Pododermatitis

Wunde Läufe sind ein recht verbreitetes Problem bei Hauskaninchen. Leider ist die Behandlung oft langwierig und Behandlungsfehler wirken sich verschlimmernd aus.

Ursachen: Wie entstehen wurde Läufe?

Die Hauptursachen sind:

  • ein zu harter Untergrund, z.B. PVC oder anderer Bodenbelag, Gehwegplatten, Kies, Sand, Pelleteinstreu ohne ausreichend Überstreu. Oder ein zu einseitiger Untergrund.
  • Teppiche aus synthetischen Fasern die bei Reibung stark erhitzen und das Fell bzw. die Haut regelrecht abreiben (z.B. auch Kunstrasen-Teppiche). Nicht alle Teppiche aus Kunststoff sind ungeeignet, besonders weiche Teppiche die bei Reibung nicht erhitzen, können ausgelegt werden.
  • Nasse oder schmutzige Hinterläufe (unsaubere Haltung, schlechte Hygiene, seltenes Ausmisten, Inkontinenz)
  • Zu lange Krallen, Fehlstellungen und Arthrose oder andere Gelenkserkrankungen führen oft zu einer falschen Beanspruchung und Gewichtsverlagerung des Fußes und folglich auch zu Wunden Läufen.
  • Große/schwere Rassen (insbesondere Deutsche Riesen) oder übergewichtige Kaninchen, denn diese haben ein enormes Gewicht auf den Hinterläufen lasten.
  • Fehlendes Fell an den Hinterläufen (z.B. weil das Kaninchen Durchfall hatte und dabei das Fell weg geschnitten wurde – was an den Füßen niemals sein sollte, oder bei Rexkaninchen, die oft unregelmäßig behaart sind)
  • Verletzungen an der Fußsohle können eine Pododermatitis auslösen
  • Im fortgeschrittenen Stadium setzt sich meist Pilz oder Parasiten auf die Wunde, so dass das Krankheitsbild noch erheblich verschlechtert wird.

Symptome: Woran erkenne ich Pododermatitis?

Wunde Läufe entwickeln sich langsam, meist sind zunächst unter einer Haarschicht, die bei Seite gelegt werden kann, eine kahle, nicht entzündete Stelle zu sehen. Später liegt die Stelle frei, die Haare fehlen. Kurz darauf entzündet sich die Stelle, wird immer röter, teils platzt sie sogar auf, es kommt zu heftigen Entzündungsherden und Krusten. Ist das Kaninchen zusätzlich von Pilz befallen, zieht sich das Krankheitsbild meist das ganze Bein oder sogar bis zur Blume hoch. Auch eine Abszessbildung ist möglich.

Therapie: Wie wird Pododermatitis behandelt?

Falsche Behandlungswege können Pododermatitis leider stark verschlechtern. Wie behandelt wird, kommt auf den Zustand der Läufe an.

  • Bei Wunden Läufen ist ein Untergrund-Wechsel zwingend erforderlich, sonst ist die Behandlung nicht erfolgreich: Bewehrt hat es sich, das Gehege mit sehr weichen Untergrund auszustatten. Am besten wäre, den Untergrund komplett mit einer dicken Schicht Holzeinstreu (keine Pellets) oder weichem Heu abzudecken, was jedoch insbesondere bei freier Wohnungshaltung nicht möglich ist. Dann sollten weiche Matten, Teppiche und Decken verwendet und dick genug ausgelegt werden. Achten Sie darauf, dass sie sich bei Reibung nicht erhitzen, eine sehr weiche und niemals raue Oberfläche haben und genug federn (ggf. mehrere Lagen auslegen). Ideal ist Wiese oder Erde als Untergrund, bei solchen Untergründen treten Wunde Läufe gar nicht erst auf…
  • Insbesondere Schlafplätze müssen sehr weich ausgepolstert werden (Handtücher, Teppiche etc.).
  • Einseitige Untergründe fördern Wunde Läufe, bieten Sie am besten verschiedene Untergründe an und hauptsächlich natürliche Materialien.
  • Auch Verbände sind nur bei offenen Läufen sinnvoll. Manche Kaninchen neigen dazu, den Verband zu benagen, die meisten versuchen ihn abzustreifen. Deshalb sollte er sehr fest sitzen und gut beobachtet werden. Er darf jedoch keinesfalls den Fuß abschnüren! Der Verband hilft, dass die Wunde zunächst sauber abheilt und sich schließt. Manche Halter nutzen auch Babysocken über dem Wundpflaster und fixieren die Söckchen mit Leucoplast.
  • Salben jeder Art dürfen nur mit Verband bei offenen Läufen verwendet werden, bei „nur“ entzündeten Läufen weicht der Lauf durch die Creme sehr stark auf, so dass es sich meist verschlimmert. Geeignet sind Jod, Zinksalbe, Betaisodona Salbe, medizinischer Manuka Honig heilt unserer Erfahrung nach besonders gut Eitergeschehen.
  • Ohne Verband dürfen wässrige Lösungen aufgebracht werden. Dies ist bei nicht offenen entzündeten Läufen empfehlenswert. Zum Beispiel haben sich Skingel und Dr Schaette Wundpflegespray bewehrt.
  • Oft ist ein systemisches Antibiotikum erforderlich. Bei Eitergeschehen hat sich Penicilin bewehrt, allerdings darf es niemals eingegeben, sondern muss immer gespritzt werden. Da Veracin von vielen Tierärzten nicht bestellt wird, wäre Duphamox eine Alternative.
  • Hat das Kaninchen Schmerzen, ist die Gabe von Schmerzmittel (Metacam) erforderlich.
  • Übergewichte Kaninchen müssen abnehmen, bis sie Normalgewicht haben.
  • Ist ein Abszess vorhanden, muss dieser wie ein Abszess behandelt werden.
  • Sollten die Läufe schon stärker betroffen sein, muss eine Hautprobe auf Pilz untersucht und ein Parasitenbefall ausgeschlossen werden.
  • Über die Ernährung kann mit Ölsaaten (Sonnenblumenkerne, Leinsamen) die Geschmeidigkeit und Regeneration der Haut erhöht werden. Eine frischfutterreiche Ernährung (hauptsächlich Grünfutter) fördert das Immunsystem. UV-B Lampen sind in Innenhaltung sehr zu empfehlen. Besonders viele frische Kräuter sind unterstützend sinnvoll.
  • Einen oft unterschätzten wird der Einfluss des Immunsystems. Wir haben beobachtet, dass insbesondere geschwächte Tiere zu wunden Läufen neigen. Mittels eines Immunsystem-Aufbaus kann man meistens einen positiven Einfluss auf die Heilung nehmen und Rückfälle verhindern