Leider kursieren viele unrealistische Angaben zu den Kosten in der Kaninchenhaltung.

“Ich hätte nie gedacht, wie teuer so kleine Tiere sein können”

Fragt man Kaninchenhalterinnen und Kaninchenhalter, was sie am Anfang der Haltung komplett unterschätzt haben, gibt der Großteil an, dass ihnen die tatsächlichen Kosten nicht bekannt waren. Dabei kosten Zwergkaninchen nicht weniger als mittelgroße Kaninchenrassen.

Neben den Kosten beim Kauf der Tiere und für die Erstausstattung, fallen monatliche Kosten für Futter, Einstreu & Co. an. Zudem sollten auch Tierarztkosten nicht vergessen werden.

Was kosten Kaninchen beim Kauf?

Immer wieder werden kranke Kaninchen mit massiven Zahnfehlstellungen, Darmparasiten und Hautparasiten verkauft.

Auch wenn man Kaninchen sehr günstig z.B. über Kleinanzeigen-Portale oder auf Kleinanzeigenmärkten kaufen kann, ist absolut davon abzuraten, solche Kaninchen als Anfänger anzuschaffen! Die Tiere stammen aus unseriösen Massenzuchten, Hinterhofzuchten oder Kinderzimmer-Vermehrungen und bringen häufig viele Erkrankungen und Probleme mit. Das günstige Kleinanzeige-Kaninchen kann in den ersten Tagen im neuen Zuhause Tierarztkosten im vierstelligen Bereich verursachen, da es etliche Erkrankungen mitbringt.

“Leider habe ich mich zu spät eingelesen und zwei süße Widderkaninchen gekauft, da mir die Züchterin ein gutes Gefühl vermittelt hat. Anschließend merkte ich, dass die Kaninchen viel zu jung abgegeben wurden. Der eine fraß am dritten Tag plötzlich nichts mehr, ich musste in den Notdienst, zum Glück überlebte er, aber ich erfuhr, dass sie Kokzidien haben und musste Tage lang Medikamente geben, alles reinigen und desinfizieren… Die Impfung fehlt ihnen auch und ich konnte sie ewig nicht impfen, da erst die Kokzidien behandelt werden mussten. Die Tierärztin klärte mich bei der Impfung auf, dass es sich um eine Qualzuchten handeln würde und die meisten Kaninchen mit Schlappohren schlimme Ohrenschmerzen durch chronische Entzündungen entwickeln. Deshalb muss ich Ohrenpflege machen, die recht aufwändig ist und die die Beiden hassen. Da der Junge noch nicht kastriert war, musste ich sie mit 12 Wochen (Geschlechtsreife) trennen und dann neu vergesellschaften, was sehr aufwändig und anstrengend war. Das hätte sich umgehen lassen, wenn er vor der 12. Lebenswoche schon beim Züchter kastriert worden wäre. Auch wenn ich die Beiden über alles liebe, tut es mir heute für sie leid und ich würde so etwas nicht mehr unterstützen und mir Kaninchen aus einem guten Tierheim, die komplett durchgecheckt, geimpft und kastriert sind, adoptieren.”

Erfahrungsbericht von Simone

Die Tabelle verdeutlicht das Problem:

Es lohnt sich, die Abgabestelle ganz genau auszuwählen und sich einzulesen, woran man eine seriöse Abgabestelle erkennt. Ein Kaninchen aus einer guten Abgabestelle, das geimpft, frei von Darmparasiten, EC negativ getestet (oder von EC negativ getesteten Elterntieren), kastriert, mit Frischfutter aufgewachsen und artgerecht in einem großen Gehege aufgezogen wurde, kostet meist 80-200€. Da Kaninchen sozial lebend sind, müssen immer mindestens zwei Tiere einziehen. Die höheren Kosten beim Kauf und die sorgfältige Auswahl der Abgabestelle erspart jedoch unkalkulierbare Folgekosten in der Anfangszeit.

Liste mit seriösen Abgabestellen nach PLZ sortiert

Hinweis: Das Mindestabgabealter beträgt 10 Wochen, früher sollte keine seriöse Abgabestelle Kaninchen anbieten.

In der Wohnung sollte z.B. mit Welpengittern ein min. 6m² großer Bereich oder ein Zimmer zur Verfügung gestellt werden.

Was kostet die Erstausstattung?

Gerade am Anfang tätigen viele Käufer falsche Kaufentscheidungen. Um Fehlkäufe zu verhindern, hilft unsere Liste zur Grundausstattung

Was brauchen Kaninchen?

  • Transportbox (ca. 25€)
  • Kaninchenbuch (ca. 15€)
  • Heuraufe (ca. 10€)
  • standsicherer Trinknapf aus Keramik (ca. 3€)
  • mindestens ein Rückzugshäuschen pro Kaninchen, Mindestgröße 30x40cm (ab 30€ je Haus)
  • Einrichtung für das Gehege (Buddelkiste ab ca. 35€, Tunnel/Brücken… je ca. 30€)
  • Beschäftigungsmaterial selbst gebaut/gesammelt oder gekauft (ca. 0-50€)
  • Pflegezubehör (Besen, Kehrschaufel mit Handbesen, Krallenschere, Bürste…) (ca. 50€)

Haltung in der Wohnung: 

Haltung im Garten:

Die Erstausstattung in Außenhaltung ist teurer, da das min. 6m² große Nachtgehege mit mardersicheren Volierendraht und Sicherung nach oben und unten sowie der Tagfreilauf kostenintensiv sind.

Für die Erstausstattung der Kaninchen sollte man mit etwa 440€ für die Grundausstattung von zwei Kaninchen in Wohnungshaltung bzw. in Außenhaltung mit mardersicheren Gehege etwa 770-1800€ rechnen.

Fragt man Kaninchenhalterinnen und Kaninchenhalter, was sie rückblickend anfangs anders gemacht hätten, geben fast alle einstimmig an, dass sie im Nachhinein gleich ein begehbares Gehege gebaut hätten, da es sehr viel weniger beschwerlich in der Alltagspflege ist.

Was kostet ein Kaninchen im Monat?

Neben den Anschaffungskosten muss man auch mit den laufenden Kosten rechnen, die sich in einem Monat wie folgt zusammensetzen:

  • Einstreu (ca. 15-20€)
  • Futter (Frischfutter ca. 2€/Tag/Tier im Winter, im Sommer gerne kostenfrei pflücken gehen in der Natur; Heu ca. 7€/Monat; bitte kein handelsübliches Trockenfutter füttern!)
  • Zubehör (kaputtes Zubehör austauschen etc. ca. 10-20€)
  • Gehege-Reparaturen/Ausbau etc. (ca. 5 Euro)
  • Impfungen (1-2x im Jahr 60€/Tier = ca. 180€ /Jahr/2 Kaninchen = ca. 15€/Monat)
  • Kotproben, Parasitenprophylaxe etc. (ca. 40€ = ca. 3,50€/Monat)
  • Tierarztkosten gehen bei einer Erkrankung schnell in den drei- bis vierstelligen Bereich (Krankenversicherung ca. 30€/Monat/Tier oder OP-Versicherung ca. 15€/Monat + monatlich Geld zurücklegen oder monatlich höheren Betrag zurücklegen)
Krankheitskosten lassen sich schwierig kalkulieren, Krankenversicherungen können belastende Kostenspitzen verhindern.

Im Schnitt kosten zwei Kaninchen im Monat 125€ wenn man im Sommer Wiese füttert und etwas auf die Preise achtet. Die Kosten für Erkrankungen eines Tieres sind hierbei nicht eingerechnet, sollten aber nicht übersehen werden!

Mit welchen Tierarztkosten muss ich rechnen?

Tierarztkosten sind schwer kalkulierbar, bei einer Erkrankung jedoch schnell im drei- bis vierstelligen Bereich. Deshalb sollte man sich immer entsprechende Rücklagen bilden. Entweder man entscheidet sich für eine Krankenversicherung, bei der ein fester Betrag in die Versicherung fließt, oder aber man legt etwa 1000€ beiseite bzw. spart monatlich etwas Geld an, so dass im Notfall immer ein gutes Polster vorhanden ist.

Welche Gesamtkosten entstehen somit für zwei Kaninchen innerhalb ihres Lebens?

Kaninchen sind keine kostengünstigen Haustiere. Tierhalter unterschätzen die Life-Time-Kosten eines Haustiers oftmals komplett. Die Zahlen stammen aus Großbritannien, sind in Deutschland jedoch vergleichbar: einer Studie zufolge kostet ein Kaninchen im Lauf seines Lebens 12.800€, zwei Kaninchen entsprechend anteilig mehr (ca. 18.000€. ). Andere Hochrechnungen kommen auf knapp 8.000€ je Tier im Laufe seines Lebens, also ca. 12.000€ für zwei Kaninchen. Wir haben ebenfalls Hochrechnungen und Erfahrungswerte herangezogen und können den ersten Wert bestätigen, ca. 18.000€ sind bei einer Lebenserwartung von 8 Jahren ein realistischer Durchschnitts-Wert für zwei Kaninchen.

Quellen

PAW-Report 2015

Wir sind Tierarzt (2015): Tierhalter unterschätzen die Life-Time-Kosten eines Haustiers komplett. [abgerufen am 04.03.22; https://www.wir-sind-tierarzt.de/2015/11/life-time-kosten-von-haustieren/?fbclid=IwAR0ZZ9s9vko5GySp6e3OsRmokxXy3hgvs9JwSPee7UXleAQlx-XuDga7XUM]

https://www.heimwerker.de/hundefutter-test/#Haustier_Boom_in_Corona_Zeiten_So_viel_kostet_Ihr_Liebling_im_Laufe_des_Lebens