurde mit einem anderen unkastrierten Rammler in einem Käfig gehalten.
Dieser Rammler war abgemagert und von oben bis unten mit Bissen versehen. Er hatte darüber hinaus einen großen Abszess.
Diesem Rammler wurde das Geschlechtsteil schwer verletzt. Durch eine OP überlebte er zwar, seit dem pinkelt er sich jedoch chronisch ein, was zu ständigen Hautentzündungen führt und erforderlich macht, dass er täglich auf Fliegenmadenbefall kontrolliert werden muss.

Für einen kaninchenkundigen Tierarzt ist die Kastration ein sehr kleiner Routineeingriff, für den auch nicht die Bauchdecke geöffnet werden muss!

Manche Männer haben Bedenken, ihren Kaninchen „die Männlichkeit zu rauben“: Liebe Männer, würdet ihr lieber ganz einsam und alleine euer ganzes Leben leben und keine Menschenseele sehen, oder unter vielen Frauen, aber dafür die Kastration in Kauf nehmen?
Nach den Beobachtungen vieler Kaninchenhalter haben auch kastrierte Rammler ganz viel Spaß mit den Damen und so viel Resthormone, dass sie auch über Sexualität verfügen.

Frühkastration ja oder nein?

Frühkastrierte Rammler werden besser sozialisiert, weil sie in der Gruppe aufwachsen. Dadurch sind sie später besser verträglich und es kommt weniger häufig zu Beißereien!

Eine Frühkastration findet vor der 12. Lebenswoche (Geschlechtsreife) statt, i.d.R. in der 11. Lebenswoche.

Das Narkoserisiko

Sobald ein Tier in Narkose gelegt wird, besteht ein Narkoserisko, das bei gesunden Tieren und kleineren Routine-Operationen wie der Rammler-Kastration für geübte, kaninchenkundige Tierärztinnen bzw. -ärzte ziemlich gering ist. Ein höheres Risiko haben kranke Kaninchen (z.B. mit Herzerkrankungen) und geschwächte Tiere. Je nach Operation kann das Risiko ebenfalls höher oder geringer sein. Die Narkoseform und die Erfahrung der Tierärztinnen und -ärzte mit der Narkotisierung und Operation von Kaninchen, hat ebenfalls einen Einfluss.

Das Narkoserisiko (Brodbelt et al 2008):
Eines von 1:137 Kaninchen verstirbt bei gesunden Kaninchen (Kastration). Durch ein gutes Narkosemanagement kann das Narkoserisiko stark reduziert werden:

Checkliste für eine sichere Narkose

  • Abwägung des Narkoserisikos durch eine vorherige gründliche Allgemeinuntersuchung und ein Blutcheck (Leber, Niere, Elektrolyte, …). Ein Blutcheck ist zwingend erforderlich bei älteren Kaninchen, Kaninchen mit EC positiven Titer, Kaninchen die übergewichtig sind, Kaninchen die in letzter Zeit abgenommen haben, Tiere mit Blasengries sowie Kaninchen mit erniedrigter Körpertemperatur oder dehydrierte Kaninchen. Dadurch kann das Narkoserisiko besser eingeschätzt werden (je nach OP-Grund, geht man dieses eher ein, oder auch nicht) und die OP-Technik angepasst werden (z.B. andere Dosierungen und andere Narkosemittel bei schlechten Leberwerten).
    ASA-Klassifikation:
    ASA 1: Gesundes Kaninchen (z.B. Kastration) (geringes Narkoserisiko 0,7 von 100 Kaninchen)
    ASA 2: Kaninchen mit leichter Allgemeinerkrankung
    ASA 3: Kaninchen mit schwerer Allgemeinerkrankung (intravenöse Infusion vor der OP zwingend erforderlich, 10-mal höheres Narkoserisiko)
    ASA 4: Kaninchen mit schwerer Allgemeinerkrankung, die eine ständige Lebensbedrohung darstellt (intravenöse Infusion vor der OP zwingend erforderlich, 10-mal höheres Narkoserisiko)
    ASA 5: totkrankes Kaninchen, das ohne die Operation voraussichtlich den nächsten Tag nicht überleben wird (intravenöse Infusion vor der OP zwingend erforderlich, 10-mal höheres Narkoserisiko)
    E: akut krankes Kaninchen (Notfall, z.B. Ileus, Leberlappentorsion, intravenöse Infusion vor der OP zwingend erforderlich, 10-mal höheres Narkoserisiko)
  • Stressarme Narkosevorbereitung für Kaninchen: Die meisten Narkosezwischenfälle entstehen dadurch, dass ein Kaninchen gestresst mal eben nebenher in Narkose gelegt wird! Je mehr Stress Kaninchen ausgesetzt sind, desto mehr Narkosemittel wird benötigt. Dadurch steigt das Narkoserisiko enorm. Deshalb sollten die Kaninchen vor der Operation in Ruhe „ankommen“ und in einem Raum ohne Raubtiere (Hunde, Katzen) untergebracht werden. Im Idealfall bekommen sie ein eigens eingerichtetes Gehege und eine frühzeitige Schmerzmedikation um in Ruhe in die Narkose zu starten.
  • Eine sichere Narkoseform damit das Kaninchen nicht verstirbt: Kaninchen sind sehr empfindlich und haben ein extrem hohes Narkoserisiko. Durch die richtige Narkoseform wird es gesenkt. Sicher für Kaninchen sind Gasnakrosen, die mit einer Injektionsnarkose eingeleitet werden (keine reinen Gasnarkosen!). Injektionsnarkosen mit Aufhebungsspritzen (VAA) werden beim Kaninchen (im Unterschied zu Meerschweinchen und Kleinnagern) als unsicherer eingestuft, sie sollten nur mit Beatmungsmöglichkeit, sehr guten Narkosemanagement und zusätzlicher Sauerstoffgabe über die Nase verwendet werden. Werden sie angewendet, muss eine Möglichkeit der Beatmung vorhanden sein sowie ein sehr gutes Narkosemanagement (am besten mit Sauerstoff!). Reine Injektionsnarkosen ohne Aufhebungsmöglichkeit oder mit teilweiser Aufhebung sind nur als Kurznarkose bei gesunden Kaninchen denkbar und auch nur dann, wenn Monitoring und eine Möglichkeit der Beatmung gegeben sind. Sie können jedoch zur Einleitung verwendet und durch eine Gasnarkose und Schmerzmedikamente aufrecht erhalten werden.
  • Fähigkeiten des Tierarztes bzw. der Tierärztin zu Kaninchen: Im Studium werden Kaninchen kaum durchgenommen. Besucht Ihre Tierärztin bzw. Ihr Tierarzt Fortbildungen für Kaninchen? Liest er/sie sehr viel Fachliteratur und steht er auf der DVG Kleinsäuger Liste? Gibt er/sie Heimtiere (nicht Kleintiere = Hund und Katze!) als Praxisschwerpunkt an? Kaninchenkundige Tierärztinnen und -ärzte
  • Überwachung der Narkose um bei Zwischenfällen das Tier vor dem Tod zu retten: Eine zweite Person überwacht während der Narkose Temperatur, Puls, Atmung, Reflexe etc. (dafür sind spezielle Geräte erforderlich, die für kleine Heimtiere geeignet sind, nicht jede Tierarztpraxis hat diese) und stellt frühzeitig Abweichungen fest, so dass das Narkosemittel angepasst werden kann und tödliche Zwischenfälle vermieden werden.
  • Sind die Mitarbeiter für Narkose-Zwischenfälle beim Kaninchen speziell geschult oder routiniert, da sehr viele Kaninchen operiert werden? Das kann Leben retten.
  • Über einen gelegten Tubus oder zumindest eine Larynxmaske (darf nicht verrutschen!) kann das Kaninchen bei Atemstillstand beatmet werden. Dafür muss die Tierarztpraxis über Geräte verfügen, die für die Beatmung von Kaninchen geeignet sind. Auch eine Sauerstoffgabe während der Operation macht die Narkose sehr viel sicherer.
  • Sterile OP, damit das Infektionsrisiko gesenkt wird: steriler Operationsraum, steriles Operationsbesteck, Einmalartikel…
  • Venenzugang: Ein Venenzugang ermöglicht eine schnellere Wirkung und Verabreichung der Narkosemedikamente und erhöht die Narkosesicherheit, da die Medikamente schneller ankommen und auch dosierter verabreicht werden können. Bei Narkosezwischenfällen können so z.B. lebensrettende Medikamente gegeben werden. Zudem kann das Tier während der Narkose an eine Infusion angeschlossen werden, was die Verträglichkeit der Narkose extrem verbessert. Kaninchen mit höheren Narkoserisiko werden auch vor der Operation infundiert.
  • Überwachung beim Aufwachen: Die meisten Zwischenfälle während einer Narkose passieren nicht im OP, sondern während der Aufwachphase. Deshalb ist hier eine intensive Überwachung nötig, am besten mit Sauerstoffgabe. Keinesfalls dürfen „halbwache“ Tiere an den Halter abgegeben werden!
  • Wärme: Kaninchen verlieren aufgrund ihrer großen Körperoberfläche besonders schnell Temperatur und kühlen in der Narkose aus. Deshalb ist ein gutes Wärmemanagement und eine ständige Überwachung der Körpertemperatur oft überlebenswichtig. Auch nach der Operation sollten die Kaninchen gewärmt werden, bis sie absolut fit sind.

Achtung Preisfalle!

Die Preise für Routine-Operationen können von Tierarztpraxis zu Tierarztpraxis sehr schwanken. Sie erhalten aber nicht die gleiche Leistung! Der eine Tierarzt bezahlt damit eine zweite Person und teure Geräte um das Tier zu überwachen und Zwischenfälle rechtzeitig zu erkennen. Über einen gelegten Tubus kann er es bei Atemstillstand beatmen. Er verwendet teurere, aber dafür sicherere Narkosemittel und nimmt sich Zeit, damit das Tier stressfrei in Narkose gelegt wird. Das alles kostet (Ausrüstung, Arbeitskraft, Zeitaufwand), dafür ist das Narkoserisiko aber extrem gering! Die andere Tierärztin legt das Tier mit einer billigen Narkoseform und ohne zweite Person oder Überwachung mal eben schnell in Narkose, davor wird es in der Station von einem Hund angebellt und bekommt Panik, wodurch es mehr Narkosemittel benötigt. Bei einem Zwischenfall (den er mangels Überwachung spät erkennt), kann er kaum eingreifen, durch die höhere Narkosemittel-Menge, kann das Tier schneller versterben. Häufig wird das Tier wieder nach Hause mitgegeben, noch bevor es richtig wach ist und frisst – das macht natürlich auch weniger Arbeit. War das die 20€ Ersparnis wert? Fragen Sie in erster Linie nach der Überwachung, Narkoseform und Vorgehensweise, der Preis sollte nie das Hauptkriterium sein!

Zu alt oder krank für die Kastration?

Wir lassen in unserer Notstation auch sehr alte Kaninchen kastrieren. Bisher haben es auch Tiere mit Grunderkrankungen und hohen Alter (z.. 11 oder 12 Jahre) alle überlebt. Entscheidend ist ein gutes Narkose-Management bei einem auf Kaninchen spezialisierten Tierarzt. Zudem sollte das Tier entsprechend gründlich voruntersucht und akute und auch chronische Erkrankungen behandelt bzw. das Tier stabilisiert werden. Es gibt extremst wenig Fälle, in denen man tatsächlich keine Kastration vornehmen würde, z.B. bei speziellen Lungenerkrankungen. Dann sollte das Tier aber entsprechend angeschlagen und „schwach“ sein. Bei solchen Kaninchen ist eine Einzelhaltung keine Option. Man kann sie zwar chemisch kastrieren, allerdings bleiben sie zeugungsfähig. Deshalb wird in so einem Fall zusätzlich zur chemischen Kastration mit einem kastrierten Weibchen vergesellschaftet.

Die Pflege vor der Operation

Leider gibt es immer noch Tierärztinnen und -ärzte, die dazu raten, Kaninchen vor der Operation ausnüchtern zu lassen. Solche Tierärztinnen und -ärzte kennen sich nicht mit Kaninchen aus und sollten keinesfalls für eine Operation beauftragt werden.
Kaninchen dürfen nicht fasten, denn ihr Stoffwechsel verträgt keine Hungerphasen und schwächt das Kaninchen unnötig vor der Operation. Zudem ist eine Ausnüchterung auch nicht zweckmäßig, denn Kaninchen können ohnehin (im Gegensatz zu Hunden und Katzen) nicht erbrechen, d.h. ein Nahrungsentzug ist gar nicht nötig.

Kaninchen dürfen vor der OP nicht ausgenüchtert werden.

Bis kurz vor der Operation sollten Kaninchen Nahrung angeboten bekommen. Etwa einen Tag vor der Operation dürfen keine Kohlgemüse, kein Klee und keine Luzerne angeboten werden, da durch die Operation oft der Stoffwechsel kurz zum Stillstand kommt und dadurch das Blähungs-Risiko erhöht werden kann. In dieser Zeit bekommen die Kaninchen am besten Wiesenpflanzen, Heu, Küchenkräuter, Zweige, Gemüse. Eine reine Heuernährung vor der Operation wird oft empfohlen, ist jedoch nicht nötig und kann sich negativ auswirken. Ein „Überfressen“ mit besonders leckeren Futter oder plötzlich großen Nahrungsmengen kann den Druck auf das Zwerchfell erhöhen und so das Narkoserisiko erhöhen.

Die Absprachen mit der Tierärztin oder dem Tierarzt

Besprechen Sie im Voraus mit Ihrem Tierarzt bzw. Ihrer Tierärztin wann Sie das Kaninchen voraussichtlich abholen können und was bei der Nachsorge für die OP beachtet werden muss bzw. auch wie pflegeintensiv die Nachsorge ist.

Der Tierarzt wird das Kaninchen nach der Operation mit einer Wärmequelle wärmen bis der Kreislauf wieder stabil ist, so dass es selber die Körpertemperatur aufrecht erhalten kann.

Das Kaninchen kommt nach Hause

Das Kaninchen sollte normalerweise erst wieder mitgegeben werden, wenn es wieder aus der Narkose erwacht und in einem relativ stabilen Zustand ist, denn in der Zeit nach der Operation treten häufig Komplikationen auf, die medizinisch abgefangen werden müssen.

Auf dem Weg nach Hause sollte das Kaninchen unbedingt mit einer Wärmequelle (Rotlichtlampe, Wärmekissen, Snuggle Safe, Wärmflasche) gewärmt werden, damit der Kreislauf stabil bleibt. Diese wird mit einem Handtuch abgedeckt um Verbrennungen zu verhindern.

Bis das Kaninchen wieder völlig wach ist, sollte es in seiner Transportbox bleiben und mit einer eingewickelten Wärmflasche oder einem Snuggle Safe gewärmt werden. Wenn es sich wieder normal bewegt, kann es zurück ins Gehege ziehen.

Schutz der Wunde vor Verschmutzung

Nach der Operation darf die Wunde keinesfalls mit Einstreu verschmutzt oder verletzt werden. Deshalb sollte je nach Wunde vorübergehend für drei bis fünf Tage auf einem speziellen Untergrund gehalten werden.

Die oft empfohlene Haltung auf Handtüchern, Zeitungspapier, Teppichen oder Wickelunterlagen sind zwar hygienisch, aber werden von einigen Kaninchen angeknabbert. Dadurch kann es zu lebensbedrohlichen Magendilatationen kommen. Deshalb raten wir dazu, solche Unterlagen nur bei Tieren zu verwenden, die streng kontrolliert werden oder bei Tieren, die diese auch sonst als Untergrund haben und von denen man weiß, dass sie solche Materialien nicht anfressen.

Achtung: Wenn das Kaninchen separiert wird (z.B. mit Gitter abgerennt oder in einem Käfig oder einer Transportbox, bis es wieder fit ist), kann es sein, dass auch solche Kaninchen Materialien annagen, die sie sonst nicht anrühren!

Hobelspäne verschmutzt die Wunde mit Staub und hängt sich in ihr fest, Stroh und härteres Heu kann evtl. in die Wunde stechen.

Geeignet ist sehr weiches Heu, wenn das Kaninchen nicht wühlt, kann mit diesem Hobelspäne abgedeckt werden, so dass die Wunde mit dieser nicht in Kontakt kommt.

Die Kaninchen dürfen auch auf die Wiese.

Achten Sie auf Hygiene und einen durchgängig trockenen und sauberen Untergrund.

Etagen absperren

Bis das Kaninchen wieder das Gleichgewicht halten und Höhen abschätzen kann, sollten jegliche Etagen abgesperrt oder herausgenommen werden um ein herunterfallen zu verhindern!

Rangodnungskämpfe nach der OP?

Wenn die Gruppe nicht sehr harmonisch ist, kann es sein, dass sich die Kaninchen durch die Trennung oder die vorübergehende Schwächung des operierten Kaninchens nicht mehr richtig verstehen. In solchen Fällen ist es sinnvoll, alle Kaninchen der Gruppe während der Operation aus dem Gehege herauszunehmen, um sie nachher wieder gemeinsam ins Gehege zu setzen. Dann sollte das Kaninchen möglichst wieder fit sein. Siehe auch Rangordnungskämpfe. Bei geschwächten Kaninchen kann man ggf. mehrmals täglich unter Aufsicht die Kaninchen zusammen lassen, damit sie sich nicht entfremden und dazwischen dem geschwächten Tier Ruhe durch eine Gitterabtrennung gönnen. Sind die anderen Kaninchen freundlich gesinnt, kann man das frisch operierte Kaninchen auch durchgängig mit den anderen zusammenlassen, viele Kaninchen sind sehr gute Krankenpfleger.
Wurde nicht so vorgegangen, muss unter Umständen neu vergesellschaftet werden.

Unverträglich gewordene Rammler

Werden zwei Rammler zeitgleich kastriert, sollten sie unbedingt zusammen aufwachen. Dadurch werden Aggressionen gehemmt und selbst zuvor zerstrittene Kaninchen können auf diesem Weg (anschließend auf neutralen Terrain unterbringen und normal vergesellschaften) vergesellschaftet werden.

Das Kaninchen frisst nach der OP nichts?

Nach der Operation trinken Kaninchen meist erst einmal etwas mehr als davor und fangen erst wieder langsam an zu fressen. Es ist normal, dass die Kaninchen nichts fressen solange sie noch schläfrig sind, allerdings sollte ihnen trotzdem alles was sie gerne mögen, angeboten werden. Besonders bewährt haben sich frische Kräuter von der Wiese oder aus dem Supermarkt wie z.B. Löwenzahn, Dill, Karottengrün und Basilikum.

Ursachen für die Nahrungsverweigerung:

  • Zu geringe Schmerzmittelmenge
  • Untertemperatur (Temperatur messen!)

Solange das Kaninchen nicht frisst und kalte Ohren hat, sollte die Körpertemperatur überprüft und unter 38,5 Grad das Kaninchen gewärmt werden (Wärmequelle mit 39-41 Grad, z.B. Snuggle Safe, Wärmflasche, Heizdecke, mit heißen Wasser gefüllte Gummihandschuhe). Die Wärmequelle muss mit einem Handtuch abgedeckt werden um Vebrennungen zu vermeiden. Die Temperatur der Wärmequelle kann überprüft werden, indem man das Thermometer zwischen Tier und Wärmequelle schiebt und misst.

Achtung Schmerzmitteldosierung: Kaninchen brauchen größere Schmerzmittelmengen als Hund und Katze, die Dosierung ist nicht identisch! Zudem wird es schneller verstoffwechselt und muss deshalb häufiger nachgegeben werden. Bei größeren Operationen müssen mehrere Schmerzmittel kombiniert werden. Der häufigste Grund für die fehlende Nahrungsaufnahme nach OP´s sind starke Schmerzen bei unzureichender Schmerzmittelgabe:
Schmerzen erkennen

Sollte das Kaninchen länger als ein paar Stunden nach der Abholung nichts fressen, kann langsam angefangen werden es zu päppeln. Kaninchen die nach wenigen Stunden noch nicht fressen, haben meist starke Schmerzen! Dann sollte die Dosierung vom Schmerzmittel mit der Tierärztin oder dem Tierarzt besprochen und ggf. erhöht werden.
Sollte der Zustand vom Kaninchen sich nicht stetig verbessern oder verschlechtern, so muss unbedingt Rücksprache mit der Tierärztin bzw. dem Tierarzt gehalten werden.

Wundkontrolle

  • Einmal täglich muss die Wunde kontrolliert werden. Sie darf nicht verschmutzt oder entzündet sein.
  • Zudem dürfen die Fäden nicht vom Kaninchen aufgebissen oder beschädigt werden.
  • Sollte die Wunde nicht abheilen, rot, geschwollen oder anderweitig auffällig werden, muss unverzüglich die Tierarztpraxis kontaktiert werden.
  • Sprechen Sie mit dem Tierarzt bzw. der Tierärztin ab, wann die Fäden gezogen werden müssen (ca. nach 7-14 Tagen) bzw. ob sie selbst auflösend sind.

Operationen im Winter

Der Zeitpunkt sollte bei Außenkaninchen gut gewählt werden. Gibt es die Möglichkeit, die OP zu verschieben, sollte man eine gute Wetterlage (ohne Starkfrost) auswählen.

Die Tiere müssen auf jeden Fall bis sie wieder absolut fit sind, gut fressen und eine normale Körpertemperatur aufrecht erhalten, in einen frostfreien Raum (Keller, ungeheizter Raum) untergebracht werden. Sofern es keine Verträglichkeitsprobleme gibt, am besten mit den Sozialpartnern, damit die stressige Neu-Vergesellschaftung erspart wird.

Kastrationsquarantäne: Wie lange können Kaninchen-Rammler nach der Kastration noch decken?

Nach der Kastration sind Kaninchen noch 4 Wochen zeugungsfähig und müssen getrennt von Weibchen gehalten werden. Außer sie werden vor der 12. Lebenswoche kastriert, dann dürfen sie sofort wieder zu den Weibchen!