Zickenalarm und Weiberkram – warum Hitzigkeit und Scheinträchtigkeit keine Krankheiten sind

Zugegebenermaßen: Kaninchenweibchen können ganz schön zickig sein, wenn sie unter starken Hormoneinfluss stehen. Nicht selten klagen Halter wegen einiger Probleme, die während hormonellen Phasen auftreten können:

  • Unverträglichkeiten, häufiges Jagen und weg scheuchen des Partnertieres.
  • Starkes Berammeln der anderen Kaninchen, teils wird dabei sogar richtig viel Fell am Rücken ausgerupft, so dass sogar Krusten und haarlose Stellen entstehen können.
  • Urinspiritzen, teils sogar meterhoch an den Wänden/Möbeln… Markieren mit (überall verteilten) Kot.
  • Extrembuddeln, Anlegen von Satzröhren die extrem schnell und tief gegraben werden können.
  • Fell ausrupfen (oft am Bauch/Hals) und der Bau von Nestern, die mit Fell ausgepostert werden, Herumtragen von Fell- und Heubüscheln im Maul für den Nestbau. Das Fell herauszupfen tut dem Kaninchen nicht weh. Durch den extremen Stress sitzt das Fell sehr locker.
  • Gereiztes und gestresstes Verhalten der Weibchen, die Tiere kommen kaum zur Ruhe.
  • Aggressives Verhalten gegenüber dem Halter.
  • Rotes und angeschwollenes Geschlechtsteil (leicht zu sehen)
  • die Häsin duldet den aufspringende Kaninchen und streckt ihr Hinterteil entgegen. Dies kann man auch testen, indem man bei der Häsin das Hinterteil krault.

In den letzten Jahren hat sich ein Trend entwickelt, den wir eher mit Sorge sehen. Das sexuelle Verhalten der Häsinnen in der Haustierhaltung wird regelrecht dramatisiert und mit Gebärmuttererkrankungen gleichgesetzt. Wenn ein Kaninchen eine starke Scheinträchtigkeit hat oder etwas häufiger hitzig ist, wird gleich zur Kastration geraten.

Wie kam es dazu?

Diese Entwicklung kommt aus dem englischsprachigen Raum. Die Kaninchenmedizin war dort bereits früher sehr viel besser entwickelt, so dass viele deutsche Tierärzte aus englischer Literatur über die Erkrankungen der Kaninchenweibchen lernen. In diesem Sprachraum ist es jedoch verbreitet, grundsätzlich alle Kaninchen, egal ob männlich oder weiblich, zu kastrieren. Dabei wird sich immer auf eine Zahl berufen, die besagt, dass 80% aller Kaninchen Gebärmuttererkrankungen haben und somit die Kastration als Vorbeugung von dieser Erkrankung gerechtfertigt sei. Diese Studie wurde jedoch nur fehlinterpretiert. Ansich zeigen die bisherigen Studien ein ganz anderes Bild. Lediglich ca. 3-10% der Kaninchen (entspricht 6-20% der Weibchen) erkranken an einer Gebärmuttererkrankung. Viele sterben jedoch im Alter an ganz anderen Erkrankungen und ihre Gebärmuttererkrankung besteht zwar, führt aber weder zu Problemen, noch zum Tod. Das ein Kaninchen an Gebärmutter-Erkrankungen erkrankt und (unbehandelt) verstirbt kommt durchaus vor, ist aber nicht die Regel.

Natürlich sollte, wenn solch eine Erkrankung auftritt, das Kaninchen kastriert werden.

Es sollte wohl selbstverständlich sein, dass Kaninchen mit einer Erkrankung behandelt werden müssen und dabei kann auch eine Kastration nötig sein.

Vorbeugende Kastrationen?

Einige Halter und Tierärzte neigen dazu, weibliche Kaninchen vorbeugend  kastrieren zu lassen. Wir haben leider schon erlebt, dass Weibchen mit einem Jahr an der Kastrations-Narkose gestorben sind. Eine sichere Narkose mit Intubation, Temperatur-, Atem- und Pulskontrolle, Wärme und engmaschiger Überwachung ist beim Kaninchen momentan leider immer noch die Ausnahme. Tiere, die an der vorbeugenden Kastration in jungen Jahren versterben, wären vielleicht nie an einer Gebärmutter-Erkrankung erkrankt und selbst wenn, dann wahrscheinlich erst im fortgeschrittenen Alter, so dass sie noch unbeschwert ein paar Jahre hätten leben können. Solche Erlebnisse sind selten, aber jedes einzelne Kaninchen, das solch ein Schicksal erleidet, ist eines zu viel.
Deshalb empfehlen wir, wenn die Entscheidung für eine Weibchenkastration fällt, einen kaninchenkundigen Tierarzt mit guten Narkosemanagement aufzusuchen. Fragen Sie gezielt welche Sicherheitsstandards für die Narkose eingehalten werden und erkundigen Sie sich dazu.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, Gebärmutter-Erkrankungen vorzubeugen (mehr dazu weiter unten).

Unser Tierschutzgesetz verbietet die vorbeugende Kastration

Kahlstelle durch das Fell herausreißen für den Nestbau

Unser Tierschutzgesetz verbietet es, Tieren Organe ohne vernünftigen Grund zu entnehmen. Die Gebärmutter ist ein Organ, das bei der Kastration „amputiert“ wird.

Ausnahmen macht das Tierschutzgesetz nach §6 (1) nur:

  1. wenn das Tier eine Erkrankung hat, die eine Kastration als Behandlung nötig werden lässt.
  2. wenn damit die unkontrollierte Fortpflanzung vermieden wird.

Weitere Infos zum rechtlichen Aspekt

Eine Kastration wirkt sich auf den Körper aus

Auch wenn es am Kaninchen eher wenige Studien gibt, so fing man in den letzten Jahren an, bei Hunden immer besser zu erforschen, welche Auswirkungen eine Kastration auf andere Erkrankungen und den Körper hat. Dabei stellte man beispielsweise fest, dass andere (sehr viel gefährlichere) Tumorarten wie z.B. Mastzelltumore, Hämangiosarkom und Lymphosarkom sehr viel häufiger bei kastrierten Hündinnen auftreten (Zink 2014). Die Tiere bekommen durch die Kastration zwar keinen Gebärmuttertumor mehr, dafür anderen Krebs, der sich sehr viel schwieriger behandeln lässt und häufiger tödlich verläuft. Bei Kaninchen fehlen derart breit angelegte Studien, zudem ist das Risiko für Tumorerkrankungen auch abhängig von der Rasse und weiteren Faktoren, so dass man große Tierzahlen heranziehen müsste.

An Kaninchen gibt es wenige Studien, aber auch diese zeigen beispielsweise, dass eine Kastration dazu führt, dass sich die Nebennieren und die Hirnanhangsdrüse in Folge vergrößern. Wobei die Nebennierenrinde extrem zunimmt während das Nebennierenmark abnimmt. Bei Frühkastraten ist ein vergrößerter Thymus feststellbar, zudem kann die Entwicklung des Thymus. (Fetteinbau – Involution) verzögert werden. (Bokelmann, O., & Scheringer, W. 1932).

Auch eine Förderung der Osteoporose durch die Kastration ist beim Kaninchen nachgewiesen. Kalzium wird aus den Knochen und Zähnen abgebaut, die daraufhin brüchig werden… So entwickeln mit 12 Wochen kastrierte Tiere größere und schwerere Knochen als unkastrierte Artgenossen. In Studien zum Einfluss der Hormone auf den Knochenbau stellte man fest, dass die Knochendichte bei kastrierten Tieren mit Abschluss des Knochenwachstums geringer ausfiel (Gilsanz, et al. 1988) als bei unkastrierten. In einer weiteren Studie untersuchte man die Auswirkungen der Kastration auf den Kieferknochen. Dabei wurde nachgewiesen, dass bereits einen Monat nach der Entfernung der Eierstöcke der Häsinnen ein Verlust der Knochenmasse messbar war und nach drei Monaten statistisch signifikant ausfiel, dabei war besonders eine der Knochenschichten (Spongiosa) sehr stark betroffen (nur noch 57-59% der Knochendichte im Vergleich zu den unkastrierten Kaninchen) (von Cao, et al., 2001). Dieser Zusammenhang könnte eine höhere Wahrscheinlichkeit für Zahnerkrankungen bei kastrierten Kaninchen erklären.

Bei einigen Tieren ist mit der Kastration auch eine Auswirkung auf den Stoffwechsel merkbar. Sie nehmen deutlich schneller an Gewicht zu und neigen zu Übergewicht und bewegen sich weniger. Der Stoffwechsel verlangsamt sich. Die Folge können Verdauungsstörungen (durch Übergewicht – Bauchfett engt die Organe ein – und Verwachsungen der Narbe, welche Bewegung schmerzahft machen), aber auch Ablagerungen von Kalzium in den Harnwegen (Blase, Niere) (Eckermann-Ross 2008), nicht aufgenommener Blinddarmkot (häufig mit Durchfall verwechselt) und andere Folgeerkrankungen sein. Diese Problematik beobachten wir in der Praxis sehr häufig, gerade in Innenhaltung lebende, kastrierte Kaninchen kämpfen häufig mit Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen.

Bei einzelnen Kaninchenweibchen tritt auch eine Inkontinenz durch die Kastration auf, die gerade in Innenhaltung ein großes Problem sein kann (Stubenreinheit). In Außenhaltung kann es dadurch zu Fliegenmadenbefall kommen. Eine Haltung inkontinenter Kaninchen ist aufwändig.

Nicht jede Gebärmuttererkrankung ist bedenklich

Auch bei Frauen kommt es im Laufe des Lebens meistens zu Zysten oder Wucherungen und leichten Veränderungen der Gebärmutter. Trotzdem würde kein Arzt zur Kastration raten. Nur bösartige Wucherungen oder aber gutartige, die so groß sind, dass sie andere Organfunktionen behindern, werden operiert. Eine Zyste kann aber beispielsweise bereits zu hormonellen Ungleichgewicht führen. Mit fortschreitenden Alter kommt es zu einer Verdickung der Gebärmutter (endometriale Hyperplasie), die zunächst nicht problematisch ist, sofern sie keine Symptome verursacht.

Bei dauerhaft hormonellen Problemen an Erkrankungen denken!

Sollten jedoch Zysten der Grund für hormonelle Imbalancen sein, ist zu beachten, dass sie u.U. das Kaninchen unter einem dauerhaften Hormoneinfluss stellen, der dafür sorgt, dass Uterustumoren und Hydro-/Mukometra verursacht werden können. Deshalb sollten derart auffällige Tiere von einem Tierarzt, der sich auf Utraschall spezialisiert hat, angeschaut werden.
Auch die im Alter auftretende endometriale Hyperplasie (Verdickung der Gebärmutter) ist zwar zunächst nicht krankhaft, wenn das Tier jedoch symptomatisch auffällig ist (Anämien, Schmerzen, Verdauungsstörungen, Apathie, starker Blutverlust…), sollte zwingend zeitnah eine vollständige Kastration (Ovarialhysterektomie) durchgeführt werden.

Erkundigen Sie sich zu den gängigen Erkrankungen

Kontrollen der Gebärmutter sind sinnvoll

Da Gebärmuttererkrankungen von vielen Haltern übersehen werden und so ggf. auch tödlich enden können, sollten Kaninchen bei den Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen zweimal jährlich abgetastet (eine gesunde Gebärmutter ist i.d. Regel nicht tastbar und schon gar nicht schmerzhaft!) und bei Verdacht auf Veränderungen von einem erfahrenen Tierarzt, der auf Ultraschalluntersuchungen spezialisiert ist, untersucht werden.

Vorbeugemaßnahmen sind unbedingt anzuraten, dabei kann man zwischen diesen Optionen wählen:

  •  Vorbeugende Kastration bei einem heimtierkundigen Tierarzt mit guter Narkosetechnik. Vor allem bei Tieren ohne engmaschige Kontrolle, unerfahrenen Haltern oder Haltern, die Vorsorge-Maßnahmen scheuen bzw. bei Haltern, die einen sehr guten Tierarzt zur Hand haben.
  • Hormon-Chip: Chippen sehr junger Kaninchen mit dem Suprelorin-Chip (bevor sie hormonell aktiv werden bzw. wenn die Gebärmutter keine Veränderungen aufweist – im Ultraschall vor dem Chippen kontrollieren!).
  • Zweimal jährlich abtasten bei der Impfung (heimtierkundiger Tierarzt!). Ist die Gebärmutter tastbar und das Tier gerade nicht hitzig? > Ultraschall (was für eine Gebärmutter-Erkrankung liegt vor?) und ggf. Kastration. Sie sollten die Anzeichen für Gebärmutter-Erkrankungen kennen und ein Auge darauf haben! Vorbeugende jährliche/halbjährliche Ultraschalluntersuchungen sind ratsam.

Wie erkennt man Gebärmuttererkrankungen?

Symptome für eine Gebärmuttererkrankungen sind vielfältig. Auch ein übersteigerter Sexualtrieb kann dazu gehören. mehr Infos finden Sie hier: Gebärmuttererkrankungen

Verhaltensprobleme durch die Kastration beheben?

Kaninchen machen es den Haltern oft nicht einfach, gerade starke Reviermarkierungen, unharmonische Gruppen durch schwierigeres oder hormonell schwankendes Verhalten, aber auch andere Verhaltensweisen sind oft ein Problem. Gerade in Wohnungshaltung führt Urinspritzen oft dazu, dass die Tiere eingesperrt oder abgegeben werden.

Ist es in solchen Fällen sinnvoll, die Kaninchen kastrieren zu lassen?

Man sollte sich immer vor Augen führen, dass das Kaninchen ansich unter seinen Urinspritzern nicht leidet und dies ein ganz normales, natürliches Verhalten ist. Das Problem besteht erst durch die Wohnungshaltung… Aber natürlich ist es auch kaum möglich, Kaninchen in der Wohnung richtig artgerecht zu halten (Auslauf, Abwechslung…), wenn sie überall Urin verspritzen. Deshalb ist es sicherlich nicht erstrebenswert oder eine empfehlenswerte Lösung, ein solches Kaninchen zu kastrieren, aber oft ist es trotzdem die einzige Möglichkeit und somit auch die richtige Lösung.
Trotzdem sollte man niemals die Kastrationen „schön reden“, denn letztendlich passt man das Kaninchen an die Wohnungshaltung an. Das ist vergleichbar mit der Operation in der die Stimmbänder manipuliert werden, damit ein Hund nicht bellt oder aber wenn die Zehen einer Katze entfernt werden, damit sie nicht die Einrichtung zerkratzt. Wann ist so ein Eingriff noch zu rechtfertigen und ab welchem Punkt ist es falsch? Weil Kastrationen bei uns so verbreitet sind, nehmen wir es als „normal“ wahr. In anderen Ländern sind Eingriffe wie die Entfernung der Krallen ebenso verbreitet und bei uns, wo man so etwas nicht tun würde.

Gruppenstreitigkeiten zu lösen, indem man das dominante Weibchen kastriert, ist eine wirklich unschöne Sache. In Einzelfällen mag das gut funktionieren, in anderen Fällen ist das Verhalten gar nicht hormonell bedingt sondern durch den Charakter des Einzeltieres zu erklären… Hinzu kommt, dass dominante Tiere durch die Kastration oft im Rang fallen, dies aber psychisch gar nicht verkraften können und dann mit allen Mitteln (Bisse etc.) ihren Rang weiter aufrecht erhalten möchten. Dazu kommt es oftmals zu sehr viel mehr Problemen als vorher. Zudem muss durch die neue Kräfteverteilung und die Trennung nach der Kastrations-OP anschließend komplett neu vergesellschaftet werden. Das geht oftmals ebenfalls schief…

Im Einzelfall ist die Entscheidung für oder gegen eine Kastration oftmals nicht einfach, auch wir haben schon Weibchen, die sich extrem dominant und schlecht verträglich zeigten, kastrieren lassen, und später war es doch ein charakterliches Problem, das dadurch keinesfalls behoben werden konnte…

Was kann man gegen hormonelle Probleme tun?

Zunächst sollte man klar stellen, dass hormonelle Schwankungen beim Kaninchen normal sind. Das Kaninchen ist ein extrem auf die Fortpflanzung ausgelegtes, aktives Tier, das mehrmals im Jahr hitzig ist und auch gelegentlich scheinträchtig werden kann.

Es gibt aber Faktoren, die die Auftretenswahrscheinlichkeit erhöhen. Dazu gehört insbesondere Stress, aber auch Frühlingswetter, Sonneneinstrahlung und Wärme. Deshalb sollte man bei Kaninchen, die häufig hitzig werden schauen, ob sie extrem gestresst werden.

Gleichzeitig gibt es auch Punkte, mit denen man das hormonelle Verhalten abmildern kann. Dazu gehört eine gute Buddelmöglichkeit, sehr viel Abwechslung zum „abreagieren“ (z.B. Zweigehaufen, Laubberge…), Außenhaltung und eine nicht allzu nährstoffreiche Ernährung (Überfütterung).

Durch viel Platz und Beschäftigung, die das Kaninchen auspowert, kommt es wieder ins Gleichgewicht. Selbstverständlich ist ein Einsperren in Käfigen, kleinen Gehegen und Ställen völlig ungeeignet für die bewegungsfreudigen Tiere!
Bitte informieren Sie sich zur artgerechten Haltung:
Außenhaltung
Innenhaltung
Balkonhaltung

Achten Sie bei Unterschlüpfen darauf, dass sie mindestens zwei Eingänge enthalten, damit die Kaninchen sich auch ausweichen und fliehen können, wenn sie sich hormonellbedingt nicht so gut verstehen.

Stellen Sie Teile der Einrichtung täglich um, damit sie mit Erkunden beschäftigt sind.

Wir haben auch gute Erfahrungen mit Hormeel von Heel gemacht, wenn man es über mehrere Wochen (1-3x täglich auf ein Leckerli getropft und angetrocknet) verabreicht. Wir geben es bei Kaninchen, bei denen die Hormone nicht mehr abklingen sondern sehr lange aktiv bleiben (Dauerhitzigkeit).

Auch RodiCare Pregno hat bei enigen Kaninchen für Linderung gesorgt.

Auch beruhigende Kräuter wie beispielsweise Lavendel, Baldrian und Melisse sind oftmals als Futter hilfreich.

Völlig ungeeignet sind Hormonpräparate wie beispielsweise Galastop. Diese führen zu einer sehr hohen Rate von Gebärmuttererkrankungen und sind deshalb beim Kaninchen nicht empfehlenswert.

Sollte ein Kaninchen trotzdem Auffälligkeiten zeigen, die auf eine Gebärmuttererkrankung hindeuten könnten, kann man dies mit einem Ultraschall (+ ggf. Blutbild) abklären lassen. Extrem hormonell aktive Kaninchen sollten unbedingt entsprechend untersucht (und nicht nur abgetastet!) werden. Bei einem krankhaften Befund sollte die Kastration zeitnah durchgeführt werden. Erkrankungen und Untersuchungen

Was sollte man mit dem Nest machen?

Das Nest darf beim Kaninchen nicht weg geräumt werden. Das scheinträchtige Kaninchen denkt, dass es bald Babys bekommt und baut mit sehr viel Stress ein schönes Nest für diese Babys. Wenn man nun das Nest einfach weg nimmt, gerät das Kaninchen in Panik, es steht durch diesen Stress oftmals unter noch stärkeren Hormoneinfluss und baut ein neues Nest (dafür reißt es sich wieder Haare aus…). Das ist natürlich nicht zweckmäßig. Erst wenn das Nest völlig uninteressant geworden ist und die Scheinträchtigkeit vorbei ist, kann man es entfernen. Davor sollte man einfach drum herum ausmisten und das Nest dort bestehen lassen.

Schlussworte

Unserer Erfahrung nach haben sehr viele Kaninchen mal eine Phase, in der sie extrem hormonell beeinflusst werden. Teils ist das auch etwas außerhalb des Rahmens von 1-3 Hitzigkeiten im Jahr oder eine Hitzigkeit oder Scheinträchtigkeit dauert ewig/monatelang an. Trotzdem sind das meistens keine Gebärmuttererkrankungen sondern ein leichtes Ungleichgewicht, das behebbar ist, auch wenn es die Halter oft einige Nerven kostet.

Deshalb raten wir dazu, die Hitzigkeit nicht als Krankheit zu sehen, sondern als natürliches Verhalten. Trotzdessen kommen Gebärmutter-Erkrankungen leider regelmäßig vor und können für das Tier auch schmerzhaft sein oder metastasieren (dann sind sie nicht mehr operabel), d.h. eine richtige Vorbeugung ist unbedingt anzuraten (siehe oben). In manchen Fällen muss sicherlich darüber nachgedacht werden, ob man eine Kastration vornehmen sollte und auch Tiere, die tatsächlich Erkrankungen haben, müssen teils kastriert werden. Aber es sollte wirklich immer eine sorgfältige Abwägung von Vor- und Nachteilen vorgenommen werden.

Weitere Infos pro/contra Weibchenkastration

Quellen u.a.:

Bokelmann, O., & Scheringer, W. (1932): Der Einfluss der Kastration auf den Funktionszustand der Schilddruese bei der weiblichen Albinoratte. Archiv für Gynäkologie148(1), 1-11.

Brodbelt DC. et al. The risk of death: the confidential enquiry into perioperative small animal fatalities. Vet Anaesth Analg 2008; 35 (05) 365-373

Cao, T., Cao, T., Shirota, T., Yamazaki, M., Ohno, K., & Michi, K. I. (2001): Bone mineral density in mandibles of ovariectomized rabbits. Clinical oral implants research12(6), 604-608.

Eckermann-Ross, C. (2008): Hormonal regulation and calcium metabolism in the rabbit. Veterinary clinics of North America: exotic animal practice11(1), 139-152.

Geyer, A. M. (2015): Hormonelle Kastration beim weiblichen Kaninchen mit dem GNRH-Agonisten Deslorelin (Doctoral dissertation, lmu).

Gilsanz, V., Roe, T. F., Gibbens, D. T., Schulz, E. E., Carlson, M. E., Gonzalez, O., & Boechat, M. I. (1988): Effect of sex steroids on peak bone density of growing rabbits. American Journal of Physiology-Endocrinology and Metabolism255(4), E416-E421.

Heckermann H. (2008): Beitrag zur Art und Häufigkeit von Uterusveränderungen beim Kaninchen – Retrospektive Studie. Wien: Institut für Pathologie und Gerichtliche Veterinärmedizin der Veterinärmedizinischen Universität Wien

Zink, M. C., Farhoody, P., Elser, S. E., Ruffini, L. D., Gibbons, T. A., & Rieger, R. H. (2014): Evaluation of the risk and age of onset of cancer and behavioral disorders in gonadectomized Vizslas. Journal of the American Veterinary Medical Association244(3), 309-319.

69 Kommentare
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  1. Sophia
    Sophia sagte:

    Ich habe drei Kaninchen. Molly, die seit Sommer 2017 bei mir lebt, ihr Partner ist November 2017 verstorben, und so sind nach langer Suche im Januar James und Susi dazu gekommen. Alle drei sind um die 4 Jahre alt und von der gleichen Pflegestelle. Die drei harmonieren eigentlich super, fressen und ruhen eng an eng. Aber jetzt ist es seit es frühlingshafter geworden ist so, dass Susi eher alleine sitzt und Molly James quasi für sich gewonnen hat, da sie definitiv dominanter und seit James da ist auch wesentlich sexuell aktiver ist. Sie hatte bereits ein großes Nest gebaut, was aber nicht wieder vor gekommen ist, da sie keine gute Stelle mehr dafür findet. Molly berammelt die anderen beiden sehr regelmäßig und Susi hat bereits kahle und rote Stellen im Nacken, die zwar nicht schlimmer werden, aber Molly auch nicht aufhört. Nun ist es ja der erste Frühling mit Molly bei mir und meine Frage ist jetzt, ob sich ihr Verhalten bald wieder ändert, oder ob ich weitere Maßnahmen ergreifen sollte und welche. Die drei leben draußen, haben Tags 30qm wiesenauslauf, in dem Molly auch schon so wie es aussieht eine Satzröhre gebuddelt hatte, die sie sogar angefangen hatte, als der Boden noch steinhart gefroren war und die aber seit einigen Tagen nun wieder komplett zu und richtig verdichtet mit Erde ist. Das Gehege selbst ist 8qm groß und sie werden artgerecht ernährt. Auch die Stubenreinheit hat wirklich extrem nachgelassen, wobei daran alle beteiligt sind. Es wird in jegliche Näpfe gepinkelt und überall liegen Köttel. Wobei der größte Teil des Urins aber so wie es aussieht doch in den Klos landet. Wie könnte ich Molly noch helfen oder sollte ich einfach warten? Susi und Molly fressen und liegen zwar auch nebeneinander, aber Susi leichte Verletzungen sprechen ja für sich.

  2. Patrick Schmidt
    Patrick Schmidt sagte:

    Hallo,

    ich habe im Dezember 2017 zwei Weibchen angenommen, sie leben mit dem Kastraten zusammen.
    Nun, die zwei Weibchen verhalten sich seit genau drei Wochen sehr Auffällig, berammeln sich, beißen alles zuhause an was nicht Sicher ist.

    Seit einigen Tagen urinieren sie mir auch andauernd auf den Boden, und beißen mir die ganze Bettdecke kaputt, was ich jedoch nicht sehr erfreut darüber bin.

    Die beiden sind jetzt ganz genau fünfeinhalb Monate alt, und alle drei haben eine Auslauffläche von circa 25qm. Unterschlüpfe wie ein Kartonhaus sind vorhanden.

    Muss ich sie den jetzt Kastrieren lassen, damit das aufhört, oder ist das nur vorrübergehend eine Zeit, wo sie so sind?…

    Ich hoffe auf Ihre hilfreiche Antwort, und verbleibe mit vielen herzlichen Grüßen,

    Herr Patrick Schmidt

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