Kaninchenrassen und -farben

Die etwas andere Rassen- und Farbenlehre

Hier finden Sie keine auf Stoff-Hintergrund gesetzten Kaninchen mit weit aufgerissenen verängstigten Augen, die eine bestimmte Pose einnehmen müssen.
Hier finden Sie Fotos von glücklichen Kaninchen die dem Rassebild entsprechen und viele Infos zum Charakter der Rasse und der Krankheitsanfälligkeit.

Vorweg

Viele Kaninchen sind keine „anerkannte Rasse“ (mit Stammbaum, Ohrvermerk usw.) aber können von ihrem Körperbau und Aussehen (Phänotyp) einer Rasse zugeordnet werden.
Andere Kaninchen haben bestimmte Rasseeigenschaften, die es in dieser Kombination jedoch nicht offiziell gibt. Zum Beispiel „Löwenkopf-Widder“ (Ein Zwergwidder mit Löwenkopf-Behaarung).
Um eine Zuordnung für eurer Kaninchen zu treffen, hier die wichtigsten groben Merkmale (wenn auch züchterisch gesehen nicht zu 100% korrekt):
Hängede Ohren = Widder
Zwerg, Zwergkaninchen = sehr kleines Kaninchen (ca. unter 2kg) mit kurzen Ohren
Lange Haare, langes Fell = Angora oder Teddy (Angora große Rassn, Teddy kleine Rassen)
Mähne oder längere Haare um die Ohren/am Kopf (ansonsten kurze Haare) = Löwenköpfchen

Übersicht richtiger Kaninchenrassen

Hermelin-Kaninchen

Sehr kleine Kaninchenrasse
(1-1,5 kg), gedrungener Körper, runder Kopf, rein weiß mit roten oder blauen Augen.

Charakter: flink, aktiv, vorsichtig und schreckhaft

Krankheiten: Je nach Zucht treten bei Rassen mit gedrungenen Kopf oft angeborene Zahnfehlstellungen auf. Albinos neigen manchmal zu Haut- oder Augenerkrankungen. Durch die Kieferverkürzung kann es schnell dazu kommen, dass die Tiere Atemprobleme zeigen oder die Zahnwurzeln in den Tränennasenkanal bohren und dies zu Erkrankungen der Augen und des Tränennasenkanals führt. Siehe Kurzköpfigkeit. Die Haut und auch die Augen ist teils empfindlich bei Sonneneinstrahlung (Sonnenbrand). Die Hermelin-Zucht ist kritisch zu beurteilen, die Rasse enthält den sogenannten „Zwergenfaktor“ der für die geringe Größe verantwortlich ist und behinderte oder nicht lebensfähige Tiere hervorbringt. Zudem entstehen bei der Zucht zu einem Viertel (bei tierschutzkonformer Zucht mit einem rassefremden Kaninchen sogar deutlich mehr) Kaninchen die nicht rassetypisch sind und aussortiert/geschlachtet/verfüttert werden. Teils ist bei sehr kleinen Kaninchen eine allgemein erhöhte Krankheitsanfälligkeit und eine geringere Lebenserwartung zu beobachten.

Zwergwidder

Die Zwergwidder sind eine der beliebtesten Rassen unter Hauskaninchen-Haltern. Zwergwidder wiegen nach Rassestandard 1,2-2 kg und sind somit etwas größer und schwerer als Zwergkaninchen, da sie nicht das Zwergengen tragen. Es gibt sie in zahlreichen Farbenschlägen.

Charakter: ruhig, ausgeglichen, gemütlich, werden oft recht schnell zahm

Krankheiten: Durch ihre Ohrenform ist nicht nur die Körpersprache eingeschränkt (Ohren aufstellen, anlegen etc.), sondern auch teilweise das Hörvermögen behindert. Außerdem haben Widderkaninchen durch die hängenden Ohren nach hinten kein Sichtfeld. Unter Widdern sind gehäuft taube Kaninchen zu finden. Dies ist auf (versteckte) Ohrenentzündungen zurückzuführen. Es sollte die Prädisposition zu Außen- und Mittelohrentzündungen ernst genommen und die Ohren regelmäßig kontrolliert werden. Auf Grund des verengten Gehörgangs entwickeln mehr als die Hälfte aller Widder im Laufe des Lebens eine Ohrenentzündung. Diese werden jedoch selten festgestellt, viele Widder erleiden jahrelang starke Schmerzen. Die Behandlung ist aufwändig, teuer und oft bleibt das Problem lebenslang bestehen. Durch Vorbeuge-Maßnahmen kann man das Risiko reduzieren.
Widder werden mit Stehohren geboren, die Ohren fallen erst im Laufe der Entwicklung. Widder deren Ohren stehen bleiben oder wenn nur eines fällt (Kippohr, Propellerohr) werden oft aussortiert.
Widder – eine Qualzucht? Die Problematik der Widder

Widderkaninchen haben ein sehr eingeschränktes Sichtfeld.

Löwenköpfchen, Löwenkopf-Kaninchen

Löwenköpfchen sind als Rasse nicht anerkannt und werden deshalb in unterschiedlichen Gewichtsstufen und mit unterschiedlich stark ausgeprägter „Mähne“ gezüchtet (teils nur einzelne längere Haare am Nacken, teils recht lange Haare am gesamten Kopf). Es handelt sich dabei um eine „Moderasse“. Die einzige anerkannte Ausnahme ist der Zwergkaninchen-Löwenkopf rhönfarbig mit 1,40-1,80 kg, der den gesamten Kopf behaart hat.

Charakter: aktiv, frech, zickig 

Krankheiten: Als Moderasse ohne Rassestandard, sind gerade unter den Löwenköpfchen besonders viele Züchtungen zu finden, die Erbkrankheiten weiter geben. Zusätzlich zu den typischen Krankheiten der Kaninchen mit Zwergenfaktor (siehe Rasseinfo der Farbenzwerge), haben Löwenköpfchen Probleme durch die Löwenmähne. Bei leichter Mähne sind oft keine Probleme erkennbar. Bei stärkerer Mähne ergeben sich
Probleme, da die wetterabweisende Deckhaarschicht am Kopf fehlt, die Haare ins Auge reiben (chronische Augenentzündungen) und teils das Sichtfeld eingeschränkt wird. Einzelne Tiere haben auch am Hinterteil lange Haare, so das Kot sich verfangen kann. Eine Haarpflege ist hingegen im Normalfall nicht nötig.

Farbenzwerge 

Farbenzwerge sind das typische Zwergkaninchen, auch wenn sie nicht immer 100%ig dem Rassebild entsprechen. Sie wiegen 1-1,5 kg und es gibt sie in vielen Farben.

Charakter: aktiv, vorsichtig, schreckhaft, flink, ängstlich

Krankheiten: Je nach Zucht treten bei Rassen mit gedrungenen Kopf oft angeborene Zahnfehlstellungen auf. Durch die Kieferverkürzung kann es schnell dazu kommen, dass die Tiere Atemprobleme zeigen oder die Zahnwurzeln in den Tränennasenkanal bohren und dies zu Erkrankungen der Augen und des Tränennasenkanals führt. Siehe Kurzköpfigkeit. Die Farbenzwerg-Zucht ist kritisch zu beurteilen, die Rasse enthält den sogenannten „Zwergenfaktor“ der für die geringe Größe verantwortlich ist und bei rassereiner Verpaarung behinderte oder nicht lebensfähige Tiere hervorbringt (in Deutschland verboten). Zudem entstehen bei der Zucht zu einem Viertel (bei tierschutzkonformer Zucht mit einem rassefremden Kaninchen sogar deutlich mehr) Kaninchen die nicht rassetypisch sind und aussortiert/geschlachtet/verfüttert werden. Teils ist bei sehr kleinen Kaninchen eine allgemein erhöhte Krankheitsanfälligkeit und eine geringere Lebenserwartung zu beobachten.

Zwergschecken

Zwergschecken haben die Grundfarbe weiß und verschiedene Scheckungsfarben. Die Punktverteilung ist sehr genau festgelegt und nur wenige der Tiere entsprechen dieser (die Tiere auf den Fotos nicht). Zwergschecken wiegen 1,4-1,8 kg.

Charakter: aktiv, aufgeweckt, teils ängstlich

Krankheiten: Auch Zwergenschecken tragen den Zwergenfaktor und die damit verbunden Gesundheits-Nachteile (siehe Rasseinfo der Farbenzwerge). Zusätzlich wird über die gescheckte Fellzeichnung das Megacolon-Syndrom weiter vererbt. Dieses führt bei den betroffenen Kaninchen zu chronischen Verdauungsstörungen, einer Immunschwäche und einem früheren Tod. Nur wenige Kaninchen erfüllen mit ihrer Scheckung den Rassestandard, da die Anordnung der Scheckung nicht gezüchtet werden kann. Diese Kaninchen werden alle aussortiert/geschlachtet/verfüttert.

Teddykaninchen und -widder

Diese beiden Rassen sind keine anerkannte Rasse, aber als Neuzüchtung zugelassen. Sie haben ein längeres, weiches Fell, das jedoch ganz normal im Fellwechsel gewechselt wird und nicht geschoren werden muss. Jedoch muss das Fell regelmäßig entfilzt und gekämmt werden. Teddyzwerge tragen Stehohren (800-1700g), Teddywidder Schlappohren (1300-2000g).

Charakter: wirkt oft „gleichgültig“, da die Mimik im Fell verschwindet

Krankheiten: Der genetische Zwergenfaktor ist beim Teddykaninchen eigentlich nicht erwünscht, teils wird er jedoch trotzdem getragen (siehe Farbenzwerge).
Das Fell ist nicht sehr wetterabweisend, die schützende Deckhaarschicht fehlt. Zudem kommt es durch die langen Haare um die Augen und den kurz gezüchteten Kopf oft zu chronischen Augenleiden. Die ständige Fellpflege ist für viele Tiere nicht sehr artgerecht und manche Halter versäumen sie, so dass es zu Verfilzungen und anderen Problemen kommt. Die Augen müssen immer frei geschnitten werden, damit die Tiere etwas sehen.

Bartkaninchen

Das Bartkaninchen ist eine eher seltene Kaninchenrasse. Die Tiere haben nicht nur eine Mähne, sondern sind auch am Bauch bis hinter zum Schwanzansatz länger behaart.

Charakter: zutraulich, aktiv

Krankheiten: Durch die langen Haare am Auge kann es zu Reizungen und Entzündungen kommen, das Blickfeld ist eingeschränkt. Das Fell ist jedoch in der Regel recht anspruchslos und muss kaum gepflegt werden.

Angora-Kaninchen

Das Angora-Kaninchen ist ein anerkanntes Langhaarkaninchen mit ca. 3,5–5 kg das zur Fellgewinnung gezüchtet wurde. Das Fell unterliegt nicht dem Fellwechsel und wächst extrem dicht und ständig nach.

Charakter: ausgeglichen

Krankheiten: Angorakaninchen leiden unter ihrem Fell, durch das schnelle Wachstum kommt man mit der Schur kaum hinterher, die Tiere leiden unter der Dichte, so dass selbst Liebhaber mittlerweile oftmals das Fell zupfen, statt es zu schneiden (das Zupfen kommt aus der Fellgewinnung). Angora-Kaninchen verfilzen schnell und die Haare bieten keinen Schutz vor Wettereinflüssen (fehlende Deckhaarschicht). Zudem wird oft das Auge vom umliegenden Fell gereizt und entzündet sich. Teils bleibt auch Kot im Fell hängen. Die intensive Pflege müssen die Tiere über sich ergehen lassen, auch wenn sie diese eigentlich nicht mögen.

Hasenkaninchen

Hasenkaninchen sind eine recht besondere Rasse, die sich stark von anderen Rassen abhebt. Hasenkaninchen sind extremst aktiv und bewegungsfreudig, so dass man für zwei Hasenkaninchen eine Grundfläche (auch nahchs!) von 10m² nicht unterschreiten, oder Gartenfreilauf tagsüber bieten sollte. Sonst sind sie schnell unterfordert. Seine schlanke, lang gestreckte Körperform ist unter allen Rassen einzigartig. Es erreicht 3,5-4,5kg und gehört so zu den größeren Rassen.

Charakter: neugierig, ausbruchsfreudig, aktiv, bewegungsfreudig, intelligent (ideal für Trick-Training)

Krankheiten: Durch die Größe und Bewegungsfreude evtl. Gelenkserkrankungen.

Deutsche Riesen

Deutsche Riesen sind wildfarben und die größte Kaninchenrasse, sie wiegen zwischen sechs und 12 kg (Weltrekord). Dadurch brauchen sie sehr viel Platz (Gartenfreilauf, freie Wohnungshaltung, sehr große Voliere…). In beengter Haltung werden sie apathisch und bewegen sich kaum. Sie sind schlechte Futterverwerter und brauchen sehr viel und energiereiche Nahrung um ihr Gewicht zu halten.

Charakter: ruhig, ausgeglichen, gemütlich, verfressen, sehr zahm und zutraulich

Krankheiten: Riesen sind  allgemein oft etwas krankheitsanfälliger, auch die Lebenserwartung ist nicht ganz so hoch wie bei anderen Züchtungen (ca. 4 Jahre). Es gibt jedoch auch Riesen, die sehr alt werden (Ausnahmen). Riesen neigen zu HD und anderen Gelenkserkrankungen, ein sehr großer Teil der Riesen bekommt diese. Zudem neigen sie zur schnellen Eiterbildung (Abszesse) und Herzerkrankungen.

Deutsche Riesenschecken

Der Rassestandard ist wie bei den Deutschen Riesen, sie unterscheiden sich nur in ihrer Färbung (Scheckung).

Charakter: siehe Deutsche Riesen

Krankheiten: Geringe Lebenserwartung und recht hohe Krankheitsanfälligkeit, Herzprobleme, Gelenkserkrankungen und Abszesse (siehe „Deutsche Riesen“). Zusätzlich wird über die gescheckte Fellzeichnung das Megacolon-Syndrom weiter vererbt. Dieses führt bei den betroffenen Kaninchen zu chronischen Verdauungsstörungen, einer Immunschwäche und einem früheren Tod. Nur wenige Kaninchen erfüllen mit ihrer Scheckung den Rassestandard, da die Anordnung der Scheckung nicht gezüchtet werden kann. Diese Kaninchen werden alle aussortiert/geschlachtet/verfüttert.

Deutsche Widder

Der Deutsche Widder ist die größte Widderrasse, er hat ein Gewicht von über 5,5 kg (bis 9kg). Die Ihren sollen nach Rassestandard breit, der Kopf gedrungen und massig sein.

Charakter: Deutsche Widder sind sehr ruhige, ausgeglichene Kaninchen.

Krankheiten: Deutsche Widder haben ähnliche Rassekrankheiten wie Deutsche Riesen. Oft leiden sie an Gelenkserkrankungen wie Arthrose oder Spondylose. Eine erhöhte Neigung zur Eiterbildung ist evtl. ebenfalls der Fall und durch ihre Größe haben sie nicht selten mit Herzerkrankungen zu kämpfen. Ihre Lebenserwartung ist meistens geringer als bei kleinen Rassen, aber auch hier gibt es Ausnahmen. Auch Deutsche Widder leiden sehr häufig unter Ohrenentzündungen (siehe „Zwergwidder“)

Rex-Kaninchen

Rexkaninchen haben ein samtartiges Fell, vergleichbar mit einem Maulwurf. Die Haare stehen senkrecht vom Körper weg, die Grannenhaare sind im Gegensatz zum Normalhaarkaninchen kürzer und  decken die Unterwolle unzureichend ab. Dadurch ist ein entsprechender Witterungsschutz nicht mehr gegeben. Rexkaninchen entwickeln im Ausgleich mehr Winterspeck und brauchen ein vorwiegend überdachtes Gehege, damit man sie außen halten kann.
Die Schnurr- und Spürhaare sowie die Wimpern der Rexkaninchen sind nur halb so lang, wie bei anderen Kaninchen und zudem stark gekräuselt, teils fehlen sie bei Einzeltieren gänzlich. Dadurch wird den Kaninchen die Möglichkeit genommen, sich entsprechend räumlich zu orientieren.

Charakter: Rexkaninchen haben meistens einen eher sanften Charakter, wobei alle möglichen Charaktere vertreten sein können.

Anzahl der Haltungen mit und ohne Pododermatitis in Abhängigkeit des Rexfaktors (Heekeren 2009)

Krankheiten: Größere Anfälligkeit für Erkältungen durch veränderte Deckhaarschicht, die weniger Wasser abhält (siehe oben). In Außenhaltung muss großflächig überdacht werden. In seltenen Fällen ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch schlechtere räumliche Orientierung mangels physiologisch ausgebildeter Tasthaare. Rexkaninchen sind anfälliger für Pododermatitis.